Teil 56

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Alfred erscheint mit Peter zusammen in der Kirche. Er hat die weisse Albe der Novizen am Leib. Philip runzelt verwundert seine Stirn und Peter bemerkt dies. Entschuldigend hebt er seine Schultern und er grinst verschämt. Da Philip keine Lust hat das Gebet mit seinen Fragen zu verzögern beginnt er das Abendgebet. Inbrünstig beten die anwesenden Männer. Philip späht immer mal zu den Novizen rüber. Ausser Alfred, der die Texte noch nicht kennen kann sprechen sie alle mit. Philip ist zufrieden. Seit dem er in Kingsbridge Prior ist hat er zumindest die Novizen dazu gebracht ernsthaft an den Gebeten teilzunehmen. Zwischen den Laienbrüdern steht noch Jake. Der betet ebenfalls gewissenhaft die Texte mit. Philip ist sich sicher dass er inzwischen Alfred entdeckt haben muss. Nach der Komplet ziehen sich die Brüder zum Schlafen zurück. Nun wird nicht mehr gesprochen. Lediglich der Prior dürfte, wenn er denn dringend müsste noch etwas bereden. Doch Philip möchte heute Abend darauf verzichten. Martin wirkt so müde. Er hat während des Gebetes zwei mal gähnen müssen und das sieht Philips Freund nicht ähnlich. Gemeinsam geht Philip mit seinem Martin in ihr Zimmer im Priortshof und sie gehen sofort ins Bett. Die beiden sind schon eingeschlafen noch ehe Francis und Jakob den Raum betreten. Francis staunt seinen Bruder an. Seinen Martin hat er eng an sich gezogen. Martin verschwindet förmlich unter Philips Körper. Martin hat beide Arme unter Philip gezogen und auch seine Beine sind bedeckt weil Philip ein Bein über Martin gelegt hat. Es sieht aus als hätte sich Martin mit Philip zugedeckt. Martins Gesicht ist an Philips Halsbeuge geschmiegt und der kleine Mann seufzt im Schlaf. Francis würde es als zufriedenes Seufzen interpretieren. Philip schnarcht leise und als Martin seufzt zieht er ihn noch enger an sich. Francis hätte gewettet dass das nicht geht. Jakob und auch Francis legen sich zu Philip und Martin in das Bett und gemeinsam schlafen sie bis sie mitten in der Nacht zur Vigil aufstehen.

Am nächsten Morgen überrascht Jake Philip und Martin weil er nicht aus der Klostergemeinschaft ausziehen möchte. "Ich habe hier noch so viel zu lernen." erklärt er flehentlich. "Ich möchte einfach noch die Bibliothek und euren reichen Wissensschatz nicht verlassen. Ich weiss dass ich auf der Baustelle demnächst wieder lerne. Doch seit dem ich die Bücher kennen gelernt habe möchte ich so viel mehr als nur Steine behauen." Philip ist ganz gerührt. Martin wiegt seinen Kopf. "Du möchtest aber nicht für immer im Kloster sein, oder?" Jake schüttelt zögerlich seinen roten Schopf. "Nein, mein Herz liebt Aliena. Ich wünsche sie einmal zu heiraten. Doch vorher möchte ich so viel wie möglich lernen." erklärt er. Philip nickt und er ist einverstanden. "Dann sei es so. Du hast es ja nicht ganz so weit. Wenn ich es richtig verstanden habe werdet ihr bald die Decken einziehen. Dann arbeitest du ja praktisch in der Kirche. Ich bin mir sicher dass du an den Gebeten teilnehmen kannst auch wenn du nicht im Chor stehst. Jakob freut sich und er geht fröhlich zu Tom Builder um mit ihm die Kirche weiter zu bauen. Jake lernt viel in dieser Zeit. Er bemüht sich dem Baumeister eifrig zur Hand zu gehen. Jake rechnet die Statik mit Tom aus und er lässt sich erklären warum Tom die Spangen an die Kirche baut. Ausserdem lernt er wie man die Gerüste zimmert um die steinerne Decke zu bauen. Das alles ist sehr interessant. Ausserdem nimmt sich Jake Zeit die Schlußsteine zu hauen. Er fertigt sie in wunderbaren Ornamenten und einige bekommen florale Muster. Jake freut sich dass er immer noch so geschickt mit Hammer und Meissel ist. In seiner freien Zeit findet man Jake nun fast immer in der Bibliothek die Bücher zu studieren. Jake glaubt mit dem reichen Wissen den bestmöglichen Mann aus sich herauszuholen. Wenn sich Aliena einst für ihn entscheidet so soll sie einen gebildeten Mann bekommen. Einen auf den sie stolz sein kann. Und so lernt Jake tagein und tagaus. Natürlich vergisst er darüber nicht seiner Herzensdame den Hof zu machen. Noch immer lässt er ihr kleine Aufmerksamkeiten zukommen. Waren es früher kleine Schmuckstücke so werden es mehr und mehr kleine Texte die Jake für Aliena verfasst hat. Jake sendet ihr seine Gefühle und Gedanken in hübsche Worte gekleidet auf edlem Pergament geschrieben. Meist reich verziert mit schönen Blumenmustern oder sonstigen Bildern. Als Jake einmal Aliena aufsucht um ihr seinen letzten Brief zu überreichen da trifft er sie in alte Lumpen gekleidet und mit aufgerissenen Händen. Ihre Haare sind zerzaust und sie sieht eher aus wie eine Bettlerin als wie eine reiche Dame. Jake findet sie dennoch wunderschön und er sagt ihr das auch. "Aliena, selbst in Sack und Asche siehst du schöner aus als alle Frauen die unter der Sonne wandeln." Aliena lacht und sie stöhnt gleichzeitig. "Mir tut alles weh. Die letzten Arbeiterinnen haben mich verlassen. In dieser Stadt gibt es einfach zu viel gut bezahlte Arbeit. Ich finde niemanden mehr der die Wolle walken will. Es ist aber auch ein harter Job." Jake lässt sich von Aliena erklären wie man Wolle walkt. Dann geht er sehr nachdenklich nach Hause und er denkt lange über eine mechanische Walkmaschiene nach. Als er sie gezeichnet hat fragt er Tom was der über diese Konstruktion denken würde. Jake erklärt Tom weswegen er die Walkmaschiene erfunden hat. Tom ist beeindruckt. Vor allem da Jake die Grösse dazugeschrieben hat. So kann man sie sehr leicht bauen. "Du wirst sie schnell bauen können. Frag doch mal Philip ob du sie unten am Fluss aufstellen darfst." sagt Tom und Jake fragt den Prior. Der ist einverstanden und dann muss Jake nur noch zu Alfred um um Holz für seine Konstruktion zu bitten. Der hat von dem Fachwerkhaus noch etliche Balken übrig. Als Jake Alfreds Haus sieht ist er sehr beeindruckt. Alfred sieht einen Jake der das Haus ehrfürchtig anschaut. "Was ist? Willst du mir erzählen wie ich es besser abdecke damit man es nicht mehr sieht? Vielleicht mit deinen Kunstwerken bedecken damit es nicht so nackt und hässlich in der Gegend herumsteht?" fragt Alfred und er schaut Jake scheel an. "Nein, Bruder, dein Haus ist wunderschön. Es benötigt keine Ornamente. Die geraden Balken, die wunderbaren weissen Wände sind so akkurat dass sie dem Auge schmeicheln. Wie ich sehe hast du etliche Fenster eingebaut. Ich bin mir sicher dass das Haus auch von innen einfach nur hell und schön ist." Alfred ist baff. "Willst du es dir mal ansehen?" fragt er bang. "Ja, klar!" sagt Jake begeistert. Zusammen betreten sie das Haus und Jake staunt über Alfreds Bau. "Du bist ein wahrlich begabter Baumeister!" resümiert Jake und Alfred strahlt. "Meinst du? Es ist ein simples Fachwerkhaus." sagt er weil er nicht weiss wie er mit dem Lob umgehen soll. Jake fährt fast ehrfürchtig mit den Händen über die Wände und Fensterbänke. „Du hast von Philip gelernt." sagt Jake bewundernd. „Wie meinst du das?" fragt Alfred der auch keinen Reim auf Jakes Aussage machen kann. Jake schaut sich um und er zeigt mit seinen Händen den ganzen Raum. „Dieser Raum hier, er ist so schlicht und hell, er ist wunderbar. Während Tom und ich stets alles verzieren und verschönern möchte Philip am liebsten nur klare Linien. Das bunte Fenster darf Tom nur für sich einbauen. Philip wollte es erst doch gar nicht. Dein Raum ist perfekt. Die Wände sind gerade, die Fenster passgenau und wirklich groß. So werden die Mädchen das Gefühl haben sie wären in Gottes guter Schöpfung, sag, wieso hast du jeweils zwei Fenster hintereinander einbauen lassen? Kostet das nicht unnötig Geld?" Nun grinst Alfred. „Mädchen frieren dich immer. Also Martha friert immer und auch deine Mutter jammert im Winter oft dass ihr kalt sei. An den Fenstern ist es doch besonders kalt und da das hier ein Haus für Frauen wird hab ich mir gedacht dass ich die Fenster doppelt einbaue. Dann wird es wärmer, weißt du?" Jake legt eine Hand an das Glas und er nickt beeindruckt. „Nicht schlecht!" sagt er. Alfred schaut Jake glücklich an. Jake fragt Alfred ob er noch ein paar Balken übrig habe. Jake erklärt Alfred weswegen er das Holz braucht und Alfred geht mit Jake zum Holzlager. Alfred hilft Jake die besten Balken herauszusuchen und er überlässt Jake einen seiner Zimmerleute damit der Jake hilft die Holzkonstruktion zu verwirklichen. Jake baut mit dem Zimmermann fleissig an seiner Walkmaschiene. Als die beiden die nahe Brücke anschauen sagt der Zimmermann: „Das nächste was dein Prior erneuern lassen sollte ist die Brücke. Sie ist nicht mehr stabil!" Jake bedankt sich und er nimmt sich vor Philip davon zu berichten. Am Ende probiert er aus ob seine Maschiene auch funktioniert. Er freut sich ungbeschreiblich als er Aliena sein Werk präsentieren kann. Euphorisch zeigt er ihr alle Funktionen die er eingebaut hat. Aliena ist sprachlos. Diese wunderbare Stadt hat ihr Glück gebracht. Sie hat hier ihren Wollhandel, der Prior achtet sie als Händlerin und Jake, ja Jake schenkt ihr immer wieder sein Herz und nun auch seine Schaffenskraft. „Hast du die wirklich nur für mich erfunden?" will Aliena immer wieder wissen und sie freut sich dass ihr Rotschopf jedes mal lächelt und einfach nur „ja" sagt. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Er hat ihre Not gesehen und seine reiche Phantasie und Schaffenskraft genutzt um ihr aus der Misere zu helfen. Aliena ist Jake in dem Moment so unendlich dankbar. Gemeinsam walken sie bis zum Sonnenuntergang an Alienas Wolle. Sie schleppen sie danach zu Alienas Geschäft damit sie dort trocknen kann um danach weiter verarbeitet zu werden. Aliena handelt nämlich inzwischen nicht mehr mit der Rohwolle, sie verarbeitet sie. Das feine Tuch ist über die Grenzen der Stadt heiß begehrt. Jake verabschiedet sich von Aliena und die Träume die er heute Nacht hat sind nicht jugendfrei. Jake ist sich sicher dass seine Angebetete ihn einst erhören würde, sollte er sie denn fragen ob sie ihn heiraten möchte. Aliena hat heute mehrfach nach Jakes Hand gegriffen und sie festgehalten. Jake ist sich fast sicher dass sie ihn geküsst hätte wenn er beim Abschied die entsprechenden Gesten vollendet hätte. Er hatte sie im Arm und Aliena hat ihm tief in die Augen geschaut. Nur Jake wollte sein Mädchen nicht küssen. Er trägt die Kutte nicht umsonst. Im Moment möchte er der Kirche dienen, von ihr lernen und studieren, sie im wahrsten Sinne des Wortes aufbauen. Da hätte er kaum Zeit für eine Ehe, geschweige denn ausreichend Zeit seiner angetrauten zu huldigen. Jake weiss nämlich dass Tom und Ellen in letzter Zeit häufig streiten weil Tom so wenig zu Hause ist. Jake kann seine Mutter zu gut verstehen. Sie hat zwar Jahrelang alleine gelebt aber trotz Gemahl alleine einzuschlafen und nicht selten auch alleine aufzuwachen ist frustrierend. Jake möchte seiner Frau das nicht antun. Dennoch träumt er von seiner Liebsten denn er hat sie furchtbar gern.
Francis beobachtet in der nächsten Zeit seinen Bruder und dessen Freund. Er weiss ja dass die beiden geheiratet haben, sich auch schon geliebt haben aber er sieht sie selten ihre Liebe zu bezeugen. Kaum mal eine Umarmung, selten eine Berührung oder ein Blick der unschicklich wäre. Philip hat seine Arme oft um Martin gelegt, jedoch könnte er seine Arme so auch um jeden anderen Mann legen. Francis vermisst die Begierde in Philips oder Martins Blick, er sieht ihnen nicht an ob sie lüstern sind. Sie haben zwar gesagt dass sie sich lieben und begehren aber Francis ist sich gar nicht mehr so sicher ob das stimmt. Ja, er hat Philip und Martin einmal Unzucht vorgeworfen, jedoch stammte dieser Vorwurf aus seinem eigenen Herzen. Er hätte gerne mit diesem kleinen Engel Dinge getrieben die sich nicht gehören, er hätte ihn gerne verführt und hätte ihn gerne besessen. Francis fragt sich ob er den kleinen Engel denn eines Tages für sich gewinnen könnte. Er beobachtet Martin ob ihm irgendetwas gefällt, ob man dem Kleinen eine Freude machen kann. Er sucht nach Dingen die sein Bruder im Umgang mit seinem Angetrauten vielleicht falsch macht. Doch die beiden gehen stets sehr liebevoll miteinander um. Martin freut sich jedes mal aufrichtig wenn er Philip sieht und Philip ebenso. Die beiden übersehen sich nie. Selbst wenn sie nur eilig aneinander vorbei hasten bleiben sie kurz stehen um sich etwas zu sagen. Meist fassen sie sich an den Händen und verbinden sich so. Francis bemerkt dass sowohl sein Bruder als auch Martin wohl sehr taktile Männer sind. Sie fassen häufig ihr Gegenüber an wenn sie mit einer Person reden. Martin meist um zu trösten oder zu heilen, Philip um sich um die Seele seines Gegenübers zu sorgen. Selten dass er einem Bruder die Beichte im Beichtstuhl abnimmt. Meist sitzt er dazu in der Kirche und er fasst sein Gegenüber an den Händen, legt ihnen eine Hand auf den Arm oder umarmt sein Gegenüber gleich. Selbst Remigius darf in Philips Armen beichten. Genau so liebevoll wie Philip und Martin sich berühren so berühren sie auch ihre Kinder. Johannes und klein Francis sitzen ständig auf Philips oder Martins Schoss, sie schmusen die kleinen, trösten und loben sie unablässig. Francis fragt sich ob Philip nicht doch ein guter Familienvater geworden wäre. Seine Frau hätte zumindest in Sachen Kindererziehung auf ihren Mann zählen können. Natürlich bleibt Jakob nicht verborgen wie es um Francis Herz bestellt ist. Martin findet den Novizen tränenüberströmt in den Gewölben der Kirche. Martin schnappt sich den jungen Mann und Jakob schüttet sein Herz aus. „Francis liebt dich!" jammert Jakob. „Ich weiss schon lange nicht mehr wie ich an Francis herankomme. Ich glaube ich müsste gar nicht mehr mit euch in einem Bett schlafen, er wird mich nicht vermissen." Martin bekommt einen dicken Kloß in seinen Hals. Ja, er ist gerade aufgestanden als Francis ins Bett gekommen ist. Jakob ist entgegen der Gewohnheit nicht mit gekommen aber Francis hat sich hingelegt und er hat angefangen zu schnarchen. Philip hat Martin gefragt wohin er denn gehen würde. „Ich geh Jakob suchen." hat Martin geflüstert und Philip ist mit aufgestanden. Philip hat im Kirchgarten gesucht. Sie haben vermutet dass der Kleine sich dort versteckt weil er tagsüber ja auch dort arbeitet. Doch Martin ist in die Katakomben gegangen weil er selbst dort geweint hat als er um Philip getrauert hat. Nun hat er den Kleinen im Arm und kann ihn kaum beruhigen. Er hat die begehrlichen Blicke von Francis bemerkt. Philip hört das Gespräch der beiden in weiten Teilen mit an. Er hat seinen Martin vermisst und weil er Jakob nicht gefunden hat ist er Martin in die Kirche gefolgt. Als er unten Stimmen gehört hat ist er ihnen gefolgt. Dass Francis seinen Freund so schändlich behandelt schmerzt Philip. Er hasst es einfach dass Francis nie die anderen sieht, immer nur sich selber. Da hat er einen aussergewöhnlich hübschen Knaben als Freund, der dazu noch einen zuverlässigen Partner braucht weil er eine schlimme Vergangenheit hat und Francis beachtet das alles nicht. Er sieht Jakob wohl inzwischen als so selbstverständlich dass er ihm wohl langweilig ist. Philip schleicht sich zurück. Er weckt seinen Bruder und stellt ihn zur Rede. Francis weiss zunächst gar nicht was los ist aber als Philip ihn darauf hinweist dass sein Jakob nicht im Bett schläft und er und Martin den Novizen suchen und finden mussten wird Francis nun doch endlich reumütig. „Ich hab das gar nicht bemerkt. Ich war müde." verteidigt sich Francis. Philip schüttelt verständnislos seinen Kopf. „Wie kannst du deinen Freund vergessen?" fragt er entsetzt. Francis zuckt mit den Schultern. „Bist du noch nie ohne Martin eingeschlafen?" fragt Francis bissig. „Nein, natürlich nicht. Ich könnte nicht ohne ihn einschlafen. Ich muss doch wissen dass es ihm gut geht!" sagt Philip und er wundert sich. Francis schaut Philip schief an. „Ihr wirkt nicht gerade wie ein Paar." stellt er fest. Philip lacht laut auf. „Du hast uns einst Unzucht vorgeworfen" sagt er und er wird ernst. „Weisst du Francis, Martin und ich sind Mönche. Wir nehmen unseren Auftrag diese Gemeinde zu führen sehr ernst. Ja, wir lieben uns, nein wir haben nicht ständig und überall Sex miteinander." Philip schaut Francis an und er sieht dass sein jüngerer Bruder überhaupt nicht versteht was er ihm sagen will. Philip seufzt. „Du, Francis, ich liebe Martin mit meinem Herzen. Er ist der wichtigste Mensch an meiner Seite." Francis korrigiert sofort: „Martin ist ein Engel." Philip stöhnt. „Das ist doch egal! Martin ist das wichtigste Wesen an meiner Seite. Ich freue mich jedes mal wenn ich ihn sehe. Ich werde unruhig wenn ich ihn länger nicht gesehen habe. Wenn Martin in der Stadt ist um dort die Menschen zu heilen dann halte ich es manchmal nicht aus und ich muss ihm entgegen gehen um bei ihm zu sein. Mein Herz schmerzt wenn es Martin nicht gut geht." Nun staunt Francis. Sein Bruder liebt den anderen anscheinend doch sehr. „Wir müssen uns nicht küssen um uns zu zeigen dass wir uns mögen. Uns reicht es wenn wir nebeneinander sitzen. Wenn wir gemeinsam beten und singen dann verschmelzen unsere Stimmen zu einer Stimme, unser Gesang wird ein Gesang, unser Lob wird ein Lob und im gemeinsamen Gebet werden wir eins. Verstehst du das?" fragt Philip und er freut sich als Francis nickt. „Ich brauche Martin nicht verführen, ihn unsittlich berühren denn wir haben etwas besseres. Wir dienen Gott und wenn wir diesen Dienst ernst nehmen so verschmelzen wir manchmal zu einer Person. Ich habe dann das Gefühl der Engel und ich sind eins." Francis seufzt schwer. „Du hast einen hübschen Freund. Er ist wohl gestaltet." sagt er. Philip nickt. „Ja, Martins Gestalt ist überirdisch schön. Das ist ja auch kaum ein Wunder, oder?" Francis nickt freudlos. Doch Philip rüttelt seinen Bruder. „Jakob ist von Martin kaum zu unterscheiden! Hast du keine Augen im Kopf? Der Junge sieht Martin so ähnlich er könnte dessen Bruder sein." Nun senkt Francis seinen Kopf. „Jakob ist ein Junge, kein Engel." stellt er trocken fest. Philip grinst. „Sei froh!" sagt er spitzbübisch. Francis schaut verwundert auf. Philip grinst. „Martin würde mit dir nicht intim werden." stellt Philip trocken fest. „Sei froh dass du Jakob hast, der ein Stehvermögen eines sechzehnjährigen besitzt. Er kann dir das geben was du brauchst. Der Engel gibt mir was ich brauche." Francis bekommt grosse Augen. Sein Bruder war schon immer recht enthaltsam. Doch nun muss er es einfach wissen: „Wie oft habt ihr bisher miteinander geschlafen?" fragt Francis und er schaut Philip direkt an. Philip zuckt seine Schultern. „Wir schlafen jede Nacht gemeinsam." „Argh! Das meine ich nicht, du weisst was ich wissen will!" sagt Francis frustriert. Philip antwortet: „Es geht dich zwar nichts an aber zwei mal bisher." Nun staunt Francis. „In all den Jahren nur zwei mal?" fragt er baff. Philip nickt. „Ich habe dir erklärt dass wir eigentlich eine andere Beziehung führen." sagt er und dann hören sie die beiden jüngeren den Priortshof betreten. Als Martin und Jakob das Schlafzimmer betreten lächelt Francis seinem Jakob dünn zu. „Da bist du ja, ich habe mir Sorgen um dich gemacht." sagt er und er weitet seine Arme. Jakob schaut Francis ungläubig und unglücklich an. Doch dann schmeißt er sich an die Brust seines Liebsten und er lässt sich in einen innige Umarmung ziehen. Philip nimmt Martin und er sagt zu Francis und Jakob: „Martin und ich werden ein wenig spazieren gehen. Rechnet nicht damit dass wir heute Nacht mit euch das Bett teilen." Francis staunt seinen Bruder an, damit hätte er nun wirklich nicht gerechnet.

PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt