Kapitel 52: Wochenende

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Perspektive von Chris:

„Anthony! Ich bin da!", rief Emily. „Komm gleich!", antwortete Dad. Ich schlich mich an sie ran und hob sie hoch. Sie kreischte. Als ich sie wieder absetzte schlug sie mich und meinte: „Das ist nicht lustig!" „Doch!", lachte ich. Sie rollte spielerisch mit den Augen. Ich nahm sie in den Arm, wobei ich ziemlich nach unten gehen musste und fragte: „Und? Was hat meine Kleine die Woche über gemacht?" „Ein B in Leichtathletik bekommen! Außerdem hab ich an meiner Geschichte geschrieben und gelesen. Nichts Besonderes, also." „Wie geht's Liam?", fragte er. „Ganz gut. Er darf jetzt jemanden trainieren!" „Das freut mich für ihn!", meinte ich begeistert. Meine kleine Schwester hatte mir bereits über seine feste Anstellung in der ESuKA erzählt.

Dad kam und begrüßte Emily. „Kuchen?", fragte er uns. Sie grinste breit. „Wusste ich's doch!", meinte ich grinsend. Sie sah mich fragend an. „Ich hab extra Kuchen gebacken, weil ich dich langsam sehr gut kenne." Damit zauberte ich ihr ein Lächeln auf die Lippen. Es war wunderbar, sie Lachen zu sehen. Sie war Mom so ähnlich! Ihr Lachen, ihre Gestalt, ihr Gesicht. Einfach alles. Nur die Haarfarbe hatte sie von Dad. Mom war blond gewesen.

„Dad?", fragte ich. „Ja?" Ich gab ihn ein Signal mit den Augen. „Ah. Ja", sagte er und verließ den Raum. „Emily. Ich wollte mit dir reden." „Ja. Klar. Was gibt's?", fragte sie locker. „Es geht um die Bücher", begann ich, „Hast du schon weitergelesen?" „Ja. Worauf willst du hinaus, Chris?", fragte sie mich. „Hast du dabei etwas gefunden?" „Meinst du den Brief? Ja, den hab ich gelesen." „Gut. Sie hat für dich die fast die ganze Bibliothek in Jakes Haus geschrieben. Du bist die stärkste Elfe in der Familie. Das wurde gleich an Anfang erkannt. Du wurdest damals mit einem Zauber belegt, der deine Kräfte erst spät hervorbringt. Du konntest bereits als Baby die Flammen von Mom, Dad und ein paar anderen Verwandten kontrollieren. Ich musste Mom versprechen auf dich aufzupassen und dass der Zauber hält. Das war der vorletzte Satz, den sie vor- vor ihrem Tod gesagt hat." Sie sah mich an. Fragend, schockiert und überrascht. „Was war ihr letzter?", fragte sie im Flüsterton. „Ich hab euch lieb!", meinte ich und schluckte. Sie war still. Ich wusste nicht, ob sie überlegte, was sie sagen sollte, oder ob sie selbst etwas schockiert von ihrer Stärke war.

Dad klopfte und kam zurück ins Zimmer.

Ich sagte: „Ich geh kurz raus, frische Luft schnappen." Dann stand ich auf und ging nach draußen. Es regnete. Mir lief eine Träne die Wange herunter. Ganz langsam. Man hörte nur den Regen.

Die Haustür wurde geöffnet und ein Arm wurde um michgelegt. „Ich weiß, es ist schwer für sich, über sie zu reden. Umso mehr freutes mich, dass du es getan hast.", meinte Emily, „Danke." Sie setzte sich nebenmich und lehnte ihren Kopf an meine Schulter. Wir lauschten gemeinsam demruhigen Klang des Regens, der ganz sachte fiel.

Die 4 ElementeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt