Auf einmal nahm jemand meine Hand. Ich drehte mich ruckartig um und blickte erschrocken in Ezra Haddington's dunkelblauen Augen, die wie ein tiefer geheimnisvoller Ozean aussahen. Die Augen seiner Mum Xara. Seine Haare waren ebenfalls schwarz, wie die seines Dads. Wie Mr Armin Haddington, hatte er ein markantes Gesicht mit sehenden Wangenknochen.
"Merry Christmas", sagte er höflich und küsste meine Hand.
Ich errötete etwas, was mich selbst überraschte. Er hatte eine übertriebene Anziehungskraft. Mein Cousin wirkte schon jetzt wie Mr Armin Haddington 2.0. So geheimnisvoll und diese gute Erziehung.
"Endlich lernen wir uns auch einmal kennen." Seine Aussprache war unglaublich gut gebildet. Er hob das Kinn an, als prüfte er mich. Auch ich verlor ihn nicht aus den Augen. Ezra war ungefähr zwei Köpfe größer als ich.
Dann kam plötzlich Liam. Der kleine Zwillingsbruder, der ungefähr einen Kopf kleiner als Ezra war. Auch sein Gesicht war ähnlich. Trotzdem unterschieden sie sich sehr. Nur wenn man ganz genau hinsah, sah man ihre Ähnlichkeit. Liam hatte einen leichten Flaum von einem Bart und wuschelige schwarze Harre, die ein bisschen wie die Haare meines Dad's Charles aussahen. Seine Augen hatte er von seinem Dad Armin. Ein unergründliches grau.
Er grinste sofort, als er mich sah und küsste mich ebenfalls auf die Hand. "Freu mich auch."
Schon alleine an diesem Satz, konnte ich sehen, wie unterschiedlich sie doch waren. Ezra, gebildet und höflich. Liam, der kleine Zwilling, locker und lustig. Wie sie beide vor mir standen. Ezra, perfekte Körperhaltung und einen neutralen Gesichtsausdruck. Liam, locker und die Hände in die Hosetaschen seiner Anzugshose gesteckt.
Und schon jetzt wusste ich ihre wundervollen Augen zu schätzen. Sie waren eindeutig auch Erwählte.
Ich glaube niemand von uns dreien wusste so recht, was er sagen sollte. Schließlich waren wir eine Familie und wussten alle drei bis vor kurzem noch nichts davon. Oder sie etwa doch? Ich wusste nicht was sie von mir dachten. Überflüssig? Oder doch eine Waffe? Drei Erwählte waren ein Natur-Phänomen.
"Ganz schön komisch sich in so einer solchen Situation zu begegnen, nicht wahr?", sagte Liam grinsend.
Ezra räusperte sich und gab seinem kleinem Bruder einen Ellenbogenstoß. "Wir freuen uns sehr, Sie in einer solchen Verfassung zu sehen Miss Lockwood." Er versuchte mich nicht zu überwältigend anzustarren - beide versuchten es vergeblich.
Ich seufzte unbemerkt. Vielleicht konnte ich schon an dieser Zurückhaltung von Ezra merken, dass wir beide keine Cousin und Cousine werden könnten. Ich musste trotzdem sagen, was ich vorzog: "Nennen wir uns drei bitte einfach ganz normal, okay? Ich einfach als Jo." Ich versuchte zu lächeln.
Liam nickte. "Klar."
Ezra rümpfte sich die Nase und sagte: "Ich muss die anderen Familienmitglieder begrüßen." Mit diesem Satz verschwand er. War es normal, dass ich ihn komisch fand?
"Er wird schon noch lockerer Jo. Weißt du, 14 Jahre vom Dad angelogen zu werden, obwohl man dachte, man sei das Goldstück, das in allem miteinbezogen wird, ist hart", sagte er in Ezra's Richtung, der schon außer Hörweite war und sich mit alten Männern (vielleicht seine Grandpas?) unterhielt.
Ich blickte ihn forschend an. Was meinte er genau?
Er grinste und versuchte, dass ich schnell vergaß: "Komm, setzten wir uns. Das Essen wird gleich serviert."
Ich setzte mich. Wir redeten etwas und ich versuchte mir meine Trauer nicht anmerken zu lassen. Ich lachte, damit auch alle glaubten, wie sehr ich es schätzte in diesen Familien aufgenommen zu werden, obwohl ich eine Lockwood war. Die meisten starrten mich an. Entweder verzaubert oder kühl, wie beispielsweise die zwei alten Ladys dahinten. Aber es war ein Weihnachtsfest, wo Scare, Grams, Grandpa und vor allem Mum nicht dabei waren. Es schmerzte mich jedes Mal auf's neue, wenn etwas Großes anstand, dass Mum nicht dabei war. Aber ich versuchte mich durch zu kämpfen. Es war einfach kein wahres Fest, da die Leute mir fremd waren und trotzdem zu meiner Familie gehörten. Vor ein paar Wochen wusste ich noch gar nicht, das sie existieren.
Auch mit meinen Cousins lachte ich viel - oder eher gesagt mit Liam. Die Gespräche mit Ezra verliefen trocken. Ich dachte ja eigentlich sie wären verwöhnte arrogante Millardärszwillinge, was aber nicht der Fall war. Sie waren nett, lustig und zuvorkommend - naja, das lustig trifft eher auf Liam zu.
Ein Gedanke will mir nicht aus dem Kopf gehen: Die Schuld. Ezra und Liam waren stärker als ich und sie hatten ihre Verwandlung bereits unter Kontrolle. Grace würde die beiden mitnehmen, um ihren Plan durch zu führen. Um die Zwillinge böse zu machen und dann the portal of the dead zu öffnen. Ich hätte Angst, falls es passieren würde, dass das dann meine Schuld wäre.
Mr Haddington stand auf und schlug mit seinem Messer gegen ein Glas, das daraufhin sanft klirrte und meine Gedanken unterbrach. Alles wurde still und die Leute widmeten ihm seine Aufmerksamkeit. Er begann zu sprechen: "Ich danke Ihnen, das sie alle wohlauf erschienen sind. Frohes Festmahl und noch einmal für alle: Merry Christmas!" Alle applaudierten und nickten ihm anerkennend zu. Sogleich erschienen auch die Butler mit Tellern, über denen Hauben waren. Jeder einzelne Gast hatte seinen persönlichen Butler.
Als wir alle unsere Teller hatten, begann das Orchester zu spielen. Als leise Hintergrundmusik, sodass man sich noch gut unterhalten konnte. Dann hoben die Butler die Essenshaube an und zu Vorschein kam ein ganz traditionelles Essen: Truthahn mit Backpflaumen und Äpfeln gefüllt. Dazu tranken wir Eierpunsch. Es war köstlich und die Gespräche angenehm. Ich unterhielt mich auch mit anderen Leuten, die entfernte Verwandte waren. Und es gab sogar zu meiner Überraschung Leute, die nicht hochnäsig waren. Ich redete auch mit zwei kleinen Mädchen, die die Töchter von Xara's Cousin waren.
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Der Rubin gegen den Smaragd
FantasyDiese Geschichte handelt von einem beliebten Mädchen in ihrer Kleinstadt Cursetown. Jolina Lockwood, die mit einer außergewöhnlichen Schönheit beschenkt wurde. Ihr Leben stellt sich völlig auf den Kopf, als ihre Mum bei einem Autounfall ums Leben ko...
