Kapitel 49: Unser Prinz

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Und die nächste Wehe kam. Wie viele Schmerzen konnte ein Mensch ertragen? Ich schrie wieder und hechelte einfach nur noch. Das war alles so anstrengend. Mein Körper war so extrem angespannt. Mein Bauch drückte, mein Rücken schmerzte, ich war nass geschwitzt. Ich wollte es nur noch hinter mir haben.

Die Abstände der Wehen verkürzten sich immer mehr. Die Frauenärztin kam immer wieder rein und schaute nach, aber es dauerte noch. Das Mar die Geburt noch miterleben würde, glaubte ich nicht mehr, aber mir war es auch egal. Wir hatten alles probiert um ihn zu erreichen, aber wenn er das Handy aus hatte da konnten wir nichts für. Ich war zum Glück ja nicht alleine, Sofia, Tessa und Milo standen mir bei und ließen mich nicht alleine, sondern versuchten alles, damit es für mich so erträglich wie eben nur möglich war.

An der Türe wurde wieder geklopft und Marvin schaute kurz rein.

„Mar ist auf den Weg.", sagte er lächelnd und alle schienen die Luft auszustoßen vor Erleichterung. Er schloss wieder die Türe und wartete anscheinend vor der Türe.

Und die nächste Wehe kam. Ich schrie wieder, stöhnte, holte tief Luft und atmete diese wieder aus. Tessa, Sofia und Milo schienen auch in den Wehen zu liegen, da sie es mir gleich taten, ob sie das bemerkten? Wie konnte Tessa nach der Geburt der Maus eigentlich so munter noch sein? Das war kräfteraubend. Das war hart. Ich bewunderte Tessa immer mehr.

Die Wehen kamen in einem Abstand von nur noch 3 Minuten. Anscheinend kam ich langsam in die Endphase, es wurde auch Zeit. Ich schaute zur Uhr. 03:03 Uhr. Immer wieder dachte ich, dass es nun schneller gehen würde, aber die Minuten vergingen nicht. Die Schmerzen wurden immer mehr. Die Türe wurde aufgerissen und ein ziemlich weißer Mar stand darin und schaute zu uns.

„FUCK MAR! DARÜBER REDEN WIR NACHHER NOCH! Und nun mach das mit Mel!", sagte Tessa und stand zusammen mit Sofia auf. Und auch Milo stand auf und die drei verließen ohne ein weiteres Wort das Zimmer. Mar schluckte und kam schnell zu mir ans Bett und schaute mich an.

„Es tut mir leid, Königin.", sagte er leise und schaute zu meinem Bauch und legte leicht seine Hand auf diesen.

Hätte ich nicht so Schmerzen gehabt und hätte die Luft nicht zum schreien gebraucht hätte ich ihm wohl ziemlich fiese Sachen an den Kopf geworfen, aber ich ließ es – erst mal.

Nächste Wehe. Ich schrie wieder und Mar zuckte zusammen. Ich keuchte, versuchte ruhiger zu atmen, aber das klappte nicht. Mar streichelte über meine Hand und machte immer wieder ein 'Pssst, alles gut Engel', jedoch ließ er es, als ich ihm einen ziemlich bösen Blick zuwarf, der ihn schlucken ließ. Er sollte mir bloß nicht sagen, dass alles gut sei. Es war gar nichts gut. Die fuck Schmerzen waren die reinste Hölle.

An der Türe wurde wieder geklopft und die Frauenärztin kam rein und stellte sich kurz Mar vor und schaute wieder, wie weit ich war und anscheinend war es fast soweit, da sie eine Krankenschwester hinzu rief und sagte, dass sich der Kinderarzt bereit machen sollte.

Ich schrie wieder und stöhnte, wackelte und fasste nach Mars Hand, die eisig kalt war, was für Mar sehr untypisch war. Ich schaute zu ihm. Er war weißer als weiß. Es sah so aus, als wenn er gleich umkippen würde. Falsch. Ich sollte wenn dann vor lauter Schmerzen umkippen und nicht er, er hatte schließlich nichts.

„Bei der nächsten Wehe gegendrücken!", sagte die Frauenärztin und ich nickte. Die nächste Wehe kam ziemlich schnell und ich versuchte zu drücken, aber das tat alles so verdammt weh. Die Ärztin wies mich an, es bei der nächsten Wehe noch mal zu machen, aber etwas fester, wenn es gehen würde. Ich nickte nur und hielt mit aller Kraft Mars Hand fest. Er küsste meine Stirn, als ich kurz in der 'Ruhephase' war und hielt seine Hand auf meiner, die um seine andere Hand war, und streichelte immer wieder drüber. Anscheinend wusste er auch nicht was er machen sollte. Zum Glück sagte er nichts mehr, das konnte ich nicht gebrauchen und auf irgendwelche Ratschläge hatte ich keine Lust und ich wollte sie auch nicht hören.

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