Teil31

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Natürlich reicht das Jahr nicht aus. Jake ist ein heller Kopf und er freut sich an den Studien. Es fällt ihm bald leicht die fremden Texte zu lesen. In Martin findet Jake einen echten Freund, also einen mit dem man abends beieinander sitzt um das Leben zu geniessen. Was zunächst als Zweckgemeinschaft gedacht war wird zu einer innigen Beziehung. Jake und Martin vertrauen sich bald und sie tauschen ihre Geheimnisse miteinander aus. Bald wissen sie wie es um das Herz des anderen bestellt ist. Dass Martin Philip mehr als nur mag hätte sich Jake denken können. Dass Jake die hübsche adelige Aliena verehrt lernt Martin mit der Zeit. Jake freut sich jedes Mal wenn er die schöne Wollhändlerin trifft und er lächelt dann immer ganz beschenkt. Wenn er mit ihr reden darf dann strahlen seine Augen und er wird ganz rot. Martin weist ihn einmal lächelnd darauf hin. "Du schaust Aliena ziemlich verliebt an." sagt er und Jake ärgert sich. Er brummt: "Verliebt gucken ist gestattet. Immerhin schaut Philip und du euch dauernd an." Nun fragt Martin erstaunt: "Wie meinst du das?" und Jake erklärt feixend: "Wenn du Philip anschaust dann siehst du aus wie ein verliebtes Kätzchen." Martin lacht nicht über den Vergleich. Ihm ist es ziemlich peinlich. Dass er sein Herz an seinen Prior geschenkt hat geht eigentlich nur ihn etwas an. Martin schaut Jake verletzt an. Dann fragt er kleinlaut: "Wie meinst du das?" Jake amüsiert sich über den sich windenden Martin. Martin ist sonst immer in jeder Lebenslage völlig souverän und Jake fühlt sich oft wie ein kleines, dummes Kind neben dem schlauen jungen Mann. Dass Martin kaum älter als er ist sieht man, doch Martin verhält sich immer so erwachsen. Dass er nun in einer misslichen Lage ist und Jake ihn da hinein manövriert hat freut Jake ein kleines Bisschen, nein ein grosses Bisschen. Jake antwortet grinsend: "Na, wenn du Prior Philip während der Messe anhimmelst dann kann man fast die Geigen hören wenn man dich beobachtet. Du schmachtest ihn ja regelrecht an. Martin wird sehr rot um die Ohren. "Meinst du das fällt auch anderen auf?" fragt er verunsichert und Jake fängt schallend an zu lachen. "Man müsste schon sehr blind sein um das nicht mitzubekommen. Die Novizen lachen sich alle darüber kaputt und die Laienbrüder haben eine Wette am Laufen wer euch zuerst in Flagranti erwischt. Remigius hat demjenigen der es schafft ein ganzes Fass Bier versprochen." Martin schaut beschämt auf seine Füsse. Jake klopft ihm kumpelhaft auf die Schulter. "Mach dir nix daraus. Philip schaut dich doch ganz genau so an. Er sabbert fast wenn du die Messe liest." Nun schaut Martin Jake mit Tränen in den Augen an. "Warum ist das eigentlich verboten? Ich meine, wir machen doch nichts schlimmes. Ich mag Philip halt nur." Martin wird ganz leise und er wischt seine Tränen stumm weg. Jake tut der kleine Mönch nun doch leid. Es ist ihm nun doch peinlich dass er Martin so beschämt hat. Er räuspert sich und sagt tröstend: "Ich glaube nicht dass es verboten ist dass ihr euch mögt. Erst wenn ihr, na du weisst schon, miteinander habt dann geht das nicht mit dem Gelübde überein." Martin schaut Jake immer noch traurig an. "Aber die Novizen lachen und wir sind das Gespött unter den Laienbrüdern. Wieso?" Jake denkt lange darüber nach. Er hat sich ja auch darüber geärgert dass Martin ihn darauf hingewiesen hat dass er Aliena so gerne anschaut. Aber wieso ist ansehen eigentlich verboten? "Anschauen ist die Vorstufe der Sünde." sinniert Jake. "Ich würde mit Aliena am liebsten Dinge tun, die nur verheiratete Menschen miteinander tun dürfen. Da kann ich nichts für, das sind nun mal meine innersten Gefühle. Mein Wunsch ist es diese wunderbare Frau eines Tages heiraten zu dürfen. Ich weiss dass ich als Bastard ihr nicht das Wasser reichen kann. Doch ich wünsche es mir so sehr. Und jedes mal wenn ich Aliena sehe habe ich unzüchtige Gedanken. Da kann ich mich einfach nicht bremsen." Jake schaut Martin nachdenklich an. Martin ist erstaunt wie ehrlich Jake zu ihm ist. Er schaut Jake lange an und auch er denkt über das Gesagte nach. "Ich will mit Philip nicht ins Bett." sagt Martin plötzlich. Jake schnaubt belustigt auf. "Du schläfst jeden Abend in seinen Armen ein." berichtigt er Martin. Martin macht eine genervte Geste. "Du weisst was ich meine, ich will nicht mit ihm Unzucht treiben. Wir mögen uns und er schnarcht nicht. Im Gemeinschaftssaal ist es mir nachts zu laut." erklärt Martin. Jake stöhnt wissend. Bisher haben sie das Kloster noch nicht umgebaut. Ausser dem Prior haben die Mönche keine eigenen Zellen. Sie schlafen alle gemeinsam im Dormitorium und das kann abends ganz schön geräuschintensiv werden. Jake schaut Martin neidisch an. "Weisst du dass du es ganz schön gut hast?" fragt er und weil Martin ihn erstaunt anblickt erklärt er: "Du lebst und arbeitest und schläfst bei dem Menschen den dein Herz mag. Doch du kannst ihn so aufrecht und rein lieben wie es kaum ein anderer Mensch kann. Ich könnte nicht mit Aliena im Arm einschlafen." Martin lächelt nun. Jake ist so ehrlich zu ihm dass er ihm nicht böse sein kann dass sie dieses Gespräch führen müssen. "Du bist doch nur Mönch auf Zeit. Du wirst ein Gelehrter sein wenn du fertig bist. Ich glaube fest dass Aliena dich dann erhören wird. Sie scheint dich ja auch sehr zu mögen." Jake staunt und Martin muss ihm erklären dass auch Aliena Jake sehr verträumt anzusehen pflegt. Vor allem wenn er ihr mal wieder ein Geschenk mitgebracht hat strahlen ihre Augen wie zwei funkelnde Sterne. "Aliena trägt die Ketten die du ihr schenkst. Auch wenn sie nicht aus Edelsteinen gemacht sind hat sie sie um. Und sie trägt den Schmuck den sie Condor hat Suchern sie dich nicht trifft. Das heißt sie mag ihn." erklärt Martin und Jake hört ihm beschenkt zu. Jake hat lange an der Kette gearbeitet die er Aliena geschenkt hat. Er hat im Fluss die Muscheln gefangen und zusammen mit Matthias gekocht. Die Perlen die er in den Muscheln gefunden hat benutzt er um Aliena Schmuck herzustellen. Jake ist sehr geschickt und kunstfertig  und er könnte auch ein guter Goldschmied werden. Zumindest sieht man ihn ständig in seiner freien Zeit kleine Kunstgegenstände für Aliena herstellen. Nicht nur Ketten aus Perlen, auch reich verzierte Haarspangen und Kämme bastelt er für sie. Was Martin am besten gefällt ist die Tatsache dass Jake die Kostbarkeiten auch wieder weglegen kann. Er bearbeitet sie nur in seiner freien Zeit. Die Zeit die für die Studien, das Beten, die Geschäfte oder die Arbeit bestimmt sind nimmt Jake sehr ernst. Er lernt mit Eifer und er scheut sich nicht auch die niederen Arbeiten in der Küche zu verrichten. Die anderen Novizen nehmen das alles nicht so genau. Vor allem beim Küchendienst hatten Philip und Martin grosse Not. Die Novizen haben sich einfach geweigert Bruder Matthias zu helfen. Als Mattias wiederholt alleine in der Küche war haben Philip und Martin kurzerhand den Küchenhelferdienst angetreten. Martin mit Freude und Philip mit Eifer. Sie haben sich sehr wohl in Matthias Küche gefühlt der alte Mönch ist ein guter Freund für Philip. Er hat ihn ja aufwachsen sehen und fand Philip schon als Knaben sehr lieb. Philip war ein pflichtbewusstes Bürschchen der häufiger in der Küche geholfen hat als er eingeteilt war. Dafür durfte Philip dann auch kochen und musste nicht so viel spülen was er zugegebenermassen gehasst hat. Matthias hat vermutet weil Philip sich seine Finger so ungerne schmutzig macht. Doch mit Martin zusammen macht der Küchendienst einfach nur Spass. Der kleine Mann kann einfach für gute Stimmung sorgen. Singend und lachend hat Matthias selten gekocht. Doch Martin ist immer sehr fröhlich wenn er in der Küche ist. Als die Novizen bemerken wer ihnen den Tisch gedeckt hat und die Speisen aufträgt da schämen sie sich doch sehr. Sie warten auf eine Standpauke oder eine Strafarbeit aber nichts dergleichen kommt. Philip und Martin beschliessen lediglich dass ihnen der Küchendienst solche Freude bereitet dass sie gerne einen Tag in der Woche den Dienst übernehmen wollen. Seit dem die beiden selbst mit anpacken werden die Novizen auch wieder zuverlässiger. Vielleicht hat es geholfen dass Philip in seiner Predigt von den Pflichten erzählt hat die man nun mal erfüllen muss damit eine Gemeinschaft gut funktioniert. Wenn jeder nur auf das eigene Wohl bedacht ist dann kann eine Gemeinde nicht bestehen. Jeder ist auf seine Weise wichtig. Da darf sich niemand über den anderen erheben und sagen dass seine Arbeit wertvoller sei. Denn So wie Jesus gesagt hat: "Ich bin das Haupt und ihr seid die Glieder" so funktioniert eine Klostergemeinde. Nur wenn jeder bereit ist seinen Teil für den Körper dazuzutun kann der Körper existieren. Jeder muss an seinem Platz funktionieren. Es kann nicht jeder etwa Hand sein. Denn wenn der Körper keine Füsse hat dann kann er nicht mehr gehen. Man benötigt jedes Körperteil, auch wenn die Arbeit noch so stumpfsinnig oder sogar schlimm erscheint, wie etwa Teller spülen, wenn die Arbeit nicht erledigt wird dann funktioniert die Gemeinschaft nicht. Diese Worte haben sich die Novizen zu Herzen genommen und der Umgang untereinander und auch mit den Laienbrüdern hat eine Zeit lang reibungsloser geklappt.

PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt