Teil 10

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Nachdem Philip sich sicher ist dass es den Dorfbewohnern und den Brüdern in der kleinen Enklave wieder gut geht bricht er mit Martin nach Shyring auf. Der Rest des Weges ist nicht mehr lang und die beiden erreichen das Schloss noch vor Einbruch der Dunkelheit. 

Die imposante Burg Shyring liegt oben auf einem Berg. Am Fusse des Berges schmiegt sich die Stadt in die raue Landschaft. Ein Kloster, das nicht dem selben Orden wie Philip angehört ist  etwas oberhalb der Stadt auf den gegenüberliegenden Berg gebaut. Der Orden hat viel Geld und die Brüder zeigen es auch. Die Kirche ist prächtig und das Kloster prunkvoll. Philip und Martin werden in ihren rauen und erdfarbenen, zugegebenermassen dreckigen Kutten mit gerümpfter Nase angeschaut. Philip bittet zaghaft um einen Platz und die beiden werden eingelassen. Der fette Mönch der sie empfängt scheint eine Frohnatur zu sein. Gut gelaunt nimmt er die beiden in Empfang und lässt ihre Reittiere gut versorgen. "Wollt ihr zuerst etwas essen oder lieber erst baden?" fragt er die beiden. Philip schaut perplex. Der fette Mönch lacht und er fragt gut gelaunt: "Ich hoffe ihr habt kein Gelübde abgelegt nicht zu baden. Bei aller Liebe, ihr zwei stinkt zum Gotterbarmen." Martin lacht aber Philip schaut verkniffen. "Wir haben kein Stinkegelübte abgelegt." kichert Martin und Philip schaut ihn dafür böse an. Der fette Mönch lacht über den kleinen Bruder und er nimmt die beiden mit zu dem Badehaus. Das Badehaus ist sehr luxuriös. Mehrere hölzerne Zuber sind dort und ein Brunnen ist direkt im Badehaus. Dazu eine Feuerstelle wo grosse kupferne Kessel aufgehängt sind. Weiss gekleidete Novizen sind damit beschäftigt einen Badezuber vorzubereiten. Sie schöpfen emsig Brunnenwasser hinein während andere den Kupferkessel befallen und darunter das Feuer schüren. Als das Wasser heiss ist dürfen Philip und Martin in den Zuber steigen. Sie bekommen etwas Seife um sich zu waschen. Philip ist die Prozedur sehr unangenehm. Er mag es gar nicht dass nun der fette Mönch mit seinen Kleidern weggegangen ist. Völlig nackt fühlt er sich sehr hilflos. Martin scheint das Bad zu geniessen. Er seift sich gründlich ein und taucht in das warme Wasser ein. Philip lacht sich ein bisschen über den Eifer seines Novizen kaputt. Doch die gute Laune des Knaben ist ansteckend. Bald hat sich auch Philip den schmutz vom Körper gewaschen. Die Köpfe waschen sich die beiden gegenseitig. "Du könntest mal wieder eine Rasur vertragen." sagt Philip als er die inzwischen doch recht langen Locken von Martin eingeseift und ausgespült hat. Wenn Martins Haare trocken sind dann kringeln sich süsse blonde Locken auf seinem Kopf. Doch nun so nass fallen sie dem Jungen fast bis auf die Schultern. "Du aber auch!" bemerkt Martin und streichelt Philips raue Wange. Die letzte Rasur ist nun schon einige Wochen her. Philip hat sich vor der Abreise noch gründlich geschoren und rasiert. Doch nun sind die Haare doch mehr als nachgewachsen. So lange hatte er nicht vorgehabt unterwegs zu sein. Doch nun kommt der fette Mönch mit einem Rasiermesser vorbei. Zwei frische Alben hat er ebenso dabei und weiche Trockentücher. Dankbar nimmt Philip das Rasiermesser und er schneidet Martin die Haare ab. Anschliessend überlässt er es dem Jungen ihn zu rasieren. Martin ist geübt darin Philip zu rasieren. Zu Hause macht er es ja auch. Der fette Mönch schaut den beiden interessiert zu. Er reicht den beiden warme Tücher mit denen sie sich trocknen können. Philip trocknet sich schnell und notdürftig ab. Er zieht so schnell er kann die Albe an, denn er fühlt sich unter den gierigen Augen des fetten Mönchs sehr unwohl. Martin scheint keine Scheu vor dem lustigen Bruder zu haben. Er lässt sich in eine belanglose Plauderei verwickeln und er trocknet sich nicht ganz so hastig wie Philip ab. Dem älteren missfällt das sehr. Er verhüllt seinen kleinen Novizen in sein Handtuch und dann rubbelt er den Kleinen trocken. Martin wundert sich zwar, geniesst dann aber die Fürsorge seines Priors. Philip lässt den fetten Mönch nicht noch einmal auf das Geschlecht seines Schützlings starren. Er bekleidet seinen Kleinen eigenhändig und nimmt erst das Tuch beiseite als die schützende Albe die Scham seines Novizen bedeckt. Dass er dabei sanft die Rückseite seines Kleinen streichelt fällt ihm selbst nicht auf, Martin bedankt sich dafür mit einem glückseligen Lächeln, der fette Mönch kneift seine Augen zusammen. "Ob die beiden ein Liebespaar sind?" denkt er lüstern. Er liebt es die Novizen seines Ordens beim Baden zu beobachten und er wäscht den Jungs gerne und mit Hingabe die Rücken. Diesem Jungen hätte er nur zu gerne beim Baden geholfen. Dass der ältere Bruder zusammen mit dem jüngeren in einen Zuber geklettert ist fand er aufregend und empörend zugleich. Die Novizen hat es gefreut, mussten sie doch keinen zweiten Zuber mit warmen Wasser befüllen. 

Sauber und in frische Alben gehüllt dürfen Philip und Martin an der Vesper teilnehmen. Sie sitzen mit den Mönchen im Chorraum und fallen mit ihren weissen Gewändern unangenehm auf. Die meisten Mönche tragen edle Stoffe und der Priester hat ein mit Goldfäden gewirktes Gewand an. Der Abendmahlskelch ist aus purem Gold und reich mit Edelsteinen verziert. Martin staunt das edle Gefäss unverhohlen an. Philip missbilligt den zur Schau gestellten Reichtum. Beim anschliessendem Abendessen staunt Martin wieder. Die Teller sind aus feinstem Porzellan und das Besteck ist aus Silber. Die Speisen sind wirklich fein. Martin hat so etwas köstliches noch nie gegessen. Es wird Wein aus edlen Kristallgläsern gereicht und Martin kostet das fremde Getränk sehr vorsichtig. Philip raunt seinem Kleinen zu dass das edle Getränk Alkohol enthält und er etwas vorsichtig trinken soll wenn er anschliessend noch Herr seiner Sinne sein möchte. Martin bekommt ganz grosse Augen und er fragt wispernd weswegen dieses berauschende Getränk denn überhaupt gereicht wird. Doch Martin und Philip hätten sich nicht flüsternd unterhalten müssen. In diesem Kloster wird nicht schweigend gegessen. Die Mönche unterhalten sich lustig über belangloses Zeugs. Martin lauscht den Gesprächen mit grossen Augen. Der fette Mönch fragt den Kleinen augenzwinkernd ob er sich denn auch wohl fühlen würde. Er ist über den errötenden Knaben sehr erfreut. Doch Martin fühlt sich nicht wirklich wohl. Die angenehme Stille bei dem Abendbrot daheim gefällt ihm sehr gut. Philip lässt während den Mahlzeiten aus der heiligen Schrift vorlesen und Martin liebt es wenn er aus der Bibel lesen darf. Er lauscht auch sehr gerne den Geschichten und er vermisst es ehrlich gesagt sehr. "Aber wir haben doch vorhin während der Vesper aus der heiligen Schrift gehört!" antwortet der fette Mönch liebevoll. Er kann verstehen wenn der Kleine sich gerade sehr verloren vorkommt. Die Bettelorden versuchen durch Selbstkasteiung dem Herrn näher zu kommen. Dieser Orden stellt die Herrlichkeit des Herrn dar. So wundervoll und prunkvoll wie die Kirche, das Kloster und so reich wie seine Bewohner werden einst alle gläubigen Christen sein wenn sie bei Gott angekommen sind. Das Kloster stellt die himmlische Stadt Jerusalem dar. Natürlich muss hier niemand hungern. Im Gegenteil, die Speisen sind erlesen und der fette Mönch ist nicht der einzige seines Ordens der ein wenig mehr Speck auf den Hüften trägt. Martin lauscht der Erklärung mit grossen Augen. "Aber wenn das hier das himmlische Jerusalem darstellt, wieso hungern dann die Menschen um das Kloster herum?" fragt Martin interessiert. Der Mönch lacht und sein Bauch schwabbelt dabei ganz lustig. "Es sind ja auch nur die Heiligen im himmlischen Jerusalem. Du, mein Freund, wirst die Stadt vielleicht von weitem erblicken und musst zunächst einmal ins Fegefeuer." Martin schlägt sich bei dem Gedanken an seine alte Heimat erschrocken die Hände vor das Gesicht. Er zuckt ganz heftig zusammen und er ist sehr froh direkt die schützenden Arme von Philip auf seinen Schultern zu spüren die ihn eng an Philip ziehen. Ängstlich kuschelt sich der Kleine an seinen grossen Freund. Die Hände nimmt er wieder runter um sie in die weiche, seidige Albe zu krallen die Philip gerade trägt. Philip sagt sanft aber bestimmt: "Martin wird bestimmt nicht dem Fegefeuer anheim fallen. Ich habe keinen gottesfürchtigeren, gelehrsameren und fleissigeren Novizen gehabt. Er hat sein Leben Gott geweiht und ich bin mir sicher dass er eines Tages in den Himmel darf!" Martin schaut ihn ungläubig mit grossen Augen an. Ja, Philip hat ihn getauft. Aber Philip weiss doch eigentlich dass er ein Dämon ist. Wieso glaubt er dass das nicht wichtig ist? Martin würde sich so gerne wünschen dass Philip recht behält und er eines Tages mit Philip gemeinsam in den Himmel ziehen darf. Doch so wie dieses Kloster stellt der kleine Novize sich den Himmel wahrhaftig nicht vor! Es kann doch nicht sein dass einige Menschen in Saus und Braus leben können und andere schier verhungern. 


PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt