Stimmen

1K 76 36
                                    

Sie folgte ihm die Treppen hoch. Die Freuden des Abends saßen noch tief und fest in ihrem Herzen. Es war eine Erfahrung, die sie nie vergessen würde. Doch eine Frage brannte ihr auf der Zunge. Und sie musste es wissen. Sie blieb hinter ihm stehen, während er die Tür zu dem Flur an dem ihre Zimmer lagen, öffnete. Sie hatten den ganzen Weg nicht ein Wort gewechselt. Es war als ob sie zu viel gesagt und gelacht hatten und ihre Stimmen sie erst einmal verlassen hatten. Doch Harley zwang ihren Mund sich zu öffnen. „Puddin'?" Sie schaute sich kurz um. Es war niemand zu sehen. Sie wandte sich dem Joker wieder zu, der sich zu ihr umgedreht hatte. „Eine Frage habe ich." Er nickte. Seine Schulter hatte aufgehört zu bluten. Es sah trotzdem extrem schmerzhaft aus. „Und die wäre?", antwortete er. Harley konnte klar und deutlich hören, dass er etwas genervt war. „Erm... Sind wir... sind wir wirklich zusammen?" Er schaute sie, wie immer, mit diesem emotionslosen Blick an, der all seine Gedanken hinter einer Mauer verschwinden ließ. Es war als ob er ihre Spannung nur noch mehr erhöhen wollte. Als ob er auf den richtigen Moment wartete, auf ihre Frage zu antworten. Plötzlich zuckten seine Mundwinkel. Kurz danach bildeten seine Lippen das allzu bekannte Grinsen. „Was denkst du denn?" Sie hatte geahnt, dass er eine Gegenfrage stellen würde. Das kannte sie schon allzu gut, aus ihrem alten Leben. „Das ist es ja gerade... ich weiß es nicht..." Plötzlich verfiel er in höhnendes Gelächter. Sie fuhr erschrocken zusammen. Sie wusste, dass das nichts Gutes bedeuten konnte. „Oh doch, das tust du", meinte er, plötzlich wieder extrem ernst. Er konnte seine Stimmung schlagartig ändern. Ein Lachen konnte schnell in einen wütenden Blick werden, ein Grinsen schnell zum ernsten Ausdruck. Das Dumme war, er hatte recht. Sie kannte die Antwort schon. Sie wollte es nur nicht laut sagen. Sie schluckte und schaute zu Boden. „Sag es!", flüsterte er. Sie schaute verzweifelt ihre Füße an, die in den hochhackigen Stiefeln steckten. Sie wollte es nicht sagen. Plötzlich spürte sie seinen Griff an ihrem Kinn. Er war grob und zwängte sie dazu ihm in die wunderschönen, sturmgrauen Augen zu schauen. „Sag es!", forderte er, diesmal etwas lauter. Sie schwieg noch immer, schluckte dieses eine, grässliche Gefühl hinter. Doch sein stechender Blick befahl ihrem Mund regelrecht sich zu öffnen und dieses eine Wort auszusprechen. „Nein...", murmelte sie extrem leise. Er ließ sie wieder los und ihr Blick fiel wieder auf den Boden. „Lauter!", befahl er. Sie zuckte nochmal zusammen. „Nein..." „Da hast du es." Sie schaute ihn mit feuchten Augen nochmal an, bevor er sich, ohne noch ein Wort, umdrehte und auf sein Zimmer am Ende des Flurs zuging. Das Knallen der zufallenden Tür ließ das stechende Herz der jungen Frau vollkommen auseinanderbrechen. Sie war kurz davor in Tränen auszubrechen. Sie schaute mit hängenden Schultern noch immer auf ihre Schuhe. Eine Träne tropfte auf sie und spülte den Staub und Ruß, der sich auf dieser Stelle abgesetzt hatte, weg. Dieser Abend war doch so schön verlaufen. Sie hatte richtig das Gefühl gehabt, dass sie ihm etwas bedeutete. Und diese Blicke, die er ihr immer wieder zugeworfen hatte. Sie hatten, wie der Riddler schon gesagt hatte, wirklich das Gefühl von Liebe übermittelt. Und doch war das alles nur eine Lüge gewesen. Es war alles durch dieses eine kleine Wort zerstört worden. Nein. Dieses eine, kleine, verfluchte, grauenhafte, schreckliche, scheiß, f***ing Wort. Es fühlte sich an wie Stunden, die Harley auf diesem Fleck stand und ihre Schuhe anstarrte. Warum? Warum war sie nur so dumm gewesen und hatte ihm geglaubt? Er war der Joker. Er war quasi zum Lügen geboren. Er hatte selbst gesagt er konnte nicht lieben. Und sie hatte sich vorgenommen es ihm beizubringen. Vielleicht war es einfach noch nicht so weit. Vielleicht hatte sie einfach noch nicht genug Zeit gehabt? Vielleicht würde sie es ja noch schaffen? Und doch machte sich Zweifel in ihr breit. Wie sollte sie es ihm jemals beibringen? Wie könnte er sie jemals lieben? Er war der Joker! Kein Fünkchen Liebe steckte in ihm drin! Harley konnte nichts hören. Nur ihr schneller Herzschlag. Und ihr viel zu flaches Atmen. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie ihre Zähne zusammenpresste, sie fast schon unter dem Druck knirschten. Sie hatte ihre zarten Hände zu Fäusten geballt. Schweißperlen hatten sich auf ihrer Stirn gebildet. Sie schaute sich nervös um. Alles schien sich zu drehen. Panik stieg in ihr auf. Und plötzlich hörte sie etwas. Ein Echo. Und es wurde immer und immer lauter. Harleeeeeen... Harleeeeeeeeeeeeeeeeeeen!!! Sie schaute sich hektisch um. Harleen! Es war niemand da. Ha Ha Ha Ha Ha Ha... Sein Lachen... Harley Quinn, nett dich kennenzulernen!... Würdest du für mich leben?... Ihr Atem wurde noch schneller. Harleeeeeeeeeen! Dr. Quinzel!... Verlangen wird zu Unterwerfung... Bist du wirklich bereit sowas jeden Tag, jede Nacht, jede Minute, die du noch lebst durchzumachen?... Ja... Es wurde alles immer und immer lauter. Ha Ha Ha Ha Ha Ha... Unterwerfung wird zu Macht... es auszuhalten in meiner Nähe zu sein und nicht zusammenzubrechen, wenn ich dich mal verletze oder stehen lasse? Bist du bereit Opfer zu geben und Menschen und Dinge zu verlieren, die dir wichtig sind oder waren? Bist du bereit all das auf dich zu nehmen, all das für einen Psychopathen, der nicht einmal weiß was Lieben ist?... du bist etwas Besonderes... Harleen... Harleen was- was tust du denn? Jetzt hörte sie auch noch die Stimme eines Toten... Darf ich vorstellen: Harley Quinn... Sind wir wirklich zusammen?...Es braucht Zeit um die Vergangenheit ganz zu vergessen... Ha Ha Ha Ha Ha Ha Ha Ha... Es wurde ihr alle langsam zu viel. Sie hielt sich die Ohren zu und schloss die Augen. Ihre Welt kreiste noch immer um sie rum. Sie wollte nichts mehr davon hören. „Hör auf!" Ha Ha Ha Ha Ha... Nein... Nein... Nein... Die Erste... Die Einzige... Puddin... Harley... „Hör auf!", schrie sie, noch lauter. Niemand darf dich so angucken... Aber das bist nicht du!... Außer ich... Ich will... Sie fiel auf die Knie, drückte ihre Hände gegen ihre Ohren. „HÖR AUF!" Mr. J... Harleen... es... es tut mir Leid... Sie fing an zu kreischen. Es war ihr egal wer es alles hören konnte. Sie wollte einfach nichts mehr davon hören. Alles für dich... dass ich dich nicht vor ihm beschützen konnte... Sie fing an zu weinen. Die Tränen flossen wie Wasserfälle über ihre Wangen. Ihre Haut brannte. Doch sie hörte nicht auf zu schreien. Ich kann einen Krieg anfangen oder enden... Plötzlich spürte sie die Präsenz einer anderen Person. Dann eine warme Hand auf ihrer Schulter. ...Ich kann deine Stärke oder deine Schwäche sein... Plötzlich verließ ihr Körper den Boden. Keine harten, kalten Fliesen mehr. Es war warm. ...Ich kann aus einem Blick entstehen... Es fühlte sich an als ob jemand sie trug. Doch sie wusste nicht wer. Sie hatte die Augen zugekniffen. ...doch niemand kann mich zwingen zu bleiben... Sie hörte wie eine Tür geöffnet wurde. Und dann wurde sie auf etwas Weiches gelegt. ...Was bin ich???... Sie zappelte noch immer, weinte noch immer, war noch immer panisch. Doch eine weitere, reale Stimme drängte zu ihr durch. „Harley..." Ha Ha Ha Ha Ha... Liebe... Liebe... nicht vorhandene Liebe... „Harley..." Plötzlich spürte sie eine warme Hand an ihrer Wange. Warum musst du immer mein Leben ruinieren?!... Etwas Verwirrung breitete sich in ihr aus. Das war keines ihrer Erinnerungen, geschweige denn eine Stimme, die sie kannte. ...Ich hasse dich!... Was hast du getan?!... „Beruhig dich, Harley..." ...Ich werde immer für dich da sein... Ich werde mich für dich rächen... Meine Süße... Die Stimme verstummte. Sie schlug die Augen auf. Alles war verschwommen. Die Tränen brannten wie die Hölle. Ihr Atem war noch immer flach. Ihr Herz raste. Sie konnte nicht auf die Person vor ihr fokussieren. Doch das war ihr in dem Moment egal. Sie brauchte einfach jemanden, wollte einfach umarmt werden, wollte gewärmt werden. Und es war ihr total Schnuppe von wem. Sie schnellte vor und schlang ihre Arme um die Person, die sie gerettet hatte. Sie schloss wieder ihre Augen und vergrub ihr Gesicht in seiner Schulter. Sie wusste nicht wie lange sie ihn umarmte. Und langsam konnte sie sich wieder beruhigen. Sie fühlte sich geborgen, vor allem als sie starke Arme spürte, die ihren kleinen, kümmerlichen Körper zurückumschlungen. Sein Körper war wie ein Feuer in einer Eiswüste. Er war so warm, sie wollte ihn nie wieder loslassen. Und das tat sie auch nicht. Bis sie langsam in den Schlaf rutschte. Und dann war alles weg.

Ich hasse mich gerade dafür, dass ich Harley sowas angetan hab... :( Hasst mich ruhig zurück...

Ich hoffe sehr, dass euch das Kapitel trotzdem gefällt :) Ihr dürft schon mal darüber grübeln wessen Erinnerungen diese mysteriösen Stimmen waren XD Oder wer sie gerettet hat XD

Ich will Joke's on you auch noch spätestens am Wochenende aktualisieren. Aber ich kann leider nichts versprechen...

Emergency Exit Madness - Abgebrochen Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt