Teil21

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Nun beginnt die feierliche Messe. Die Novizen ziehen alle mit ihren Paten gemeinsam ein. Martin geht am Schluss der Reihe weil er ja wegen der Prüfung etwas sehr knapp aus der Kirche herausgekommen ist. Er musste sich sehr beeilen und nun ringt er etwas um Luft. Philip legt ihm beruhigend seinen Arm um die Schultern. Er kann ich nämlich sehr gut vorstellen dass Martin nicht nur wegen des kurzen Sprints, sondern auch vor lauter Aufregung keine Luft bekommt. So panisch wie Martin gerade schaut und nach Atem ringt fällt er ihm bestimmt gleich um. Die Novizen dürfen alle in den Chaorraum gehen und sie setzen sich dort auf eigens für sie und ihre Paten aufgestellte Bänke. Philip lässt seinen Arm um Martins Schultern und er legt seinen Mund an Martins Ohr: "Ausatmen nicht vergessen." Flüstert er seinem Schützling zu. Martin kann nun zum Glück wirklich ein wenig ausatmen. "Einatmen." befiehlt Philip und Martin saugt den Odem in seine Lungen. So langsam kann sich der Kleine entspannen und er wirkt bald gefasster und nicht mehr als würde er jeden Moment ohnmächtig werden. Während der Messe wird jeder Novize gefragt welchen Wahlspruch er sich denn für sein neues Leben gewählt habe. Die Paten tragen die Sprüche vor. Da Martin als letzter an der Reihe ist fängt er nun an zu schwitzen. Er stupst sanft Philip an und er sagt panisch: "Du, ich habe vergessen mir meinen Spruch zu wählen!" Philip drückt sanft die Hand seines Schützlings und er flüstert zurück: "Ich wüsste da einen für dich." Martin nickt und schaut Philip vertrauensvoll an. Da werden die beiden nach vorne gerufen und Marin wird nach seinem Lebensmotto gefragt. Philip antwortet für Martin und er sagt: "Martin hat einen Spruch aus Jeremia, Kapitel 31 Vers 3: "Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." Martin staunt Philip an. Ausgerechnet diesen vertrauensvollen Spruch hat Philip ihm geschenkt. Klar, Philip ist ja der Meinung dass Gott in der Taufe Martin angenommen habe, aber dass er ihn je und je geliebt hat? Wie kann das sein? Er ist doch genau auf der Seite der Widersacher geboren worden. Ein wenig bang empfängt Martin seine Kutte. Nun wird Martin, genau wie die jungen Mönche vor ihm von jedem Mitbauer in der Klostergemeinschaft empfangen. Wer möchte darf dem neuen Mitglied etwas zur Begrüssung sagen, ihn segnen und ihm den Bruderkuss schenken. Fast jeder Bruder umarmt Martin freundlich und gibt ihm seinen Segen mit auf den Weg. Bruder Matthias heisst den Kleinen freudig willkommen und er wünscht ihm dass er auch als Mönch weiter so fleissig und wissbegierig sein wird. Martin freut sich dass sein alter Freund ihn so liebevoll willkommen heisst. Bruder Remigius umarmt Martin feste. Er schaut ihm in die Augen und er sagt freundlich: "Ich freue mich dass du heute ein vollwertiges Mitglied unserer Gemeinschaft wirst. Ich wünschte wir würden Freunde und ich hoffe du wirst mir ein würdiger Nachfolger im Amt des Subpriors." Martin fällt aus allen Wolken als er die Worte hört. Er staunt den älteren Mönch mit grossen Augen an. Der lächelt und er sagt: "Du weisst genau so gut wie ich dass Philip mir das Amt nur gelassen hat bis du es übernehmen kannst. Ich weiss dass du es viel besser als ich ausführen wirst weil du bereits als Philips Stellvertreter fungierst. Ich bin dankbar dass ihr ein weniger Aufwändiges, aber nicht desto trotz schönes Amt für mich gefunden habt. Du wolltest noch mein Bier vorkosten. Heute habe ich extra eins für dich gebraut." Martin strahlt Remigius an und der ältere hat seltsamerweise das Gefühl dass es heller um ihn herum würde. Er schaut in ein dankbares Gesicht und Martin lässt sich gerne von dem älteren segnen und den Bruderkuss schenken. Zuletzt geht Martin zu dem Prior Philip um sich das Willkommen abzuholen. Philip umarmt Martin inniglich. Martin legt seinen Kopf an die Brust seines Freundes und er schliesst die Augen. Philip löst entgegen der Tradition die Umarmung nicht. Er erklärt dem Martin flüsternd seinen Wahlspruch: "Ich weiss dass Gott dich schon geliebt hat als du noch ungetauft warst. Immerhin hat er mir einen Engel in meinen Traum geschickt der mir befohlen hat auf dich aufzupassen. Das hätte er nicht getan wenn du ihm nicht wichtig gewesen wärst." Martin schaut Philip mit offenem Mund an. Kann das wirklich wahr sein? Ist Philips Gott wirklich so gütig dass er sich selbst um Dämonen sorgt? Ja, für sie sorgt? Martin durchfährt ein Schauer und dann wird ihm klar dass er dieses grossartige Geschenk annehmen darf. Er, als kleiner Dämon darf sich auf die Seite des Lichts begeben. Er wird dort nicht weggeschickt sondern er wird willkommen geheissen. Gott selber hat sich um ihn gesorgt und ihm seinen Prior Philip an die Seite gestellt. Martin ist in dem Moment so glücklich wie er noch nie in seinem Leben war. Er ist ganz beseelt von der Liebe die ihm entgegenstrahlt. Unwillkürlich Umarmt er Philip wieder und er hält sich ganz fest. Wenn er sich nicht festhalten würde so würde ihm schwindelig vor Glück. Martin ist sich sicher dass er für den Rest seines Lebens von dieser Güte Gottes und von seiner Liebe predigen will. Dass er den Menschen die Liebe Gottes zeigen will, und den Segen fliessen lassen will. Philip segnet seinen Kleinen während er ihm in den Armen liegt. Der Kuss wird auch ein wenig zärtlicher und liebevoller als Philip eben noch die anderen neuen Brüder begrüsst hat. Doch jeder aus der Gemeinschaft weiss wie es um die Freundschaft ihres Priors zu dem kleinen Martin bestellt ist. Sie wissen wie innig und liebevoll die beiden stets miteinander umgehen und dass die beiden viel Zeit miteinander verbringen. Da sie nie bei Unzucht oder Lästereien erwischt werden und die beiden das Kloster ansonsten tadellos, gut und gerecht führen stören sich die meisten nicht daran. Einzig der Bischof schaut irritiert auf die beiden. In seiner Predigt ermahnt er die Brüder wirklich dem Pfad der Tugend zu folgen und die Gebote der Kirche zu achten. Martin und Philip lauschen interessiert und da in ihren Gesichtern keinerlei Reue, nur Zustimmung abzulesen ist glaubt der Bischof schliesslich doch dass Philip und Martins Beziehung zueinander mit den Regeln der Kirche im Einklang stehen.

PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt