~ Carlos ~
Unruhig wälzte ich mich auf Nicks Couch hin und her und wartete darauf, dass es dunkel wurde. Ich wusste zwar, dass ich mit ziemlicher Sicherheit kein Auge zu machen konnte, aber Nick und Lilly hatten mich dazu gezwungen, mich wenigstens hinzulegen, wenn ich heute Nacht fahren wollte.
Aber ich war zu nervös, um zur Ruhe zu kommen. Bei jedem Auto, das durchfuhr, raste mein Herz wie nach einem Marathon, aus Angst, es könnten die Bullen sein. Am liebsten wäre ich jetzt schon los gefahren, aber das wäre viel zu gefährlich. Ich musste warten, bis es zumindest ein bisschen dämmerte.
Ich hatte Miguel über Nicks Handy geschrieben, dass er herkommen sollte, damit ich mich wenigstens von ihm verabschieden konnte. Er hatte in letzter Zeit so viel getan für mich, da war es doch das Mindeste, mich zu bedanken und zu verabschieden. Ich hätte heulen können. Gerade erst hatte ich Freunde gefunden und angefangen, mich hier einzuleben und jetzt musste ich schon wieder abhauen und untertauchen. Mein Leben war echt zum kotzen.
Den ganzen Tag verbrachte ich damit, meinen düsteren Gedanken nachzuhängen und ignorierte es vollkommen, wenn jemand mit mir reden wollte. Ich brauchte jetzt einfach Zeit für mich, um meine Flucht wenigstens grob zu planen.
Als es irgendwann an der Tür klingelte, erschrak ich mich zu Tode und versteckte mich ohne nachzudenken hinter Nicks Sofa. Es war wie ein automatischer Reflex aus Angst vor den Bullen. So musste sich wohl mein Vater die ganze Zeit fühlen. Kein Wunder, war er immer so gereizt. Es war echt ein schreckliches Gefühl, in ständiger Angst zu leben.
Aber zu meinem Glück war es nur Miguel, der sich kaputtlachte, als er sah, dass ich mich hinter dem Sofa versteckt hatte. << Bruh, ich bin doch kein Bulle! >>, meinte er immer noch lachend und zog mich in die Arme. << Man weiss ja nie >>, knurrte ich leicht gereizt und deutete auf seine riesige Reisetasche. << Sag mal, was willst du denn damit? Gehst du in Urlaub oder was? >>
<< Nein, ich begleite dich erstmal ne Weile mein Freund, bis wir einen sicheren Ort für dich gefunden haben >>, meinte er grinsend und schmiss sich neben mich aufs Sofa. << Spinnst du jetzt komplett? >>, entfuhr es mir entsetzt. << Du kannst doch nicht dein Leben hier einfach hinschmeissen und mit mir abhauen. >> << Doch, du siehst doch, dass ich das kann und du weisst auch, dass ich dich nicht alleine lassen kann. >> Ich sah ihn mit einem warnenden Blick an. Cathy, Lilly und Nick, die uns gespannt zuhörten, hatten schliesslich keine Ahnung, warum er mich nicht alleine lassen konnte und das sollte auch so bleiben.
<< Aber Alter, du hast hier eine Familie, die dich über alles liebt, du kannst das doch nicht für mich einfach alles hinschmeissen >>, lenkte ich die Unterhaltung wieder auf sicheres Terrain und flehte ihn durch einen bittenden Blick an, sich das nochmals zu überlegen. Ich wollte schliesslich nicht daran schuld sein, wenn das Verhältnis zu seiner Familie in die Brüche ging, nur damit er mir helfen konnte.
Leider war er genauso stur wie Lilly, aber insgeheim war ich froh, dass er mitkommen wollte, denn ich brauchte ihn wirklich. << Vergiss es, ich komme mit und basta. Meine Familie wird darüber hinwegkommen, wenn ich für eine Weile verschwinde. Ausserdem könnte ich mir wahrscheinlich einen Haufen Scheisse anhören, wenn ich hierbleiben würde und die Bullen kämen mich bestimmt auch ständig belästigen wegen dir und nee danke, darauf kann ich verzichten >>, meinte er schulterzuckend. Beinahe hätte ich geheult. Es war echt ein überwältigendes Gefühl, zu wissen, dass man Freunde hatte, die alles aufgeben würden, nur um einem zu helfen. << Danke >>, flüsterte ich so leise, dass nur er es hören konnte und zwinkerte ihm zu.
Als es langsam aber sicher zu dämmern begann, wurde ich immer nervöser. Jetzt hing alles nur noch vom Glück ab, ob wir es aus der Stadt rausschafften, ohne von der Polizei angehalten zu werden oder nicht. Nervös tigerte ich hin und her, während ich mich anzog und meine wenigen Sachen zusammenpackte.
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Escape...
Teen FictionDas Leben von Carlos geht gerade ziemlich den Bach runter. Er wird aus seiner Heimat und von seinen Freunden weggerissen und muss nach London, wo er keine Menschenseele kennt. Als er durch Zufall Lilly kennenlernt, der es ähnlich erging, verliebt er...
