Kurz drauf rief Mr Haddington, dass der Tanz eröffnet sei. Fast alle Leute liefen auf die große Tanzfläche zu. Ich begann meinen ersten Tanz mit Dad. Es war einer dieser Tänze, wo die Männer immer ihre Partnerinnen wechselten. Auch die kleinen Kinder tanzten untereinander, was sie erstaunlich gut konnten, aber wahrscheinlich nahmen sie alle teuren Privatunterricht.
Dad drehte mich und für eine kurze Zeit war ich einfach nur glücklich und vergaß die Trauer, den Verlust und das Gefühl fehl am Platzt zu sein. Vor allem die Angst vor meiner Doppelgängerin.
Der Wechsel nahte und natürlich musste mein Onkel mich nehmen.
"Mr Haddington", sagte ich ironisch anerkennend, aber so, dass er die Ironie auch verstand und heraushörte.
"Miss Lockwood", sagte er genau in dem gleichen Tonfall zurück, während er grinste. Er legte seine Hand um meine Hüfte, während sich unsere Hände verflochten.
Ich seufzte und legte meine Hand auf seine Schulter. Da musst du jetzt durch Jo.
"Ich dachte wirklich es wäre schlimmer. Aber sie scheinen dich zu mögen, wegen deiner atemberaubenden Schönheit und deiner Anziehungskraft."
Ja, ich war wirklich froh, das alle mich akzeptieren. Ich dachte eigentlich, dass ich garstige Blicke und ein paar Bemerkungen abbekommen würde. Wahrscheinlich haben sie akzeptiert, dass ich nun mal nichts dafür konnte, dass meine Mum eine Lockwood war.
"Hör zu Jolina", fing er an.
Ich zuckte kurz zusammen. Hatte er mich gerade wirklich bei Vornamen genannt?
"Ich weiß, dass du dich hier nicht wohlfühlst. Und so viele Menschen aus unserer Familie nicht kennengelernt hast. Dein Leben wäre eigentlich anders, wenn du alles früher gewusst hättest." Seine Stimme war klar, aber trotzdem leise. Und auch wenn ich es nicht glauben wollte, hörte ich Boshaftigkeit in seiner Stimme.
Ich presste die Lippen aufeinander und schwieg, während ich ihn kühl anstarrte.
"Charles wollte, dass du mit all dem hier nichts zu tun hast. Er wollte nichts mit mir und den Forschungen am Hut haben. Aber schließlich konnten sie den Trank nicht brauen und nun bist du hier Jolina."
"Ist schon gut Armin. Lassen wir die Vergangenheit ruhen", sagte ich, während ich versuchte mich zu beherrschen.
"Nein, nein. Jetzt hör mir mal gut zu Kleines." Er presste meinen Körper näher an seinen und krallte seine große Hand fest in meine Hüfte. Sein ruhiger Atem lag schwer an meinem Hals.
Ich erstarrte und versuchte irgendwie vom ihm loskommen, aber sein Griff war zu fest.
"Lassen Sie mich los!", zischte ich im Flüsterton. Ich wollte die Aufmerksamkeit nicht an diesem Abend auf mich lenken. Ich atmete schwer und roch sein teures Parfum.
Er blickte mich mit diesen gruseligen, grauen, finsteren Blick an. "Schleime dich ja nicht bei meinen Söhnen, meiner Frau, bei irgendwelchen Angestellten oder sonst irgendjemandem in meiner Familie ein." Seine Haare streiften mein Gesicht, während er immer noch zur Ablenkung mit mir hin und her schaukelte. "Haben wir uns verstanden?", sagte er mit dunkler Stimme in mein Ohr.
"Ja", brachte ich nur hervor, während mein Herz mir bis zum Hals klopfte.
Er strich mir über den Hals, worauf ich zusammenzuckte. Er sagte, als wäre nichts gewesen: "Dann wechsele ich mal meine Tanzpartnerin Miss Lockwood."
Oh, wie ich ihn doch hasste! Dachte er wirklich er würde damit durchkommen? Dachte er wirklich er könne mich herumkommandieren? Dachte er wirklich ich würde meinen Mund halten - wobei - was hätte ich davon es zu sagen? Mir würde sowieso niemand glauben.
Es wurden die Partner gewechselt und Armin hatte recht gehabt: Alle Männer und Jungen starrten mich an und warteten nur darauf mit mir tanzen zu können. Der Schnellste von ihnen hieß Jacob, der in meinem Alter war. Er sagte, er sei der Cousin von Ezra und Liam.
Und so wiederholte sich das ständig, während mir alle jungen Männer sagten wie hübsch ich doch sei. Ich war so genervt, dass ich schon fast die Tanzfläche verlassen hätte, wenn nicht in diesem Moment Liam kam und mit mir tanzte.
Ich seufzte erleichtert und sagte: "Hey, kleiner Cousin", während ich ihn anstupste.
"Cousine! Endlich lerne ich dich beim tanzen kennen." Er wirbelte mich herum, hob mich hoch und machte auf einmal die unterschiedlichsten Figuren. Ich wusste gar nicht wie um mich geschah.
Schließlich sagte ich, als ich wieder auf festem Boden stand: "Lass mich raten. Privatunterricht?"
Liam nickte. "Ja, auf der Blair ist es Pflicht. Leider."
Ich lachte.
"Komm doch auch zu uns Jo." Er grinste.
Ich seufzte schwer. "Geht nicht. Ich muss hier noch fünf Jahre absitzen."
Liam rollte mit den Augen. "Komm, so schlimm ist es nicht. Vielleicht kann ich mit Dad reden und ihn fragen, ob du unter meiner und Ezra's Aufsicht in unser Internat gehen kannst."
"Das würde er niemals erlauben. Vor allem die Regierung. Außerdem geh ich zur Alhambra - " Ich stoppte. "Oder ging."
"Na ja, wenn Ezra und ich dabei sind und auf unsere Cousine aufpassen, wird das vielleicht was."
Ich beäugte ihn spitzt. "Ach ja, und was ist mit den Untersuchungen und der monatlichen Verwandlung und dem portal of the dead?"
"Dann kommst du eben ins Haddingtonschloss." Er seufzte. "Man muss halt Opfer für diesen Fluch bringen."
Ich nickte. "Lieber in die Blair zu gehen, als hier fünf Jahre dumm rum zu sitzen und von einem langweiligen Professor unterrichtet zu werden. Auf die Alhambra kann ich ja auf keinen Fall zurück."
Er grinste, was wohl seine Art war. Das Liam - Grinsen.
"Aber die Verwandlungen?" Ich war skeptisch.
Aber auch für diesen Haken schien Liam die passende Lösung zu haben: "Dann fliegst du eben ein. Das wäre zwar stressig, aber es wäre das wert."
Ich nickte beeindruckt. "Du hast ganz schöne Vorstellungen."
"Die bald wahr werden."
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Der Rubin gegen den Smaragd
FantasyDiese Geschichte handelt von einem beliebten Mädchen in ihrer Kleinstadt Cursetown. Jolina Lockwood, die mit einer außergewöhnlichen Schönheit beschenkt wurde. Ihr Leben stellt sich völlig auf den Kopf, als ihre Mum bei einem Autounfall ums Leben ko...
