Kapitel 49

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Glücklich und müde kehrten Bernd und ich dann spät in der Nacht ins Hotel zurück. Die Fahrt zum Hotel hatte ich wie im Rausch verbracht. Extrem müde, aber auch extrem glücklich. An Bernd gelehnt hatte ich im Auto gesessen, den Kopf auf seiner Schulter, sein verstecktes Streicheln auf meinem Rücken genießend und fast am Einschlafen.
"Marc, wir sind da", erklang Bernd's sanfte Stimme.
"Mhm", brummte ich.
"Na komm, du kannst gleich schlafen. Nur noch ganz kurz rein ins Bett", versuchte er mich zu überzeugen und mit einem tiefen und leidenden Seufzen löste ich mich schließlich von ihm, um ihm aus dem Auto in die Nacht hinein zu folgen. Sanft schob Bernd mich durch die Lobby und rein in den Aufzug. Dort lehnte ich mich mit dem Rücken an seine Brust. Er schlang die Arme um mich und mir fielen beinahe wieder die Augen zu. Es war aber auch zu schön so von seiner Wärme umschlungen und von ihm gehalten zu werden.
"Nur noch ein paar Meter mein Engel. Na los", flüsterte er mir sanft ins Ohr und schob mich vor sich her aus dem Fahrstuhl, den Gang entlang, bis wir schließlich etwas unschlüssig vor der Zimmertür standen.
"Was, wenn-", setzte ich an, ließ es dann aber doch unausgesprochen. Bernd verstand auch so was ich meinte.
"Ich glaube nicht und falls doch, kann es kaum peinlicher werden als an dem Tag, an dem Mario uns im Bad erwischt hat", murmelte Bernd, klang aber nicht wirklich überzeugt von seinen Worten.
"Können wir dann endlich rein? Ich will ins Bett", quengelte ich. Bernd antwortete mir nicht, sondern öffnete nur langsam die Tür. Es war wie ein Déjà-vu. Im Zimmer war es still und nur die kleine Lampe brannte. Ganz leise schlichen Bernd und ich uns hinein. Mein Blick glitt sofort zu Marco's Bett und was ich sah, ließ mich zufrieden lächeln. Mario und Marco lagen eng umschlungen und aneinander gekuschelt im Bett und sahen einfach nur friedlich und glücklich aus.
"Er hat es also geschafft", flüsterte ich und freute mich für die beiden. Sie gehörten einfach zusammen.
"Scheint so", brummte Bernd und zog mich zu seinem Bett. Müde kuschelten wir uns hinein und ich schlief relativ schnell ein. Meine letzten Gedanken waren, wie verdammt gut ich es doch mit Bernd hatte und wie schön es war, bei ihm zu sein.
Der nächste Morgen begann dann wie immer. Ich wurde sanft von Bernd geweckt und durfte mir gleich wieder irgendwelche Sprüche von Marco anhören. Genervt waren Mario und ich ins Bad geflohen und hatten uns frisch gemacht.
"War das Konzert schön?", fragte mich Mario und bei der Erinnerung an mein Erlebnis mit Bernd wurde ich rot. Mario grinste mich an: "Ich verstehe."
"Und wie war deine Versöhnung mit Marco?", fragte ich im Gegenzug und schon war ich nicht mehr der Einzige mit roten Wangen. "Ich verstehe", sagte auch ich und wir beide brachen in Gelächter aus.
"Alles okay bei euch?", rief Marco durch die geschlossene Tür.
"Ja, alles gut", antwortete ihm Mario.
"Wir gehen schon mal vor zum Frühstück", erklang jetzt auch Bernd's Stimme.
"Alles klar. Wir kommen nach", rief ich zurück und wir hörten, wie Bernd und Marco das Zimmer verließen.
"Wird es immer so schwer sein?", fragte ich Mario.
"Was genau meinst du?"
"Es vor den Anderen zu verbergen", erklärte ich.
"Naja, es wird nicht direkt leichter, aber es wird normaler. Es gehört irgendwie dazu, ist Teil des Alltags, der Normalität und macht die ungestörten gemeinsamen Momente nur umso schöner", bekam ich als Antwort.
"Danke."
"Nicht dafür Marc. Aber wir sollten wohl langsam auch mal runter, wenn wir noch was vom Essen abbekommen wollen."
Er hatte recht. So wie ich das Team kannte, würde bald nichts mehr vom Essen übrig sein. Wir beeilten uns also runter zu kommen und beluden unsere Teller am wirklich schon ziemlich leergegrasten Büffet. Ich ließ den Blick auf der Suche nach Bernd und Marco schweifen und fand die beiden in einer Raumecke.
"Da hinten sind Bernd und Marco. Wollen wir uns zu ihnen setzen?", fragte ich Mario und nachdem er mir zugestimmt hatte, machten wir uns beide auf den Weg zu den Jungs. Das Frühstück verlief unspektakulär und auch das Training danach. Bernd und ich gingen nett miteinander um, versuchten aber eine gewisse Distanz zu wahren. Und es bestätigte sich, was Mario mir gesagt hatte. Die kleinen Momente, wenn Bernd und ich kurz allein in der Kabine waren, im Aufzug oder im Hotelzimmer, wenn wir uns kurze Küsse stahlen oder uns einfach nur in den Armen lagen, waren dafür umso schöner. So ließ es sich aushalten. Am allerschönsten war es dann aber doch, gemeinsam mit Bernd ins Bett zu fallen und an ihn gekuschelt einzuschlafen.

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