Ein Mann machte uns die Flügeltüre auf. Ich schätzte ihn auf 50. Er hatte schwarzes Haar, wo graue Haare hindurchspähten und zarte blaue Augen. Er trug einen Stresemann mit schwarzer Krawatte und einem weißen Hemd mit Umschlagmanschetten darunter. Dazu Manschettenknöpfe. Den linken Arm hielt er angewinkelt, wo ein weißes Tuch darüber hing. Der Mann lächelte mich freundlich an. Betty hingegen betrachtete er mit einem kritischem Blick, als wäre sie unerwünscht. Er rieb sich seine Hände, die in weißen Samthandschuhen steckten. "Miss Lockwood!", sagte er strahlend, aber gleichzeitig auch verwundert.
Ich wunderte mich überhaupt, während ich einen kritischen Blick von Betty auffing. Mir war auch etwas mulmig zu Mute. Trotzdem traten wir ein.
Wir gelangten in einen wundervollen Flur. Okay, Flur war vielleicht nicht der richtige Ausdruck für diesen prächtigen Saal, wo der Hauptbestandteil Gold und Marmor war. Es war, als hätten wir eine neue Welt betreten, wo die Zeit stehen blieb. Der Saal war mit Marmorplatten ausgelegt und mit wertvollen Antiquitäten ausgestattet. Eine unglaublich große Treppe mit goldenem Geländer führte in die anderen Stockwerke und in die vielen anderen Türme. Es gab ein paar edle Kamine, die knisterten und mich und Betty aufwärmten. Davor Designer Sofas und Sessel mit goldenen Rändern.
Wir blickten uns staunend um. Das war wirklich das prächtigste was ich jemals in meinem Leben sah! Ich konnte mir ein Raunen von einem langgezogenem "Wow!" nicht unterdrücken. Ich fragte mich immer noch, was wir hier sollten. Ich verstand gar nichts mehr. Warum wollte ein so berühmter Wissenschaftler mit mir reden? Was hatte er damit zu tun? Ich werde meinen Enkelkindern bestimmt erzählen, dass ich in dem Haddingtonschloss war! Bei dieser Vorstellung musste ich grinsen. Meine Gedanken fuhren Achterbahn.
Die Wände waren kunstvoll mit Goldverzierungen ausgestattet. Die Decken waren mit prächtigen Kunstwerken bemalt, so ähnlich wie im Medici Palast in Florenz. Es hingen viele Bilder, die in Goldrahmen eingerahmt worden, an den Wänden. Die ganze Familie Haddington hing in Ölgemälden an den Wänden.
Ich blickte abwechselnd zu Betty und dem Mann. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Ich war vollkommen verwirrt.
"Wer sind Sie?", fragte ich endlich.
"Ich?", fragte der Mann unglaubwürdig und zeigte mit seinen Händen auf sich, als würde ihn diese Frage vollkommen aus dem Konzept bringen.
Ich nickte langsam und unsicher. Ich wusste einfach nicht, wie ich mich verhalten sollte.
"Ich bin Jorge Robinson. Aus der Butler-Familie Robinson, die der Haddingtonfamilie Jahrtausende dient", sagte er stolz.
Jetzt fing ich an mehr zu verstehen. Natürlich! Ein Butler! War doch klar das die Reichen Angestellte hatten.
"Folgen Sie mir. Ich bringe Sie zu Mr Haddington." Mit schnellen Schritten lief er weiter.
Betty und ich tauschten kritische und ängstliche Blicke aus. Schließlich gaben wir uns einen Ruck und liefen Mr Robinson hinterher.
Auf dem ganzem Weg zu Mr Haddington hatten wir keinerlei Worte getauscht. Wir hatten uns einfach nur staunend umgeschaut. Mit jedem Schritt, wo meine Sneaker auf den Marmorplatten aufschlugen, fühlte ich mich unsicherer und so fehl am Platz.
Die langen Gänge waren mit einem rotem Teppich ausgelegt. Brennende Kerzenständer waren im gleichem Abstand aufgestellt. In Vitrinen konnte man wertvolles Porzellan, Pokale der Wissenschaft und andere Sammlerstücke sehen. Ein paar Säle waren offen. Ich spähte immer wieder hinein und konnte sie als Tanzsäle mit einem ganzen Orchester von Instrumenten identifizieren.
"Mr Haddington?", fragte Mr Robinson, während er gegen eine Türe klopfte.
Niemand antwortete.
Als hätte Mr Robinson das erwartet. Ohne seine Miene zu verziehen, machte er die Türe auf. Er streckte seinen Arm einladend in den Saal. Wir gingen hinein. Ich fing einen traurigen Blick von Mr Robinson auf, der auf mich gerichtet war.
Ein hell beleuchteter Saal kam uns entgegen. Der Saal grenzte sich von den anderen Sälen ab. Er war antik und alt. Der Saal hatte spezielle Geräte, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Es gab viele Bücherregale mit alten dicken Büchern und seltsamen Einbänden. Hinter dem Schreibtisch waren zwei große Bogenfenster mit bunten Scheiben wie in der Kirche. Die Wände und Decken waren wie alles hier im Schloss kunstvoll bemalt. Es gab außerdem noch eine weitere Türe, die ziemlich alt und klein war. Komisch in so einem prächtigem Schloss.
"Miss Lockwood?", fragte Mr Robinson. Er nahm mir Jacke und Schal ab. Das gleiche auch bei Betty, auch wenn er sie immer noch verwirrt ansah.
Etwas weiter hinten in der Mitte stand ein antiker Schreibtisch. Mr Haddington saß mit gefalteten Händen auf dem protzigen Stuhl. Sein Gesicht hielt er verborgen in Richtung Tisch gerichtet. Seine Arme, die er auf den Tisch stemmte, verdeckten sein Gesicht.
Betty und ich blieben vor seinem Schreibtisch stehen. Die Türe knallte hinter uns zu. Betty schreckte zusammen und klammerte sich an meinem Arm.
Es war also wirklich real - Mr Armin Haddington schrieb den Brief! Ich sah den originalen Mr Armin Haddington, den man sonst nur aus dem Fernsehen, der Wissenschaft und den Dokus kannte, vor mir!
Jetzt herrschte eine Totenstille und niemand wagte es zu sprechen. Wir warteten, dass er endlich etwas sagte, aber er regte sich nicht. Er saß reglos auf dem Stuhl, als wäre er aus Stein.
Die Situation kam mir immer lächerlicher vor. Gleichzeitig aber auch gruselig. Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Meine Wut stieg immer mehr auf. War ihm etwa so langweilig, das er kleinen Mädchen Angst einjagen will? Ich legte meine Angst für ein paar Sekunden beiseite. Ich räusperte mich. "Warum wollten Sie das ich herkomme?"
Langsam hob Mr Haddington seinen Kopf in die Höhe, während er seine Arme langsam sinken ließ. Mich überfuhr eine Gänsehaut und meine Nackenhaare richteten sich auf. Betty und ich zitterten am ganzen Körper. Auch ich klammerte mich jetzt an Betty und meiner Halskette fest.
In ewigen langen Sekunden richtete er seinen Kopf auf. Er blickte mir direkt in die Augen. "Wird man heutzutage so begrüßt?"
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Der Rubin gegen den Smaragd
FantasyDiese Geschichte handelt von einem beliebten Mädchen in ihrer Kleinstadt Cursetown. Jolina Lockwood, die mit einer außergewöhnlichen Schönheit beschenkt wurde. Ihr Leben stellt sich völlig auf den Kopf, als ihre Mum bei einem Autounfall ums Leben ko...
