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Die Jungs schauen sich in dem grossen Zimmer erstaunt um. Es ist wirklich ein grosszügiges Zimmer. Hasso,  Mikesch und Lucky haben noch nie in einem so grossen Zimmer gewohnt. Es ist angenehm geheizt. Ein paar Holzscheite liegen in dem geschlossenen Kamin und glimmen vor sich hin. Im Badezimmer sind jede Menge flauschiger Badetücher, Handtücher, verschiedene wunderbar duftende Seifen, zwei Zahnbürsten in Bechern aber als sie in dem kleinen Schränkchen nachschauen sind da noch mehr Zahnbürsten. Ausserdem Kämme, Haarpflegeprodukte und alles was das Herz begehrt. Dariush bekommt leuchtende Augen und er beschliesst erst einmal zu baden. Mikesch und Lucky schauen etwas entsetzt. Doch da auch Hasso das Bad für wunderbar erachtet fügen sie sich. Sie merken schon dass sie ein wenig müffeln. Als Kater mögen sie eigentlich sauber sein aber in so einer riesigen Badewanne zu hocken erscheint ihnen nicht gerade erstrebenswert. Als Hasso ihnen einige Waschlappen gibt und ihnen vorschlägt sich am Waschtisch zu säubern strahlen die beiden Katerchen. Hasso hilft ihnen die Waschschüsseln zu befüllen und die beiden suchen sich eine nach Minze duftende Seife für ihre Körperpflege aus. Sie helfen sich gegenseitig an unbequeme Stellen zu gelangen u d schrubben sich gegenseitig die Rücken und Füße. Hasso stellt sich unter die Dusche. Er mag es schnell und praktisch. Dass er dabei pudelnass wird ist ihm egal. Als die vier in saubere Badetücher gehüllt in ihr Zimmer gehen bemerken sie dass jemand da gewesen sein muss. Im Kleiderschrank finden sie jede Menge Kleidung die ihnen gut passt. Sie ziehen sich an und Hasso und Dariush blättern in den Büchern herum. Bald sind sie in die Lektüre vertieft und sie liegen auf dem Bett und lesen. Mikesch und Lucky haben Langeweile. Da ihre Freunde anderweitig beschäftigt sind beschliessen die beiden ein wenig das Herrenhaus zu erkunden. "Wir gehen uns mal umschauen." sagen sie zu Dariush und Hasso. Die beiden brummen nur und das verstehen die Kater als Bestätigung. Leise schlüpfen sie aus der Tür und merken sich wo ihre Türe ist. Der Flur ist ziemlich lang und die Türen die von dem Flur abgehen ähneln sich. Lucky und Mikesch schauen sich fragend an. Wo sollen sie mit ihrer Erkundung beginnen? Sollen sie zuerst die obere Etage auskundschaften oder sollen sie ins Erdgeschoss gehen? Gerade als sie sich der Treppe zuwenden wollen ertönt eine wunderschöne Klaviermusik hinter einer der Türen. Die Buben lauschen mit angehaltenem Atem. Ist das eine Tonbandaufnahme oder kann hier jemand so gut spielen? Die beiden lauschen eine Weile der Musik und dann folgen sie den Tönen. Ganz am Ende des Flures ist eine Tür hinter der die Musik etwas lauter ist. Zögerlich klopft Mieksch an die Tür. Es erscheint ihm in dem Moment als Frevel in dem er geklopft hat denn die Musik hört augenblicklich auf. "Herein!" ruft jemand von innen. Mikesch drückt zaghaft die Klinke herunter. Er ist zu neugierig wer so wunderbar spielen kann. Als er seinen Kopf in das Zimmer steckt erblickt er Peter der an einem Klavier sitzt. Er hat offenbar so toll gespielt. Mikesch strahlt ihm entgegen weil er sehr froh ist dass er das Geheimnis der wunderbaren Musik gelüftet hat. "Boah! Du kannst aber toll spielen!" strahlt Mikesch dem blassen Vampir entgegen. Peter lächelt ein bisschen weil er den kleinen Kater und sein süsses Kompliment echt niedlich findet. Die beiden Kater betreten Peters Zimmer und Mikesch fragt immer noch strahlend: "Kannst du uns etwas vorspielen, bitte?" Die Kater stehen erwartungsvoll vor Peter. Der weiss dass es eigentlich unter aller Würde ist Hybriden freundlich zu behandeln. Aber diese beiden hier scheinen noch keine schlechten Erfahrungen gemacht zu haben. Sie stehen selbstverständlich in Peters Zimmer als dürften sie das. Weil Peter im Grunde genommen ein gutes Herz hat möchte er den beiden Süssen nichts zu Leide tun. Er nickt den beiden freundlich zu und spielt dann das Stück zu ende das er gerade aufgeschlagen hat. Es ist ein wunderbar melancholisches Lied und es drückt perfekt Peters Stimmung aus. Er hat, seit dem er zum Vampir verwandelt wurde sich nie wirklich froh gefühlt. Er vermisst sein menschliches Dasein und die Tatsache dass er Vampir ist hat ihn seiner grossen Liebe nicht näher gebracht. Sein Bruder hatte das Mädchen damals Peter ausgespannt und er hätte gerne Rache geübt. Doch als er endlich Vampir war hat er von der Rache abgesehen. Wieso sollte er einen Mensch den er liebt in grosses Unglück stürzen nur weil der oder die ihn nicht liebt? Wieso sollte er seinem Mädchen ein Leid antun nur weil die sich anderweitig verliebt hat? Wieso sollte er seinem Bruder Böses antun nur weil er sich in Peters Freundin verliebt hat? Peter hat die beiden zufrieden gelassen und hat sich in sein ewiges Schicksal gefügt. Dass er Nicolae getroffen hat empfindet er als grosses Glück. Gemeinsam geben die beiden sich Halt und zu zweit ist die Einsamkeit leichter zu ertragen. Dass nun zwei kleine Katerchen seinem Klavierspiel nach ein paar hundert Jahren mal wieder bewundernd lauschen lässt sein Herz ein wenig hüpfen. Es macht einfach Spass für sein Können den gebührenden Applaus zu bekommen. Die beiden stehen im Raum und lauschen wirklich andächtig und nach dem traurigen Stück klatschen sie begeistert in ihre Hände. Unverhohlen bewundern sie Peter. Der lächelt wie er seit etwa dreihundert Jahren nicht mehr gelächelt hat. "Bitte spiel noch was!" bettelt Mikesch und Peter kann nicht anders, er muss den beiden etwas fröhliches vorspielen. Leichte Tänze. Die beiden Kater strahlen, nehmen sich bei den Händen und tanzen ausgelassen durch Peters Zimmer. Peter beobachtet die ausgelassenen Hybriden und er freut sich dass er den beiden eine Freude machen kann. Es tut einfach gut wenn man mit seinem Können ein paar Jungs zu guter Laune verhelfen kann. Nach dem er für Mikesch und Lucky ein paar Tänze gespielt hat klopft es erneut an seine Tür. "Herein!" sagt Peter fröhlich und Hasso und Dariush stecken ihre Köpfe durch die Tür. Sie schauen erleichtert zu den beiden Hybriden und sagen fröhlich: "Ach, hier seid ihr! Wir haben euch schon gesucht." Mikesch und Lucky strahlen völlig ohne Schuldbewusstsein. Peter wundert das. Welcher Knecht darf schon seinem Herrn Sorgen bereiten ohne dass er bestraft wird? Doch Dariush scheint es seinen Hybriden nicht übel zu nehmen dass er sie suchen musste. Er geht in das Zimmer und Lucky nimmt ihn bei den Händen. "Peter hat Tanzmusik für uns gespielt!" erklärt Mikesch begeistert und Hasso lächelt den kleinen Kater an. "Bitte, spiel auch für Hasso und Dariush, ja?" bettelt Mikesch und Peter lässt sich nicht zwei mal bitten. Die fröhlichen Hybriden haben irgendwie sein Herz berührt und darum spielt er nun auch für deren Erschaffer. Ob Dariush auch so ein fröhliches Kerlchen ist? Jetzt wirbelt er jedenfalls mit einem seiner Kater durch den Raum und Hasso und Mikesch klatschen fröhlich den Takt dazu.

Nur eine KatzeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt