Zwei Paar niedliche, schwarze Knopfaugen starrten sie von unten an. Die Pfoten der Welpen kratzten aufgeregt an die Kartonwand der Box. Harley schmolz bei ihrem Anblick nur so dahin. Sie hob einen auf und betrachtete ihn, während er rumstrampelte, um auf den Boden zu gelangen. „Na wer seid ihr denn?" Der Kleine gab ein leises, quiekendes Bellen von sich. Das Ding war, die Beiden sahen nicht aus wie normale Welpen. Sie hatten dunkle Flecken auf ihren Rücken und ihre Vorderbeine waren etwas länger als ihre Hinterläufe. Sie holte den zweiten auch noch aus dem Karton und beobachtete sie wie sie miteinander kampelten. Und als sie ein ikonisches Geräusch hörte wusste sie was sie waren. Ein hohes, gehacktes, lachendes Geräusch kam aus ihren Kehlen. Das waren junge Hyänen. Erst weiteten sich ihre Augen. Theoretisch waren das gefährliche Räuber, die sie innerhalb von ein paar Sekunden zerreißen könnten. Doch sie waren noch nicht ausgewachsen. Also waren sie nicht gefährlich. Noch nicht. Sie fing an zu lächeln, als sie die beiden beobachtete. Sie waren ein Geschenk von ihrem Puddin' gewesen. Und da war es wieder. Er war wieder nett zu ihr. Und was war dann heute Abend? Würde er sie dann wieder ignorieren und wieder gemein zu ihr sein? Sie wurde abgelenkt, als sie ein quengelndes Quieken hörte. Einer der beiden Hyänen war gestolpert und auf die Schnauze geflogen. Harley grinste und hob ihn auf. „Komm her, Buddy", flüsterte sie kichernd. Doch dann stockte sie und überlegte. Buddy? „Buddy, das wäre doch ein toller Name für dich, nicht wahr?" Der Kleine hechelte. Sie schaute zum anderen rüber. Er schaute sie mit einem ganz bestimmten Gesichtsausdruck an. Irgendwie etwas unbeholfen und doch nachsichtig. Das erinnerte sie an einen Jungen aus ihrem Kindergarten. Er hieß Louis. „Louis, komm her!" Sie klopfte neben sich auf den Boden. Der Kleine gehorchte und setzte sich neben sie, mit raushängender Zunge. „Buddy und Louis..." Das klang irgendwie zu lang, es war kein Rufname. Und es mussten definitiv kurze, einfache Namen sein. In heiklen Situationen könnte es ganz nützlich sein. Abkürzungen? „Buddy und Lou?" Die beiden schauten sie abwartend an. „Nein?", sie überlegte nochmal kurz, „"Bud und Lou?" Sie nickte zufrieden. „Ja, Bud und Lou, das sind eure Namen ab heute", meinte sie grinsend und kraulte beiden unterm Kinn. Na immerhin hatte sie jetzt immer Gesellschaft.
Als der kleine, goldene Zeiger ihrer Nachttischuhr kurz vor der Zehn stand, ging Harley auf ihre Zimmertür zu. Sie trug ein knappes, rotes Kleid, dass im goldenen Licht ihrer Zimmerlampe glänzte. Die Haare hatte sie offen und geglättet. Sie schaute noch einmal hinter sich. Die kleinen Hyänen lagen zusammengerollt am Fußende ihres Bettes und schliefen friedlich. Sie lächelte nochmal. Bud und Lou bedeuteten ihr jetzt schon extrem viel. Und sie hatte das Gefühl, dass sie noch eine große Rolle in ihrem Leben spielen würden. Sie machte das Licht aus, ließ aber ein kleines an, damit die beiden nicht ganz im Dunkeln sein müssten. Dann schloss sie die Tür ab und ging die Treppen runter, in den großen, langen Flur, den sie als allererstes betreten hatte, in der Nacht als sie Harley Quinn geworden war. Jonny lehnte an der Wand neben einer Tür. Darauf war ein großes HAHAHA in goldenen Lettern abgebildet. Was genau die goldenen Zeichen auf diesen ganzen Türen bedeuteten hatte Harley noch nicht rausbekommen. Sie war bis jetzt nur in drei der Räume, die dahinter lagen, gewesen. Der Speisesaal war mit einem großen blutenden Herzen verziert, der Trainingsraum mit einem Fledermaussymbol. Das konnte man sich ja eigentlich denken. Sie trainierten, um Batman zu besiegen. Das Herz stand wohl für all die Leben, die durch den Joker und sein Team praktisch verschlungen wurden. Auf der Tür, die zum Treppenhaus, aus dem sie gerade gekommen war, prangte ein goldenes J. Das stand wohl für den Joker, immerhin wohnte er ja da. Jonny lächelte sie an und öffnete ihr die Tür, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Sie folgte ihm eine lange Treppe hinunter und durch noch eine Tür. Sie zog erstaunt die Augenbrauen hoch. Eine Reihe teuer aussehende Geländewagen standen vor ihr, dahinter ein paar schwarze Busse. Hinter einem geschlossenen Gitter standen zwei lila Motorräder, daneben war noch eine Gittertür. Doch sie war geöffnet und neben dem leeren Parkplatz lag eine graue Bedeckung, die wohl für ein noch teureres Auto gedacht war. Wahrscheinlich stand da normalerweise der Lamborghini des Jokers, doch da er ja im Club war, war das Auto natürlich auch nicht mehr da. Harley setzte sich auf den Beifahrersitz eines der vielen Geländewägen, die aussahen wie SUV's und Jonny schaltete den Motor an. Sie fuhren eine Rampe hoch und aus der kleinen Gasse raus. Während der Fahrt betrachtete Harley öfters nervös die Uhr am Armaturenbrett. Je näher sie der 22:00 Marke kam, desto ungeduldiger wurde sie. Sie durfte nicht zu spät kommen, das hatte der Joker ihr ganz klar gemacht, mit seiner kleinen Notiz an sie. Punkt 21:57 Uhr wurde das Fahrzeug langsamer und bog wieder in eine Nebengasse ab, um hinter einem Harley nur allzu bekannten Sportwagen stehen zu bleiben. Sie fing an zu Grinsen, als Jonny den Motor ausschaltete und ausstieg, um ihr die Tür zu öffnen. „Und wo genau ist der Club?", fragte sie, als sie auf dem von Regen nassen Asphalt stand. „Hier lang", meinte der Anhänger des Jokers nur. Er schien heute nicht besonders gesprächig zu sein. Doch das kümmerte sie nicht weiter, als sie um eine Ecke bogen und ein leuchtendes Symbol in ihr Sichtfeld kam. Es lag am Ende des Ganges und wurde von zwei muskulösen, großen Männern mit verschränkten Armen bewacht. Sie gingen schnurstracks darauf zu. „Abend Jonny", knurrte einer von ihnen nur, als sie an ihnen vorbeigingen. Durfte sie wirklich einfach so mitgehen? Sie kannten sie doch gar nicht. „Und du bist?", fragte seine tiefe Stimme dann. Nein, er schien sie wirklich nicht zu kennen. „Stell sie dir einfach mit zwei Zöpfen und einem Baseballschläger vor und dann weißt du wer sie ist", meinte der andere neben ihm, bevor Harley antworten konnte. Zwei Sekunden später schien es dem Typen wieder eingefallen zu sein, denn er lächelte sie an und meinte: „Viel Spaß, Miss Quinn." Sie grinste zurück. „Nenn mich doch einfach Harley", und schon wandte sie sich ab und folgte Jonny. Als er den Eingang zum Club, der übrigens „Just Joking" hieß, öffnete, strömte Harley laute Musik entgegen. Der Bass vibrierte in ihrer Brust und sie versuchte die Melodie zu erkennen. Ihr kam dieses Lied irgendwie bekannt vor. Sie schaute sich in dem goldbeleuchteten Raum um, doch sie erkannte niemanden, den sie kannte. Also folgte sie einfach dem Anhänger ihres Puddin's und versuchte nicht von den Leuten um sie herum angerempelt zu werden. Doch seltsamerweise schienen ihr alle, die sie bemerkten, Platz zu machen, sodass sich bald eine kleine Gasse gebildet hatte, durch die sie einfach durchgehen konnte. Sie lächelte und versuchte Jonny nicht aus den Augen zu verlieren. Sie fand ihn. Er stand vor einem, wie es aussah abgesperrtem Bereich, und wartete auf sie. Den Joker konnte sie nirgendwo sehen. Jonny öffnete die Absperrung für sie, die nur aus zwei goldenen Pfosten und einem samtigen, roten, dicken Seil bestand. „Setz dich", meinte er nur und deutete auf eine weiße Couch, „Der Boss kommt gleich." Er wandte sich von ihr ab und stellte sich wieder vor die Absperrung. Sie schaute ihn etwas verwirrt von hinten an. Er schien wirklich nicht bei bester Laune zu sein. Vielleicht hatte es ja was mit Monica zu tun, dachte sie, als sie sich, wie verlangt, auf das Sofa setzte. Frage war nur: Wo war der Joker? Harley schaute sich um. Die Menschen tanzten hinter einem Vorhang aus goldenen Perlenketten. Die Couch war in eine Einkerbung eingebaut und bildete fast einen Kreis. Es gab eine Bar im öffentlichen Bereich, an der eine schöne, kleine Frau mit roten, lockigen Haaren stand und Cocktails mischte. Es gab auch zwei Glaskästen, die wohl für Tänzerinnen gedacht waren, doch gerade war niemand drinnen. Harley gähnte. Sie hatte zwar relativ lange geschlafen, aber sie war trotzdem noch von dem Training, dem Überfall und der langen Nacht bei Ivy erschöpft. Plötzlich hörte sie Schritte hinter sich. Sie drehte auch den Kopf in diese Richtung. Doch es war nicht der, den sie sich erhofft hatte. Es war ein kleiner, etwas dickerer Mann mit schwarzen, fettigen Haaren. Ein großer, stämmiger Bodyguard lief hinter dem humpelnden Typen her. Harley legte den Kopf schief. Irgendwie kannte sie ihn irgendwoher. Sie schaute noch verwirrter, als er sich ihr gegenüber auf der Couch niederließ. Sie sagte nichts, sondern starrte ihn nur überrascht an. Er schien sie erst gar nicht zu bemerken, doch als er aufschaute, blickte auch er sie mit einem fragenden Blick an. „Wer bist du denn?", fragte er, mit einer fast schon piepsigen Stimme. Harley zögerte nicht. „Harley Quinn, nett dich kennenzulernen", meinte sie dann grinsend. Das Fragezeichen in den Augen des Fremden verschwand. „Aahhh, die kleine, neue Freundin des Clowns." Harley verengte die Augen. Wie konnte er es wagen ihren Puddin' einen Clown zu nennen?! Doch sie konnte ihre Gedanken nicht aussprechen. Sie hatte bemerkt, dass sich der Blick des Zwergs verfinstert hatte und er an ihr vorbeistarrte. Und dann hörte sie seine Stimme hinter ihr. Und das ließ ein gefährliches Grinsen auf ihren Lippen erscheinen. „Sieh an, der Vogel, der nicht fliegen kann."
Hey :) Wie versprochen, habe ich jetzt wieder vor etwas öfter zu veröffentlichen. Ich hoffe ihr findet die Idee mit Bud und Lou gut. Und wer könnte dieser komische Vogel sein? XD
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Emergency Exit Madness - Abgebrochen
Fiksi Penggemar"I'm not crazy - I'm just insane." Harleen Quinzel. Eine Psychologin im Arkham Asylum, gefangen in ihrer eigenen Einsamkeit. Sie trägt ein gebrochenes Herz mit sich rum - Sie hat niemanden. Ihre einzigen Freunde sind ihre Patienten im Asylum. Doch a...