Teil 68

18 1 0
                                        

Johann freut sich unbändig dass er nun doch wieder eine leibliche Familie hat. Er umarmt Alfred und er würde am liebsten den ganzen Tag mit Alfred verbringen und abends bei seinem neuen Bruder ins Bett schlüpfen. Alfred hat von nun an einen kleinen Schatten der ihm auf Schritt und Tritt folgt. Johann ist von Alfred so begeistert. Auch Tom wird ab sofort von Johann vergöttert. Als er herausgefunden hat dass der liebe Baumeister sein Vater ist platzt Johann förmlich vor Stolz. Er hat Tom ja schon immer sehr gemocht aber nun liebt er ihn mit allem was er hat. Philip ist etwas traurig dass Johann seine leibliche Familie so sehr anhimmelt. Martin tröstet Philip und er sagt dass Philip es dem Kleinen nicht übel nehmen solle. Da sie Johann seine leiblichen Eltern gezeigt haben gehen Philip und Martin mit klein Francis zu der Freundin von dessen Mutter. Sie erfragen die Familie von Francis und dann besuchen sie Francis leibliche Grosseltern. Doch diese Begegnung ist so ganz anders als die von Johann mit seiner Familie. Die Grosseltern von Francis beschimpfen den Kleinen. „Deine Mutter war eine Hure, sie war nicht unsere Tochter, erwarte nicht dass wir dich in unsere Familie aufnehmen!" sagen sie zornig. Philip nimmt das Kind schützend in den Arm und Martin stellt sich empört vor die Alten. „Wer sagt denn dass Francis von euch in die Familie aufgenommen werden will? Er ist unser Sohn und wir geben ihn nicht her. Wir wollten ihm seine Wurzeln zeigen, nicht mehr und nicht weniger. Wir wissen nun dass seine Mutter recht getan hat ihr Kind nicht euch anzuvertrauen sondern fremden mitzugeben. Francis wird geliebt!" Martin wird ganz rot vor Wut. Philip zieht seinen Mann von den Alten weg ehe noch etwas Schlimmes passiert. Denn der Großvater hat eine ebensolche Gesichtsfarbe bekommen und er wollte gerade zur Gegenrede ansetzen. Doch Philip hat Martin einfach aus dem Haus gezogen. „Sie sind es nicht wert dass wir ihnen unseren Francis zeigen." sagt Philip bestimmt und Martin nickt. So wütend war er noch nie in seinem ganzen Leben. Wie kann man das eigene Kind auf die Strasse schicken und als Hure arbeiten lassen? Und wenn sie dann gestorben ist so schlecht von ihr reden und den Enkel verstossen der nun wirklich nichts dafür kann? Francis ist so ein lieber Junge. Francis nimmt irgendwann Martin an die Hand und er sagt mit seiner süßen Kinderstimme: „Sei nicht traurig dass die beiden mich nicht mögen. Ich mag sie auch nicht. Ich mag aber dich und Philip und ich glaube ihr mögt mich auch." Martin nimmt seinen Francis ganz liebevoll in den Arm und auch Philip umarmt seine beiden Lieblingsmenschen. „Wir lieben dich Francis. Du bist unser Junge." sagt Philip und er streichelt dem Bengel über die Haare. Martin nickt und er küsst sein Kind. Zufrieden legt Francis sein Köpfchen auf Martins Schulter und er lässt sich ein bisschen tragen. Die Reise ist sehr anstrengend für seine kleinen Füße.
Als Philip und Martin mit dem kleinen Francis zurück nach Kingsbridge kommen werden sie von Ellen und Tom sehnsüchtig erwartet. Philip wundert sich was Ellen auf der Baustelle macht, normalerweise bringt Martha das Essen für Tom. Doch die beiden eilen zu dem Prior und seinem Stellvertreter sobald sie sie entdeckt haben. „Philip, wir haben eine grosse Bitte an dich!" sagt Tom etwas aufgeregt. Ellen lächelt unsicher und sie sagt: „Wir würden gerne heiraten, würdet ihr uns trauen?" Philip freut sich unbändig. Er sagt den beiden freudig zu und er umarmt Tom und Ellen. Martin steht dabei und er wundert sich. Er kennt Ellen, er weiss wie sie zur Ehe steht und warum sie nie heiraten wollte. Darum fragt er nach: „Ellen, was hat dich bewogen deine Meinung zu ändern und nun doch zu heiraten?" Martin schaut Ellen lange an. Sie antwortet nicht sofort. Philip wird die Stille zwischen den beiden etwas unangenehm und darum sagt er: „Es ist doch egal warum sie es tun möchte. Eine Heirat ist doch eine schöne Sache. Komm Martin, mach nicht so ein besorgtes Gesicht. Ellen darf doch heiraten, oder?" Martin schaut Philip nachdenklich an. „Nein, ich finde nicht dass Ellen einfach so heiraten kann. Ich kenne Ellen nun schon so viele Jahre. Ich lerne bei Ellen und wir unterhalten uns. Manchmal über ganz persönliche Dinge. Ellen hat mir ihre Gedanken anvertraut und ich ihr meine. Sie würde es sicherlich auch ganz befremdlich finden wenn ich plötzlich mit einem Mädchen vor ihr stünde und behaupten würde ich wolle heiraten." Ellen muss bei dieser Vorstellung lachen. „Stimmt Martin, das würdest du nicht freiwillig tun. Aber bei mir kannst du beruhigt sein, ich möchte Tom aus freien Stücken heiraten. Wir leben hier in Kingsbridge und Tom baut eine Kathedrale. Es ist nicht im Sinne der Kirche dass er in Sünde lebt und darum werde ich ihn ehelichen." Erklärt Ellen. „Aber wieso?" fragt Martin fast verzweifelt. „Was hat dich dazu gebracht deine Meinung zu ändern?" Ellen schaut Martin lächelnd an. „Du nicht. All die Jahre wo du mich versucht hast zu überreden habe ich an die Männer der Macht denken müssen die die Kirche ihr Eigentum nennen. Doch als Philip gesagt hat dass er sie zur Rechenschaft ziehen will, dass er das Unrecht beim Namen nennt und mir gesagt hat dass ich keine Schuld an meinem Unglück habe sondern mir Unrecht angetan wurde, da habe ich wieder angefangen an Gott zu glauben. Daran zu glauben dass Gott gut ist und die Menschen schlecht sind." Martin schürzt seine Lippen und er ist nicht gerade überzeugt. „Du sagtest dass du auch ohne Trauschein vor Gott verheiratet sein kannst weil du weisst dass er dich liebt und dir seinen Segen schon längst gegeben hat." erinnert Martin sie an ihr Lebensmotto. Philip schaut Martin fast ein bisschen erschrocken an. „Martin, was kümmert es dich so sehr dass Ellen ihre Meinung geändert hat? Warum bist du so sehr gegen diese Verbindung?" fragt Philip und er rügt seinen Mann nicht schärfer weil er keine Lust hat dass Martin vor Verzweiflung abhaut oder wieder in einen Krieg geht. Darum nimmt Philip vorsorglich Martins Hand und er hält ihn ganz fest. Martin schaut Philip erschrocken an. Zum einen weil Philips Tonfall so scharf war und zum anderen weil er seine Hand fast zerquetscht. „Ich glaube dass ihr jemand eingeflüstert hat dass sie heiraten muss um was weiss ich, hier leben zu dürfen oder die Arbeit behalten zu dürfen oder das Ansehen behalten zu dürfen." Martin redet sich in Rage. Ellen schaut Martin betroffen an. Genau das hat Bruder Lucius in seiner letzten Sonntagspredigt ihr ins Herz gepredigt. „Sünder haben in der reinen Stadt Kingsbridge nichts verloren. Hier entsteht eine Stadt Gottes und wer nicht ohne Sünde ist der soll bitte schön wegziehen." Ellen haben sich diese Worte ins Herz gebrannt. Sie weiss dass sie nicht im Einklang mit der Lehre der Kirche lebt. Ihr Mann verdient hier sein Geld und er hat Ansehen in der Stadt. Würde sie ihn zwingen mit ihr wegzuziehen dann würde er nicht nur seine Arbeit sondern auch seine Kinder verlieren. Würde sie alleine gehen so würde sie alles verlieren was sie liebt, auch ihren Sohn, denn der hat sein Herz in Kingsbridge und er würde hier bleiben. Falls er mit ihr mitkommen würde dann wäre er unglücklich. Außerdem liebt Ellen ebenfalls die Stadt. Sie will nicht weg und eine Ehe mit Tom erscheint ihr nicht als die schlimmste aller Möglichkeiten. „Woher weisst du das?" fragt Ellen erstaunt. Martin schaut bestürzt. „Wer hat dir das eingeredet?" fragt er wütend. Ellen gibt zu dass ihr die Sonntagspredigt von Bruder Lucius zu denken gegeben hat. Tom sagt: „Er hat gut gepredigt. Viele Menschen sind danach in sich gegangen um ihr Leben zu überdenken." Martin verzieht sein Gesicht. Auch Philip schaut betroffen und er schaut Martin an. Die beiden müssen sich nur angucken um zu wissen was der andere denkt und in diesem Fall denken sie das Selbe: Der Teufel hat das Wort verdreht. Er hat die an sich richtigen Regeln mal wieder völlig missverstanden und aus seinem Mund werden Glaubensregeln zu Fesseln der Knechtschaft. Da muss plötzlich eine unbescholtene Frau die zurecht zürnt und mit dem Glauben hadert heiraten um ihr Leben zu behalten. Philips Kraftausdruck mit dem er Bruder Lucius bedenkt lässt Ellen erröten und Tom staunen. Dieser sanfte Prior ist normalerweise zu so etwas nicht fähig. Der kleine Francis schaut Philip mit grossen Augen an und dann wiederholt er das gepfefferte Schimpfwort und lacht sich kaputt. Martin seufzt und er streichelt dem kleinen Francis über den Kopf. „Na, für deine Ohren eignen sich Philips Worte ja mal überhaupt gar nicht." sagt er ein bisschen belustigt. Tom fragt kleinlaut: „Was ist denn nun, traut ihr uns?" Martin schaut zu Ellen und die nickt. Darum sagt Martin freundlich: „Aber sicher. Philip wird einen Freudentanz aufführen wenn ihr endlich verheiratet seid." Philip lacht über diese Worte aber Martin hat Recht. Er liebt die Regeln seiner Kirche und es auszuhalten dass ausgerechnet sein Baumeister nicht verheiratet mit einer Frau zusammenlebt ist ihm gehörig gegen den Strich gegangen. Nur sein Mann hat ihn davon abgehalten ein ernstes Wort mit Tom zu wechseln. „Wenn es dir so wichtig ist dass Tom einen Trauschein hat kannst du ihm ja unseren schenken!" hat Martin einmal zu ihm gesagt. Daraufhin wurde Philip etwas verschämt und sehr kleinlaut. Seine Liebesbeziehung zu Martin ist auch nicht regelkonform. Er musste einsehen dass kaum ein Mensch immer alle Regeln der Kirche einhalten kann. Seit dem legt auch Philip die Regeln eher als Richtungsweisung aus. Es ist gut wenn man sich daran orientiert aber wenn es mal nicht geht so wird es einen nicht von Gott trennen. Gott hat den Menschen schon vergeben ehe sie überhaupt gesündigt haben. Die ganze Schuld der Menschen ist am Kreuz gesühnt worden und somit brauchen sich die Menschen nicht mehr grämen. Philip weiss dass er mit dieser Art der Schriftauslegung auch nicht so richtig auf dem normalen Pfad der kirchlichen Schriftauslegung befindet. Doch wenn er die Bibel aufschlägt so steht genau dies dort drin.
Philip und Martin gehen zu Lucifer und sie fragen ihn worüber er gepredigt hat. Lucifer tut sehr unschuldig und er berichtet den beiden dass er versucht hat den Willen Gottes zu predigen. „Und Gott mag keine Sünder. Er mag es wenn man sich an seine Gebote hält, nicht?" fragt er treuherzig. Philip nickt verloren aber Martin antwortet dem Dämon: „Es wäre besser für dich wenn du noch nicht versuchst den Willen Gottes den Menschen zu verkünden. Du hast ihn nämlich noch nicht erkannt und dann wird es sehr schwer ihn richtig weiterzugeben. Es könnte sein dass du unabsichtlich die Menschen ins Verderben lockst. Ohne es zu wollen würdest du dann wieder zum dämonischen Verführer und würdest das Gegenteil von dem erreichen was deine Absicht ist." Lucifer bekommt grosse Augen. „Aber will Gott denn nicht dass die Menschen nach seinen Geboten leben?" fragt er erstaunt. Martin lächelt. „Wenn du zugehört hättest dann wüsstest du dass Gott Liebe ist. Wer in der Liebe bleibt der bleibt in Gott und Gott in ihm." sagt Martin. „Die Liebe verzeiht und sie vergibt, sie ist langmütig und geduldig. Die Menschen müssen keine Gebote erfüllen und sich an seltsame Regeln halten. Wenn sie Gott glauben dann werden sie ihrem nächsten nicht schaden wollen, dann werden sie die nächsten lieben wie sich selbst. Selbstliebe ist nicht Selbstsucht, nicht dass du mich hier falsch verstehst. Wer Gott glaubt der hat ein freies Leben, kein geknechtetes. Der muss sich nicht Buchstabe für Buchstabe oder Wort für Wort an irgendwelche Regeln halten die im Übrigen die Menschen gemacht haben. Die Gläubigen die werden sich richtig entscheiden und richtig heisst in diesem Fall: für die Liebe und nicht für den Hass, für die Liebe und nicht für Borniertheit, für die Liebe und nicht für Regelwerke. So wie Gott dich liebt wirst du deine Mitmenschen lieben." Lucifer schaut Martin entsetzt an. „Aber alles was du sagst geht gegen die Regeln der Kirche. Die Regeln besagen doch wie Menschen zusammenleben sollen, wie geliebt werden darf und vor allem, wie nicht! Wenn ihr nun diese freie Liebe propagiert dann seid ihr doch gegen die Kirche und gegen alles wofür die Kirche steht!" Martin schüttelt seinen Kopf. „Nein, wir berufen uns auf Christus. Er hat die Schöpfung vollendet und erlöst. Mit ihm erwarten wir das Ende der Welt und wir glauben an ihn, wir glauben dass er uns erlöst hat. Wenn du das nicht glaubst dann kannst du nicht gerettet werden, so versteh das doch." Martin schaut Lucifer flehend an. Lucifer schaut sehr bekümmert und nachdenklich. „Wenn man sich nicht mehr an die Regeln und Gebote halten muss, woran soll man sich denn dann halten?" fragt er verzweifelt. „Du darfst dich ja an die Regeln und Gebote halten, wenn sie dir helfen dann ist das doch gut. Dann halte sie in Gottes Namen ein. Aber verlange das nicht von den anderen. Jeder kann doch nach seiner Fasson selig werden. Was dir gut tut und woran du dich halten kannst kann doch kein anderer." Lucifer schaut Martin mit zusammengekniffenen Augen an. „Wenn ich nicht wüsste dass du ein Engel bist dann würde ich glauben du seist ein Dämon. Du flüsterst mir Worte ein die nicht stimmen können. Die Regeln müssen für alle gelten, sonst sind es keine Regeln. Wenn man gemeinsam ein Spiel spielt dann müssen die Regeln für alle beteiligten Männer und Frauen auf gleiche Weise gelten, sonst wäre das Schummeln. Man munkelt dass der Teufel schummelt und nun behauptest du dass Gott ebenfalls schummelt?" Philip zieht zischend seine Luft ein. „Wage es nicht Martin einen Dämon zu nennen. Und ja: Seit dem Christus am Kreuz gehangen hat schummelt Gott. Gott selber ist am Kreuz gestorben um den Menschen die Erlösung zu bringen. Du magst es Schummeln nennen, ich nenne es Liebe und Güte!" Lucifer schaut nun Philip mit zusammengekniffenen Augen an. „Warum gibt es denn dann noch die Regeln? Wieso lebt ihr keusch und fastet? Wieso lebt ihr dann nicht beliebig?" fragt er nach. Martin sagt: „Weil Gott uns erlöst hat. Wir sind frei gesprochen von allen Sünden. Wir rennen im Prinzip den ganzen Tag mit dem Wissen durch die Gegend dass uns nichts mehr passieren kann. Wir müssen die Regeln nicht einhalten aber wir wollen sie einhalten. Weil die Regeln richtig und gut sind. Nicht weil wir Angst haben und sie uns knechten." Lucifer staunt Martin mit offenem Mund an. „Aber Regeln sind doch wichtig." jammert er unglücklich. „Ja, sie sind wichtig und sie sind gut. Aber nur wenn sie richtig und gut sind! Eine Ehe zwischen zwei Menschen regelt ihr Zusammenleben. Eine Ehe kann aber auch schrecklich sein. Dann ist sie schlecht." erklärt Martin. Lucifer versteht ihn nicht. „Was Gott zusammengeführt hat das soll der Mensch nicht trennen." sagt er. „Wie kann die Trennung von zwei Eheleuten gut sein?" Martin seufzt schwer. „Gehe bitte davon aus dass die Regeln für den Menschen sind und nicht gegen ihn gemeint ist. Wenn sich zwei Menschen aus freien Stücken trauen lassen und dazu Gottes Segen erbitten und bekommen dann ist das gut. Der Segen liegt auf beiden und sie sind beide dazu angehalten die Ehe ernst zu nehmen, den Partner zu achten und sich gegenseitig treu zu bleiben. Das ist nicht einfach und man muss sich jeden Tag darum bemühen. Beide. Wenn das gelingt ist die Ehe wunderbar und die beiden leben in Harmonie und im Einklang mit den Regeln und mit Gott. So der Idealfall." doziert Martin. Luzifer nickt und Philip lächelt verträumt. Er erinnert sich an sein etwas überraschendes aber nicht minder ernsthaft gegebenes Eheversprechen und er ist nach wie vor der Überzeugung dass Martin die Liebe seines Lebens ist und dass es nichts schöneres gibt als das Leben mit diesem Engel zu teilen. „Wenn aber nun einer der beiden das Versprechen nicht ernst nimmt und der andere unter der Ehe leidet oder die Ehe nicht wirklich freiwillig eingegangen wurde sondern aus wie auch immer geartetem Zwang so ist sie nicht gut. Wenn nun die gesellschaftlichen Konventionen zwei Menschen zur Ehe zwingen dann ist da kein Segen Gottes. Dann ist da Zwang und das führt zu Leid und das führt von Gott weg anstatt zu ihm hin. Das will Gott nicht, das kann ich dir in die Hand versprechen." Luzifer schaut Martin skeptisch an. „Wenn ich doch zwei Eheleute habe die sich freiwillig den Segen Gottes erbeten haben und ihn bekommen haben dann können die den Segen doch nicht so einfach zurückgeben und die Ehe scheiden lassen, oder?" Martin seufzt schwer. „Nach kirchlichem Recht geht das nicht. Aber ich halte das tatsächlich für falsch. Es sollte die Möglichkeit geben." sagt Martin und Luzifer zischt: „Was du sprichst ist Frevel!" Martin schüttelt traurig seinen Kopf. „Nein, Martin ist kein Frevler. Er geht als Engel einfach nur davon aus dass Gott gut ist und dass Gott nie was schlechtes für die Menschen im Sinn hat. Und dass die Regeln für die Menschen gemacht sind und nicht gegen sie. Wer mit Gott spielt der kann nur gewinnen. Wer aber mit dem Teufel spielt der hat plötzlich die Regeln gegen sich. Der kommt aus einer schrecklichen Ehe nicht mehr heraus, der muss sie eingehen weil die Kirche es vorschreibt oder der muss Dinge tun oder lassen die er nicht will. Der Teufel verdreht gute Dinge zum Bösen. Und wenn du deine gespaltene Zunge nicht hälst und noch viel lernst dann darfst du Kingsbridge gerne wieder verlassen. Wir bieten dir hier die Möglichkeit dein Wesen zu überdenken und zu Gott zurück zu kehren. Wir bieten dir aber nicht die Möglichkeit in unserer Gemeinde Zwietracht und Unsicherheit zu sähen." schimpft Philip mit lauter Stimme. Seine Augen funkeln den Dämon wütend an und Luzifer bekommt einen Schreck. So eine flammende Rede kennt er gar nicht von dem sanften Prior. „Deine Logik ist die des Teufels. Geh doch bitte davon aus dass sie falsch ist. Versuche gar nicht mit deinen Gedanken Gott zu begreifen und zu ergründen. Lass dir erklären wie er wirklich ist." schiebt Martin hinterher. Luzifer ist von den beiden Mönchen entlarvt. Er sammelt sich und dann verspricht er den beiden in Zukunft wieder seinen Mund zu halten und weiter stumm zu lernen.

PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt