Sie stand vor dem Asylum. Kalte Regentropfen fielen auf ihre nackte Haut. Es war alles dunkel. Kein Licht weit und breit, kein Fenster der Irrenanstalt war beleuchtet. Es sah alles so leer und verlassen aus. Nur über dem Eingang brannte eine kleine Lampe. Ihr Instinkt sagte ihr sofort umzudrehen, doch irgendeine innere Kraft zog sie wie an einer Leine zur großen Eingangstür. Sie blieb kurz davor stehen und schaute sich um. Es war wie als ob sie auf einer einsamen Insel stehen würde, in der Mitte eines dunklen Meeres. Sie atmete tief durch und drückte die Klinke runter. Es war nicht abgeschlossen. Die junge Frau trat ein. Überall war es dunkel. Kein Licht, nur gähnende, leere Dunkelheit. Plötzlich knallte die Tür hinter ihr zu. Sie stieß einen kleinen Schreckensschrei aus. Angst kroch ihren nackten Rücken hoch. Sie atmete schnell und schaute sich hastig um. Doch sie konnte nichts erkennen. Plötzlich flackerte kurz ein Licht auf. Sie drehte sich erschrocken um. Das Flackern kam von der Rezeption. Sie ging langsam auf den Tisch zu, tastete sich vorsichtig durch die Dunkelheit voran. Noch ein Flackern. Und nochmal. Sie spürte den kalten Betonboden unter ihren Fußsohlen. Erst jetzt fiel ihr auf, wie kalt es eigentlich war. Sie strich sich mit den Händen über die nackten Arme. Sie schaute erschrocken an sich runter. Ihre Augen weiteten sich, als sie kein einziges Stück Kleidung an sich fand. Sie schluckte und schaute wieder schnell auf, als der Bildschirm wieder aufflackerte. Ok, Harleen, ignorier einfach deine Nacktheit. Sie schluckte und tastete sich weiter voran. Bald stand sie direkt vor dem Computer. Er flackerte wieder auf und sie griff schnell nach der Maus und bewegte sie hastig. Dieses Mal blieb das Licht an. Plötzlich ging ein kleiner Videoclip an. „Guten Abend, Dr. Quinzel", sie knurrte, als sie das Gesicht des Sprechers sah, „Oder sollte ich besser Harley sagen?" Er grinste. „Dr. White...", murmelte sie leise. Wut stieg in ihr auf. „Du fragst dich sicherlich, warum du hier bist, Harley, nun ich kann es dir erklären", plötzlich drehte sich das Bild, „Wegen ihm." Sie stieß einen Schreckensschrei aus. Der Anblick war einfach nur schrecklich. Er. Seine Hände an eine Wand gekettet. Blut tropfte an ihm runter. Sie konnte seinen Gesichtsausdruck nicht klar erkennen, da er auf den Boden schaute. „Wenn du ihn retten willst, dann musst du ihn erstmal finden." Plötzlich hörte sie ein leises Lachen. Doch es war nicht das Lachen ihres Patienten. Es war ein altes Lachen. Ihr Herz klopfte hasserfüllt gegen ihren Brustkorb. „Es gibt drei Aufgaben, die du erfüllen musst, um ihn zu finden." Sie verengte die Augen. „Schieß los", sagte sie mit einer bedrohlichen Stimme, von der sie selbst überrascht war. „Erstens, du musst dir etwas zum Anziehen besorgen. Wir haben alle Kleidung aus dem Gebäude entfernt, abgesehen von der, die unsere Angestellten tragen." Sie musste schon fast würgen, als ihr klar wurde, dass dieses Schwein sie nackt sehen konnte. Wie viele Männer waren noch in diesem Gebäude? Genug, bestimmt. „Zweitens", sie schaute wieder auf, „Bring drei der Wächter, die sich hier im Gebäude befinden, um." Ihre Augen weiteten sich. Sie sollte Menschen umbringen?! Von dem Gedanken wurde ihr schon wieder schlecht. „Drittens, du musst dich durch den Flur des Schreckens kämpfen. Am Ende dieses Ganges befindet sich eine kleine Zelle. Darin wirst du ihn", die Kamera richtete sich wieder auf den gefolterten Joker, „Finden. Du hast eine Stunde Zeit. Wenn du es in der Zeit nicht zur Zelle schaffst, dann..." Er ging auf den Psychokiller zu, der wohl eher in die Rolle des Opfers geschlüpft war, und griff in seinen Nacken, zog seinen Kopf hoch und hielt ihm ein Messer an die Kehle. Dann wurde der Bildschirm schwarz und sie war wieder von purer Dunkelheit umhüllt. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie wollte das alles nicht. Doch sie musste es machen. Sie tastete mit der Hand auf dem Tisch umher und suchte nach etwas, das vielleicht Licht erzeugen könnte. Doch sie fand nichts. Ok, Ok, nicht in Panik verfallen, das bringt dich nicht weiter. Also erstmals musst du einen der Wächter finden und ihn umbringen... Dann kannst du seine Kleidung nehmen und dich auf die Suche nach diesem Flur des Schreckens machen. Auf dem Weg dahin kannst du noch zwei weitere Wächter umbringen. Dann durchquerst du diesen grässlichen Gang, befreist Mr. J und haust schnell wieder ab. Ist doch alles kein Ding... Ist doch ganz einfach... Das ist es nicht! Verdammt, Harleen, was hast du dir hier eingebrockt??? Plötzlich wurde es hell. Sie drehte sich abrupt um. Sie wurde von einer Taschenlampe geblendet. Sie konnte die Umrisse eines Wächters erkennen. Sie schaute sich schnell um. Doch ihre Augen fanden nichts, mit dem sie den Typen umbringen konnte. „Laufen hier jetzt auch noch Nutten rum?! Diese Irrenanstalt wird immer verrückter", lachte er plötzlich. Sie funkelte ihn wütend an. Doch dann hatte sie eine Idee. Sie grinste und ging mit geschmeidigen, stolzen Schritten auf den Mann zu. „Na dann los", sie lehnte sich zu ihm vor, „Fass mich an, wenn du dich traust." Er grinste dreckig zurück. Doch sie war viel schneller als er und griff blitzschnell nach der Pistole an seinem Gürtel. Sie entsicherte sie und schoss. „Ich bin keine Nutte!" Der Mann schaute sie geschockt mit offenem Mund an und kippte dann nach hinten. Er zuckte noch kurz, doch dann starrte er einfach nur noch mit glasigen Augen an die Decke. „Ich bin Psychologin!", spuckte sie und fiel neben ihm auf die Knie. Sie öffnete die Schnallen an seiner Weste. Ist dir eigentlich klar, was du da gerade gemacht hast, Harleen?! Einen unschuldigen Mann umgebracht! Ihre Hände fingen an zu zittern. „Was hab ich getan?", schluchzte sie und beugte sich über den leblosen Körper des Wächters. Tränen liefen ihre Wangen runter. Sie wollte nie einen Menschen umbringen. Nie. Am liebsten würde sie sich einfach gleich selbst in den Kopf schießen. Sie atmete tief durch. Aber erst musste sie Mr. J befreien. Und außerdem war der Typ gar nicht wirklich unschuldig. Er hatte sie an grapschen wollen und er hatte sie Nutte genannt. Aber das war trotzdem kein Grund ihn umzubringen. Sie zog ihm das graue Hemd aus, dass er unter der Weste anhatte und zog es sich selbst an. Es ging ihr fast bis zu den Knien. Harleen rümpfte die Nase. Es stank nach Schweiß und Aftershave. Sie drehte den Toten auf den Bauch und fand an seinem Gürtel noch ein Messer. Sie öffnete die Schnalle und legte sich selbst den Gürtel um. Er war zwar etwas groß und hing etwas schief, aber es sah irgendwie cool aus. Sie schnappte sich die Taschenlampe und stand auf. Der Lichtkegel schweifte durch den leeren Raum. Sie musste den Flur des Schreckens finden und zwar schnell. Es war bestimmt schon eine viertel Stunde oder so vorbei. Doch dieses Gebäude war groß. Es würde Stunden dauern, wenn sie jeden einzigen Gang absuchen würde. Also musste sie logisch denken. Wo würde sich so ein Gang befinden? Definitiv irgendwo mit Zellen, also konnte sie den psychologischen Teil schon mal ganz ausschließen. Wirklich klein waren die Zellen nur bei den Spezialfällen, um ihnen eine geringere Chance zu geben, auszubrechen. Dafür gab es einen ganz besonderen, besonders gesicherten Teil des Asylums. Also war dort wahrscheinlich der beste Ort um zu suchen. Gut, Harleen, umdrehen und den rechten Gang entlang. Sie drehte sich auf der Hacke um und fing an langsam auf den rechten Ausgang der Rezeption zuzugehen. Sie versuchte den toten Körper hinter dem Tisch zu ignorieren, doch ihr wurde noch immer von dem Gedanken, dass sie diesen Mann umgebracht hatte, ganz übel. Sie atmete tief durch und drückte die große, metallene Tür auf. Sie fiel hinter ihr wieder zu. Sie leuchtete mit der Taschenlampe umher. „Die erste viertel Stunde ist um!", schallte es plötzlich. Sie blieb erschrocken stehen und schaute sich um. Das Geräusch war aus einer Lautsprecheranlage gekommen. Sie verengte die Augen, als sie direkt daneben eine Überwachungskamera sah. Am liebsten wollte sie diese anschießen, aber sie wollte keine Munition unnötig verschwenden. Sie drehte sich um und ging schnurstracks den Gang weiter runter, die Hand an der Pistole, dass sie sofort schießen konnte, falls sich auch nur irgendwer ihr in den Weg stellen sollte. Auf einmal wurde sie von Ehrgeiz durchflutet. Sie hatte ein Ziel, dass sie in einer dreiviertel Stunde erreichen musste, mit ein paar Hindernissen im Weg. Doch dann war da noch die Angst. Die Sorge. Was würde passieren, wenn sie nicht rechtzeitig ankam? Was würde passieren, wenn sie nicht alle Aufgaben erfüllen konnte? Sie hatte Angst. Um ihn. Den Joker. Ein Schwerverbrecher. Ein Psychopath. Warum? Warum machte sie sich um ihn Sorgen? Sie wusste es nicht. Einsam und allein gegen die Welt. So fühlte sie sich gerade. Und es würde sich nicht bessern.
Schon wieder so ein langes, schreckliches Kapitel... Sorry, kann ich euch nicht erparen XD
Ich hab jetzt mehr Zeit zum Schreiben, weil ich hab endlich FERIEN! YAY! ;D
Wahrscheinlich kommt der zweite Teil von Harleens Horror Tour durch das Asylum so in ein zwei Tagen. Bis dahin und an alle, die jetzt auch Ferien haben: SCHÖNE FERIEN! XD
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Emergency Exit Madness - Abgebrochen
Fanfiction"I'm not crazy - I'm just insane." Harleen Quinzel. Eine Psychologin im Arkham Asylum, gefangen in ihrer eigenen Einsamkeit. Sie trägt ein gebrochenes Herz mit sich rum - Sie hat niemanden. Ihre einzigen Freunde sind ihre Patienten im Asylum. Doch a...
