Kapitel 53

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Völlig erschöpft lagen wir nebeneinander auf dem Sofa und rangen nach Atem. All unsere Wut hatte sich entladen und ich fühlte mich einfach nur ausgelaugt. Der Gedanke jetzt einfach zu schlafen, war schon verdammt verführerisch, aber noch nicht möglich. Ich hatte Bernd noch nicht verziehen und er sich noch nicht entschuldigt. Vorher würde wohl auch nichts aus einem schönen, restlichen Tag werden. Naja, Bernd schien das anders zu sehen. Er kuschelte sich an mich oder versuchte es zumindest, denn ich verhinderte es, indem ich mich von ihm wegdrehte.
"Was-", setzte er verständnislos an, doch ich unterbrach ihn.
"Du glaubst doch nicht echt, dass so ein bisschen Sex reicht und dann ist alles wieder gut, oder?", fragte ich gefährlich leise und Bernd schaute mich verpeilt an.
"Ähm- etwa nicht?"
"Nein, ganz sicher nicht", verdeutlichte ich ihm noch einmal und er fuhr sich durch die Haare.
"Hör mal, ich- uhm- Ich hab es nicht so gemeint. Ich... ich hatte nur einfach solche Angst um dich und dann hast du mich so abgeblockt und-", er unterbrach sich selbst: "Mensch Marc ich liebe dich und ich könnte es mir nie verzeihen, wenn dir etwas passiert!"
Seine Worte klangen ehrlich und wurden von den unsicheren, meine Nähe suchenden Gesten von ihm unterstrichen, sodass mein Herz mir keine andere Wahl ließ, als ihm zu glauben und ihm zu verzeihen.
"Ist schon okay. Ich hab es ja auch nicht so gemeint", murmelte ich und blickte bedrückt auf meine Finger. Was für eine beschissene Situation und das, obwohl der Urlaub so schön begonnen hatte.
"Hey, ist schon gut. Ich glaube wir haben beide einfach etwas überreagiert", versuchte Bernd es sanft und tatsächlich bekam er dafür von mir ein zögerliches Lächeln.
"Scheint so", nuschelte ich.
"Kannst du mir verzeihen?", fragte Bernd sanft und ich antwortete ohne zu zögern: "Immer. Bernd, ich liebe dich. Ich würde dir immer verzeihen und so ein kleiner Streit macht die ganze Sache doch spannender und nicht so monoton." Es war ein schwacher Versuch die Stimmung rum zu reißen, aber es schien zu funktionieren.
"Ich dich auch. Und du hast recht. Wir sollten uns vielleicht eher Sorgen machen, wenn es keinen Streit geben würde", grinste er verschmitzt und fügte noch an: "Aber jetzt, kuscheln?"
"Gerne", strahlte ich ihn an, was ihn noch mehr zum lächeln brachte.
"Na dann komm, ab ins Bett. Ich will nicht hier auf dem Sofa einschlafen", forderte er mich auf. Ich hingegen zog eine Schnute. Ich wollte nicht aufstehen und schon gar nicht laufen.
"Trag mich", forderte ich deswegen und Bernd seufzte.
"Ausnahmsweise. Aber auch nur, weil du heute den kleinen Unfall hattest und vom Sex jetzt noch zusätzlich erschöpft bist", setzte er seine Begründungen und ich stimmte eifrig nickend zu. Alles egal, Hauptsache ich musste mich nicht mehr bewegen. Lachend nahm Bernd mich hoch und ich genoss das Gefühl, von ihm gehalten zu werden.
"Dann mal ab ins Bett mit uns", kommentierte er seinen beziehungsweise unseren Weg und setzte mich dann im Schlafzimmer sanft auf meiner Bettseite ab.
"Schön sitzen bleiben, ich hole uns noch was zu trinken und zu knabbern", befahl er mir gespielt streng und verschwand wieder aus dem Schlafzimmer. Ich hingegen machte es mir mit einem breiten Grinsen auf dem Bett bequeme, indem ich mich mit Kissen im Rücken an das Kopfteil des Bettes lehnte.
"Bin wieder da", kommentierte Bernd das offensichtliche und machte es sich neben mir auf dem Bett bequem. Kurz zögerte ich, doch dann rutschte ich ein Stück runter, näher zu Bernd und schmiegte meine Wange an seine Brust. Seine Hand glitt wie automatisch durch meine Haare und ich seufzte zufrieden. So war es gleich doch viel besser und ließ sich exzellent aushalten.
"Alles gut so?", fragte er. Ich brummte als Antwort nur. Es war mehr als gut und wäre ich eine Katze, ich schwöre, ich hätte geschnurrt.
"Na dann ist ja gut", lachte Bernd sanft.
"Erzähl mir was", bat ich ihn. Ich fand es immer sehr beruhigend, wenn ich seiner Stimme lauschen konnte.
"Und was soll ich dir erzählen?", fragte er nach.
"Egal. Irgendwas. Hauptsache du erzählst mir was", murmelte ich, langsam wieder mehr aus meinem zufriedenen Dämmerzustand auftauchend.
"Hmm, ich könnte dir was von meinem super süßen und knuffigen Freund erzählen, den ich über alles liebe", schlug er vor und ich knuffte ihm in die Seite.
"Hey! Wofür war das denn?", fragte er empört.
"Ich bin NICHT süß und knuffig!", beschwerte ich mich den Kopf hebend. Bernd drückte ihn jedoch fast sofort wieder auf seine Brust und strich mir besänftigend durch's Haar.
"Aber es ist so und dafür liebe ich dich ja auch", erklärte er mir und ich ließ es gut sein. Alles andere hatte doch eh keinen Sinn. Ein unzufriedenes Knurren konnte ich dann aber doch nicht verhindern.
"Habs verstanden", lachte Bernd, "also nicht süß und auch nicht knuffig."
"Genau", bestätigte ich meinen Standpunkt nochmal.
"Gut, dann lass uns jetzt schlafen oder willst du noch was anschauen?", fragte Bernd und ich entschied mich für's Schlafen. Die Müdigkeit gewann schon so langsam die Oberhand.
"Müde", sagte ich und schnell legten wir uns aneinander gekuschelt hin. Bereits fast komplett weggedriftet, vernahm ich Bernds Worte: "Und du bist halt doch süß und knuffig Marc und genau dafür liebe ich dich auch."
Der nächste Morgen begann leider nicht so schön, denn als ich wach wurde, lag ich alleine im Bett . Die Kälte des Platzes neben mir verriet, dass das wohl auch schon eine Weile der Fall sein musste. Ich seufzte und wünschte mir die Zeit in der Natio zurück, als ich jeden Morgen noch von Bernd geweckt wurde und in seinen Armen aufgewacht bin. Stattdessen liege ich hier alleine und er ist meistens schon in der Küche. Wenigstens gehen wir danach noch gemeinsam laufen. Träge wollte ich mich aufrichten und der üblichen Morgenroutine hier in Dubai nachgehen, als ein stechender Schmerz meinen Unterleib durchfuhr. Sofort ließ ich mich wieder in die Kissen sinken. Der Sex gestern war wohl nicht die beste Idee gewesen. Da ich aber vor Bernd auch nicht als Weichei dastehen wollte, biss ich die Zähne zusammen und quälte mich aus dem Bett. Nicht gerade elegant, aber egal. Genauso wenig elegant watschelte ich dann erstmal ins Bad und genoss die morgendliche Dusche. Das kühlende Wasser tat unglaublich gut und sofort fühlte ich mich fitter und besser. Nach dem Abtrocknen und Anziehen hatte ich dann nur ein kleines Problem. Schon allein wenn ich anstalten machte, das Handtuch, welches vor der Duschkabine lag, aufzuheben, durchfuhren mich unglaubliche Schmerzen, die es mir einfach unmöglich machten, es aufzuheben. Es war wohl das Beste es erst einmal liegen zu lassen und es dann, wenn ich eine Schmerztablette genommen hatte, aufzuheben. Mit diesem Vorsatz schlich ich in die Küche, in der Erwartung Bernd dort anzutreffen. Allerdings fehlte von meinem Freund jede Spur.
"Bernd?", rief ich. Keine Antwort.
"Bernd?!", rief ich erneut und bekam wieder keine Antwort. Wo bitte war er? Verwirrt schlurfte ich zum Küchentisch, auf dem ein kleiner Zettel lag. Skeptisch las ich, was darauf stand: "Guten Morgen, ich bin schon mal laufen. Schmerztabletten liegen neben der Spüle." Kurz und bündig ohne Schnickschnack. So ganz sicher warum war ich mir nicht, aber eben diese Art des Zettels verletzte mich. Vor allem da Bernd auch einfach davon ausging, dass ich nicht mit laufen gehen würde. Das einzige Morgenritual, an dem ich mich aktuelle erfreuen konnte. Immer noch enttäuscht nahm ich die Tablette. Eigentlich sollte ich ja glücklich sein, dass er so weit gedacht hatte und mir extra eine raus gelegt hatte, aber andererseits war es ja auch seine Schuld, dass ich jetzt diese Schmerzen hatte, was es eigentlich selbstverständlich machte. Ich beschloss mich aufs Sofa zu setzen, zumindest bis die Tablette wirkte. Dort tat das Sitzen dank der Polsterung nicht so sehr weh. Lange gemütlich machen konnte ich es mir jedoch nicht, da kurz nachdem ich saß bereits Bernd wieder zurück war.
"Guten Morgen. Ich bin duschen", fertigte er mich schnell ab und ich starrte ihm perplex hinterher. Was war das denn bitte? Lange konnte ich darüber jedoch nicht nachdenken, da ein wütender Schrei aus dem Bad erklang: "Marc-Andre ter Stegen, komm sofort hierher!" Ich schluckte und konnte mir sofort denken, was los war. Ich hatte das Handtuch noch nicht weggeräumt und Bernd hasste sowas.
"Komme ja schon!", rief ich zurück und erhob mich mühsam. Ich beeilte mich sogar extra schnell zu ihm ins Bad zu kommen.
"Was soll das?", fragte er mich aufgebracht und deutete wild auf das Handtuch.
"Ich hab es noch nicht aufgeräumt. Es tut mir leid, okay? Mit den Schmerzen ging es nur leider nicht. Ich hätte es schon noch gemacht", verteidigte ich mich, doch Bernd schnaubte.
"Und das soll ich dir jetzt glauben? Du verarschst mich hier doch ter Stegen", herrschte er mich an und irgendwie platzte mir bei diesen Worten der Kragen: "Ich bin es nicht, der hier jemanden verarscht. Das bist wohl eher du. Wegen dir habe ich doch diese Schmerzen! Du bist der, der mich seit diesem ganzen Urlaub nicht einmal mehr im Arm gehalten hat, als ich aufgewacht bin! Du bist doch der, der mich nicht mehr liebevoll "Engel" nennt! Du bist doch der, der einfach ohne mich laufen geht! Du bist es doch, der mich hier verarscht!"
"Das ist nicht wahr! Du verdrehst alles und machst alles kaputt. Dieser Urlaub sollte wunderschön werden, aber nein. Du musst ja mit mir streiten!", sagte Bernd nun auch aufgebracht.
"Ach klar, ich mache alles kaputt. Hab schon kapiert. So wie ich deine Freundschaft zu Karim kaputt gemacht habe", sagte ich bitter und schüttelte traurig den Kopf, "ist schon klar Bernd. Ist klar."
"Mensch Marc, so meinte ich das doch nicht", versuchte Bernd einzulenken, aber ich winkte ab.
"Lass gut sein. Ich hab schon verstanden", sagte ich und verschwand aus dem Badezimmer. Zurück ließ ich einen überrumpelten Bernd.
Traurig, dass ich mich wohl so getäuscht hatte, ließ ich mich auf einer Liege auf der Terrasse nieder und starrte Löcher in die Luft. Hatte ich mich so getäuscht? Waren wir wirklich zu verschieden? Konnten wir unsere alten Rollen wirklich nicht langfristig verlassen und endlich glücklich werden? Ich wusste es nicht und das machte mich krank.
"Marc? Bitte hör mir zu", erklang Bernd's Stimme, während er sich mir langsam näherte und vor mir in die Hocke ging, sodass wir auf Augenhöhe waren: "Ich hab es wirklich nicht so gemeint und es tut mir jetzt schon schrecklich leid. Bitte hass mich jetzt nicht. Ich liebe dich wirklich, auch wenn ich manchmal idiotische Fehler mache. Bitte vergib mir. Lass uns die letzten Tage hier nochmal genießen. Nur du und ich. Keine Öffentlichkeit, nichts. Keine Vorsicht. Nur du und ich. Bitte."
Ich zögerte. Konnte ich mich auf seine Worte verlassen? Ich hatte keine Ahnung. Außerdem standen da ja noch zwei andere Vorwürfe im Raum.
"Bernd, ich-", setzte ich an, um ihm meine Position zu verdeutlichen, doch er unterbrach mich.
"Bitte Marc. Ich liebe dich und du bist auch nicht Schuld an der Sache mit Karim. Das wird vielleicht irgendwann wieder, aber du bist mir wichtiger. Ich will, dass bei uns alles okay ist", flehte er weiter und ich konnte einfach nicht mehr hart bleiben. Mit dieser Aktion bewies er mir so viel Liebe, dass ich ihm einfach vergeben musste.
"Okay. Vergeben und vergessen", murmelte ich und sah, wie Bernd's Gesicht erstrahlte.
"Danke", hauchte er, "darf- uhm- darf ich dich küssen?" Er klang unsicher und mit einem sanften Lächeln beschloss ich Taten statt Worte sprechen zu lassen und küsste meinen Freund sanft.
"Antwort genug?", fragte ich nach und Bernd nickte.
"Und was machen wir jetzt noch?", fragte er mich, doch ich zuckte nur ratlos mit den Schultern.
"Okay, was hälst du von Kuscheln, Filme und Verwöhnprogramm?", schlug er vor und ich stimmte begeistert zu. Dann ließ ich mich von Bernd motiviert auf die Beine ziehen und küssen. "Womit habe ich dich nur verdient mein Engel?", fragte er mich leise. Meine Antwort war ein mysteriöses Lächeln, denn so ganz wusste ich selbst auch nicht, womit ich, beziehungsweise womit wir dieses Glück verdient hatten. Ich wollte es für immer behalten.

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