Teil 75

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Als die Messe vorbei ist fängt das Fest in der Stadt an. Die Menschen sind alle fröhlich und sie sind sehr zufrieden mit ihrer weinenden Madonna. Sie mögen die hübsche Statue jetzt schon. Dass sie so hohen Besuch angelockt hat macht sie sehr stolz.
Jubelnd und Fähnchen schwingend begrüsst das Volk den König und da sie gerade dabei sind auch noch den Bischof. Die fühlen sich in Kingsbridge offenbar sehr wohl und auch die Königin von der man gehört hat dass sie eher eine ernste und melancholische Frau sei hat ein Lächeln im Gesicht. Regelrecht ausgelassen feiert sie mit den Städtern. Sie sitzt bei Aliena und ihrem Bruder Richard und sie scheint sich köstlich zu amüsieren. Alfred, Peter, Jake und seltsamerweise auch Bruder Elias sitzen ebenfalls bei Aliena und Richard. Der König wird von Tom in Beschlag genommen. Tom zeigt und erklärt dem interessierten Adligen die Kirche, was er sich dabei gedacht hat, wie sie die Ideen realisiert haben und wie er die Statik ausgerechnet hat. „Ihr seit wahrlich ein Meister eures Handwerks!" wird er schliesslich vom König gelobt was Tom erröten lässt. Glückselig verbringt er den restlichen Tag wie im Traum. Agnes lässt sich mit ihren Nonnen ebenfalls beim Fest sehen. Zwei kleine Novizen springen ihr fröhlich in die Arme und sie herzt die beiden Knaben mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Der Bischof zieht erstaunt eine Braue nach oben. Er kennt Agnes zu genüge. Sie ist in seinen Augen eine zänkische und rechthaberische Frau. Niemals hat er bei ihr ein Lächeln im Gesicht gesehen. Wenn er mit ihr geredet hat hat sie stets verbittert geklungen und ihm Vorhaltungen gemacht die ihr nicht zustanden. Sie nun so ausgelassen einen Menschen, besser zwei zu umarmen sieht der Schwester Oberin so gar nicht ähnlich. Als er sie nach Kingsbridge gesand hat hat er sie eigentlich in die Verbannung schicken wollen. Philip und seine recht zügellosen Mönche sollten die Oberin zur Weißglut treiben. Offenbar hat sich der Bischof geirrt. Als die Knaben von der Nonne ablassen um sich der nächsten Nonne an den Hals zu werfen grüßt die Oberin fröhlich Philip. Sie umarmen sich steif und Agnes sagt lachend: „Oh, Philip, bei aller Liebe, ihr stinkt wie ein Schwein!" Philip lacht und er antwortet dass er bei eben jenen Tieren übernachtet habe. Agnes fächert sich gut gelaunt Luft zu und sie rät dem Prior schnellstmöglich ein Bad zu nehmen. „Der Aufwand lohnt nicht." winkt Philip ab. „Ich besitze weder eine sauberes Untergewand noch eine frische Kutte. Und heute Nacht werde ich wahrscheinlich auch wieder zwischen diesen geruchsintensiven Tieren schlafen." Agnes wundert sich und Philip erklärt frohgemut: „Unsere Schafställe waren belegt. Wir mussten darum in euren Schweinestall ausweichen. Hieltet ihr reinlichere Tiere würde ich nicht so entsetzlich riechen." Agnes lacht und sie verspricht Philip dass sie demnächst Gänse halten werde. Martin, der neben Philip gestanden hat schaut Agnes traurig an. „Die werdet ihr ja auch nur zum schlachten halten, nicht?" Agnes schaut Martin ernst an und Walleran erkennt dass die beiden dieses Gespräch wohl öfters führen. „Ja, Martin, wir wollen manchmal einen Braten essen. Fleisch ist sehr lecker und nicht verboten," Martin senkt seinen Blick und wird von Philip umarmt. „Jeder, wie er es für richtig hält." sagt er fröhlich und drückt Martin einen Kuss auf das Haupt. Martin schaut traurig zu Philip hoch. Der Bischof schaut entsetzt. Gerade als er zu Philip gehen möchte um ein ernstes Wort mit ihm zu reden da geht der Prior mit Martin weiter. Agnes gesellt sich zu ihren feiernden Nonnen. Wallerans Augen folgen Philip über das ganze Fest. Der Prior unterhält sich offenbar mit fast allen Menschen aus Kingsbridge. Da sind nicht nur die Handwerker die er freundlich begrüsst. Auch die anderen Bürger werden freundlich empfangen und für jeden scheinen die beiden Zeit zu haben. Einige haben aufgeregte und erwartungsfrohe Gesichter, doch auch ein paar unglückliche Menschen sind dabei. Philip und Martin haben für jeden und jede ein offenes Ohr. Walleran möchte wissen was Philip mit den Menschen bespricht und darum geht er zu ihm als ihn eine arme Bettlerin erreicht. „Vater, könnt ihr nach meinem Kind sehen? Es geht ihm nicht gut." sagt die Frau und öffnet ein Lumpenbündel. Ein leichenblasses Baby liegt darin eingehüllt. Philip zeichnet dem Baby sofort ein Kreuz auf die Stirn und dann ruft er zu Martin der nicht weit von ihm steht: „Martin, könntest du dir bitte das Baby von Hedwiga anschauen? Ich befürchte wir benötigen den Medicus." Martin kommt und er nimmt Philip das Baby aus dem Arm. Dann sagt er leise aber bestimmt: „Philip, du gehst mit Hedwiga zu Maria beten. Ich gehe zu Lucas." Philip nickt und Martin saust mit dem Lumpenbündel weg. Philip nimmt die weinende Frau mit zur Kirche. Die ist offen und viele Menschen stehen um die Madonnenstatue. Philip führt Hedwiga zu einer Bank und dort knien sie sich gemeinsam hin. Philip löst seinen Rosenkranz und gemeinsam beten sie zu Gott. Philip mit geübter Stimme, die Bettlerin zunächst unsicher und mit tränenerstickter Stimme. Walleran hat sich hinter die beiden gesetzt und er wartet geduldig ab. Wird dieser verrückte Prior für eine Bettlerin das Fest verlassen? Es scheint so. Denn das ausgiebige Frühstück hat der Prior schon verpasst und die Ochsen die das Mittagessen darstellen werden ebenfalls immer weniger bis schliesslich nur noch Knochen übrig bleiben über die sich die Hunde freuen. Der Bischof kann es kaum glauben. Natürlich sitzt er nicht ununterbrochen neben den betenden, doch er geht öfters mal in die Kirche um nachzuschauen ob die beiden da noch knien. Und wirklich, jedes mal wenn er nachschauen geht kniet Philip dort tief ins Gebet versunken. Als er nach dem Abendbrot wieder nachschauen kommt da huscht aus der Seitentür am Altar Martin mit einem Lumpenbündel hinein. Das Bündel schreit laut und es hat ganz offenbar grossen Hunger. Martin übergibt es der erschrockenen Bettlerin und er sagt grinsend: „Deine Gebete sind erhört, er wird genesen." Die Frau bedankt sich überschwänglich aber Martin schickt sie das Baby zu stillen. Dann betet er zusammen mit Philip den Rosenkranz zuende. Gemeinsam gehen die beiden gut gelaunt wieder zum Fest das ohne sie stattgefunden hat. Die Feiernden sind fröhlich. So manch einer zu fröhlich. Peter und Alfred können kaum noch stehen und schon gar nicht mehr reden. Zusammen mit Tom trägt Philip die beiden Zecher in Tom Builders Haus. Martin ermahnt Elias dass er seine Finger bei sich behalten soll und dass er Richard gefälligst nicht so anhimmeln möge. Auch Jake wird von Martin zur Diskretion gemahnt. Jake und Aliena haben einen wunderbaren Festtag zusammen verbracht und Jake hat sich endlich getraut Aliena um ihre Hand zu bitten. Sie hat ja gesagt und so schwebt Jake im siebten Himmel. Am liebsten würde er sofort seine Kutte gegen den Hochzeitsanzug tauschen. Martin freut sich ehrlich für die beiden und da Philip sich gerade wieder zu ihm gesellt erklärt Martin euphorisch die wunderbaren Neuigkeiten. Mit roten Wangen und verliebten Blick schaut er Philip erwartungsvoll an. Der kann nicht anders als dem süßesten Wesen der Welt einen kleinen Kuss auf die Nasenspitze zu geben. „Das sind wunderbare Neuigkeiten." strahlt er seinen Engel an. Walleran tritt zu den beiden. „Was ist denn hier los?" fragt er streng weil er den liebevollen Umgang zwischen Philip und Martin keineswegs gut heissen kann. Martin strahlt den Bischof an und er sagt ganz beschenkt: „Jake und Aliena wollen heiraten. Jake hat sie heute gefragt und Aliena hat ja gesagt!" Martin schaut so glücklich aber etwas passt nicht in Wallerans Weltanschauung. Das glückliche Brautpaar sitzt ja Philip und Martin gegenüber und der angehende Bräutigam steckt in einer Kutte! Das empört Walleran zutiefst. „Euer Bräutigam hat aber das Gelübte abgelegt." schnauzt er die beiden geistlichen an. Philip schaut wie um sich zu vergewissern dass Jake in der Kutte steckt zu ihm. Martin braucht nicht zu schauen. Er lächelt lieb und sagt verträumt: „Jake ist doch kein Vollbruder. Er ist auf Zeit im Kloster und eigentlich ist seine Zeit längst abgelaufen. Er ist doch nur geblieben weil es so schön praktisch war. Er hat mit Tom das Dach der Kirche gebaut und alle Verzierungen gemacht. Er ist ein wahrlicher Künstler." Walleran schaut bitterböse. „Und wieso trägt er dann das gleiche Gewand wie ihr? Man kann euch gar nicht auseinanderhalten." Nun lächelt Philip. „Vor Gott sind alle Menschen gleich. Das versuchen wir auch mit unserer Kleidung auszudrücken. Nur unsere Novizen tragen weiss damit sie in Ruhe gelassen werden sollte ein Fremder kommen und mit einem Mönch reden wollen." Walleran schaut böse drein. „Sag mal, spinnst du? Du kannst doch nicht allen Ernstes alle Brüder gleich stellen. Es gibt diejenigen die harte Arbeit verrichten und diejenigen die für die geistige Arbeit zuständig sind!" Walleran blitzt Philip mit seinen Augen böse an. Dann schaut er abrupt zu Jake und er zischt: „Sagt, „Bruder", was würdet ihr tun wenn ich käme und euch bitten würde mir die Beichte abzunehmen?" Jake schaut Walleran erstaunt an. Dann sagt er nachdenklich: „Ich würde euch verzeihen." Er schaut dabei sehr ernst und direkt in Wallerans Augen. Martin gehen seine fast über und Philip hält die Luft an. Nun schaltet sich geistesgegenwärtig Ellen ein die neben der zukünftigen Braut sitzt und mehr als stolz auf ihren Sohn ist. „Nein, mein Sohn, das würdest du nicht. Du würdest ganz genau wie all die anderen Male zuvor dem Fremden freundlich aber bestimmt zu Martin bringen und erklären dass du nur der Steinmetz bist und nicht der Seelsorger." Jake neigt seinen Kopf und er sagt: „Wahrscheinlich hast du Recht, Mutter." Walleran schaut entsetzt zu Ellen. Er verengt seine Augen und er fragt scharf: „Kennen wir uns?" Ellen zuckt ihre Schultern und sie antwortet: „Nicht dass ich wüsste, Hochwürden. Selbstverständlich kenne ich euch, ihr seid der Bischof. Aber ich wüsste nicht woher ihr mich, eine einfache Handwerkerfrau kennen solltet." Ellen schaut den Bischof direkt ins Gesicht und Philip ist baff wie dreist Ellen lügen kann ohne rot zu werden. Walleran zieht seine Stirn kraus und er fragt wie in Trance: „Seid ihr nicht die Novizin die einst schwanger wurde?" Ellen schaut erstaunt und Tom sagt bestimmt: „Ellen ist meine Frau. Sie ist keine Nonne. Wir haben vier Kinder. Alfred, der älteste ist wie Jake und auch unser jüngster Jonathan in Philips Kloster." Nun schüttelt Walleran nachdenklich seinen Kopf. „Ihr habt einen älteren Buder?" fragt er Jake und der nickt. „Ja, Alfred. Er ist ebenfalls Steinmetz. Er hat das Gästehaus und das Frauenkloster gebaut. Er ist echt gut." Jake schwärmt von Alfreds Baukünsten. Walleran hört nicht mehr zu. Seiner Meinung nach müsse er Ellen dann verwechselt haben. Das sagt er dann auch: „Verzeiht dass ich euch verwechselt habe. Ihr seht einer Novizin ähnlich deren Beichtvater ich einst war. Sie hat sich mit dem Teufel verbündet und ist dann von ihm schwanger geworden. Ich habe vermutet dass ihr die Frau sein könntet weil sie ebenfalls kastanienbraunes Haar wie eures hatte. Der Bursche sieht eurem Sohn sehr ähnlich. Wie kommt ihr an solch einen rothaarigen Sohn?" fragt Walleran. Tom lacht und er sagt frech: „Meine Frau hat ihn geboren." Walleran schaut böse aber Ellen sagt versönlich: „Meine Schwiegermutter hatte ebenfalls flammend rote Haare. Vielleicht hat er es von ihr geerbt." Walleran gibt sich mit dieser Erklärung zufrieden. Doch warum der Prior und sein winziger Stellvertreter turtelnd hier sitzend das müssen die beiden ihm jetzt erklären! Im Hintergrund lungert der stumme Bruder herum. Derjenige der ihm vor ein paar Wochen diese wunderbare Feder sogar sprechend in die Hand gedrückt hat. Heute ist er ein paar mal über ihn gestolpert und der junge Mann hat stets missbilligend zu dem Prior geschaut. So auch jetzt wenn Walleran das richtig erkennt. Wallerans Augen sind stets dem Blick gefolgt und immer hat er Philip und Martin beim körperlichen Kontakt gesehen. Meist hat Philip dem jüngeren eine Hand auf die Schulter gelegt oder sogar den Kopf des jüngeren geküsst. Jede dieser Gesten ist streng genommen nicht verboten aber in der Fülle ungehörig für einen Mönch. Als er zu Martin und Philip schaut um sie zu Rügen zieht Philip Martin eng an sich um dem Bischof freundlich den frei gewordenen Platz anzubieten. „Ihr wollt ernsthaft dass ich mich zu euch setze?" fragt Walleran irritiert. Martin schenkt dem Bischof ein huldvolles Lächeln und Philip bejaht die Frage des Bischofs. Walleran schau die beiden perplex an. Wie sie da so eng aneinander geschmiegt sitzen gehört sich einfach nicht. Genau das sagt er auch und Martin fragt sanft: „Wollt ihr denn nicht bei uns sitzen?" auf die Stumme Abtwort Wallerans erklärt Martin fröhlich: „Würden wir nicht eng zusammenrücken dann gäbe es nicht genug Platz für alle. Setzt euch doch bitte." Walleran hebt missbilligend eine Aucenbraue und sein Mund wird ganz schmal. „Ihr benehmt euch wie zwei Verliebte Turteltsuben und nicht wie zwei Mönche. Euer Verhalten ziemt sich nicht für zwei Ordensmänner." rügt Walleran die beiden scharf. Zufrieden bemerkt Walleran den entsetzten und gequälten Ausdruck auf Martins Gesicht. Er wäre sicher von Philips Schoß gesprungen hätte dieser seinen Kleinen nicht fröhlich lachend fester umarmt und seine Wange auf dessen Kopf abgelegt. „Dass ihr unser Benehmen mit dem eines Liebespaars vergleicht kann ich gut nachvollziehen, ist mein Herz doch Martin sehr zugetan. Doch seid versichert dass all unsere Handlung mit den Ordensregeln überein gehen. Wir nehmen unsere Gelübde sehr ernst und setzen unser Seelenheil nicht leichtfertig aufs Spiel." Walleran knurrt zur Antwort. Philip grinst schief und er sagt: „Falls ihr uns nicht glaubt dann fragt Bruder Remigius. Er hat seit dem ich hier in Kingsbridge Prior bin demjenigen der mich inflagranti erwischt ein Fass Bier ausgelobt. Bisher konnte er noch keins verschenken." Walleran schaut Philip verkniffen an. „Dass ihr ausgerechnet euren Rivalen Remigius als euren Zeugen wählt ist ungewöhnlich. Glaubt mir, ich werde mich mit dem Burschen unterhalten." droht Walleran weiter knurrend. Martin macht ein verschrecktes Gesicht aber Philip krault ihn beruhigend. „Schon alleine wie ihr hier sitzt ist einer Anklage würdig." spricht Walleran Philip entgegen. Der schmust weiter seelenruhig an Martin herum. „Zuneigung zeigen ist nicht verboten." erklärt Philip ruhig. „Den Bruderkuss teilen wir alle." fügt er weiter an. „Walleran schnaubt durch die Nase. „Als ob das was ihr hier macht ihr mit allen Brüdern machen würdet." sagt er gehässig. Philip lächelt. „Nein, so intensiv nicht. Da habt ihr Recht. Aber mein Herz schlägt auch für niemanden als Martin." Walleran hebt seine Augenbraue und er starrt Philip fassungslos an. „Du sagst mir aber gerade nicht dass du einen Mann liebst? Das ist Sünde! Du wirst dafür brennen!" zischt Walleran. Philip zickt die Schultern. „Die Engel selber haben mir Martin ans Herz gelegt. Ich glaube nicht dass Liebe Sünde ist." erklärt er gefasst. Walleran tobt. „Ihr bringt Sodom und Gomorrah nach Kingsbridge! Ihr verwandelt das Kloster in einen Sündenpfuhl! Tut Busse!" Philip lächelt und er sagt ruhig aber bestimmt: „Nur weil mein Herz Martin liebt sündigen wir nicht. Wir sind uns einig dass wir Gott folgen. Wir nehmen unsere Gelübte sehr ernst." Jake schaltet sich ein und er bekräftigt was Philip erzählt. „Ich kenne keine gottesfürchtigeren Männer als Prior Philip und Bruder Martin." erklärt er abschließend. Walleran schaut ihn ernst an. „Ihr seid der Bruder der aus dem Orden austreten möchte um zu heiraten, nicht? Wieso sollte ich euch glauben?" Jake schaut empört Matthias legt ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich trete nicht aus dem Kloster aus, ich unterstütze das was Jake gesagt hat mit allem was ich habe. Philip und Martin sind gute Männer der Kirche. Vielleicht sehen sie zu hübsch aus, aber für sein goldiges Gesicht kann Martin nichts, genau so wenig wie Prior Philip etwas für sein ansehnliches äußeres kann. Sie prahlen damit nicht. Im Gegenteil. Sie hüllen sich in stinkende Kutten und üben sich in Demut. Dass sie das gemeinsam tun ist für uns alle inspirierend. Wenn die beiden nicht sündigen dann schaffen wir das alle auch." erklärt Matthias inbrünstig. „Seit dem Philip und Martin die niederen Dienste in der Küche selbst verrichten da drücken sich auch die Novizen nicht. Seit dem sie Wolle spinnen und weben machen es alle mit Freuden. Die beiden sind ein Vorbild." Walleran zieht seine Stirn in Falten. „Warum in alles in der Welt kocht ihr?" fragt er Philip und es ist mal wieder der vorlaute Martin der glückselig lächelnd antwortet: „Kochen macht Freude! Es tut so gut etwas für die Gemeinschaft zu tun und sie mit Nahrung zu versorgen ist wunderbar." Philip lächelt den Bischof an und er nickt zustimmend. Walleran schaut ungläubig. „Wenn ihr als Prior niedere Dienste verrichtet, was unterscheidet euch dann von den niederen Brüdern?" Philip überlegt erst bevor er Walleran antwortet: „Vor Gott unterscheiden wir uns nicht. Wir sind alle Menschen und er ist für uns alle am Kreuz gestorben um unsere Sünden zu tragen. Gott hat uns alle gleich lieb, egal ob Prior oder Novize. An u deren Taten werden wir einst gemessen. Nicht so sehr ob wir fleißig waren sondern ob sie aus Herzensgüte kamen. Es würde mir keinen Lohn im Himmel bringen wenn ich den Küchendienst murrend und lustlos verrichten würde. Auch nicht wenn ich es mache weil es gemacht werden muss und ich halt der einzige bin der es tut. Ich liebe den Küchendienst weil ich gerne etwas für meine Brüder zubereite. Etwas das sie beschenkt und ihnen gut tut. Darum glaube ich dass Gott mir diese Geschenke anrechnen wird und ich im Himmel auch Geschenke bekomme." „Du hoffst die durch den Küchendienst am Reich Gottes teilzuhaben?" fragt Walleran untsetzt. „Nein. Ich hoffe dass meine Brüder gerne essen was ich koche. Dass es sie stärkt und ihnen den Tag versüßt. Wenn sie einen guten Tag oder auch nur eine gute Mahlzeit hatten dann bin ich glücklich." erklärt Philip. „Und wo ist da das Reich Gottes?" fragt Walleran. „Ich glaube diese Zufriedenheit fühlt sich ein bisschen so an wie ich mir das Reich Gottes vorstelle." sagt Philip. Walleran lacht Philip aus. „Wenn du glaubst dass dein Reich Gottes andere bedienen ist dann bin ich da damit du mich bedienen kannst." Philip lächelt und er schweigt. Martin sagt freundlich: „Wir schlafen sehr gerne im Schweinestall damit ihr euch gut Betten könnt." Walleran schaut die beiden perplex an. Da fällt ihm auf dass die beiden stets auch zu ihm sehr zuvorkommend sind. Sie sind sich nicht zu schade ihm viel zu geben. Die Steuern die er aus Kingsbridge bekommt werden ungefragt jährlich mehr. Das karge Bett in dem er schläft gehört Philip. Wo der heute Nacht geschlafen hat kann man riechen und es stört ihn offenbar nicht. Er ist der Hausherr dessen Kirche eingeweiht wurde und er hätte dem Bischof ohne zu zögern alle Ehre erwiesen um selbst im Hintergrund zu bleiben. Walleran fragt sich ob er Philip in die Fremde schicken kann eine Wallfahrt zu machen. Doch seine Gier hält ihn davon ab. Walker ist sich bewusst dass dieses Kloster nur wegen Philip und vielleicht auch wegen Martin so gut floriert. Unter James hatte es arge Schwierigkeiten und die Steuern machten einen Bruchteil dessen aus was er heute aus Kingsbridge erhält. Wenn er nun Philip raus schmeißt dann würde der neue Prior mit Sicherheit nicht so gut in der Klostergemeinschaft oder in der Stadt aufgenommen. Wenn er nicht Philips Geschick hat was den Umgang und die Vermehrung mit Geld angeht dann würde bald nichts mehr für Walleran übrig bleiben. So seufzt Walleran nur theatralisch und er sagt: „Ihr werdet euch einst vor Gott verantworten müssen. Eure Taten zählen dann alle und ich bin mir sicher dass eure öffentlich zur Schau getragene Liebe euch dann zu Fall bringen wird." Ohne noch weitere mahnende Worte hinzuzufügen steht Walleran auf und er geht weg.
Martin rutscht unglücklich von Philips Schoß und er fragt mit bangen Blick: „Meinst du er wird uns eine Busse auferlegen? Und vielleicht sogar weg schicken?" Philip schaut Martin lieb an. „Das glaube ich nicht." sagt er nur. Lucifer steht noch in deinem Versteck. Da möchte er lieber nicht erklären weswegen der Bischof ihn bestimmt nicht aus dem priorsamt entfernen wird. Walleran hat ein gütiges Herz. Geld sind ihm lieber als Gebete. Darum gibt Philip so reichlich an den Bischof und darbt lieber selber. Das Bett in dem Walleran schläft ist noch das von James Vorgänger. Es ist uralt, unbequem, knarzt und ist halb kaputt. Walleran kann sich gerade gut davon überzeugen dass Philip nicht im Luxus lebt. Er hat die Kirche gebaut, die ist schön geworden aber für die Mönche gab es bisher noch kein Geld. Wenn Walleran Philip wegschicken sollte dann würde der neue Prior viel Geld benötigen um den Priortshof zu sanieren. Walleran weiß dass ihm dieses Geld dann fehlen würde. Denn wenn Philip ein Kloster baut dann wird es zweckmäßig und schlicht.

PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt