Doch Jamies ausgestreckter Finger bleibt auf den Jungen gerichtet. Sie zeigt direkt auf Luke.
Jamie: Und sonst noch irgendwelche Fragen, Süße?
Als ich von Luke zurück in ihr Gesicht blicke schenkt sie mir ein zuckersüßes Lächeln. Doch jeder Blinde kann erkennen, dass es eine Warung und gleichzeitig ein Versprechen ist.
Wie zur Hölle soll ich den Abend hier überstehen, wenn ich keinen zu langen Kontakt mehr zu Luke haben darf, frage ich mich.
Trotz dieser Bedenken will ich keinen Stress mit dem blonden Mädchen anfangen. Nicht schon wieder will ich von anderen klein gemacht werden.
Schüchtern antworte ich ihr.
Ella: Nein, keine Fragen mehr.
Jamie: Na dann ist ja alles geklärt.
Nachdem sie dies klargestellt hat, lässt Jamie mich fallen wie eine heiße Kartoffel. Sie dreht sich zu den zwei anderen Mädchen um und tuschelt kurz mit ihnen. Also im Grunde redet sie mit ihrer normalen Stimme, doch durch den lauten Bass kann ich kein einziges Wort, nicht einmal einen Buchstaben, verstehen.
Doch anscheinend hat sie beschlossen tanzen zu gehen. Eins der Mädchen folgt ihr. Das andere bleibt mit etwas Entfernung auf der Sitzbank neben mir.
Elegant bewegt Jamie ihre Hüften auf der Tanzfläche und mir entgeht genauso wenig wie ihr, dass sie dafür bewundernde Blicke sowohl von Mädchen als auch von den anwesenden Jungs erntet.
...: Sie ist immer so. Manche nennen sie auch die Königin des Dorfes. Aber andere gleichaltrige Mädels gibt es hier nicht wirklich. Sie und Amber sind nun einmal meine einzigen Freundinnen.
Erschrocken drehe ich mich nach links. Der Abstand zwischen mir und dem anderen Mädchen hat sich auf vielleicht einen Meter verkleinert.
Sie sitzt nun fast direkt neben mir.
Emily: Ich bin übrigens Emily, aber Jamie meint ich solle mich lieber Em nennen, dass würde cooler klingen.
Ella: Okay, hallo. Ich bin Ella.
Emily: Klar, dass weiß ich doch. Jeder, na gut, fast jeder hier weiß, wer du bist. Wenn jemand neues im Dorf auftaucht ist das gleich neuer Gesprächststoff und den brauchen wir hier echt.
Erstaund über die plötzliche Redseligkeit des rothaarigen Mädchens lasse ich mich auf ein Gespräch mit ihr ein. Im Grunde ist Emily ganz sympatisch. Sie wird einfach nur von Jamie in Grund und Boden gedrückt. Scheinbar versucht diese alle anderen potenziellen Gefahren schön klein zu halten. Genau wie die Mädchen mich früher. Denn wenn man sich klein machen lässt nimmt man automatisch die Opferrolle ein.
Nach einer gewissen Zeit kommt Jamie mit dem anderen Mädchen wieder zum Tisch.
Jamie: Los Em, jetzt darfst du mit mir tanzen. Vielleicht sehen dich dann ja ein paar Jungs, wenn du mit mir zusammen bist. Achso, nein, warte, dann haben sie ja erst recht nur Augen für mich.
Trotz des boshaften Kommentars springt Emily freudig auf und begleitet Jamie.
Ella: Warum last ihr euch nur so von ihr behandeln?
Meine Frage geht direkt an das andere Mädchen. Auch sie hat rot-blonde Haare und stellt sich kurz als Amber vor.
Amber: Weißt du, Jamie beschützt mich immer vor den Mädchen in unserer Schule. Früher wurde ich von denen gemobbt, doch jetzt haben alle Angst vor ihr. Dafür, dass sie mich beschützt gebe ich ihr jeden Monat mein Taschengeld. Sozusagen als Bezahlung für ihren Schutz. Sie ist echt die Beste.
Total erschrocken über Ambers treudoofe Einstellung breche ich das Gespräch mit ihr ab.
Als ich meinen Blick mehr aus Langeweile, als aus Interesse über die Tanzfläche schweifen lasse erkenne ich Jamie. Sie tanzt lasziv inmitten einer Jungstraube. Emily steht ein Stückchen weiter abseits und bewegt sich etwas ungelenk.
Jeder Junge darf kurz in die Mitte zu der Blondhaarigen um mit ihr zu Tanzen. Gerade ist wieder Wechsel. In diesem Moment erkenne ich, wer nun in die Mitte tritt.
Hätte ich doch bloß nicht hingeguckt.
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The boy next door
Novela JuvenilKennst du das, wenn ein einschneidendes Ereignis dein Leben so verändert, dass du nie wieder wie vorher sein wirst? So geht es der 17-jährigen Ella. Nach der Scheidung ihrer Eltern zieht sie sich immer mehr zurück und niemand kann mehr richtig zu...
