Alecs p.o.v.
Im Institut herrschte gerade ziemliches Chaos. Nachdem die beiden Kreismitglieder verschwunden waren und uns eine nette Nachricht von Valentin hinterlassen hatten, war im Institut nichts mehr wie es zuvor war. Die Leitung des Instituts war überzeugt, dass es nicht mehr lange dauern würde, bevor Valentin seinen letzten, zerstörerischen Schlag durchführen und damit alle Welten für immer zerstören würde.
Izzy und ich saßen schon seit einer Ewigkeit bei unserer Mutter im Büro und sprachen über Möglichkeiten wie wir das noch verhindern konnten. Elyssia hatten wir losgeschickt, um nach Averie zu sehen und sie hierher zu bringen. Mir war es wichtig gewesen sie hier bei uns zu wissen und zumindest theoretisch sie in Sicherheit zu haben. Dass das nicht immer so war, hatten uns schon vergangene Situationen bewiesen, aber sie schutzlos in der Ferne zu lassen, erschien mir als eine noch schlechtere Möglichkeit. Woher sollten wir schon wissen, ob Valentin nicht doch jederzeit wusste wo sie war.
"Ich habe mich eben kurz mit den anderen Instituten hier in den Staaten abgesprochen, dass wir verstärkten Fokus auf das frühe Erkennen und Überprüfen von außergewöhnlichem Verhalten legen. Einige Institute werden zusätzliche Verstärkung schicken, da Valentin sich vermutlich noch immer im New Yorker Umland oder in New York selbst aufhält", hielt unsere Mutter uns einen Vortrag, woraufhin ich mich allerdings sofort einbrachte:
"Wenn jetzt aber Shadowhunter aus anderen Instituten kommen, woher sollen wir wissen, ob sie nicht niederträchtige Intentionen haben?"
Meine Mutter bedachte mich mit einem strengen Blick, der mir ihr Missfallen an meinem kritischen Kommentar zeigen sollte. Darin war sie schon immer gut gewesen.
"Können wir das bei jedem von unseren Kräften hier vor Ort behaupten? Wissen wir hier von jedem einzelnen die Intention? Angefangen bei Averie Clarck? Wissen wir, was sie wirklich hier möchte? Vielleicht war ja auch alles nur vorgetäuscht, was ihr in den letzten Wochen widerfahren ist. Kennst du ihre Intention? ", meckerte sie abfällig gegenan.
"Das ist nicht dein Ernst, oder? Averie wäre damals fast gestorben und du meinst, dass sie das alles nur vorgespielt hat? Warum sollte sie das tun, Mutter?", meine Stimme klang unfassbar gereizt und zeigte damit endlich einmal die Gefühle, die ich gegenüber manchen Situationen ungefiltert empfand. Das tat gerade besser, als ich es gedacht hätte. Auch wenn dieser emotionale Ausbruch gesellschaftlich nicht gerade angesehen war. Und von meiner Mutter war er erst jetzt nicht gut angesehen.
"Alec", murmelte Izzy bestimmt neben mir, damit ich wieder etwas herunterfuhr.
"Alexander. Was ist nur mit dir los? Hat dir die kleine etwa den Kopf verdreht?", spottete meine Mutter leicht und hatte ihre wachsamen Augen konzentriert auf mich gerichtet. Ich erwiderte ihren Blick, bevor ich schließlich tiefdurchatmend mich erkundigte:
"Brauchst du uns noch länger hier?"
Meine Mutter verzog ihr Gesicht genervt, bevor sie ihren Kopf schüttelte und sich dann von Izzy und mir abwandte. Diese Frau konnte ja noch launischer sein als ich, dachte ich mir genervt, während ich schwungvoll aufstand und gemeinsam mit Izzy den Raum verließ.
"So eine Zeitverschwendung. Komm, wir sollten Jace finden und gucken, was der neuste Stand ist", wollte mich Izzy etwas aufmuntern, aber das schaffte sie nicht so richtig. Deshalb hakte sie sich bei mir ein, lächelte mich bewusst breit an und zog mich dann hinter sich her Richtung Jace. Oder zumindest dem Ort, an dem wir ihn vermuteten.
"Du solltest dich unbedingt richtig mit Averie aussprechen, wenn sie wieder hier ist. Wenn du es nicht wagst einen möglichen Konflikt zu riskieren, dann werdet ihr vielleicht nie wieder zusammenkommen können wie vorher. Dann wabert dieser unausgesprochene Konflikt immer zwischen euch. Riskiere das Tödliche, um das Überleben zu sichern", brabbelte Izzy vor sich her, was mir sofort ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Auch wenn ihre Aussage wirklich einen wichtigen Kern hatte, den ich bestenfalls sofort verinnerlichen sollte.
"Welches Pädagogikfachbuch hast du denn verschluckt?", juxte ich, was die Stimmung sofort etwas zu heben schien. Ihre Augen funkelten mich gespielt böse an, bevor sie erklärte:
"Das hat mir eine gemeinsame Freundin von uns beigebracht und ich finde, dass sie sehr recht damit hat. Genau das Gleiche sollten wir auch mit unserer Mutter anpeilen. Aber erst wenn dieser ganze Zirkus mit Valentin endlich ein Ende hat"
"Welche gemeinsame Freundin?", wollte ich gerade von ihr wissen, als mir Gedanken in den Vordergrund schossen, die ich nicht zuordnen konnte:
arbeitet für.. Magnus darüber.. vielleicht.. mich zu Valentin.. Tekin..
Ich stoppte mitten im Gang und versuchte die Gedanken irgendwie zu sortieren, während sie immer und immer wieder hervorstachen. Was wollten sie mir sagen? Waren das meine Gedanken und warum dachte ich sie gerade in diesem Moment? Sollten Gedanken nicht im Zusammenhang zu einander oder zu Dingen in der direkten oder indirekten Umwelt stehen?
Meine Verwirrung konnte ich genauso gut in Izzys Gesicht ablesen. Sie schien auch mit irgendetwas extrem beschäftigt zu sein, bis sie schließlich sagte:
"arbeitet für, Magnus darüber, vielleicht, mich zu Valentin, Tekin"
"Woher weißt du.?", ich konnte meine Frage gar nicht beenden, da sie bereits antwortete:
"Das habe ich gerade gedacht, aber ich glaube nicht, dass ich selbst das gedacht habe. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie fühle ich mich ganz komisch bei den Gedanken"
"Ich habe genau die gleichen Gedanken gehabt. Meinst du, dass wir doch telepathische Kräfte besitzen?", wollte ich von ihr wissen, allerdings schüttelte sie schmunzelnd den Kopf.
"Vielleicht war ja etwas im Essen heute. Wer weiß, woher das kommen mag", ergänzte sie, bevor wir uns weiter Richtung Zentrale bewegten. Ein weiterer Gedanke kam mir allerdings in den Kopf:
"Was ist, wenn Averie uns die Nachricht geschickt hat?"
Izzy sah mich sofort forschend an und hinterfragte dann:
"Kann sie das denn bei Shadowhuntern? Und überhaupt, warum sollte sie uns eine Nachricht schicken, wenn sie uns sowieso gleich wieder sieht"
"Guter Einwand", gestand ich etwas knatschig ein und wir beeilten uns, dass wir schnell in die Zentrale kamen, in der inzwischen wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt war. Es war kein Vergleich zum normalen Betrieb, aber dennoch war das Chaos und die Verwirrung der letzten Stunden bereits Stück für Stück verschwunden.
"Da seid ihr ja. Was sagt die Chefin?", kam sofort Jace auf uns zu.
"Schwachsinn. So wie immer", maulte ich, als meine Augen Elyssia gerade durch die Tür kommend erblickten. Elyssia ohne Averie. Sofort war ich in Alarmbereitschaft und stürmte auf sie zu. Sie allerdings grinste mich nur verschmitzt an.
"Du bist ja noch immer ganz vernarrt in sie. Unfassbar ist das mit euch beiden. Aber ich muss dich leider enttäuschen. Sie wollte nicht wieder hierher kommen nach dem Vorfall.. naja sie wollte lieber zu Magnus und ich war mir sicher, dass meine Hilfe hier mehr gebraucht wird als vor Ort bei Magnus. Zumal dieser auch nicht sonderlich erfreut war, als er erfahren hat, was passiert ist. Also würde ich an deiner Stelle in nächster Zeit den Hexenmeister meiden, wenn dir dein Leben etwas bedeutet, großer", erklärte sie, tätschelte mir auf den Oberarm und verschwand dann an mir vorbei in Richtung der anderen.
Verwirrt blickte ich gegen die Tür, durch die Elyssia eben erst gekommen war. Irgendetwas an dem Ganzen kam mir ganz komisch vor. Vermutlich waren es die Gedanken und nun das nicht erscheinen von Averie, das mich so negativ beeinflusste, da es keinen Sinn ergab und gleichzeitig eine sehr logische Konsequenz für mein Verhalten war.
Meine Gedanken drehten sich nur noch im Kreis und ich war mir sicher, dass ich in den kommenden frühen Morgenstunden für eine Weile mein Bett besuchen sollte. Und dennoch haderte ich mit mir, das einfach so zu akzeptieren. Schließlich hatte Izzy eine gemeinsame Freundin von uns so wunderbar zitiert. Wenn ich das Risiko des Streits nicht einging, würde ich unsere Beziehung nicht retten können. Es tut mir leid, Magnus, dann musst du mich wohl noch grün und blau schlagen, wenn ich dafür Averie nicht verliere. Hoffentlich war es dafür noch nicht zu spät.
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Hunter
Fiksi PenggemarAverie Clark ist eine 19-jährige Waise, die nach Brooklyn gezogen ist, um hier ihr Jurastudium zu absolvieren. Sie lebt für Gerechtigkeit und den Schutz für Opfer, da ihre Eltern in ihrem Kindesalter ermordet wurden. Jedoch wandelt sich ihr Leben sc...