Mir wurden kaum 30 Sekunden gestattet, bevor ich wieder auf meine Beine gezerrt wurde, um mich dem nächsten fünferpack an Menschen zu stellen. Ihre Augen strahlten die Verwirrung und Angst aus, die ich selbst in meiner Zeit bei Valentin so häufig empfunden hatte. Die wollte ich ihnen nehmen, auch wenn es bedeuten würde, dass sie sich der Gefahr hier nicht mehr bewusst waren. Aber war das richtig? War irgendeine Entscheidung, die ich in meiner Position jemals treffen konnte, richtig?
"Fang an!", erklang seine drohende Stimme, woraufhin ich gerne einen sarkastischen Kommentar gebracht hätte, aber das war jetzt vermutlich nicht die Zeit dafür. Ich hasste es wie meine Emotionen immer hin und her sprangen und es so schien, als könnte ich meine Handlungen immer nur bis zu einem gewissen Punkt kontrollieren. Vermutlich war das nur ein weiteres Anzeichen für den emotionalen Stress, der mich fest unter Kontrolle hatte, aber eine Begründung reichte nicht, um es in Zukunft zu verhindern.
Das ist alles ein geheimes Spiel. Niemand darf davon erfahren. Wir sollten nichts darüber erzählen und den Anweisungen folgen, damit wir am Ende gewinnen können. Es wird schon werden.
Diese Überlegung webte ich in ihre Gedanken ein und lies dabei bewusst am Ende das "gut" aus. Ich wusste nicht, ob es für sie oder für irgendjemanden hier gut enden würde und ihnen einzuflüstern, dass es alles bloß ein geheimes Spiel war, schien mir schon grausam genug zu sein.
Ihre Mienen veränderten sich und ich spürte, dass sie es geschluckt hatten. Ich wusste nicht, ob ich deshalb lachen oder weinen sollte. Irgendwie würde ich gerade gerne alles oder nichts machen. Wohl aber am liebsten nichts.
"Gut. Das wird doch langsam. Vielleicht solltest du jetzt noch einmal von Tekin behandelt werden, damit du gleich soweit bist, um deine wirkliche Aufgabe anzugehen", schlug Valentin vor, nachdem er wohl auch die Änderung des Ausdrucks in den Gesichtern der fünf Menschen gesehen hatte.
Just in dem Moment erschien in der Nähe ein Portal, aus dem Tekin und eine Handvoll anderer Kreismitglieder gestolpert kamen. Ihre Mimik schien selbst über die Entfernung Bände sprechen zu können.
"Was ist los?", schritt Valentin ihm entgegen und schien ihn mit seinem Blick zu durchbohren.
"Sie haben das Gebäude gestürmt. Alexander und Isabelle sind beide am Leben und haben gemeinsam mit den anderen das Gebäude durchwühlt. Ich konnte die paar hier noch schnappen, bevor sie das gesamte Gebäude unter ihre Kontrolle gebracht haben. Wir haben sie versucht zu beobachten, aber sie sind durch ein Portal verschwunden", erklärte Tekin leicht außer Atem.
"Interessant. Sie wollen sich wohl in das Spiel noch mit einmischen und akzeptieren eine frühzeitige rote Karte wohl nicht. Nun gut, dann werden wir wohl den Plan noch etwas abändern müssen. Du meintest, dass sei in ein Portal gegangen wären?", brabbelte Valentin vor sich her, bevor er sich wieder direkt an den Hexenmeister wandte. Dieser nickte und schien dann gespannt auf die nächsten Anweisungen zu warten.
"Wir wollen lieber kein Risiko eingehen. Schicken wir einige Männer hin und lassen die Clave auf außergewöhnliche Aktivitäten überprüfen. Wenn sie wirklich gewarnt wurden, dann müssen wir uns vielleicht einen zusätzlichen Plan einfallen lassen", fuhr Valentin schließlich fort. Allerdings lag mein Fokus eher darauf, dass ich endlich eine Bestätigung hatte, dass Alec und Izzy nicht tot waren. Zuvor hatte ich lediglich hoffen können und darauf basierend versuchen Hinweise zu hinterlassen, aber wenn diese wirklich hierzu geführt hatten, dann war es die Schmerzen und Ungewissheit wert.
"Kümmere du dich bitte um Averie, damit sie voll einsatzfähig ist, sobald wir beginnen können", erklärte Valentin Tekin, bevor er verschwand, um vermutlich den neuen Ereignissen auf den Grund zu gehen. Gut für mich, dann musste ich ihn zumindest nicht mehr in meiner Nähe ertragen. An seine Stelle trat nun allerdings Tekin, der seinen Blick über mich schweifen lies, bevor er sagte:
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Hunter
FanfictionAverie Clark ist eine 19-jährige Waise, die nach Brooklyn gezogen ist, um hier ihr Jurastudium zu absolvieren. Sie lebt für Gerechtigkeit und den Schutz für Opfer, da ihre Eltern in ihrem Kindesalter ermordet wurden. Jedoch wandelt sich ihr Leben sc...