Teil 70

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Das Frauenkloster wird an Weihnachten fertig gestellt. Die Kirche ist dann auch so gut wie fertig und Philip plant wieder ein grosses Fest. Er lädt dazu den König höchstpersönlich und auch den Bischof ein. Letzteren nicht ohne Hintergedanken. Er hat Ellen versprochen dass er mit Walleran reden wird. Im günstigsten Fall wird sich Walleran bei Ellen entschuldigen, im ungünstigsten wird er sich verantworten müssen. Philip hat viel recherchiert und herausgefunden wer der junge Mann war den Ellen damals geliebt hat und von dem sie schwanger wurde. Es war ein Knappe des Königs der vor Stefan auf dem Thron saß. Er ist damals auf hoher See umgekommen und niemand hat das Unglück überlebt, keiner bis auf der Knappe der nicht weit von Kingsbridge an den Strand gespült wurde. Der junge Mann wurde Gefangener des Bischofs und später hingerichtet weil er dem Prior von Kingsbridge wohl etwas gestohlen hat. Philip kann sich an den Ausflug nach London an den Hof des Königs sogar noch erinnern. Als er und Francis Kinder waren sind sie mit Prior James nach London gereist. Es gab dort einen grossen Markt der Philip wahnsinnig gut gefallen hat und der sich in sein Gehirn gebrannt hat. James hatte wohl auch „Geschäfte zu erledigen" wo er die Buben nicht mit hin genommen hat. Philip durfte mit Francis durch London streifen und die beiden kamen sich damals richtig gross vor. Dass James damals einen jungen Mann der unschuldig zum Tode verurteilt werden sollte angeklagt hat hat Philip nicht gewusst. Doch James hat seine Memoiren fest gehalten und Philip hat diese Schriften gefunden und gelesen. Es hat ihn sehr berührt wie liebevoll James über ihn selbst und über Francis geschrieben hat. Der Prior hat ihn und seinen Bruder wohl echt geliebt. Das Unrecht an dem jungen Mann hat er begangen weil er Geld zum Unterhalt des Klosters benötigte. Walleran hat es ihm gegeben und als Gegenleistung musste James die Anklage verfassen. Seine Schuldgefühle sind in den Memoiren zu lesen. Er hat den Fremden Jüngling leichtfertig angeklagt um Geld für sein Kloster zu bekommen. Er hat sich nicht die Konsequenzen bewusst gemacht und er dachte dass der junge Mann als Dieb ein paar Tage im Zuchthaus sitzen würde. Dass er hingerichtet wurde hat James mit großer Bestürzung erfahren aber da war es zu spät. Er hatte die Anklage ausgesprochen und die zuständigen Richter haben ihn verurteilt. James hat zeitlebens für die Seele des jungen Mannes gebetet und er hat sich stets gefragt ob ihm diese Schuld wohl einst erlassen werden könnte. James hat selbst kurz vor seinem Tod noch Eintragungen in sein Tagebuch geschrieben und der fremde Jüngling hat seine Seele schwer belastet. Philip ist sehr froh dass Janes vor seinem Tod seinen Engel gesehen hat. Martin wurde ja von James als Engel erkannt. Philip hofft und betet dass seinem Ziehvater vergeben wird. Nun geht er erst einmal zu Ellen um sich bei ihr aufrichtig zu entschuldigen und ihr zu verraten aus welchen Beweggründen das Unrecht an ihr und ihrem Liebhaber begangen wurde. Ellen ist nicht gerade erfreut dass Prior James ihren Freund für Geld verraten hat. „Der schnöde Mammon hat also Jakes Vater das Leben gekostet." klagt sie mit bitterer Miene. Philip nickt betrübt und Martin schaut traurig. „Es ist so furchtbar." sagt Martin kleinlaut. „Ich wünschte es wäre nicht wahr." Ellen lacht freudlos und sie erklärt Martin dass der Mammon doch stets die Welt regiert. „Für Geld verkaufen doch fast alle Menschen ihre Seele!" sagt sie bitter. Tom schaut sein Weib böse an und er schüttelt seinen Kopf. Martin schaut Ellen mit großen ungläubigen Augen an und Philip seufzt schwer. „Ellen hat vollkommen Recht. Der Mammon hat die Menschen fest im Griff und selbst die rechtschaffensten unter ihnen haben Mühe ihm stets zu widerstehen, - und wie wir an Vater James Beispiel erkennen müssen verfallen selbst die Besten manchmal seinen Verlockungen." Philip schaut zerknirscht und sehr traurig. Martin weint fast. „Aber Vater James war doch ein guter Mann!" sagt Martin kläglich. Philip lächelt dünn. „Sicherlich war er das." sagt er zart und er streichelt Martin beruhigend über den Kopf und er zieht den jüngeren in eine tröstende Umarmung. Für Francis und mich war er ein guter Vater und für sein Kloster und seine Brüder hat er alles gegeben." Martin nickt zustimmend und Ellen sagt bitter: „Sogar sein Seelenheil." Tom schaut sie böse an und er knufft sie unter dem Tisch. Philip schaut traurig zu Ellen und er sagt: „Ja, selbst sein Seelenheil hat er für das Kloster gegeben. Er wusste nicht mehr ein noch aus und darum hat er den teuflischen Handel zugestimmt. Eine Anklage gegen einen unbekannten fremden jungen Mann gegen ein Jahr sorgenfreies Klosterleben. James hat sich nicht leichtfertig locken lassen aber die Not hat damals an die Türen des Klosters geklopft. Die Missernte und der frühe Winter haben für manches Leid gesorgt und das Geld hat James gut genutzt." Philip hebt die Hände und er sagt betrübt: „Ich möchte die Schuld nicht klein reden die James sich da eingebrockt hat aber ich kann ihn verstehen und ich bete dass ich niemals in solch eine Zwickmühle gerate, mich für das Leben meiner eigenen Leute oder für das Leben eines Fremden Mannes zu entscheiden." Martin wischt sich über seine Augen. Die Tränen wollen einfach hinaus. „Aber es war doch Jakes Vater dem er den Tod gebracht hat." sagt der kleine Mönch bitter. Philip nickt und er zieht Martin tröstend an seine Brust und er legt seinen Kopf auf dem seines Schatzes ab. Philip holt sich ein wenig Trost von seinem Freund denn er kann zu gut verstehen wieso sich James für das Geld und gegen das Recht entschieden hat. Seine Beweggründe hat James detailliert beschrieben und dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen ist hat Philip auch gelesen. Er weiß auch dass James Zeit seines Lebens unter der Entscheidung gelitten hat, James haderte bis zuletzt damit. Nun sagt Ellen bitter: „Ein Leben für das von vielen. Wie könnt ihr das gut heißen?" Philip schaut sie traurig an. „Gar nicht." sagt er bestimmt. „Es war falsch, es war Unrecht. Du weist das, ich weiß das und James wusste es auch. Er hat bis zu seinem Tod unter seiner Entscheidung gelitten und er wusste dass er sich im Himmel dafür verantworten muss." Ellen schaut Philip grimmig an. „Er soll dafür brennen!" ruft sie aufgebracht. Philip hält ihr James Tagebuch aufgeschlagen hin. Sie nimmt es zögerlich und sie liest die Zeilen die James dazu veranlasst haben den Handel einzugehen. Sie bekommt zunächst  große Augen, dann wird sie blass. Tonlos fragt sie: „Du hattest noch einen Bruder?" Philip nickt. „Er ist verhungert?" wieder nickt Philip und er sagt in der Erinnerung eines Kindes kramend: „William war nicht viel älter als ich. Gerade mal zwei Jahre war er älter und dennoch hat er sein karges Brot stets Francis oder mir gegeben. Er hat sein Leben für Francis und mich gegeben. Wenn man James Worten glauben darf dann war er auch nicht der einzige der in dem Winter verhungert ist. James hat Francis und mich damals nur mit nach London genommen weil er befürchtete dass wir ebenfalls verhungert sein würden wenn er wieder zurück käme. Er traute den hungernden Brüdern zu dass sie Francis und mir das letzte Stückchen Brot nähmen. Wir waren beide zu schwach um weiter zu fasten. Auf der Reise hat Vater James uns gut zu essen gegeben. Daran kann ich mich bis heute lebhaft erinnern. Er hat uns schier gemästet." Philip schaut traurig als er sich an seine Vergangenheit erinnert. „James beschreibt euch als bestündet ihr nur mehr aus Haut und Knochen." Sagt Ellen entsetzt nachdem sie noch ein paar Zeilen gelesen hat. Philip zuckt die Schultern. „Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Nur daran dass William uns stets sein Brot gegeben hat und immer gut zu uns war. Er hat uns Vater und Mutter ersetzt als sie umgekommen waren. Sein Verlust hat mich mehr geschmerzt als der unserer Eltern und ich glaube Francis ging es ähnlich. Wir haben darüber nie miteinander gesprochen." Philip hebt traurig seinen Kopf und nun wischt er sich die aufkommenden Tränen aus den Augen. Ellen schaut bitter. Wenn ich einen Fremden verraten müsste damit mein Kind überlebt würde ich es auch tun!" sagt sie plötzlich mit fester, etwas zu lauter Stimme. „Ich kann James jetzt verstehen und ich verzeihe ihm! Er hat mehr als ein Kind retten wollen. Zumindest lese ich das aus dem Tagebuch." Philip bejaht. „Wir waren damals einige Waisenkinder um die sich James gekümmert hat. Da er nie wieder in solch eine furchtbare Lage geraten wollte dass er uns nicht nähren kann hat er es nach dem Verrat abgelehnt weiter Waisenkinder aufzunehmen. Erst wir haben vor ein paar Jahren wieder damit angefangen." Erklärt Philip. Ellen schluckt schwer. „Ich habe ihn damals verflucht und bis heute gehasst." gibt sie leise zu. Philip schaut sie interessiert an. „Damals, unter dem Galgen als mein Geliebter gehängt worden war, da habe ich sie verflucht, die eitlen Pfaffen die selbstgerecht seinen Tod beschlossen haben. Ich habe sie von ganzem Herzen verflucht und ihnen den Tod an den Hals gewünscht. Elend und Not habe ich über sie beschworen. Doch nun, da ich in James Kopf schauen durfte, seine Gedanken dazu lesen durfte, da fällt es mir nicht mehr so leicht ihn zu verfluchen. Seine Angst um euch Kinder war groß, die Not noch größer und James war ein guter Mann. Einer dem das Schicksal seiner Kinder nicht gleichgültig war, der mit den Kindern gelitten hat und der für sie alles getan hat." Martin schluchzt als er ergänzt: „Sogar Jakes unschuldigen Vater dem Henker ausliefern damit Philip, Francis, Remigius und all die anderen Kinder überleben können." Ellen seufzt schwer. „Richtig und Falsch liegt manchmal sehr eng beieinander und man kann es kaum voneinander unterscheiden." sagt Tom bitter und er schaut in die betretenen Gesichter seiner Lieben. Ellen schaut Tom an und sie nickt zustimmend. „Du hast Recht. Es war einfach James zu hassen als ich seine Beweggründe noch nicht kannte. Doch nun weiß ich dass ich ihm verzeihen muss." Philip bedankt sich unter Tränen bei ihr. Er ist ihr sehr dankbar dass sie den alten Groll auf den Prior James endlich begräbt. Dass sie ihm verzeiht und vergibt.
Das Fest zu Weihnachten zu Ehren der neuen Kirche und des Frauenklosters  wird wunderbar, einzig die Ehrengäste glänzen mit Abwesenheit. Der König hat wenigstens einen Boten geschickt, der ein paar Taler und einen Brief in dem er um den Ausbau einer Kapelle für ihn bittet. Philip ist begeistert, der König wünscht tatsächlich noch die Grabkapelle für sich und seine Frau. Mit solch einer Kapelle wird das Kloster auch in Zukunft Reisende und Pilger anziehen, einen König hat nicht jeder in seiner Kirche ruhen. Philip beauftragt Tom eine besonders königliche Kapelle zu errichten. Martin findet das nicht so gut. „Wenn der König in unserer Kirche begraben werden möchte, so zeugt das doch von seiner tiefen Verbundenheit mit unserem Glauben. Er will bestimmt keine prunkvolle Grabkapelle sondern eine schlichte." sagt Martin. Philip schaut seinen Freund intensiv an. „Wie meinst du das? Möchtest du ernsthaft einen König unter dem Altar begraben und nichts weist darauf hin?" fragt er ein bisschen empört. Martin lacht und er schüttelt den Kopf. „Nein, König Stefan hat uns in dem Brief ausdrücklich um eine Kapelle gebeten. Das heisst er möchte seinen Körper einst in unserer Kirche zur letzten Ruhe betten. Wir stehen nicht für Prunk und Pomp. Wir stehen für das arme, gottgefällige Leben. König Stefan durfte es kennen lernen und ich glaube er schätzt es sehr. Ich denke er möchte in einer schlichten Kapelle bestattet sein, unsere Mönche sollen für ihn beten können und kein Prunk und Protz wird ihr Auge verführen das Gebet nicht ernsthaft zu beten." Martin schaut Philip mit einem spitzbübischen Lächeln an: „Oder würde es dir gefallen in einer prächtigen, vor Prunk protzenden Grabkapelle deine letzte Ruhe zu finden?" Philip schaut Martin entsetzt an. „Nein, wie kommst du da drauf?" wehrt er die seltsame Idee ab. „Na, weil du eines Tages auch in einer der Kapellen bestattet sein wirst. Die Generationen nach uns werden an deinem Grab beten, du wirst wahrscheinlich als Heiliger in die Geschichte eingehen, immerhin hast du die Kirche gebaut und das Kloster erneuert." Martin hält Philip die Hände vor als dieser protestieren möchte. „Natürlich wirst du das sein, streite es nicht ab. Wir wissen beide dass die Menschen jetzt schon von nah und fern kommen um deinen Predigten zu lauschen und sie lassen ihre Kinder von dir segnen." Philip lacht. „Aber ihre Kranken bringen sie zu dir. Du bist mindestens genau so beliebt wie ich." sagt er und er streichelt Martin über die seidigen blonden Locken. Martin schaut Philip verschüchtert an. Er fühlt sich nie sehr wohl wenn Philip ihn lobt oder seine Arbeit auch nur erwähnt. Martin plagt immer noch das schlechte Gewissen seiner Herkunft. Er kann einfach nicht so tun als sei er nicht als Dämon auf die Welt gekommen. Philip fällt das so leicht, er sieht in Martin einen Engel, aber Martin selber kann das nicht. Er fühlt sich zwar wohl in seiner Haut, ist gerne ein Mönch und er heilt sehr gerne die Menschen doch er erinnert sich daran was er einst war. Martin weiss auch dass es ihm leichter fällt als Ellen Menschen zu heilen. Häufig holt Ellen ihn zu aussichtslos kranken Menschen damit er sie segnen kann. Nicht selten heilen die Menschen nachdem Martin bei ihnen war, ihnen die Beichte abgenommen hat, ihnen ihre Sünden vergeben hat und den Segen über die Menschen gesprochen hat. Als Martin dies herausgefunden hat spendet er den Segen im Überfluss. Philip und Martin sind sich einig dass diese Gabe nicht ungenutzt in Martin schlummern sollte. Philip ist sich sicher dass auch die Gemeinde davon profitiert wenn Martin die Messe liest und zum Schluss alle Menschen segnet. Er selber fühlt sich dann immer sehr befreit und er mag es seinem Martin zuzuhören. Martin teilt Philips Ansicht nicht. Er sagt stets dass Philip ihn lieben würde und er darum ihm so gerne zuhören würde. „Die Predigt kannst du genau so gut halten und ich glaube auch nicht dass mein Segen wertvoller ist als deiner. Wir segnen beide unsere Gemeinde aus ganzem Herzen." Philip neigt dann dazu Martin zuzulächeln und ihn zu umarmen. „Ja, ich liebe dich ganz besonders." flüstert er seinem Martin dann stets ins Ohr. Tom zeigt den beiden einen schlichten Entwurf für die Grabkapelle für König Stefan und seiner Frau. Die Wände sind genau so glatt und schön wie die in der Kirche und auch die Fenster werden einfarbig grau. Lediglich am Sarg erkennt man dass dort der König begraben liegt. Den Sargdeckel wird Jake gestalten. Ein lebensechtes Bildnis von Stefan und seiner Frau wird er anfertigen, so dass die Gläubigen das Antlitz des Königs sehen können. Philip ist mehr als zufrieden. Martin schaut etwas zweifelnd. „Meint ihr wirklich dass König Stefan wirklich solch eine Unruhe bei seiner letzten Ruhestädte haben möchte?" wirft er ein. Philip sagt weise: „Wenn er als Niemand beerdigt werden wollte dann würde er sich keine Klosterkirche als letzte Ruhestätte aussuchen. Er weiss dass wir ein Wallfahrtsort waren und der Schädel unseres Heiligen beim Kirchenbrand verloren gegangen ist. Die verkohlten Reste die wir beide aus dem Feuer gerettet haben sind zwar noch vorhanden aber dafür wird kein Pilger seine anstrengende Reise auf sich nehmen. Meinst du nicht dass König Stefan uns damit eine Chance schenken möchte Gläubige anzulocken?" Martin kaut nachdenklich auf seiner Unterlippe. „Ich glaube du hast Recht." sagt er dann leise. Philip lächelt Martin an und er schenkt ihm einen Kuss auf die Wange. Martin schmiegt sich an seinen Lieblingsprior und er fragt: „Meinst du wir sollen König Stefan unseren Entwurf zeigen? Vielleicht gefällt es ihm nicht und er möchte doch etwas mehr Schmuck haben?" Philip streichelt dem zweifelnden Mönch über den Rücken. „Vielleicht sollten wir das tun. Wir schicken ihm all unsere verschiedenen Entwürfe und wir erklären unsere Gedanken in einem Brief. Vielleicht antwortet er uns ja und dann wissen wir was wir vorbereiten müssen." schlägt Philip vor und Martin ist einverstanden. Tom zeichnet also die Entwürfe ab und sie schicken an Stefan verschiedene Ideen ihrer Grabkapelle. Ein paar Monate nachdem sie den Brief abgeschickt haben bekommen sie die Antwort. König Stefan hat sich für eine prächtig ausgekleidete Kapelle entschieden. Er möchte auch im Tod wie ein König liegen. Sein Stand soll auf den ersten Blick sichtbar sein. Im P.S. erklärt er dass das der ausdrückliche Wille seiner geliebten Gemahlin sei und dass er durchaus bescheidener liegen würde er sich aber dem Willen seiner Gattin beugen würde. Philip und Martin lassen Tom also eine prächtige Kapelle bauen. Die Fenster werden sehr bunt und sie stellen Szenen aus dem Leben der beiden dar. Als Lucius diese Entwürfe sieht reagiert er empört. „Wie könnt ihr solch eine Kapelle bauen lassen? Sie steht für all das was wir gerade nicht in der Kirche haben wollen. Unsere Kirche ist in ihrer Kargheit wunderschön. Sie lobt Gott mit ihren geraden Mauern und filigranen Säulen und nicht mit Prunk und Farbe. Solch eine bunte Kapelle passt einfach nicht zu uns! Wie könnt ihr beide so etwas zulassen?" fragt der Dämon aufgebracht. Da er den Vorwurf in der Versammlung der Mönche vorgebracht hat hören alle seinen Vorwurf. Die meisten stimmen Bruder Lucius zu. „Wie können wir solch eine prunkvolle Kapelle bauen die nicht dem Lobe Gottes sondern eines Menschen gedenkt?" ist die schwerwiegende Frage die im Raum steht. Philip seufzt und er würde sehr gerne Lucius zustimmen. Martin übernimmt es den anwesenden Brüdern ihre Beweggründe zu erklären. „Der König möchte hier bei uns seine letzte Ruhe finden. Er hat unser Kloster kennen gelernt als sein Leben in höchster Not war. Er hat hier krank gelegen und wir haben ihn geheilt. Wir haben nicht nur seinen Körper sondern auch seine Seele geheilt. Denn seit dem ist er aufs innigste mit unserem Kloster verbunden. Seine Ehefrau aber nicht. Sie ist Königin und sie möchte natürlich auch nach ihrem Tod als solche ruhen. Einem König steht ein prächtiges Grab zu damit das Volk und alle die es möchten für ihre Herrscher gedenken können. Wenn nun König Stefans letzte Ruhe hier bei uns ist dann geht seine Ehefrau mit ihm. Ihr zu Ehren werden wir eine prächtige Grabkapelle bauen. Mit bunten Fenstern die von dem Leben und Wirken der beiden Herrschenden berichten. Mit einem schmucken Sarg und einem reichen Bild auf dem wiederum das Leben und Wirken der beiden gottesfürchtig dargestellt ist. So ist es Brauch und Sitte. Die Menschen die König Stefan nach seinem Tod besuchen werden ihn genau so erleben können wie er zu Lebzeiten war: ein König von Gottes Gnaden. Einer der geherrscht hat und der ein mächtiger Mann war. Ich weiss dass das nicht unserem Kloster entspricht. Wir sind Bettelmönche und wir würden uns selber niemals so erhöhen. Wenn wir nun diese Kapelle bauen dann in der Hoffnung dass das königliche Grab Pilger anlockt." Die meisten Brüder verstehen die Beweggründe. Einzig Bruder Lucius wettert dagegen. „Wir sollten es ablehnen dass König Stefan hier begraben wird. Wir sind eine Gemeinschaft um Gott zu loben und nicht um den Menschen zu erhöhen. Stefan ist ein Nichts im Vergleich zu Gott und ihm nun eine prächtigere Kapelle die prunkvoller und schmucker als das eigentliche Gotteshaus ist zu bauen geht gehörig gegen alles was uns lieb und teuer ist. Wir verraten damit doch unsere eigenen Glaubensgrundsätze, nicht?" Nun murren die meisten Brüder. In ihrem Verstand klingt das was Bruder Lucius sagt richtig, doch in ihren Herzen würden sie den König sehr gerne in ihrer Mitte beerdigen. Sie haben ihn als gottesfürchtigen und guten Mann kennen gelernt und sie finden keinen Grund ihn nicht in Kingsbridge zu bestatten. Jake kommt auf die rettende Idee: „Wir könnten die Grabkapelle für König Stefan doch auf dem Friedhof bauen. Eine kleine Kapelle die für die Beerdigungsgottesdienste genutzt werden kann. Sie kann so prächtig und prunkvoll werden wie es der König wünscht und unsere Kirche würde nicht durch den Protz entweiht." Diesen Kompromiss finden alle Brüder wunderbar. Tom wird also die kleine prächtig geschmückte Kapelle bauen. Sie wird über und über mit Fenstern versehen in denen sich die Glasmaler übertreffen die himmlischen Visionen zu realisieren. Die Trauernden sollen mit der Gewissheit getröstet werden dass sie ihre Lieben einst im Himmel wieder treffen werden. Lucius wettert zwar auch gegen dieses Vorhaben aber keiner der Brüder schenkt ihm noch Gehör. Sie alle sind sich sicher dass die Kapelle ein guter Kompromiss ist.

PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt