Aus Amy Sterling's Sicht 2

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Von einem stinknormalen Türsteher wurde meiner Mum und mir die Türe aufgemacht. Bis jetzt hatte mich das Anwesen des Bürgermeisters nicht gerade sehr überrascht. Ich kannte es aus dem Fernsehen (der Cursetown-News, die nicht nur einen eigenen Sender sondern auch ein eigenes Radio und Zeitung hatten) und vom Vorbeigehen.

Trotzdem wollte ich bei dem Bürgermeister Alexander Radcliff einen guten Eindruck machen. Wer weiß, ob ich mich täuschte und der Bürgermeister und meine Mum heiraten würden... Es war eine unfassbare Vorstellung, die mich ekelte, aber zugleich auch meinem Nutzen daraus zog...

Ich hatte ein neues Markenkleid an und eine aufwendige hochgesteckte Frisur, die mir meine persönliche Stylistin machte.

Und dann kam er die lange Holztreppe hinunter, wo bei jeder seiner Schritte das alte Holz knarrte. Der Bürgermeister war nicht gerade der mit der besten Figur. Er hatte einen Bierbauch und einen hässlichen Drei-Tage-Bart, der nicht in Form rasiert war. Er trug einen langweiligen schwarzen Anzug, aber er grinste. Er grinste, wie ein ekliger Breitmaulfrosch, der Fliegen fraß. Sein Mund war viel zu breit und seine Arme zu speckig. Was fand meine hübsche Mum mit Modelgröße nur an ihm?

Ich setzte mein gekünsteltes Lächeln auf, als er mich begrüßte und mir die Hand küsste. Das ekligste Gefühl, das ich je in meinem Leben zu spüren bekam und bekommen werden. Er küsste meine Mum und damit war es besiedelt: Ich würde heute keinen Bissen vor Ekel hinunterbekommen. Es schauderte mich.

"Ist alles in Ordnung Amy?", fragte der Bürgermeister.

Was? Hatte er denn keine Manieren mich mit 'Miss' anzusprechen? "Natürlich, Mr Radcliff."

"Ach, spreche mich ruhig mit Alex an." Er machte eine wegwerfende Handbewegung und legte seine Hand an Mum's Hüfte, sodass ich vor Ekel fast erfror.

Na gut, wenn er's so wollte. Alex...

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Die Flure, die wir entlangliefen, waren kalt. Ständig schauten mich die vorherigen Bürgermeister auf Gemälden gruselig an. Falls es so weit kommen sollte, würde ich unter keinen Umständen hier leben wollen. Hier fühlte man sich ja schon von den Gemälden beobachtet und verfolgt.

Wir gelangten in einen kleinen Saal, wo schon die Vorspeise serviert war.

Wenigstens waren die verschiedenen Canapes lecker. Vor allem die mit dem Karwia. Als Hauptspeise gab es Shepherd's Pie, was ganz okay war. Rahel konnte auf jeden Fall besser kochen, dass wusste ich jetzt zumindest zu schätzen. Zum Dessert gab es Pudding, was ich kaum schlucken konnte, weil Alex sich Löffel, wie ein Weltmeister in den Mund reinschaufelte, was ihn gleich noch widerlicher mit wenigen Manieren machte. Mum und er redeten die ganze Zeit über komische und so unlustige Dinge, worüber sie wie zwei frisch verliebte Teenies kicherten. Ich war nicht nur davon abgeschreckt. Auch von meiner Mum. Wie sie sich verhielt, wenn sie in Alex Nähe war... Sonst war sie immer die Kalte und Kritische und ließ keinen Mann nach meinem Dad an sich ran. Was verdammt nochmal fand sie an Alex? Es stand in den Sternen, wo ich sehr lange nach suchen musste...

"Was möchtest du denn später werden Amy?", fragte Alex, nachdem die beiden über einen Entenwitz lachten...

Wie schon den ganzen Abend über, antwortete Mum für mich: "Sie möchte eine eigene Designermarke gründen." Ihre Stimme war voller Abscheu.

"Oh." Er schien interessiert und faltete seine Hände zusammen. "In was denn?"

Innerlich zerbrach meine Geduld, aber ich versuchte mich zurückgehalten, was nicht gerade mein Talent war. In was wohl Dummkopf? Sah ich etwa nicht so aus, als hätte mein Outfit und meine Frisur für heute Abend nicht vier Stunden gebraucht? Das war echt verletzten - aber ich nahm's nicht persönlich - immerhin hatte er null Ahnung. "In Mode", sagte ich betont.

Der Rubin gegen den Smaragd Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt