Ich hatte einige Zeit mit Tekin verbracht und versuchte seine Anweisungen zu befolgen, bis er schließlich meinte, dass er am nächsten Tag wiederkommen würde und ich mich bis dahin etwas ausruhen sollte. Noch leicht aufgewühlt und überraschend unfassbar erschöpft lies ich mich schließlich nach einer kurzen Dusche in mein Bett fallen und versuchte möglichst schnell einzuschlafen. Aber mein Kopf war die ganze Zeit bei den anderen. Ich hoffte, dass alles bei ihnen gut lief und sie alle schlussendlich sicher und unbeschadet zurückkommen würden.
Nach einigen ruhigen Minuten, in denen ich meinen Gedanken nachgehangen hatte, gleitete ich endlich in einen Schlaf, der geprägt war durch den immer und immer wieder aufkommenden Albtraum, der noch immer so undurchdringlich und undurchschaubar war wie zu dem Beginn dieser Phase, in dem er zum ersten Mal aufgetreten war. Meine Verwirrung über ihn und meine Ausweichmechanismen schienen der Erkundung diesens auch nicht sonderlich geholfen zu haben.
Völlig erledigt wachte ich am nächsten Morgen auf und wälzte mich hin und her im Bett. Ich fühlte mich nicht unbedingt danach jetzt aufzustehen, mich anzuziehen und dann wieder Stunden über Stunden im Trainingsraum zu verbringen. Ich wollte mich wirklich verbessern, aber die Erschöpfung meines Geistes schien sich auch deutlich auf meinen Körper auszuwirken.
Ich döste etwas vor mich hin und versuchte möglichst nicht wieder einzuschlafen, um sicher vor dem Albtraum zu sein, aber selbst jetzt schienen einige der Bilder noch hervorzutreten und aggressiv nach Aufmerksamkeit zu verlangen. Wenn ich nur endlich wissen würde, was das bedeuten sollte.
"Miga, aufstehen, komm. Das Training ruft", erklang Alecs Stimme plötzlich in meinem Zimmer und ich würde mich gerne zur Tür hindrehen, aber mein Körper verwehrte mir das einfach.
"Hey, aufstehen, Schlafmütze", erklang seine dunkle Stimme summend, was mich vermuten lies, dass ein breites Lächeln seine Lippen zierte. Aber wieder bewegte ich mich nicht, was er offensichtlich als Aufforderung nahm in mein Zimmer zu kommen und die Tür hinter sich zu schließen.
"Schläfst du noch? Ist alles gut bei dir?", fragte er schließlich und war dabei so an mich herangetreten, dass er mich nun auch im Gesicht betrachten konnte. Meine Augen waren auf kleine Schlitze zusammengezogen und ich blickte ihn noch etwas benebelt an. Dieser blöde Traum schaffte es jetzt schon direkt nach dem Aufwachen mich noch gefangen zu halten. Ich schüttelte meinen Kopf etwas und schloss meine Augen, um die Bilder aus meinem Gedächtnis zu werfen.
"Hey, was ist los?", klang Alec nun schon viel weicher und setzte sich bei mir aufs Bett, was mich völlig überraschte. Obwohl wir uns in den letzten Tagen näher gekommen waren, hätte ich mich einer derartigen Handlung keinesfalls gerechnet.
"Alles gut, Alec", murmelte ich und richtete mich dabei etwas auf.
"Sicher? Du siehst ziemlich erschöpft aus", meinte er und betrachtete mich mit Argusaugen.
"Nur der Traum, aber jetzt bin ich ja wach", erklärte ich und legte dabei ein leichtes Lächeln auf meine Lippen, in der Hoffnung, dass ihn das beruhigte.
"Immer noch? Wir sollten dagegen etwas unternehmen. Hast du mit Magnus gesprochen? Es muss doch irgendetwas geben, was helfen kann", überlegte er nun und sah mich mitfühlend an.
"Alles gut. Wie lief eure Mission gestern?", lenkte ich das Thema um. Scheinbar war er glücklicherweise heil geblieben, aber dennoch schien er gestresst oder aufgewühlt zu sein.
"Die Mission lief soweit ganz gut, aber wir müssen gleich nochmal los, aber ich sollte rechtzeitig da sein, um dich noch auf unseren Besuch vorzubereiten, der in den nächsten Tagen kommen soll", erzählte er mir.
"Aha, was für ein Besuch? Oder warum musst du schon wieder unterwegs? Hast du überhaupt geschlafen und etwas gegessen?", erkundigte ich mich sofort. Meinetwegen würde ich ihm auch selbst etwas zaubern, aber er sollte sich bloß nicht so sehr hinter die Missionen und andere Leute anstellen.
"Sorgt sich da etwa jemand um mich?", fragte er mit einem spitzbübischen Lächeln, das auf seinen Lippen thronte.
"Du bist so ein Idiot, Alec. Also iss etwas, leg dich schlafen und dann guck, dass dich nicht der nächstbeste Besoffene absticht", fauchte ich ihn etwas an und lies mich schlagartig wieder nach hinten in meine Kissen fallen. Eigentlich genoss ich die Zeit mit ihm inzwischen immer, aber diese Bemerkung hätte er sich wirklich schenken können.
"Alles klar, dann sollte ich dich wohl weiter in deinem Bett versauern lassen", entgegnete er nun auch genervt und verschwand dann ruckartig aus meinem Bett und meinem Zimmer. Frustriert atmete ich tief aus, bevor ich mich hochhievte und begann mich anzuziehen. Mein Körper fühlte sich noch immer komisch und schwach an, aber ich wollte dennoch nicht den ganzen Tag so an mir vorbeiziehen lassen, weshalb ich mich nun fertig machte, bevor ich zum Frühstück runterging und mich zu den anderen setzte.
"Warum seid ihr alle hier? Ist Alec alleine auf einer Mission?", fragte ich Izzy, die mit Jace und Clay bereits an einem Tisch ihr Frühstück eingenommen hatte.
"Ja, ist wohl irgendetwas hoch vertrauliches, was sie uns nicht zumuten möchten. Keine Ahnung", antwortete sie, bevor wir uns über ihre Mission und die der anderen unterhielten und uns für eine Trainingseinheit verabredeten.
Kaum 40 Minuten später stand nun Izzy vor mir mit einem Stock in der Hand, der das Schwert simulieren sollte und griff mich unentwegt immer und immer wieder an, was mich irgendwann wirklich an meine Belastungsgrenze brachte. Meine Extremitäten waren noch erschöpft, aber ich wollte keinesfalls frühzeitig aufgeben.
Nach dieser Nahkampfeinheit versuchte ich mich mit Jace zusammen in Angriffstaktik in Theorie und Prazis, was auf jeden Fall mal eine willkommene Abwechslung für mich darstellte. Danach folgte eine Mittagspause, in der wir uns gemeinsam zum Essen verkrümelten, kurz durchschnaubten, bevor ich nun im Nahkampf gegen Clary antreten sollte. Sie war gut, aber gegen sie hatte ich eine Chance, im Gegensatz zu Izzy und Jace.
Nach einigen Runden, die immer mit einem Feedback von Izzy endeten, die sich zu uns gesellt hatte und aufmerksam unsere Angriffs- und Abwehraktionen überwachte, kam ein weiterer Gast hinzu.
"Izzy, hast du einen kurzen Moment für mich?", erklang Alecs Stimme, sodass mein Kopf sofort zu ihm schoss. Unsere Blicke waren kurz auf den jeweils anderen gerichtet, bis wir uns beide einfach wegdrehten. Ich wusste nicht, ob diese Stimmung dank unseres Gesprächs heute morgen entstanden war, aber ich wollte das möglichst schnell klären.
"Alec, kann ich dich bitte gleich auch nochmal sprechen?", presste ich meine Stimme heraus und versuchte dabei mit einem starken Blick ihn zu bedenken.
"Nicht jetzt, Averie", sagte er, bevor er zusammen mit Izzy verschwand. Frustiert atmete ich aus und blickte Clary an, die mich mitfühlend ansah.
"Alles gut zwischen euch?", fragte sie, wohl bemerkend, dass unsere kurze Interaktion eben äußerst merkwürdig war.
"Ja, er ist eben Alec, nicht wahr? Was kann man da erwarten", meinte ich und trug dabei ein Lächeln auf den Lippen, bevor ich mich kurz entschuldigte, um mein Gesicht einmal zu waschen und ein anderes T-Shirt anzuziehen. Doch gerade als ich wieder zu Clary in den Trainingsraum stieß, begann ein Alarm. Verwirrt sah ich mich um. Ich war völlig ahnungslos und konnte die Geräusche nichts und niemanden zuordnen.
"Averie, bleib du hier im Trainingsraum und verlasse ihn nicht. Ich versuche herauszufinden, was hier los ist, ok?", erklang sofort Clarys Stimme, die auf mich zugelaufen kam und mich dabei auffordernd anblickte. Ich nickte sofort, was sie dazu veranlasste raus zu rennen. Vermutlich in die Zentrale des Instituts.
Ich überlegte mir gerade eine Waffe nur zur Sicherheit zu nehmen, um den anderen helfen zu können, als plötzlich das Licht ausfiel und ich im Dunklen stand. Meine Sinne waren geschärft und ich versuchte irgendetwas um mich herum wahrzunehmen. Etwas, was mir einen Hinweis geben würde, was hier los war. Und dann hörte ich ein Geräusch. Ein Geräusch und einen warmen Atem, der plötzlich von hinten gegen meinen Hals schlug. Hilfe, was war hier los?
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Hunter
FanfictionAverie Clark ist eine 19-jährige Waise, die nach Brooklyn gezogen ist, um hier ihr Jurastudium zu absolvieren. Sie lebt für Gerechtigkeit und den Schutz für Opfer, da ihre Eltern in ihrem Kindesalter ermordet wurden. Jedoch wandelt sich ihr Leben sc...