Teil41

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Richard residiert in einem Zelt etwas ausserhalb der Stadt. Seine Männer sind bei ihm und er wundert sich sehr als Martin mit den beiden Priestern bei ihm auftaucht. Als sie ihm dann noch sagen dass Martin nicht mehr mitkämpfen wird wird der junge Ritter sauer. "Ihr müsst euch schon entscheiden was ihr wollt!" fährt er Philip böse an. Philip hebt abwehrend seine Hände. "Es geschah im Zorn dass ich Martin von mir geschickt habe. Es war unüberlegt und ich bereue es sehr. Martin ist meine rechte Hand, das weisst du und ich brauche ihn sehr." gibt er vor Richard zu. Richard schnaubt durch seine Nase. Aus seinem Gesicht erkennt man was er über die beiden Priester denkt. "Ihr müsst das selbst mit König Stefan klären." murrt Richard und damit ist für ihn das Thema erledigt. Letztendlich ist er sogar froh den ewig flennenden Martin los zu werden. Er kennt ihn ja nun lange genug und hatte immer eine hohe Meinung von dem kleinen Mönch. Wenn der mit den Jungs von der Stadtwache trainiert hatte dann hat ihn niemand besiegen können. Selbst Richard ist dem dürren Mönch unterlegen. Doch als Knappe war er fast nicht zu gebrauchen. Martin hat fast nur geweint und er war kaum ansprechbar. Er hat nie geschlafen so dass er nach kurzer Zeit völlig übermüdet war und Essen hätte man in den jungen Mann hinein prügeln müssen. Richard hat nicht eingesehen den Babysitter für den Mönch zu spielen und darum hat er Martin in seinem Kummer allein gelassen. Ein fähiger Ritter wäre zu schön gewesen, ein weinender, vor Trauer zerfliessender Junge war eine Last. Richard ist nur froh dass er Martin nie als Ritter oder Reiter gemeldet hat. Einen Knappen wird König Stefan eher ziehen lassen als einen wehrfähigen Mann. Philip, Martin und auch Francis werden die Nacht bei den Kämpfern verbringen. Sie haben kein eigenes Zelt und so wird ihnen ein Platz bei den Kämpfern zugewiesen. Eigentlich ist es Martins Plätzchen das er sich nun mit den beiden Männern teilen soll. Die Kameraden rücken ein wenig zur Seite und ein paar Decken sind schnell aufgetrieben. Als die Brüder alleine sind weil die Krieger sich zum Abendessen begeben schaut Philip Martin tief in die Augen. "Möchtest du meine Albe haben damit du wieder wie ein Mann Gottes aussiehst?" fragt er Martin und der nickt beschenkt. Rasch entkleidet sich Philip und er zieht seine Albe aus um sie dem ebenfalls entkleideten Martin anzuziehen. Er lächelt dem jüngeren zu und gürtet ihn mit seinem Rosenkranz. "Nun siehst du aus wie damals als ich dich gefunden habe." sagt Philip sanft und Martin wird etwas rot um die Ohren. "Nur dass du mich nicht vorher retten musstest." sagt Martin leise. Philip lacht. "Nein, dieses mal hast du mich gerettet. Ich glaube ohne dich hätten mich diese Reiter umgebracht." Martin nickt und er fällt dem Prior um den Hals. "Ich möchte dich nie mehr verlassen." haucht er an dessen Brust. Philip umarmt seinen kleinen Freund und er sagt: "Ich möchte auch nie wieder verlassen werden. Es war eine furchtbare Zeit. Ich hatte so grosse Angst um dich. Ich habe mir in den schrecklichsten Farben ausgemalt wie ich dich zerschmettert vom Schlachtfeld hebe oder dich überhaupt nicht mehr wieder finde." Philip drückt den Kleinen eng an seine Brust. Martin schluchzt. "Ich konnte einfach nicht dem Höllenspalt entfliehen. Es ging nicht." Philip wird blass und er sagt entsetzt: "Hast du denn gar nicht schlafen können?" Ein blick in das müde Gesicht seines Freundes lässt ihn erahnen was der Jüngere durchgemacht hat. "Komm, leg dich zu mir." sagt Philip sanft aber Martin schüttelt den Kopf. "Ist es nicht Zeit für die Vesper?" fragt Martin, gähnt dabei aber herzhaft. Philip lacht und er verneint. "Die haben wir längst verpasst." sagt er und er zieht Martin auf das schmale Bett. Kaum liegt der Jüngere eng an ihn gedrängt ist er auch schon eingeschlafen. Philip wünscht Francis noch schnell eine gute Nacht und dann schliesst er seine Augen um Martin am Höllenspalt anzutreffen. Martin sitzt dort und er schaut freudig zu Philip und er streckt seinem Freund die Arme entgegen. "So schnell bist du hier!" sagt er glücklich und er lässt sich von Philip aufhelfen und in die Arme ziehen. "Wieso bin ich denn schneller als sonst?" fragt Philip und Martin nickt. "Ja, sonst hat mich immer der Schrecken gepackt und ich konnte kaum an dem Spalt bestehen. Doch heute hatte ich nicht das Gefühl dass ich dort hineingezogen werde. Ich konnte einfach am Rand auf dich warten und ich wusste einfach, dass du kommen wirst. Ich hatte nicht mehr dieses Zweifelde Herz, weisst du?" Philip schaut Martin fasziniert an. "Was lässt dich jetzt glauben was dir vorher gefehlt hat?" fragt er neugierig. Martin zuckt seine Schultern. "Ich weiss es nicht. Vielleicht weil ich deine Albe an habe und ganz nach dir rieche?" fragt er und er schnuppert selig an seinem Gewand. Philip lacht und er sagt: "Nein, du hattest schon einmal meine Albe an und es hat nicht geholfen dass du nicht zu dem Rand gezogen wirst." Martin schaut nachdenklich in die Ferne und er lässt sich die Streicheleinheiten seines Freundes gefallen. "Doch, damals hast du mich das erste mal von dem Spalt gezogen so dass ich nicht schreiend aus meinem Schlaf hoch schrecken musste wenn ich nicht in die Hölle fallen wollte. Ich glaube das ging damals schon so gut weil dein Gewand mich umhüllt hat und ich wusste dass ich dir vertrauen kann." Philip nickt und er fragt: "Aber was ist denn jetzt anders als all die Jahre die wir beieinander geruht haben? Ich habe dich manches mal entspannt am Höllenspalt sitzen gesehen aber jedes Mal hattest du das Gefühl ich habe mir Zeit gelassen um zu dir zu kommen." Martin runzelt seine Stirn. Er nickt bedächtig als er über diese Worte nachdenkt. "Irgendetwas muss passiert sein dass das nun nicht mehr so ist." sagt er mehr zu sich selber als zu Philip. Dann schaut er Philip an und er fragt: "Meinst du dass das mit der Tatsache zusammen hängt dass wir uns nicht mehr verlassen wollen oder weil ich nicht mehr kämpfen möchte?" fragt Martin und nun runzelt Philip nachdenklich seine Stirn. Martin beobachtet den nachdenkenden Philip und er merkt wie gern er seinen Prior hat. Philip sieht so schön aus wenn er ganz in Gedanken ist. Nach einer Weile schaut Philip Martin an und er sagt dass er es nicht wisse. "Wir sollten beides nicht mehr in Erwägung ziehen. Ich werde dich weder von mir schicken und genau so wenig werde ich dich in einen Krieg schicken." Philip lächelt seinem Freund zu. Martin schaut unschlüssig. "Meist überrascht einen ja der Krieg und ich möchte jetzt nicht entscheiden wie ich reagieren werde wenn du in Gefahr bist." sagt er leise. Philip knuddelt seinen Freund. "Ich weiss was du meinst." sagt er mitfühlend. "Du glaubst gar nicht wie sehr ich mir vorhin ein Schwert gewünscht hätte um dir bei zu stehen gegen die fremden Ritter." Martin schaut Philip ernst an. "Ich möchte nicht dass du zur Waffe greifst. Du bist kein Kämpfer!" sagt er beschwörend. Philip grinst schief und er sagt ein bisschen selbstgefällig: "Besser als die Anfänger unserer Wache bin ich aber schon." Martin lacht und er boxt Philip spielerisch in den Bauch. "Besser als schlecht zu sein macht dich nicht zu einem guten Kämpfer." sagt er und damit ist die Diskussion der beiden beendet. Philip merkt wie sein Leib geschüttelt wird. Irgendjemand weckt ihn. Er gibt Martin ein Zeichen aufzuwachen und fast zeitgleich öffnen sie ihre Augen. Francis ist es der Philip an der Schulter gerüttelt hat. "Wacht auf ihr Schlafmützen. Es ist schon spät und wir wollten heute zum König. Er erwartet mich zurück und ihr könnt mit mir gehen wenn ihr um Martins Entlassung aus dem Kriegsgeschehen bitten wollt." sagt er leise damit niemand sonst aufwacht. Philip und Martin erheben sich fast lautlos und sie gehen mit Francis zum König. Sie müssen eine Weile durch die Zeltreihen gehen. Der König hat sein Zelt auf einer kleinen Anhöhe aufgeschlagen. Der Weg dort hin ist gut bewacht aber den Schreiber Francis kennen alle und er darf problemlos passieren. Da Philip und Francis sich wirklich zum verwechseln ähneln lassen die Wächter auch Philip passieren. Sie glauben Francis einfach dass sein Bruder ebenfalls das Recht habe mit zum König vorgelassen zu werden. Da Martin in Philips Albe eher wie ein Novize als wie ein Mönch aussieht stellen sie den Wachen den jungen Priester einfach als Philips Novize vor. Martin sieht jung genug aus um genau das sein zu können. Die drei kommen gerade beim König an als dieser sich zum Frühstück nieder lässt. Er begrüsst seinen Schreiber freundlich. "Ah, Francis, wie gut dass ihr wieder hier seid. Heute werden wir mit der gegnerischen Seite verhandeln, ich  möchte dass ihr zugegen seid um alles zu protokollieren und eventuell Verträge aufzusetzen. Mein Feind hat endlich eingesehen dass wir ihm das Wasser reichen können." sagt Stefan selbstgefällig. Francis verbeugt sich und er sagt: "Wie ihr befehlt, Herr." Dann setzt er sich zu dem König und er bringt Philips und Martins Begehr zur Sprache. Stefan runzelt seine Stirn. "Ihr wollt dass ich den Knappen von Sir Richard aus seinem Dienst entlasse?" fragt er verwundert. Francis nickt. "Ja, der Knappe ist ein Novize aus dem Kloster Kingsbridge. Es gab einen belanglosen Streit dass der Knabe weggeschickt wurde. Doch dem Prior tut es Leid dass er einen Mitbruder in den Krieg geschickt hat." Francis hält die Luft an wie sich sein König entscheiden wird. Der beisst herzhaft in sein Brot und er trinkt einen kräftigen Schluck vom edlen Wein. Dann wendet er sich an Francis. "Was sagt denn Sir Richard dazu?" Francis sagt prompt: "Der hat es in eure Entscheidung gestellt." Stefan brummt. "Ich werde Richard nachher fragen. Immerhin ist es sein Knappe um den es hier geht und Sir Richard kommt zusammen mit meinen anderen Rittern gleich zu der Versammlung bei der wir unserem Feind in Verhandlung entgegentreten. Richard war in der letzten Schlacht ein guter Verbündeter und seine Mannen haben das Kriegsglück zu unseren Gunsten gewendet. 

PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt