Teil 79

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Als Martin sich wieder beruhigt hat bestaunen die beiden die schöne Aussicht. Kingsbridge erwacht gerade. Die ersten Menschen zünden in den Häusern ihre Lichter an. Die Mönche kommen gerade aus der Kirche wo sie ihre Morgenandacht gehalten haben. Sie gehen leise zum Speisesaal wo der gute Matthias ihnen ihr Frühstück reichen wird. Einige der Novizen spielen wohl fangen, zumindest huschen sie in ihren weissen Gewändern gut sichtbar herum und sie jauchzen ausgelassen. Martin lehnt sich seufzend an Philip. „Ach hätte ich doch nur einen Funken von deiner Gewissheit dass mit mir alles gut ist und ich zum Licht gehöre." klagt er traurig. Philip drückt ihn fest an sich. Die Worte um Martin zu trösten hat er alle gesagt, die dazugehörigen Gesten geschenkt. Sanft drückt er Martin einen Kuss auf die Schläfe. Dann murmelt er entschlossen: „ich glaube für dich mit. Egal wie sehr du zweifelst und haderst, ich glaube fest an dich." Martin schaut Philip dankbar und dünn lächelnd an. Dann schmiegt er sich wieder an seinen Freund und er sagt leise „Danke." und nach einer Weile: „Ich liebe dich." Philip erwidert verträumt: „Wenn du wüsstest wie sehr ich dich liebe." Die beiden bleiben noch lange auf der Bank sitzen und beobachten wie die Stadt erwacht. Geschäftig tummeln sich immer mehr Menschen in den Straßen und Gassen. Auch im Kloster regt sich emsiges Leben. Einige Brüder jäten im Klostergarten, im Küchenhof lärmt geschäftiges Treiben. Philip lässt sein Auge schweifen und aus tiefster Seele sagt er: „Ich liebe Kingsbridge, es ist eine wunderbare Stadt." Martin pflichtet ihm mit leuchtenden Augen bei und er sagt: „Die Stadt ist schön aber unsere Kirche ein Traum!" stolz blickt er sie an. Die Proportionen ihrer Kathedrale stimmen. Sie ist groß und imposant aber auch verspielt und elegant. „Weißt du noch wie du dich einst auf den Turm geflüchtet bist?" fragt Philip in alter Erinnerung kramend. „Ja, ich war so traurig und verzweifelt und ich wusste nicht mehr ein noch aus. Doch du hast mich gesucht, du hast mich gefunden und getröstet und mit meinen ersten Kuss geschenkt und mir gesagt dass du mich liebst." Martin strahlt Philip an und die beiden küssen sich genau so liebevoll wie damals vor so vielen Jahren. Wie immer Seufzern sie nach einer Weile und unterbrechen ihr Tun. „Komm, lass uns nach Kingsbridge gehen, nach der Königin schauen und u der Tagwerk beginnen." sagt Philip und Martin stimmt ihm zu. Hand in Hand gehen sie den Berg hinunter und sie betreten eine Weile später das Gästehaus und lassen sich bei der Königin anmelden. Die empfängt sie dieses Mal nicht in der Kammer sondern sie sitzt am Frühstückstisch. Philip erkundigt sich nach ihrem Wohlergehen und Mathilde ist geschmeichelt von dieser Aufmerksamkeit die ihr der Prior entgegenbringt. Sie sagt dass es ihr den Umständen entsprechend gut ginge und sie ihren Sohn gerne am nächsten Tag taufen lassen würde. „Wenn ihr nicht der Namensvetter meines Sohnes sein mögt Martin,  so würde ich gerne euch, Philip die Ehre erweisen der Namensgeber für mein Kind zu sein. Ich fühle mich mit Kingsbridge aufs Äußerste verbunden. Ich habe hier die neun Monate meiner Schwangerschaft verbracht und es war mir eine sehr angenehme und glückliche Zeit. Ich konnte hier die Trauer um meinen geliebten Sohn beenden und wieder wohlgemut in die Zukunft blicken. Bitte verwehrt mir den Wunsch nicht. Ich möchte namentlich machen dass mein Herz hier hin gehört. Und ich möchte mich daran erinnern sobald ich meinen Sohn erblicke." Philip neigt sein Haupt. Er sagt gerührt: „Gerne werde ich der Pate für euren Sohn sein." Martin bekommt leuchtende Augen. Er strahlt Philip und dann auch Mathilde an. Sie lächelt den beiden Mönchen zu und lässt ihren Sohn bringen. Martin nimmt das kleine Philippchen schon an der Türe in Empfang und jetzt und küsst das Baby. Er schaut den Kleinen so verliebt an wie es vorhin Philip getan hat. Philip amüsiert sich über seinen Freund. „Martin, eigentlich wollte die Mutter ihren Sohn haben." sagt er mit belustigter Stimme. Martin schaut mit leuchtenden Augen zu Philip u d er sagt strahlend: „Schau nur wie schön er ist. Er ist gesund und munter." Philip nickt sanft. Er hätte den Kleinen vorhin ja auch am liebsten nicht mehr aus den Armen gegeben. Doch Martins Kummer war wichtiger. So geht er nun zu Martin der mal wieder nach einem kleinen Schritt stehen geblieben ist um das Kind zu bestaunen. Philip nimmt sacht Martin in den Arm um ihn zur Mutter zu schieben. Martin bleibt aber nach einem Schritt schon wieder stehen und er schaut begeistert zu Philip hoch. „Wenn du sein Pate bist dann kannst du ihm Eigenschaften wünschen." erklärt Martin inbrünstig. Philip lächelt und er hält seine Hand über das Kind wie zum Segen. „Ich wünsche ihm ein Reich gesegnetes Leben. Dass sein Herz weiß was es möchte und er seinen Herzen mit seinem Verstand, seiner Seele und seinem Köper folgen kann." Martin nimmt seine Hand nun ebenfalls wie zum Segen: „Und ich wünsche dir einen wachen Verstand der deinem Herz den richtigen Weg weist." erklärt Martin u d gemeinsam segnen sie das Baby mit dem aaronitischen Segen. Dann geben sie den Kleinen seiner Mutter. Hat der Kleine bis eben zufrieden an seinem winzigen Daumen genuckelt, so sehr weint er nun und quengelt sein Missfallen in die Welt. Mathilde wiegt das Baby ein wenig, lässt ihn aber kurz darauf von seiner Amme holen. Philip und Martin verabschieden sich von Mathilde und gemeinsam kümmern sie sich um die Belange ihres Klosters.
Als sie sich an einem der nächsten Tage mit Jake und Aliena treffen wollen um noch einmal den Ablauf der Hochteitszeremonie zu besprechen da finden sie eine sehr aufgelöste Amme mit zwei weinenden Kindern im Hause Tom Builders sitzen. Ellen ist bei ihr und sie untersucht die weinenden Babys. Der eine, Philip ist groß und Kräftig gebaut. Seine Haut ist rosig und er brüllt aus Leibeskräften. Der andere Knabe ist zierlich und zart und seine Haut ist Fahl, sein Wimmern geht durch Mark und Bein da es ein hilfloses Wimmern ist. Philip nimmt den kleinen Philip aus der Trage um ihn zu beruhigen. Augenblicklich entspannt der Säugling und er bekommt einen zufriedenen Gesichtsausdruck. Mit seinen dunklen Kulleraugen schaut er staunend in die Welt. Mit seinen kleinen Händen greift er nach dem was seine Welt ihm bietet und derzeit ist das Philips kleiner Finger den er dem Baby gereicht hat damit es etwas zu erkunden hat. So friedlich und wunderschön diese Szene ist so dramatisch ist die andere. Martin hat das andere Baby mit Ellen zusammen untersucht und der Säugling windet sich und weint. Er hat ganz offensichtlich eine Kolik. Ellen fragt die Amme ob sie denn wüsste was ihrem Sohn fehlen könnte, warum er solche Bauchschmerzen hat. Anne berichtet unter Tränen dass eine Brust entzündet sei und nur wenig Milch gibt. Ellen ist entsetzt als sie die Brust untersucht. Die Brust ist rot und geschwollen und die Milch die sie da ausstreicht gleicht eher Eiter als Babynahrung. „Diese Milch darfst du deinem Sohn nicht füttern!" sagt Maetin entsetzt und Anne jammert dass sie in einer Brust nicht genügend Nahrung für zwei Babys hat. Martin schickt Martha hoch zur Küche um etwas Milch zu holen. Dann nimmt er das kranke Baby um in Ellens Kräutervorräten zu stöbern ob er was geeignetes fände. Er nimmt etwas Fenchel und Kamille und er kocht einen dicken Tee. Als Martha die Milch bringt mischt Martin sie mit dem Tee und er flößt dem winzigen Baby die Nahrung vorsichtig ein. Als das Baby satt ist wickelt er es. Der Kleine leider unter Durchfall und sein Po ist wund. Vorsichtig wäscht Martin den kleinen Po und dann bittet er Ellen um eine Salbe. Das Baby schläft endlich vor Erschöpfung ein. Martin wiegt ihn bang in seinen Armen. Da kommt Philip und er hält seine Hand segnend über den Kleinen. Ich wünsche dir dass du ein langes und erfülltes Leben geschenkt bekommst." sagt Philip Martin left seine Hand auf Philips und er sagt: „Mögest du ein gottesfürchtiges, reich gesegnetes Leben haben in dem du Segen für andere bist." Ellen bittet: „Könnt ihr den kleinen Martin taufen?" Martin schaut Ellen mit weit aufgerissenen Mund und Augen an. Ellen grinst schief und sie erklärt: „DaAnne die Amme vom kleinen Philip ist hat sie sich den Namen Martin für ihren Sohn ausgesucht." Ellen zickt mit den Schultern und Martin lehnt sich wimmernd und Schutz suchend an Philip. Der küsst und streichelt Martin. „Schau," flüstert er, „der Kleine Martin wird alles mit dem kleinen Philip teilen. Selbst die Brust. Hoffen wir dass die beiden Freunde werden so wie wir es sind, in inniger Liebe verbunden. Die Menschen sehen und dir den Engel, sie haben dem Baby deinen christlichen Namen gegeben. Und zu diesem zarten, blonden Bübchen passt dein Name, nicht?" Martin nickt. Immerhin hat Martin nicht seinen Dämonischen Namen bekommen. So kann er den kleinen segnen und die Krankheit aus dem Kind herausnehmen. Martin muss sich dazu sehr anstrengen, denn obwohl man es dem Knaben noch nicht ansieht, die Klaue des Todes hatte das Bübchen schon fest in seinem Griff. Ellen, Tom, Jake, Aliena, Martha und Anne werden zum ersten Mal Zeuge wie Martin ein Wu der wirkt. Er versetzt die ganze Stube in sein himmlisches Leuchten und den Anwesenden wird es warm ums Herz. Sie wissen dass nun mit dem Kind alles gut wird. Als Philip sein Patenkind Anne reicht fängt der Bub wieder an zu weinen. Darum nimmt Philip ihn zurück. Auch ihr eigener Sohn mag lieber bei seinem Paten bleiben. Ellen bringt Anne in ihrem Gästezimmer u Tee und die völlig übermüdete Anne darf erst einmal schlafen. Die Babys weiß sie gut versorgt und ihre Brust schmerzt sie nicht mehr. Sanft legt sie sich in Morpheus Arme.
Oben planen und lachen Philip und Martin mit dem Brautpaar. Ellen hat nach ein paar Babyfläschchen gesucht die sie nun gut ausgespült Philip und Martin reicht. Die füttern einträchtig die beiden Buben. Martin ist immer noch hin und her gerissen wie er es finden soll das ausgerechnet ein Kind nach ihm benannt wurde. Seinen Lebensweg mag er niemandem aufbürden. Ohne Philip wäre er ein furchtbarer Dämon. Aber mit Philip ist er ein kleiner, unsicherer Engel. Martin hofft einfach das Beste und er wünscht sich dass dieser kleine Bub, den er vorhin aus den Klauen des Todes gerissen hat, ein glückliches und zufriedenes Leben leben kann.
Die Hochzeit von Aliena und Jake wird ein rauschendes Fest. Der Gottesdienst ist so festlich mit den vielen Gesängen. Der Chor singt zu Ehren Gottes aber auch zur Freude der Zuhörer. Im Gottesdienst werden auch der kleine Prinz und das Baby Martin getauft. Philip u d Martin halten die Babys über das Taufbecken und Francis tauft die beiden. Derweil singen die Chorfrauen ein Loblied an die Himmelskönigin. Die Königin ist sehr zufrieden dass ihr Junge so festlich getauft wird, einzig dass ihr Gemahl nicht anwesend ist betrübt sie. Die Edlen aus Nah und Fern können nicht berichten was dem König zugestoßen sein könnte weswegen er nicht vor Ort ist. So können Philip und Martin nur hoffen dass es dem König gut geht und ihn in ihre Gebete einschließen. Die Hamleighs sind ohne ihren Spross William zu dem Fest gekommen. Sie gratulieren dem Jungen Paar eher spöttisch als von Herzen. „Der Ehemann den du dir gewählt hast hätte deinen Eltern mit Sicherheit zugesagt. Er passt perfekt zu euch. Ein Habenichts, ein Bastard wie ich hörte?" sagt Lady Hamleigh bissig. Aliena ist stumm vor Schreck. Jake lacht die Lady aus und er sagt gut gelaunt: „Der glücklichste Mann unter der Sonne, habe ich doch das Herz der schönen und Klugen Lady Aliena gewonnen." Die Lady würde gerne noch ein paar Bosheiten los werden, doch die nachfolgenden Gratulanten schieben sie von Aliena weg. Die meisten freuen sich für das Paar, haben sie doch lange Jahre aufeinander gewartet. Die Königin hat ein besonderes Geschenk für das Paar. Sie hebt den Bräutigam in den Adelsstand. Somit sitzen Jake und Aliena mit im Rat der Stadt. Philip ist diese Wahl sehr recht. Er legt gerne die Belange der Stadt in die fähigen Hände von Jake und Aliena. Die beiden wissen wie man mit Geld umgeht. Aliena weil sie ihr Wollimperium aufgebaut hat, Jake weil er sich lange genug mit Philip und Martin um die Belange der Stadt und des Klosters gekümmert hat. Richard ist der wichtigste Mann für die Verteidigung der Stadt. Er verbringt viel Zeit bei der Stadtwache aber auch bei seinen Streitkräften. Während sie einen sich um Diebe, Mörder und allerlei Lumpenpack kümmern sind die anderen für den Verteidigungsfall und den Krieg ausgebildet. Richard hat alle Hände voll zu tun und er hat schon seit einer kleinen Ewigkeit die wirtschaftlichen Belange der Stadt in die Hände seiner Schwester gegeben. Die Feierlichkeiten sind wunderbar. Nur am Nachmittag trübt der Umstand dass Aliena Wehen bekommt das Fest. Martin ist der erste dem es auffällt. Mit großen Auchen saust er erschrocken zu Ellen. „Ellen, schau, Aliena biegt sich und hält sich den Bauch! Sie ist doch noch gar nicht so weit dass ihr Kind kommen dürfte?" sagt der kleine Mönch bang. Ellen und er hasten zu Aliena und sie nehmen sie kurzerhand mit im Ellens Haus. „Aber das Baby hat doch noch Zeit." jammert Aliena. Ellen untersucht sie und sie antwortet trocken: „Das glaubt dein Ki d aber nicht. Es kommt." Aliena quält sich durch die Wehen. Stunde um Stunde treibt ihr Leib das neue Menschlein heraus. Ellen und Martin sind bei Aliena, letzterer um der werdenden Mutter Kraft und Hoffnung zu schenken. Martin weiß dass er seine ganze Gabe heute einsetzen muss wenn er will dass dieses Kind überleben soll. Als das Baby endlich da ist leuchtet Martin heller als die Sonne. Philip bringt eine Schale mit geweihtem Wasser und sie taufen den kleinen Wurm. Jake hält seinen wirklich winzigen Sohn über das Taufbecken. „Wie soll das Baby heißen?" fragt Philip und Aliena sagt mit schwacher Stimme: „Bartholomäus, nach meinem Vater. Sein Rufname aber wird Tom sein." Philip muss lächeln. Dann nimmt Martin von dem Taufwasser das in seinen Händen sich golden verfärbt. Er tauft den kleinen Tom und er spricht einen mächtigen Segen über den Jungen.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Dec 14, 2023 ⏰

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