~}24{~

823 33 0
                                        

„Bei meiner Geburt ist meine Mutter gestorben", begann ich leise. Meine Stimme klang ruhiger, als ich mich innerlich fühlte. „Herzstillstand. Und zu viel Blutverlust."

Für einen Moment hielt ich inne, lehnte mich tiefer in das Sofa zurück und starrte ins Feuer. Die Flammen warfen flackernde Schatten an die Wände. Neben mir klappte Fred langsam das Skizzenbuch zu. Er sagte nichts, unterbrach mich nicht – er hörte einfach zu.

„Als ich das erste Mal auf die Zauberschule kam, waren die Monate dort nicht wirklich angenehm für mich", fuhr ich fort. „Es war fast wie bei Harry. Natürlich nicht so brutal... aber ich wurde runtergemacht. Gedemütigt. Weil ich keine Mutter hatte. Als wäre ich irgendwie... unvollständig."

Ich schluckte schwer. „Ich war wie eine Ausgestoßene. Ich wurde nirgends akzeptiert. Nicht einmal die Lehrer haben mir wirklich Respekt gezeigt. Manche haben sogar schlecht über meine Mutter gesprochen. Als wäre sie..." Meine Finger verkrampften sich in der Decke. „Als wäre sie eine Prostituierte gewesen. Oder als hätte sie damals Voldemort gedient."

Neben mir spürte ich, wie Fred sich anspannte. Eine stille, brodelnde Wut ging von ihm aus. Seine Kiefermuskeln arbeiteten, doch er ließ mich weiterreden.

„Ich dachte, ich würde damit klarkommen", sagte ich leiser. „Bis dieser eine Tag kam."

Langsam hob ich mein Oberteil ein Stück an. An meiner Seite, knapp unter den Rippen, zog sich eine schmale, aber tiefe Narbe entlang.

Fred sog scharf die Luft ein. Seine Augen weiteten sich, und er rückte näher. „Darf ich?", fragte er vorsichtig.

Ich nickte nur.

Seine Finger – warm, vorsichtig – berührten meine Haut. Er fuhr ganz sanft über die Narbe, als hätte er Angst, mir erneut wehzutun. Mein Herz begann schneller zu schlagen, und eine Gänsehaut breitete sich über meinen Körper aus – nicht aus Angst, sondern wegen der Nähe. Wegen ihm.

Langsam zog er seine Hand zurück, und ich ließ mein Oberteil wieder sinken.

„Ich habe tief und fest geschlafen", erklärte ich mit belegter Stimme. „Und bin von starken Schmerzen aufgewacht. Sie haben einen Zauber benutzt, damit ich mich nicht wehren konnte... und mir das eingeritzt."

Die Narbe war nicht groß, aber tief genug, um nie ganz zu verschwinden.

„Genau an diesem Tag habe ich die Zeichnung gemacht", sagte ich und sah wieder ins Feuer. „Sie soll mich daran erinnern, wie ich mich durch solche Menschen gefühlt habe."

Ich fuhr mir durch die Haare. „Mein Vater weiß nichts davon. Und das soll auch so bleiben. Der Verlust meiner Mutter ist immer noch schwer genug für ihn."

Die Erinnerungen brannten noch immer. Das Gelächter. Die Stimmen. Die Gesichter. Manchmal hörte ich sie noch – klar und deutlich, als stünden sie direkt hinter mir.

Es gab viele Nächte wie diese, in denen ich nicht schlafen konnte. Wegen Albträumen. Oder wegen der Stimmen in meinem Kopf.
Ich hatte das Gefühl, dieser Schmerz würde mich nie ganz verlassen. Egal, wie sehr ich versuchte, ihn zu verdrängen.

Plötzlich spürte ich zwei Hände an meinen Wangen. Sanft, aber bestimmt drehte Fred mein Gesicht zu sich. Ich blickte in seine warmen, braunen Augen. In ihnen lag so viel – Sorge, Wut, Mitgefühl.

Ohne ein weiteres Wort zog er mich in seine Arme. Seine Umarmung war fest, schützend. Seine Arme umschlossen meinen Oberkörper und hielten mich so nah an sich, als wollte er alles Leid von mir fernhalten.

Ich erwiderte die Umarmung sofort und legte meinen Kopf an seine Schulter.

Diese Umarmung... genau die hatte ich gebraucht. Seine.

Ich schloss die Augen und atmete seinen vertrauten Duft ein. Seine Hand strich beruhigend über mein Haar.

„Warum hast du mir das nie erzählt?", fragte er leise.

„Ich weiß es nicht", antwortete ich ehrlich.

Nach einer langen Weile lösten wir uns voneinander. Er strich mir eine Haarsträhne hinter das Ohr und fuhr mit seinem Daumen sanft über meine Wange.

„Sag es bitte niemandem", murmelte ich.

Er nickte sofort. „Bei mir ist es sicher. Versprochen."

Erleichtert atmete ich aus. Wir saßen noch einen Moment schweigend da, hörten dem Regen zu, der gegen die Fenster prasselte.

„Warum bist du eigentlich nicht direkt nach Hogwarts gekommen?", fragte er dann plötzlich.

Ich zuckte mit den Schultern. „Gute Frage. Keine Ahnung."

Er begann zu lachen. „Hab auch nichts anderes von dir erwartet."

Empört sah ich ihn an und schlug ihm gegen die Schulter. „Heißt das, du hältst mich für dumm?"

„Vielleicht", grinste er.

Ich packte sein Ohr und zog leicht daran. „Pass auf, was du sagst, Freundchen."

„Aua!", lachte er. „Du tust mir weh!"

Ich ließ ihn los und verschränkte die Arme. „Geschieht dir recht. Idiot."

Kaum hatte ich aus dem Fenster geschaut, begann er plötzlich, mich zu kitzeln.

Ich brach in schallendes Gelächter aus und versuchte vergeblich, seine Hände abzuwehren. „Fred! Hör auf! Ich kann nicht mehr!"

„Passwort", sagte er grinsend.

„B-bitte!", keuchte ich zwischen Lachanfällen.

Sofort stoppte er.

Ich wischte mir die Lachtränen aus dem Gesicht und boxte ihn leicht. „Mach das nie wieder!"

„Warum? Das Lachen steht dir doch", erwiderte er frech.

„Idiot", murmelte ich, doch ich lächelte. „Beleidigungen? Soll ich wieder anfangen?" Seine Finger schwebten gefährlich nah an meiner Taille. Schnell legte ich meine Hände auf seine, um ihn aufzuhalten. „Wehe. Sonst bereust du es heute noch.", er hob eine Augenbraue. „Ist das eine Drohung?"

„Und was für eine."

Mit einem Ruck umfasste er meine Hand und zog mich näher zu sich. Überrascht sah ich in seine Augen – und er in meine. Sein Blick wurde weicher, intensiver. Langsam beugte er sich vor. Ich konnte seinen Atem bereits auf meinen Lippen spüren. „Und was genau willst du tun, wenn du deine Drohung nicht zurücknimmst?", flüsterte ich. Ein kleines, selbstbewusstes Lächeln huschte über sein Gesicht.

„Dann mache ich das."

FOREVER ON YOUR SIDE|| FRED FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt