Teil 59

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Philip und Martin schauen in ihrem Kloster nach dem Rechten. Überall schwirren die Brüder herum und sie helfen eifrig sich gegen den Angriff vorzubereiten. Sie rechnen natürlich damit dass der Rest des Heeres bald auf anderem Wege den Fluss überquert und dann von wo auch immer angreifen wird. Das Heer war riesig und es ist nur ein kleiner Teil in die Fluten gestürzt. Da Philip und Martin nichts besseres zu tun haben gehen sie hinunter in die Stadt die sich ebenfalls gut auf den Angriff vorbereitet. Gegen das Feuer von oben stellen sie jede Menge Wasser in die Straßen. Sie machen ihre Hausdächer nass und jeder waffenfähige Mann ist inzwischen gerüstet. Richard entdeckt Philip und Martin und er fragt sie ganz direkt: „Wollt ihr euch nicht auch bewaffnen und uns verteidigen?" Philip schaut Martin an und sie wirken unentschlossen. „Wir werden jeden Kämpfer brauchen können wenn wir angegriffen werden." Lockt Richard die beiden und schliesslich lassen sie sich rüsten und bewaffnen. Martin hat unendliche Angst um seinen Philip, er weiss dass Philip kein guter Kämpfer ist. Er will Philip eigentlich nicht mit dem Schwert in der Hand auf Feinde wartend sehen. Er hat die Übungen eigentlich theoretisch gemeint und er hatte nie gedacht dass sein Mann eines Tages wirklich mal das Schwert gebrauchen müsste um sich zu verteidigen. Er hofft so sehr dass Philip die Schlacht gut überleben wird. Martin nervt Philip die ganze Zeit indem er ihm wieder und wieder erklärt wie man ein Schwert benutzt. „Martin, du hast mir das Kämpfen selber bei gebracht. Du weisst dass ich weiss was du da die ganze Zeit erklärst." sagt Philip und er schaut Martin ernst an. Sein Engel ist gerade erst von den Toten wieder auferstanden. Soll er ihn wirklich in eine Schlacht schicken? Eigentlich würde Philip dies gerne verhindern, er weiss aber auch dass Martin wahrscheinlich der beste Kämpfer ihrer Stadt ist. Heute Morgen stand Philip auf dem Gerüst eines der Türme als er das Heer über die Brücke hat kommen sehen. Martin ist den Reitern entgegen getreten. Seine Flügel waren weit aufgespannt und er war in gleißendes Licht getaucht. Niemand hätte dieses Heer aufhalten können ausser Martin. Philip ist vorhin zwar das Herz in die Hose gerutscht aber er wusste dass nur Martin sie jetzt noch retten kann. Dieses Vertrauen hat er in seinen Engel. Dass der sich nun entsetzliche Sorgen um ihn macht ist zwar verständlich aber es nervt. Philip merkt wie er zunehmend nervöser wird. Dabei weiss Philip dass der sicherste Platz in ganz Kingsbridge genau neben Martin ist. Wenn ein Engel an deiner Seite kämpft dann kannst du gar nicht verlieren, weiss Philip.
Alfred und Peter kommen ganz aufgeregt zu Richard, Philip und Martin. „Wir wollen auch mit kämpfen!" sagen die beiden jungen Männer etwas atemlos. Richard lacht die beiden nur aus. „Ihr? Ihr könnt ja nicht einmal ein Schwert führen." sagt er belustigt. Philip unterbricht Richards Hohngelächter. „Warum wollt ihr kämpfen?" fragt er die beiden nach ihren Beweggründen. Alfred schaut blöde aber Peter erklärt: „Wir sind doch auch waffenfähige junge Männer. Wir wollen einfach helfen unsere Heimat zu verteidigen. Außerdem sind wir stärker als die meisten die jetzt in Rüstungen stecken und mit Schwertern gegürtet sind." „Ihr tragt Röcke!" lacht Richard. Martin schaut Richard böse an und er zischt: „Ich trage auch einen Rock und mich hast du gerade angefleht dass ich an deiner Seite bin wenn der Angriff kommt." Richard schaut Martin mit langem Gesicht an. „Aber das ist was anderes, ich weiss dass du kämpfen kannst." erklärt Richard. „Und ich weiss dass Alfred draufhauen kann. Wo der hinschlägt da wächst kein Grass mehr. Hab's am eigenen Leib erfahren!" gibt Martin scharf zur Antwort. „Lasst alle jungen Männer kämpfen die kämpfen wollen." Bestimmt  Philip und er fragt im Kloster wer denn alles bereit sei die Kämpfer unten zu unterstützen. Wer nicht kämpfen mag wird entweder beim Medicus eingeteilt die Verwundeten und Verletzten zu versorgen oder in der Kirche um Gottes Beistand zu bitten. Francis leitet das Gebet. Er ist todunglücklich dass sich Jakob freiwillig zu den Kämpfern gemeldet hat. Ihm wäre es lieber gewesen sein Schatz würde an seiner Seite bleiben. Doch so lange die Feinde noch nicht angreifen so lange hat er Hoffnung. Vielleicht greift uns ja auch niemand an!" tröstet der gute Matthias den verzweifelt wirkenden Francis.
Philip und Martin bleiben die ganze Nacht in Alarmbereitschaft. Der Angriff bleibt wirklich aus. Richard ruft einen Rat ein. Natürlich nehmen Philip und Martin daran teil. „Wir müssen den König fragen wer jetzt sein Heer führt, wir müssen herausfinden ob es noch hochrangige Heerführer gibt die ein Interesse haben uns anzugreifen!" sagt Richard. Die anderen stimmen ihm zu. Manche wollen so weit gehen dass sie den König selber in Gefangenschaft nehmen. Irgendwann erhebt sich Philip und er bittet demütig um das Wort. Philip hat das Schwert und die Rüstung wieder beiseite gelegt und er steht in seiner einfachen braunen Kutte vor den Räten der Stadt. „Ich möchte König Stefan nicht gefangen nehmen. Im Gegenteil. Mein Medicus hat all seine Heilkünste gebraucht um Stefan am Leben zu erhalten. Ich bin dafür dass wir die Ritter ziehen lassen sobald sie genesen sind. Wessen Pferd ihn nicht mehr tragen kann dem geben wir eins unserer Tiere damit derjenige sicher und gut nach Hause kommt wünsche ich dass wir ihn geleiten. Die Ritter haben alles verloren, sie liegen gebrochen oben im Kloster. Ich glaube einfach nicht dass von ihnen eine Gefahr ausgeht." Die anwesenden staunen ihren Prior an. „Die haben versucht uns anzugreifen." sagt Richard entsetzt. Philip schaut Richard lange an. Dann sagt er: „Die haben versucht unsere Brücke zu überqueren. Zu welchem Zweck vermag ich nicht zu beurteilen." Richard lacht ungläubig auf. „Was meinst du wohl was sie von uns wollten, in voller Rüstung mit Waffen, zum Angriff blasend?" Philip lächelt milde. „Es mag sein dass du Recht hast, jedoch hatte jemand seine schützende Hand über uns. Wir haben den Feind besiegt noch ehe wir uns den Schlaf aus den Augen gerieben haben. Ich glaube dass derjenige der uns den Sieg geschenkt hat nicht möchte dass unnötig Leid in die Welt gebracht wird." Richard schaut Philip an als würde er erwarten dass der Prior gleich „War nur Spass! Natürlich richten wir die Arschlöcher hin!" sagen würde. Doch Philip tut eben dies nicht. Philip kann sich nicht vorstellen dass es zu Frieden führt wenn er nicht friedlich ist. Dass der König ihn verschont wenn er niemanden verschont. „Die hätten uns abgeschlachtet, die hätten unsere Stadt zerstört, die hätten unsere Frauen geschändet und unsere Kinder umgebracht!" ruft Richard zornig. Philip lächelt weiter so milde. „Uns ist kein Leid geschehen. Keinem Kind ist ein Haar gekrümmt worden und keine Frau musste um ihre Ehre bangen. Die Häuser sind alle unversehrt und unsere Brücke ist nicht eingestürzt weil ein Heer darüber reiten wollte sondern weil wir sie nicht erneuert haben obwohl wir wussten dass sie morsch ist. Ich wusste das und Martin und ich haben schon Pläne gemacht wie wir sie ersetzen. Nur haben wir unsere Ideen noch nicht in die Tat umgesetzt weil wir die Balken von dem Gerüst aus der Kirche für den Neubau der Brücke wiederverwenden wollten. Dass sie nun zusammengekracht ist ist nicht König Stefans Schuld." Die anwesenden starren Philip stumm an. „Dann ist also eure Schlampigkeit dafür verantwortlich dass wir alle gerettet wurden?" fragt einer der Anwesenden und alle lachen. Philip lächelt ebenfalls. Als er wieder gehört wird erwieset er: „Entweder meine Schlampigkeit oder mein Geiz. Nennt es wie ihr wollt. Doch dass die Brücke das Gewicht des Heeres nicht mehr hat halten können hätte ich König Stefan vorher sagen können. Er hat mich nur nie danach gefragt." Nun lachen die Männer wieder. Martin lehnt sich an Philips Schulter und er grinst auch ein bisschen. „Ich pflichte Philip bei." meldet sich nun Martin zu Wort und er ignoriert die hereingerufenen Kommentare wie „Hört, hört!" oder „Welch eine Überraschung!" Martin berichtet dass er es war der mit Philip die ganzen Ritter aus dem Fluss gezogen hat. „Ich habe doch nicht mein Leben aufs Spiel gesetzt um die Ritter zu retten damit ihr ihnen nun Gewalt antut." erklärt der kleine Mönch schlicht. Die anwesenden schweigen nun betreten. Das Gerücht dass Martin gestorben sei hat schnell die Runde gemacht und der liebevolle Mönch wurde nicht nur von den Armen der Gemeinde betrauert. Auch Richard und seine Wache haben um den kleinen Mann geweint. Den meisten der Anwesenden ist nicht bewusst an welch seidenem Faden Martins Rettung hing. Doch weder Philip noch Martin selber möchten über dieses Erlebnis sprechen. Auf die Frage wieso es denn hieß dass Martin tot sei sagt Philip lediglich: „Martin sah so aus als wir zum Kloster geschafft wurden. Er war ohnmächtig und leichenblass. Dass da der ein oder andere dachte er würde nicht mehr unter den Lebenden weilen ist verständlich." Richard lenkt endlich ein. Er lässt zu dass einige der Ritter in den nächsten Tagen ihre Pferde holen und in kleinen Gruppen heim reiten. Selbst William Hamleigh bekommt von Richard sein Pferd ausgehändigt. Richard bestimmt einige gute Leute seiner Wache die dafür Sorge tragen sollen dass William sicher in Shyring ankommt. Martin würde am liebsten selber mit reiten aber er wird dringend in Kingsbridge gebraucht. Nur die schlimm verletzten behalten sie noch eine Weile da. Darunter befindet sich auch König Stefan. Sie bringen ihre Gäste in dem neuen Häuschen unter das Alfred eigentlich als Provisorisches Frauenkloster gebaut hat. Das Häuschen ist nun fertig und könnte von den Mädchen bezogen werden, doch noch gibt es keine Priorin die das Mädchenkonvent führen wollte. Bella hat die Bitte Philips schallend lachend abgelehnt. „Ihr glaubt doch nicht wirklich dass ausgerechnet ich den jungen Dingern das Leben erklären sollte." sagt sie gut gelaunt. „Nein Bruder Philip, ich kann das nicht tun. Ich weiss ja nicht einmal wie man sich in einem Kloster zu benehmen hat, da kann ich nicht auch noch auf ein paar heranwachsende acht geben. Als Mutter eigne ich mich leider nicht." Philip ist zwar geknickt aber er respektiert Bellas Wunsch. Sie darf demnächst mit den Novizinnen in das neue Kloster ziehen, jedoch als Lernende, nicht als Lehrende. „Wir könnten Elias fragen." schlägt Philip vor. Martin schaut ihn entsetzt an. „Nein!" sagt Martin bestimmt und Philip schaut seinen Engel fragend an. „Elias wird von Wiliam Hamleigh nicht erkannt weil sie als Mann auftritt. Sie hat die Haare kurz geschoren und jeder nennt sie Bruder. Kaum einer kennt ihr Geheimnis. Wenn Wiliam Hamleigh sie aber nun in Frauenkleidern entdeckt dann wird er sie erkennen. Wie willst du dann dafür sorgen dass er seine rechtmässig angetraute Ehefrau nicht wieder bekommt?" Philip nickt seufzend. „Also sie auch nicht." sagt er missmutig. „Woher sollen wir eine Leitung für unser Kloster nehmen? Wir können es doch keinem Mann anvertrauen." Martin nickt nachdenklich. „Francis hat uns ja auch schon abgesagt." jammert Martin leise. Die beiden sind ratlos. Doch so lange der König und noch einige seiner Ritter bei ihnen Schutz brauchen können die Mädchen eh nicht umziehen. Darum bleibt erst einmal alles so wie es ist.
Philip und Martin sind auf der Baustelle als Francis sie aufgeregt sucht. „Philip, Martin, kommt schnell, der Bischof kommt nach Kingsbridge!" keucht Francis der sich beim Sprint wohl verausgabt hat. „Wer sagt das?" fragt Philip erstaunt und Francis erklärt dass er bei Aliena die Wolle bestellen wollte als er den Bischof auf einem Esel reitend gesehen habe. Er sei dann schnurstracks ins Kloster gerannt gekommen um von dem hohen Gast zu erzählen. Philip lächelt Francis zu und er sagt gut gelaunt: „Dann wollen wir unseren hohen Gast mal würdig empfangen." Francis nickt und er bleibt stehen. Erst als Philip sich nach ihm umdreht und nach Francis ruft merkt Francis dass er den Bischof auch begrüssen soll. Francis schaut unsicher. „Glaubst du dass das eine gute Idee ist?" fragt er bang. Philip schweigt und dann schaut er Francis an und er sagt leise: „Vermutlich hast du recht. Doch ich will dich nicht länger verstecken. Der Dämon weiss dass du lebst und damit wird es auch Stefan wissen. Wieso sollten wir dich dem Bischof dann nicht offenbaren?" Francis grinst schief. „Zwischen wissen und es unter die Nase gerieben bekommen ist ein Unterschied. Begrüße du den Bischof und ich kümmere mich um die Wolle." Philip ist einverstanden und sie gehen dem Bischof entgegen. Philip und Martin mit blossem Haupt und sehr guter Laune, Francis mit seiner Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Als sie dem Bischof begegnen begrüsst Philip den Gast herzlich. Francis nuschelt einen Gruss und er eilt hinunter in die Stadt. „Bischof Walleran, willkommen in Kingsbridge. Was verschafft uns die Ehre ihres hohen Besuchs?" fragt Philip fröhlich und er nimmt die Zügel des Ankommenden. Walleran lässt sich von Philip den Weg hinauf führen. Sein Esel ist müde und er geht schneller weil Martin dem Grautier schon mal eine Möhre und einen Apfel in Stückchen zukommen lässt. Munter schreitet der Graue nun aus und Martin hat den Eindruck als würde der Esel sich auf den Stall freuen. Als der hohe Gast abgestiegen ist gehen Philip und Walleran in den Priortshof. Philips Stube ist dafür gedacht Gäste zu empfangen und genau das hat Philip nun vor. Den edlen Tisch seines Vorgängers hat Philip nicht ersetzt so dass Walleran an einem guten Tisch auf einem bequemen Stuhl platz nehmen kann. Martin bringt den Esel in den Stall und er bittet den Stallburschen sich gut um das Tier zu kümmern. Dann huscht Martin in Remigius Schankstube. Er lässt sich von Remigius leckerem Bier geben und dazu ein paar Humpen. So schnell er kann aber ohne etwas zu verschütten eilt Martin in den Priortshof. Er will Philip nicht alleine mit dem seltsamen Gast lassen. Martin hat den Eindruck als bräuchte der Bischof gar keinen Dämon der ihn verführt böses zu tun. Walleran sieht so aus als könne er das ganz alleine. Doch Martin will nicht voreilig urteilen. Er hat den Bischof nicht oft gesehen und ihm wurde noch nie ein Leid von diesem verbittert drein schauenden Mann angetan.
Als Martin bei Philip und Walleran ankommt ist die Stimmung frostig. Philip erklärt dem Gast gerade dass der König Stefan nicht sein Gefangener sein sondern in seinem Haus Heilung erfährt. „Der König hat sich mehrere Knochen gebrochen. In diesem Zustand kann er nicht reiten." erklärt Philip aufgebracht. Martin legt ihm eine Hand auf die Schultern und er gießt für den Bischof und für seinen Mann von dem Bier ein. Er reicht einen Humpen an den Bischof der das Gesöff mit gerunzelter Stirn betrachtet. „Was soll das sein?" fragt er mit angeekelter Mine. „Das ist von unserem Bier." erklärt Martin strahlend. Er würde am liebsten seine Kräfte einsetzten und diesem missmutigen Zeitgenossen einreden dass dieses Bier köstlich sei. Für Martin schmeckt es ja auch gut, doch Walleran ist besseres gewohnt. Philip erklärt: „Wir sind Bettelmönche. Außer Wasser haben wir nur Bier und das trinken wir für gewöhnlich nicht selber." Der Bischof macht ein langes Gesicht. Martin sagt mit fröhlicher Stimme: „Das Bier ist wirklich gut und es tut nach solch einer anstrengenden Reise gut." Der Bischof schaut den vorlauten Mönch böse an. „Ihr plappert mir zu viel!" rügt er den vorlauten Kerl. Martin lächelt unsicher, schweigt dann aber ab sofort. Er hat gelernt dass man in dem Fall besser hören sollte. Philip bespricht ab sofort alleine mit dem Bischof was dem hohen Herrn unter den Nägeln brennt. „Wenn ihr den König nicht gefangen haltet, wo ist er dann? Müsste er nicht in eurer Kammer schlafen?" fragt Walleran böse. Philip lächelt. „Wir haben das provisorische Haus für unser Frauenkloster schon vollendet. Doch da uns noch eine Priorin fehlt können die Mädchen noch nicht einziehen. Das Haus ist unser neustes und wunderschön. Der König wollte lieber in einem der schönen hellen Zimmer schlafen als hier in meiner kalten und dunklen Kammer." Walleran schaut nicht gerade entzückt. Er verzieht sein Gesicht als er hört dass das Haus schon fertig ist. „Wenn ihr keine Priorin findet dann werde ich euch eine schicken." sagt Walleran und er schaut Philip ins Gesicht. Der reagiert anders als erwartet. Philip bekommt leuchtende Augen und er bedankt sich überschwänglich. „Das wäre wunderbar wenn ihr uns da aus der Misere helfen könntet." sagt Philip und Walleran schaut wieder als sei sein Bier sauer geworden. Als es nichts mehr zu bereden gibt fragt Philip sanft: „Mögt ihr zuerst zu unserem guten König Stefan oder mögt ihr unsere Kirche besuchen? Sie ist derzeit nur sehr eingerüstet weil wir die steinerne Decke einziehen. Dafür müssen zunächst aussen die Spangen angebracht werden." Walleran brummt: „Für die Steine habe ich keine Zeit. Lass uns bei König Stefan anmelden." Philip nickt und er steht zusammen mit Martin auf. Walleran folgt den beiden die ihn einmal um die Kirche herumführen. Walleran schaut erstaunt das vergleichsweise riesige Gebäude an. Die Kirche wirkt trotz ihrer Grösse ziemlich schlank und elegant. Enorme Fensterlöcher sind an der Fassade zu sehen. Über dem Portal ist ein gigantisches Loch. „Stürzt das nicht ein?" fragt Walleran erstaunt. „Nein, das ist stabil." erklärt Philip. Martin würde gerne antworten und dem Bischof erklären wie die Spangen die Kirche stützen und wie sie diese riesigen Fenster so hinbekommen dass die Mauern dennoch tragen aber er schweigt lieber. Der Bischof sieht so unzufrieden aus dass er nicht der Grund sein möchte dass der Bischof seine schlechte Laune herauslässt. Als sie um die Kirche herum gegangen sind ist Alfreds neues Haus zu sehen. Auch dieses Haus verfügt über sehr viele und grosse Fenster. Alfred hat halt bei seinem Vater gelernt. Die Glaser die für die Kirche nun zahlreich nach Kingsbridge ziehen haben an Alfreds Haus zeigen dürfen was sie können. Die Gläser sind alle hell und freundlich, zum Teil sind sie aber auch bunt bemalt. Philip öffnet die Tür und Walleran tritt ein. Der Eingangsbereich ist einladend, hell und wunderschön. Solch einen lichtdurchfluteten Eingangsbereich hat der Bischof noch nie zuvor gesehen. Dennoch lobt der Bischof das Haus mit keinem Wort. Im Gegenteil, er schaut finster drein. Der Saal dahinter ist mit den bunten Fenstern geschmückt. Hier bricht sich das Licht auf wundersame Weise und man hat das Gefühl in einer kleinen hellen Kapelle zu sein. Mehrere Tische und Stühle sind in dem Saal zu sehen. Philip erklärt dass dieser Saal als Versammlungsort für die Damen gedacht ist. „Sie werden hier essen aber sie werden auch ihren Konvent hier abhalten. Dort drüben ist eine kleine Kanzel damit man hier auch die Schrift lesen kann." Walleran nickt verstehend. „Das ist ein viel zu pompöser Saal." sagt er. Seine finstere Mine behält er bei. Philip zuckt seine Schultern. Er kann darauf nichts erwiedern. Der Saal ist eigentlich recht karg eingerichtet. Die Stühle sind aus blankem Holz, die Tische ebenso. Die Kanzel ist nicht geschmückt und an dem Kreuz hängt kein Bildnis. Jake hat versprochen demnächst eine Marienstatur für diesen Saal zu schaffen. Das einzige was kunstvoll ist sind die Fenster. Wie gesagt, die Glaser durften hier ihr Können zeigen. Philip bittet Walleran mit einer freundlichen Geste weiter zu gehen. Die Männer gehen die Stufen hinauf und über dem Saal ist ein langer Flur der durch zahlreiche Fenster erhellt ist. Die Fenster sind doppelt und irgendjemand hat Blumenkästen zwischen die Fenster gestellt. „Was habt ihr denn da?" fragt Walleran irritiert. „Ist das ein Gewächshaus?" Philip lächelt Walleran an. „Ja, so in etwa. Die Fenster sind doppelt damit man nicht so friert. Die Zwischenräume zwischen den Fenstern kann man ganz hervorragend nutzen damit Pflanzen dort wachsen. Es dient nur dazu hübsch auszusehen." sagt der Prior. Walleran schüttelt sich. „Das ist Tand!" schilt er. Philip zuckt mit seinen Schultern. „Wie ihr meint." sagt er schlicht. Martin wundert sich. Was bezeichnet denn dieser Kerl als Tand? Der Bischof trägt Goldbesetzte Schuhe und seine Robe ist aus Samt und Seide. Er hat mehrere Goldene Ringe an den Fingern und sein Rosenkranz besteht aus Edelsteinen. Das Kreuz ist mit Diamanten besetzt. Und nun erdreistet der sich den Blumenschmuck zu kritisieren? Martin runzelt seine Stirn. Walleran sagt böse: „Was ist Junge?" Martin schaut den Bischof erschrocken an. „Wenn ihr meinen Stellvertreter meint, er ist kein Junge. Ihr habt ihn selbst zum Priester geweiht." sagt Philip ein wenig zu scharf um noch sanftmütig genannt zu werden. Philip ärgert sich über den arroganten Bischof. Der hat bis jetzt alles nur schlecht geredet. Doch hier ist nichts schlecht. Das Haus ist gut so wie es ist. Die Männer laufen durch den langen und hellen Flur bis ans Ende. Dort klopft Philip und der Medicus öffnet die Tür. „Kannst du bitte Bischof Walleran bei unserem geschätzten König anmelden?" sagt Philip und Lukas nickt. Er geht in die Stube und öffnet wohl eine weitere Tür. Dann lässt er den Besuch hinein. „Es geht ihm heute schon viel besser, die Kopfschmerzen haben aufgehört und wir konnten den linken Arm ohne Schlinge lassen. Der war nicht gebrochen, wohl nur gezerrt, zumindest hat seine Majestät keine Schmerzen wenn er den linken Arm bewegt. Mein Stellvertreter wird am Nachmittag einige Bewegungsübungen mit dem König machen damit der Arm seine Funktion zurück bekommt." erklärt der Medicus Philip. Der bedankt sich mit einem aufrichtigen Lächeln und die Männer gehen zu König Stefan. „Ah, Bischof, was wollt ihr?" fragt der König. Er sitzt in dem weichen Bett und einige seiner Ritter sind als Bedienstete geblieben. „Ich wollte mich nach eurem Wohlergehen erkundigen. Immerhin ist mir die Kunde zu Ohren gekommen dass ihr hier in Kingsbridge gefangen gehalten würdet." Der Bischof verneigt sich ungelenk. König Stefan lacht den Bischof aus. „Ihr solltet eure Quellen überprüfen." sagt er schlicht.

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