Chaos

705 50 18
                                    

Fades Licht fiel auf den Betonboden. Die grauen Wände des langen Flurs sahen aus als ob sie ihr immer näher kamen, während sie im Gleichschritt neben Frost herlief. Die schweren Stiefel an ihren Füßen fühlten sich so an, als ob sie Steine mit sich rumtrug. Der Helm und die Maske klebten an ihren Schläfen und sie fühlte sich in der schwarzen Uniform wie in einer Sauna. Das Maschinengewehr in ihren Händen schimmerte. Ihre Gefühle waren am Durchdrehen, während sie diesen Gang entlangschritt. Sie hatte diesen Ort bis jetzt nur auf Bildern oder in Überwachungsvideos gesehen, und nun befand sie sich hier, an dem Ort, wo ihr Puddin' leiden musste. Die Blondine versuchte so wenig wie möglich mit ihrem Begleiter zu reden. Durch ihre Arbeitszeit in der nun zerstörten Anstalt, Anfang dieses Jahres, hatte sie das Verhalten der Wächter indirekt mitbekommen. Sie liefen immer im Gleichschritt, redeten so gut wie gar nicht und hatten immer eine geladene Waffe bei sich. Manche hatten ihre Gesichter mit dunklen Masken bedeckt, worüber sie sehr froh war, denn sonst wäre ihre Mission viel riskanter gewesen. Sie hatte fast schon Mitleid mit diesen Leuten, denn sie fühlte sich nach zehn Sekunden in diesen Klamotten als ob sie kochen würde. Harley wusste ganz genau, wo sich ihr Geliebter gerade befand. Ihr Herz klopfte schon schneller, wenn sie nur daran dachte, pumpte Blut gefüllt mit Wut und Angst durch ihren ganzen Körper. Angst davor, in welchem Zustand sie den Grünhaarigen vorfinden würde und Wut auf die, die ihm das angetan hatten. Am liebsten würde sie ja selber an ihnen Rache nehmen, jedem ein Loch in ihre kalten Herzen schießen, doch das gehörte nicht zum Plan. Dieser lief bis jetzt ungestört, niemand hatte eine Ahnung, dass sie Betrüger waren. Die Hälfte der Männer waren im Gebäude verteilt, alle in Uniform und alle jede Sekunde bereit, das Gefängnis in Chaos zu stürzen. Die andere Hälfte stand als Backup auf Stand-by, falls etwas schiefgehen sollte. Ein anderes Paar Wachen marschierte an ihnen vorbei. Sie nickten Harley und Jonny zu, ohne ein Wort zu sagen. Diese erwiderten die Geste. Lautlos gingen sie um eine Ecke, sie waren nah dran, das konnte die Schurkin spüren, von ihren Fingerspitzen bis runter in ihre Zehen. Der lange, graue, dreckige Flur kam ihr unendlich vor, bis Frost endlich das sagte, was alles gleich in ein riesiges Chaos versetzen würde. „Wenn du nach der Schicht noch Zeit hast, lade ich dich auf nen Kaffee ein." Das war zwar das dümmste Codewort, das es gab, aber Harley erinnerte sich dran, dass die Wächter oft genug in dem Speisesaal gesessen und zusammen Kaffee getrunken hatten. „Gerne", erwiderte sie plump, ein Grinsen entstand unter der Maske. Kein Moment später ertönte der erste Schuss, ein Echo spielte durch das große, verwobene Netz von langen Gängen, sodass Harley ein Schauder über den Rücken lief. Plötzlich fing es an, wie Hagelkörner auf einem Autodach, zu knallen. Der Anhänger nickte ihr zu und sie fingen an zu rennen, als der Alarm anfing durch das ganze Gebäude zu schallen. Und dann kam endlich das Geräusch dazu, dass Harleys Herz mit Erleichterung höher schlagen ließ. Es mischte sich unter das Gewirr von hohen, lauten, explodierenden Klängen. Sein Lachen. Doch es klang anders als sonst. Gebrochen und nicht ganz so klar. Plötzlich wurde eine Tür vor ihnen aufgestoßen. Zwei große, schwarz gekleidete Männer traten heraus, eine blasse, kleiner wirkende Gestalt im Schlepptau. Die grünen Haare stachen in der grauen, dunklen Atmosphäre heraus. Die Gefühlswelt der jungen Frau stellte sich auf den Kopf. Sie hatten ihn gefunden. Den Joker. Ihre Augen fingen an unter der Maske zu tränen. Was hatten sie ihm angetan?! Der kleine Teufel auf ihrer rechten Schulter ließ einen Baseballschläger in seiner Hand materialisieren und schaute mit feurigem Blick drein. Sein Oberkörper war zwar von einem grauen Gefängnisoberteil bedeckt, doch an seinen Armen konnte man ganz klare Spuren von Folter erkennen. Sie rannten auf die kleine Gruppe zu, die in ihre Richtung ging. „Männer, sie brauchen euch unten am Eingang! Wir übernehmen den Gefangenen!", rief Jonny, kurz bevor sie bei ihnen ankamen. Die beiden Wachen nickten. „Alles klar, bringt ihn so schnell wie möglich in seine Zelle zurück!" Sie stießen den Schurken in Harleys Richtung und sie griff so überzeugend und fest wie möglich nach seinen Armen. Die zwei Wächter liefen schnell davon. Harley schaute Jonny entschlossen an und dieser folgte den beiden ein paar Momente später, das Maschinengewehr gezückt. Nun stand sie da, alleine mit ihrem Puddin' und er wusste wahrscheinlich nicht mal, dass sie es war. Sie schaute runter auf seine Arme, seine Handgelenke durch Handschellen zusammengebunden. Die roten Wunden stachen auf seiner weißen Haut hervor, zerrissen einige der schwarzen Tätowierungen. Sie riss sich zusammen und schaute wieder auf. „Vorwärts!", gaffte sie in sein Ohr und gab ihm einen kleinen Schups. Es tat ihr schon fast weh, ihn so behandeln zu müssen, aber sonst würde ihre Tarnung auffliegen. Sie ging stumm hinter ihm her, führte ihn durch die Gänge, während der Alarm ohrenbetäubend durch das ganze Gebäude schallte und die vielen Schüsse ein schrilles Chaos von Geräuschen erzeugten. Ein paar Minuten später gingen sie am Eingang zu den vielen Zellen vorbei. Sie schaute nicht zurück, sondern ging schnurstracks geradeaus weiter. Auch der Joker schien nicht verwirrt zu sein, er hatte wohl so langsam eine Ahnung, dass er gerade befreit wurde. Sie fing an schneller zu laufen, denn sie wurden ganz sicher durch viele kleine, gläserne Linsen beobachtet. Die Überwachungskameras waren überall. Der Hinterausgang war nicht mehr weit. Sie bog um eine weitere Ecke, betete, dass sich da niemand befand und atmete erleichtert aus, als ihr Gebet erhört wurde. Die unauffällige, graue Metalltür am Ende des Ganges war ihr Weg in die Freiheit. Sie waren nur ein paar Meter davon entfernt, als sie das hörte, was sie befürchtet hatte. „Da sind sie!" Ihre Ohren vernahmen schwere Schritte hinter ihnen. Die Schurkin schaute entsetzt über ihre Schulter. „Renn!", rief sie und ließ den Joker los, drehte sich um und stellte sich den drei Wachen, die alle ein Gewehr auf sie richteten. „Lass die Waffe fallen, oder wir schießen!" Harley schluckte, doch zeigte ihre Nervosität nicht. „Wir können das hier auf die einfache oder auf die schwere Weise lösen, Jungs", sie öffnete langsam eine kleine Tasche an ihrem Gürtel, „Ich nehme an es wird wohl die schwere sein." Sie zog das kleine Gerät schnell aus seiner Verpackung und warf diesen auf die Wächter, die nicht schnell genug reagieren konnten. Weißes Gas trat aus und die Männer schauten sich verwirrt und hustend um. Harley rannte schnell zum Ausgang, an dem der Grünhaarige schon mit einem breiten Grinsen wartete, versuchte selbst die giftige Substanz nicht einzuatmen. Sie riss die Tür auf und beide stiegen in den dort stehenden, schwarzen Van ein, der einem der Gefangenenfahrzeuge glich. „Fahr los!", rief sie dem Mann im Fahrersitz zu und rammte die Autotür am Heck des Fahrzeugs zu. Dieser trat auf das Gaspedal und sie rasten los, in die schwarze Nacht.

Ich weiß J's Befreiung verlief etwas zu schnell, aber das nächste Kapitel wird wieder länger :)

Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.

Ich weiß J's Befreiung verlief etwas zu schnell, aber das nächste Kapitel wird wieder länger :)

Versteht ihr das Ergebnis Deutschland-Mexiko??? (0-1) Why...?!

Emergency Exit Madness - Abgebrochen Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt