Wir hatten so schnell wie möglich eine Feuernachricht an Magnus geschickt, damit er zu uns kommen würde. Ich hatte zwar auch vorgeschlagen, dass wir ja im Konvoi zu ihm hätten kommen können, aber diese Variante war allen nicht so ganz recht. Und wenn man sich die Zerstörung der Zentrale durch Valentins Leute ansah, konnte ich das auch völlig nachvollziehen.
Während unserer Wartezeit grübelte ich noch immer über die Worte, die das eine Kreismitglied gedacht hatte:
Er wird niemals aufhören, bis er dich hat. Er braucht dich, also sei dir sicher, dass keine Minute vergeht, in der er nicht darüber nachdenkt, wie er dich kriegen kann
Was konnte meine Gabe, sodass Valentin sie als so unumgänglich haben wollte. Viele Dinge, die ich konnte, würde ich auch einem Hexenmeister wie Tekin zutrauen, zumal dieser im Moment sowieso experimentell unterwegs war. Hatte es etwas damit zu tun, dass ich die Gedanken der Frau verändert habe? Oder, dass ich nicht nur die aktuellen Gedanken, sondern auch die Gedanken und Erinnerungen aus einer lang vergangenen Zeit lesen konnte?
"Ich bin da. Was ist los?", erklang plötzlich Magnus Stimme neben mir, die mich aus meinen Gedanken holte.
"Averie wollte dich sehen", merkte Izzy nur kurz an. Ich spürte wie die Blicke der anderen auf mich gerichtet waren, während ich überlegte wie ich am besten taktisch vorgehen sollte. Schließlich konnte ich mir keine perfekte Lösung einfallen lassen, weshalb ich einfach sagte:
"Er wird niemals aufhören, bis er dich hat. Er braucht dich, also sei dir sicher, dass keine Minute vergeht, in der er nicht darüber nachdenkt, wie er dich kriegen kann"
Die anderen blickten mich nur verwirrt an und schienen noch nicht ganz zu verstehen, was ich da gerade gesagt hatte. Oder sie wollten sich nur nicht der Möglichkeit hingeben, dass das Ganze erst mit Valentins Tod enden würde, wobei das auch bereits vor meiner Einmischung sicherlich ein Lösungsansatz gewesen war.
"Das Kreismitglied, mit dem ich im Keller gekämpft habe, hat diese Sätze gedacht, aber ich weiß nicht, wie sehr ich ihnen glauben kann", begann ich vor mich hin zu murmeln.
"Wieso nicht? Meinst du, dass du die Gedanken von mehreren Menschen zusammengemischt hast?", erkundigte sich Magnus sofort und sah mich interessiert an. Konnte ich etwa die Gedanken von mehreren Menschen gleichzeitig manipulieren? Könnte ich das auch bei Schattenwesen und Shadowhuntern?
"Ich hab vorher die Gedanken des Kreismitglieds im Schlaf gelesen. Alec und ich wollten einige Dinge ausprobieren, weshalb wir auch sofort, nachdem der Alarm losgegangen war, versucht haben alle anderen kampfbereit zu machen", begann ich und fuhr dann fort:
"In seinem Traum war er bei Valentin gemeinsam mit anderen Kreismitgliedern. Valentin hat gesagt, dass sie mir Hinweise geben sollen, damit ich etwas rätseln kann und dass sie gar nicht wissen, was die Wahrheit hinter seiner Intention ist. Und diese Gedanken machen mich gerade ganz wuschig. Was ist, wenn alles, was er mir an Gedanken gegeben hat, nur Sackgassen sind und er mir ganz bewusst meine eigenen Gedanken verwirren will? Was soll ich dann aus diesen ganzen Behauptungen ziehen?", erkundigte ich mich leicht verzweifelt.
"Vieles mag vielleicht seiner Wahrheit entsprechen, aber nicht der Wahrheit, die für alle anderen gilt oder er lügt dich in den Gedanken einfach nur an. Du musst herausfinden, was für ein Wahrheitsgehalt hinter seinen Worten steckt. Ich bin mir sicher, dass du da einen Weg finden wirst", versuchte Magnus mich etwas aufzubauen, während er selbst zu versuchen schien durch dieses Wirrwarr hindurchzublicken.
"Ja, das würde ich ja auch gerne, aber dafür müsste ich das üben mit jemanden, bei dem ich sicher sein kann, das er mich nicht anlügt, wenn ich ihm sage, ob es die Wahrheit oder eine Lüge war", erklärte ich und sah die anderen an. Würden sie sich freiwillig von mir in den Kopf blicken lassen?
"Ich helfe dir", bot Alec aus dem nichts heraus an, weshalb ich ihn zweifelnd ansah. Bei Magnus hatte ich immer das Gefühl gehabt, dass er sich gegen meine Fähigkeiten auflehnen konnte, wenn ich ihm gefährlich wurde, aber Alec, so sehr ich auch seine Fähigkeiten als Shadowhunter schätzte, würde das nicht können.
"Erzähl uns erst einmal alles, was er dir erzählt hat, damit wir darüber rätseln können, während ihr beiden übt", schlug Izzy vor und ich sah Magnus fragend an. Dachte er wirklich, dass ich es schaffen konnte ohne Alec nachhaltig zu schädigen.
"Du schaffst das, Averie. Keine Sorge", murmelte er mir zu und strich mir aufmunternd über den Arm, bevor er die Worte von Izzy wiederholte und ich ihnen schließlich von allen seinen Gedanken erzählte, die er mir gesagt hatte. Sie hörten mir aufmerksam zu, notierten sich einige und baten Alec und mich dann mit unserem Teil anzufangen. Alec ergriff meine Hand, drückte sie aufmunternd und führte mich dann in einen anderen Raum.
"Ok, dann lass uns mal beginnen", sprach er überraschend motiviert und lies sich auf einen Stuhl nieder. Als ich zögernd vor ihm stand, zog er einen zweiten Stuhl vor sich und zeigte mit seiner Hand darauf. Ich atmete tief durch und lies mich schließlich vor ihm nieder.
"Gut. Welches Thema sollten wir am besten am Anfang nehmen?", erkundigte er sich und sah mich aufmunternd an. Am liebsten wollte ich niemals in die Köpfe meiner Freunde gucken. Aber hier waren wir beide nun und obwohl ich wusste, dass ich es nur üben würde und er sich irgendetwas ausdenken würde, fühlte ich mich unfassbar unwohl. Vermutlich auch noch mehr, weil es eben Alec war.
"Bücher? Filme? Oder lieber etwas gesellschaftskritisches?", schlug er einige Dinge vor und ich war mir sicher, dass Themen aus dem Unterhaltungssektor zum Üben einfacher sein würden, weshalb ich ihm dies auch sagte.
"Ok, ich bin bereit. Averie, du kannst das", sagte er, bevor er seine Augen schloss und sich scheinbar auf etwas konzentrierte. Sofort öffnete ich mein Ventil und blickte in seine Gedanken.
Mehr als drei Filme pro Reihe sind doch genial.
Er wiederholte diesen Satz die ganze Zeit, während ich versuchte herauszufinden wie ich sehen konnte, ob das seiner Wahrheit entsprach oder nicht. Mal ganz davon abgesehen, dass ich dann ja noch immer nicht wusste, ob sich seine Wahrheit auch mit der Wahrheit der Mehrheit deckte. Und machte diese Mehrheit eine Wahrheit nicht zu der Wahrheit?
Ich stellte mir wieder die verschiedenen Ebenen vor. Seine Worte erschienen bildhaft vor mir und schwebten auf der ersten Ebene. Jedes Mal, wenn er sie dachte, erschienen sie erneut. Ich versuchte mir ihre Merkmale alle einzuprägen ohne wirklich zu wissen, was davon wichtig sein würde. Woran sollte ich nun erkennen, ob seine Aussage gelogen war oder nicht?
"Alec, bitte mache nun eine Aussage, die das Gegenstück zu deiner jetzigen Aussage bildet", bat ich ihn, während ich weiter meine Augen geschlossen hielt und mich auf ihn konzentrierte. Ich spürte wie seine Gedanken rasten, zu schnell, um sie wirklich aufnehmen zu können, weshalb ich mich fragte, ob ich diese auch anhalten konnte. Cool wäre es auf jeden Fall.
"Ok", murmelte er schließlich, bevor er einen neuen Satz wie ein Mantra vor sich her dachte.
Bücher können sehr lehrreich sein.
Ich konzentrierte mich auf die Buchstaben und weniger auf die Aussage, weshalb ich das Gefühl hatte, dass sie in einem helleren Blauton leuchteten. Verwirrt machte ich diese Beobachtung und bat ihn dann die beiden Aussagen nacheinander zu denken.
Mehr als drei Filme pro Reihe sind doch genial.
Bücher können sehr lehrreich sein.Die Buchstaben schienen wirklich minimal unterschiedlich aufzuleuchten, sobald sie auf der ersten Ebene erschienen. Ich achtete einige Runde darauf, aber hielt an meiner Theorie fest. Soweit hatte sie sich bestätigt. Allerdings musste ich erst alle Eventualitäten ausschließen, bevor ich diese Theorie annehmen konnte. Uns beiden würde also wohl noch ein anstrengender Tag bevorstehen. Aber immerhin hatten wir dabei einander.

DU LIEST GERADE
Hunter
FanfictionAverie Clark ist eine 19-jährige Waise, die nach Brooklyn gezogen ist, um hier ihr Jurastudium zu absolvieren. Sie lebt für Gerechtigkeit und den Schutz für Opfer, da ihre Eltern in ihrem Kindesalter ermordet wurden. Jedoch wandelt sich ihr Leben sc...