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Kapitel 39 - Einzige Hoffnung - Kyra

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Wieder nach einiger Zeit Pause, poste ich nun endlich das nächste Kapitel von ED. Und das tatsächlich pünklich am Ersten und auch, bevor es auf FF.de hochgeladen wurde, eine Premiere! xD

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Als ich das nächste Mal wieder aufwachte, brummte mir der Schädel. Durch die halb verdeckten Fenster schienen bereits fröhlich die Sonnenstrahlen und mobbten meine Augen. Gequält kniff ich diese fast vollständig wieder zusammen. Wie viel Uhr war es? Wo war ich überhaupt? Und warum zur Hölle lag Castiel fast nackt neben mir?!
Verdattert betrachtete ich den leise schnarchenden Rotschopf neben mir. Er lag auf dem Rücken mit all seinen Gliedmaßen wie ein Seestern von sich weg gestreckt. Fast schon ein Wunder, dass ich hier überhaupt irgendwie Platz zum Schlafen gefunden hatte.
Ich schnappte mir ein Kissen und schlug damit nach ihm. Damit riss ich ihn so brutal aus dem Schlaf, dass er von 0 auf 100 aufrecht im Bett saß. Erst sah er aus, als wäre er nur knapp einem Herzinfarkt entgangen. Dann realisierte er, wo er sich befand und vor allem mit wem er sich wo befand und erntete prompt den wohl bösesten Blick, den ich je im Leben von ihm erhalten hatte. Und ich hatte schon so manchen bösen Blick von ihm erhalten.
"Brennt dir der Helm?!", brüllte er mich an. "Wofür war das?!"
"Was tust du hier?", fragte ich ungerührt und versuchte sein viel zu auffälliges Gebrüll so gut es ging zu ignorieren.
"Hä?"
Genervt verdrehte ich die Augen. "Das heißt nicht 'hä', sondern 'wie bitte'. Und ich meine, warum bist du hier?" Ich deutete wild durch das Zimmer und insbesondere auf das Bett.
Castiel sah mindestens genauso genervt aus wie ich. "Was soll die dämliche Frage? Ich habe hier geschlafen, wie du gesehen haben solltest."
"Genau das meine ich doch! Warum lagen wir beide in einem Bett und das auch noch halbnackt?!", zeterte ich und augenblicklich strafte mir das mein Kopf. Zischend hielt ich mir die Schläfen. Die Augen des Rotschopfs vor mir blitzen schadenfroh auf. "Ohhh, haben wir etwa einen Kater? Tja, scheinbar gibt es wirklich für jeden Topf 'nen Deckel, Kätzchen."
Demonstrativ fauchte ich ihn an. Er lachte nur.

Am Ende saßen wir alle halbwegs angezogen am Küchentisch und frühstückten unser nicht mehr ganz so frisches Müsli. Dazu gab es, im Gegensatz zum vorigen Abend, ein schlichtes Glas kaltes Wasser. Zuvor hatten Castiel und ich uns still, heimlich und hinter dem Rücken von Nathaniel eine Aspirin eingeworfen, um nicht mit seinem "Ich habe es euch doch gleich gesagt"-Blick konfrontiert werden zu müssen. Castiel kam trotzdem nicht umhin, sich einen blöden Kater-Spruch von mir anhören zu müssen, nachdem er ja meinte, mir einen drücken zu müssen. Gleichberechtigung und so.
Zwar hatten die Kopfschmerzen schon nachgelassen, doch sie waren noch immer da, als ich appetitlos einen Löffel durchgesapschtes Müsli nach dem anderen in meinen Mund schob. Aufgeweichtes Müsli fand ich wirklich widerwärtig, doch ich konnte und mochte einfach nicht schneller essen, gleichzeitig konnte ich es mir aber auch nicht leisten, Nahrung zu verschmähen. Diese Luxuszeiten waren wohl erst einmal vorbei. Vielleicht auch für immer.
Zum Glück schien zumindest Nathaniel meinen Kampf mit mir selbst nicht zu bemerken. Er war zu beschäftigt damit, Moon mit einem Katzenspielzeug, einer Art Angel, zu belustigen. Castiel beäugte das Geschehen skeptisch aus dem Augenwinkel, war aber wahrscheinlich ganz froh darüber, dass diese "Kreatur der Hölle" endlich das Interesse an ihm verloren zu haben schien. Der Typ konnte sich ganz schön anstellen.
"Was machen wir jetzt?", fragte ich irgendwann in die Stille hinein, die nur hin und wieder von Moons vergnügten Spielereinen unterbrochen wurde. Die beiden Jungs schreckten hoch.
"Ich meine, wir können wirklich nicht mehr länger hier bleiben. Ich habe zwei Tage hier ausgeharrt, weil ich mein Bein schonen wollte und... und weil ich, ehrlich gesagt, auch nicht wusste, wo ich hätte hinfahren sollen. Ich weiß ja nicht mal, wo wir hier genau sind." Nachdenklich hielt ich inne und senkte meinen Blick auf den Tisch. "Aber wir müssen versuchen, die anderen zu finden. Versuchen, herauszufinden, ob die anderen... noch leben..."
Erneut breitete sich die Stille zwischen uns aus. Lediglich die grau gestreifte Riesenkatze mautze protestierend, weil Nathaniel nicht mehr mit ihr spielte. Es behagte uns allen nicht, dieser Gedanke, dass noch mehr von uns in den Tod gerissen worden sein könnten. Und am aller wenigsten ertrugen wir die Vorstellung, dass es jemanden von unseren engsten Vertrauten erwischt haben könnte. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken.
Irgendwann beendete Castiel brummend die unangenehme Stille: "Wir waren auf dem Weg zu den Jacotts."
Ähm, Gesundheit? "Den wen?"
"Meiner Familie", erklärte Nathaniel verstimmt. "Wir haben die Hoffnung, dass sich die einzelnen Gruppen an das Gespräch von Li und Amber erinnern, dass es dort einigermaßen groß und vor allem sicher sein sollte und sich deshalb dorthin auf den Weg gemacht haben könnten. Es ist die einzige Anlaufstelle, die wir haben, in die Schule zurück können wir ja nicht mehr."
Es war toll, daran erinnert zu werden. Der kurze Gedanke an Spawner versetzte mir einen Stich ins Herz. Und wird es wohl auch noch eine Weile. Der nächste Gedanke war jedoch meine Verwunderung darüber, dass Nath so gekniffen wirkte, als er über sein Zuhause sprach. Sollte ihn die Aussicht auf sein Familienhaus nicht fröhlicher stimmen? Ich hätte wohl sowas wie Hoffnung, wenn es mein Zuhause wäre, das noch etwas hatte, wofür ich heimkehren könnte. Es war aber nicht mein Zuhause. Und in meinem gab es auch nichts mehr, wofür ich heimkehren wollen würde. Wobei... es gab da noch mein Problem mit der Kurzsichtigkeit. Allerdings wäre das nie ein Grund für mich, zu versuchen, nach Hause zu fahren. Ich wusste nicht, wo ich war, ich wusste nicht, wie ich dort hin kommen sollte, geschweige ob ich das überhaupt schaffen würde und am wichtigsten: Die Erinnerungen, die dieses Haus bargen, würden mich endgültig kaputt machen.
"Dann schlage ich vor, uns fertig und auf den Weg zu machen. Der Tod wartet auf uns, unsere Freunde und Familien nicht."
Ich wurde mit trockenen Frühstücksflocken beworfen. "Ey!", schimpfte ich in Castiels Richtung.
"Red' nich' so", grummelte er lediglich durch sein Müsli.

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