Es ging nur noch um die Verlobungsfeier. Ich hörte dieses Wort schon bestimmt hundert mal am Tag.
Im Moment nahm ich mir eine kurze Auszeit und spazierte mit Paul den Garten entlang.
Wir unterhielten uns zum Glück nicht über die Verlobungsfeier, sondern über seine äußerst verwöhnte Kindheit. Wie er fast jeden Tag ein Geschenk bekam, von den unterschiedlichsten Leuten, und wie jeder nach seiner Aufmerksamkeit lechzte.
"Ich war aber ein liebes Kind.", sagte er lachend. "Das ist jetzt bestimmt schwer zu glauben, aber ich war sehr wohlerzogen."
"Das ist echt schwer zu glauben.", erwiderte ich belustigt. "Tut mir leid."
"Dir soll nie etwas leid tun, Schatz."
"Ach wirklich? Kann ich das also ausnutzen?"
"Nein, das bitte nicht. Es würde mich zutiefst verletzen."
"Heul nicht rum. Jemand muss dich ja schließlich gerade biegen, nach solch einer Kindheit."
"Die war aber ehrlich gesagt schön.", sagte er und lächelte. "Keine Probleme, keine Verpflichtungen und keine Frauen, die man schmerzhaft liebt und die die Liebe nicht erwidern." Er lächelte mich an.
"Also kriegst du jetzt schon wieder alles was du haben willst.", stellte ich fest.
"Für eine lange Zeit warst du unantastbar, und das war für mich unerträglich."
"Das brauchtest du mal im Leben, Schatz."
Er lachte. "Ja, da hast du wohl recht."
Wir schwiegen kurz und lauschten dem schönen Vogelgezwitscher.
"Abigail, ich habe nachgedacht, und habe mich dazu entschieden, etwas zu tun, was Vater nicht so prickelnd finden wird."
"Uh, dann ist es eine coole Angelegenheit.", erwiderte ich als Scherz, obwohl ich wirklich neugierig darüber war was jetzt kam.
Egal unter welchen umständen, Paul zeigte seinem Vater niemals Widerstand.
"Es geht um unsere Flitterwochen. Die sollen ja eigentlich in Dubai sein."
Ja in Dubai. Man hat uns mehrere Vorschläge gegeben und die Bilder von Dubai waren einfach am schönsten. Zumal ich dort schon immer hinwollte, aber nie erwartet hätte einen Fünf Sterne Luxus Hotel und all den anderen Luxus zu genießen.
"Möchtest du doch nicht dorthin?", fragte ich ihn.
"Doch, doch. Das ist ein sehr schönes Ziel, und ich kann mir vorstellen, dass es wirklich traumhaft wäre, Zeit mit dir im Orient zu verbringen. Aber ich habe nachgedacht und wollte ein Reiseziel, was dich vor allen Dingen glücklich macht... Wie wäre es damit, wenn wir nach New York gehen?"
Ich hielt inne, blieb sogar stehen. "Was?"
"Wir könnten nach New York, weil das ja deine Heimat ist, die du bestimmt vermisst hast."
"Wow. Paul, Danke. Ich würde liebend gerne dorthin. Mehr als irgendwo anders."
Ich umarmte ihn innig. "Danke, das ist das schönste Geschenk was ich je bekommen habe."
"Gerne, doch meine Liebe. Aber du musst wissen, dass es eine sehr heikle Angelegenheit ist. Vater hat etwas dagegen, also müssen wir heimlich dorthin."
"Aber wie können wir das heimlich machen? Man kann ja nicht eben mal in nen Flieger einsteigen, uns kennt man ja."
"Genau das müssen wir aber tun. Wir werden dann nicht so adlig angezogen werden, wie jetzt, sondern wir ziehen das an, was man so in New York trägt, und ich trage eine tiefe Kappe, dann wird schon alles gut werden."
"Das ist ein Risiko..."
"Für dich meine Liebe, würde ich mein Leben opfern, also bitte nehme dieses Geschenk für mich an."
"Wie kann ich da nein sagen? Du wirst dann Curtis kennen lernen, ich kann dann neue Blumen für meine Mutter besorgen, und ich betrete den Boden meiner Heimat. Paul ich bin dir so unendlich dankbar."
"Aber außer Curtis darf dich keiner sehen, man darf dich ja nicht wieder erkennen."
"Das wird kein Problem sein."
Dann küsste ich ihn, weil ich ihm so dankbar war und weil ich ihn liebte.
Er nahm dann wieder lächelnd meine Hand und wir führten unser Spaziergang fort, bis man aber nach mir rief, weil ich Stellung zu einer Angelegenheit der Verlobungsfeier nehmen musste.
*
"Gefällt es dir denn?", fragte Mona während sie an dem Kleid zupfte.
"Ja, es ist wunderschön."
"Da kann ich nur zustimmen.", fügte die Königin lächelnd hinzu. "Du siehst so aus wie eine wahre Prinzessin."
"Das war eigentlich nie mein Traum gewesen.", sagte ich lachend.
"Ist das nicht der Traum aller jungen Mädchen?"
"Eigentlich ja, schätze ich. Und hier lebe ich ihn."
Die Königin nahm meine Hände in ihre. "Und du meisterst deine Aufgaben traumhaft, Liebes."
Ich sah in diese liebevollen, braunen Augen, die nur Zärtlichkeit ausstrahlten. Sie war nicht wie meine Mutter. Aber sie war die Mutter, die mir im Moment fehlte.
"Danke."
"Mona, Sie haben tolle Arbeit geleistet mal wieder.", sagte sie dann. "Könnten Sie die Prinzessin dann zurecht machen, damit sie sich zu uns im Thronsaal gesellen kann?"
"Wie Sie wünschen, Eure Hoheit."
Dann lächelte sie uns noch ein letztes Mal zu und verließ das Ankleidezimmer.
Mona half mir aus meinem Verlobungskleid und gab mir dann ein weitaus schlichteres, damit ich dann zu den anderen gehen konnte.
"Guten Tag, meine Hübsche.", sagte Paul, als ich mich neben ihn auf meinen kleinen Thron saß.
"Guten Tag. Schon so lange nicht mehr gesehen."
"Zu lange." Er ergriff meine Hand.
Es klopfte dann an der Tür und James trat ein.
"Guten Tag eure Hoheiten.", sagte er und verbeugte sich kurz. Jedoch bemerkte ich, dass ihn etwas bedrückte.
"Ich habe ein Telegramm erhalten." Er wedelte mit einem Blatt Papier. "Die Familie von Eleonore möchte bei der Verlobungsfeier anwesend sein. Sie fragten ob es möglich sei, hier zu bis zur Hochzeit zu bleiben, da diese sehr nahe nach der Feiert stattfindet."
"Nein.", sagte der König so heftig, dass ich erschrak. "Sie werden als einzige erkennen, dass Abigail nicht ihre wahre Tochter ist."
"Also sagen Sie Ihnen ab? Mit welcher Begründung, eure Majestät?"
"Ich sage ihnen nicht ab. Sie sollen gerne kommen. Aber man soll dafür sorgen, dass sie hier nie abkommen."
"Bitte was?", rutschte es aus mir aus.
Alle schauten mich etwas geschockt an, bestimmt weil ich dem König Widerstand leistete und dann noch meine Stimme hob.
"Das geht Sie gar nichts an. Sie mögen zwar für Prinzessin sein, aber auch Sie ordnen sich mir unter."
"Ich bin mir meiner Stellung bewusst, aber Sie können doch nicht für den Tod einer unschuldigen Familie verantwortlich sein!"
"Ich habe nichts vom Tod gesagt. Aber regelrecht einem Unfall, der sie daran hindert hierher zu kommen."
"Das ist nicht richtig."
"ES REICHT!", brüllte der König und dies hallte noch den ganzen Saal entlang. "Sie haben sich da nicht einzumischen!" Ich erschrak. Und Paul ergriff meine Hand nun fester und schüttelte unmerklich den Kopf.
Ich schwieg, obwohl ich das alles ganz und gar nicht richtig fand.
Denn was konnte ich schon bewirken?
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Back to the roots :)
Ich freue mich schon voll über die Verlobungsfeier zu schreiben 😍
Und was denkt ihr passiert mit der Familie von Eleonore?
LG
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Lady Ghetto
Romance*Wird komplett überarbeitet* Eines Morgens wird Abby von irgendwelchen Typen entführt, die sie von den Straßen in New York zu dem Palast des Königreiches in England bringen. Für all den Wohlstand und Luxus soll sie den Platz der verstorbenen Prinze...
