Philip bringt Martin in ihr Zimmer. Der kleine zittert und er bibbert immer noch sehr. Francis legt reichlich Holz in den Kamin und er fragt ob er den beiden noch etwas gutes tun könnte. Martin schüttelt seinen Kopf aber Philip sagt: „Sei so lieb und organisiere uns eine Decke. Im Stall sind welche." Die Mönche schlafen für gewöhnlich in ihrer Kleidung. Decken nutzen sie wenn dann nur im Winter und auch die sind keine weichen anschmiegsamen Tücher sondern raue Wolldecken die auch als Satteldecken genutzt werden können. Francis nickt und er geht in den Stall. Auch dort herrscht helle Aufregung weil dort zahlreiche Pferde unter gekommen sind. Alle Tiere die sich bei dem Sturz in die Fluten nicht verletzt haben sind hier oben im Kloster. Die verletzten Tiere behandeln sie unten in der Stadt im Stall der Stadtwache. Francis nimmt sich eine der Decken und er bringt sie zu Philip und Martin. Als er das Zimmer betritt küsst sein Bruder den kleinen Engel und er wärmt ihn mit seinem ganzen Körper. Francis legt die Decke über die beiden liebenden und er kann es sich nicht verkneifen seinem Bruder den Tipp zu geben dass er Martin ohne die störende Kutte besser auftauen könnte. Francis wird mit einem gezielten Kissenwurf aus dem Zimmer komplimentiert und dann taut Philip den Martin endgültig auf. Ohne die störende Kutte. Als Martin wieder seine Arme und Beine spürt und ihm nicht mehr nur warm sondern richtig heiß ist weiss er dass er leben wird. Sein Körper scheint sich halbwegs erholt zu haben. Philip setzt sich vor seinen Freund und er schaut ihn genau an. Martin wirkt immer noch wie ein wunderschöner Knabe. Seine Arme und Beine sind sahnig aber dünn. Sie wirken eher wie die eines Teenagers als wie die eines Mannes. Martin trägt nie Schuhe. Seine Füße sind daher normalerweise sehr schmutzig, doch derzeit sind die sauber. Das Flusswasser hat sie wohl gesäubert. Die kleinen Zehen sehen echt süß aus. Philip nimmt Martins Füße in die Hand und er liebkost sie. Dann streichelt er Martins Waden. Sowohl die Füße als auch die Beine sind warm, wie Philip zufrieden feststellt. Philip rückt näher an Martin und er nimmt dessen kleine Hände. Auch die sehen nicht aus wie die kräftigen Hände eines Mannes. Martins Hände sind zierlich. Man sieht ihnen fast nicht an wie hart Martin mitunter arbeitet. Nur die Schwielen an den Handinnenflächen und den Fingern zeugen von Martins harter Arbeit. Philip kann es nicht lassen, er küsst Martins Hände und er schmiegt sein Gesicht in eine davon. Martin schaut Philip aus so treuen blauen Augen an dass Philip ganz warm ums Herz wird. Sein Freund ist unvergleichlich schön. Der runde Kopf, die blonden Locken die sich kringeln wenn Martin nicht frisch rasiert ist gefallen Philip sehr. Das ebene Gesicht, die vollen Lippen die er eben noch geküsst hat und die kleine Nase sind ein Anblick den Philip so gerne hat. Er könnte Martin stundenlang einfach nur anschauen. Dass er nun so entblößt vor ihm sitzt und sich nicht vor Philip schämt freut Philips Herz. Die schmale Brust mit den köstlichen Brustwarzen ist nur mit Flaum bedeckt. Martins Bauch ist kahl, dafür ist in seinem Schritt wieder etwas Flaum zu sehen. Derzeit vom Liebessaft den beide eben von sich gegeben haben etwas durchnässt. Philip berührt Martins Scham und er bemerkt erfreut dass sich Martin unter seiner Berührung regt. Martins Geschlecht stellt sich wieder auf. Martin stöhnt leicht und er rekelt sich in Philips Berührung. Philips Körper reagiert ebenso auf die zarte Berührung und vor allem auf die süßen Laute die über Martins Lippen kommen. „Komm her!" sagt Philip und Martin setzt sich auf den Schoss seines Liebsten. Dass er sich dabei eng an seinen Mann drückt katapultiert ihn in die Sphären der Wonne. Beide schenken sich noch einmal einen Kuss und dann beenden sie ihr Liebesspiel. „Lass uns sehen was mit den Brüdern und der Stadt los ist." schlägt Martin vor. Philip nickt. „Lass uns nach dem Dämon schauen." sagt Philip. Martin schaut Philip ein bisschen entsetzt an. „Hoffentlich macht der keine Probleme." haucht der Engel und sie ziehen sich geschwind an. „Sollen wir uns trennen?" schlägt Martin vor weil es ihm das Sinnvollste erscheint. Sie können nicht gleichzeitig bei den Menschen im Kloster der Stadt und beim Dämon sein. Doch Philip schüttelt vehement seinen Kopf. „Auf keinen Fall! Ich habe dich heute schon einmal verloren. Ich möchte es kein zweites mal erleben!" Martin lächelt. Sein Vorschlag ist zwar vernünftig gewesen aber es fühlt sich so viel schöner an. Gemeinsam betreten sie die Krankenstube. Dort liegt der König. Seine Arme und Beine sind gebrochen und man hat ihn nicht gerade fürstlich gekleidet. Er trägt ein Krankenhemd wie jeder andere auch und er teilt sein Lager mit einem anderen Kranken. Philip verneigt sich vor dem König und Martin fragt ob er noch etwas benötigen würde. Stefan knurrt: „Heilt mir meine Arme und Beine und liefert mir dann eure Stadt aus." Philip schaut betreten aber Martin lacht. „Ja und ja." sagt der kleine Engel. „Die Knochen dürften in ein paar Wochen verheilt sein, wenn ihr mögt könnt ihr die Zeit hier in der Krankenstube verbringen oder wir bringen euch im Priortshof unter. Die Stadt ist wunderschön, ihr könnt sie anschauen wenn ihr genesen seid. Wir zahlen Steuern und sind eurem Ruf in die Schlacht gefolgt. Wenn es noch etwas gibt was ihr von uns begehrt sagt Bescheid, wir werden eure Wünsche erfüllen." Martin lächelt lieb und er hält Stefan einen Becher an die Lippen den Lukas ihm reicht. „Trink das. Das ist gegen die Schmerzen." erklärt Martin und Stefan lässt sich den Trank einflössen. Kurz danach sinkt er in einen erholsamen Schlaf. Philip und Martin gehen durch die Reihen der fremden Ritter und sie geben denjenigen etwas gegen die Schmerzen die es brauchen. Als sie beim Dämon ankommen versteckt der sich unter seiner Decke. Philip berührt den Ritter ganz vorsichtig an dessen Schulter. „Geht weg!" motzt der Dämon. „Hast du Schmerzen?" fragt Philip sanft. Der Dämon dreht sich zu ihm um. Philip schaut in ein wutverzerrtes Gesicht. „Warum tut ihr das?" fragt er bitter. „Warum tun wir was?" fragt Philip perplex. Ihm ist nicht entgangen dass der Dämon Martin ähnelt. Er hat wie sein Engel eine wunderschöne Gestalt. Das Gesicht ist ebenmäßig und sehr ansprechend. Doch die Augen des Dämons sind eisblau, sie sind richtig kalt so dass Philip ein kleiner Schauer über den Rücken fährt. „Ich bin euer Todfeind. Ich habe euren Bruder umgebracht und ich hätte eure Stadt und euer Kloster zerstört. Doch nun liege ich nackt und elend vor euch und ihr zertretet mich nicht. Ihr habt mich aus den Fluten gerettet und nun helft ihr mir zu überleben. Warum?" Philip schaut den Dämon verständnislos an. Martin antwortet sanft und er streichelt dem Dämon liebevoll durch die Haare. „Wir zürnen dir nicht. Du bist ein Dämon, ja. Ich bin auch einer. Du hast Tod und Elend über uns bringen wollen, es ist dir nicht gelungen. Als ich damals Tod und Elend über Kingsbridge bringen sollte habe ich mich dagegen entschieden. Ich lebe hier und ich liebe inzwischen diese Stadt. Du kannst auch gut werden und dich gegen deine Natur entscheiden." Martin strahlt den Dämon nun an und er taucht alles um sich herum in sein wunderbares Licht. Philip lächelt Martin zu. Der Dämon sieht aus als wolle er kotzen. „Nein, das werde ich bestimmt nicht tun." sagt er zu Martin. Martin lächelt und er zuckt die Schultern. „Es ist deine Entscheidung." sagt Martin lieb und er reicht dem Dämon einen Becher mit dem Schmerzmittel. „Es wird dir gut tun." sagt Martin, doch der Dämon schnaubt freudlos. Philip fragt leise: „Sind deine Flügel eigentlich heile oder müssen wir dir da helfen?" Nun schaut der Dämon Philip unsicher an. Der Prior von Kingsbridge scheint sich sehr um sein körperliches Wohl zu sorgen obwohl er ihm die schlimmsten Schmerzen zufügen wollte. Immerhin hat er Liu Tse unter sich und er würde den kleinen Dämon einfach gerne ärgern. Es liegt einfach in seiner Natur sich zu freuen wenn andere einen Schaden haben. Dass sich nun diejenigen denen er so sehr geschadet hat sich aufopferungsvoll um ihn kümmern verwundert ihn und es ärgert ihn. Liu Tse wäre bei dem Versuch ihn zu retten beinahe gestorben. Doch anstatt ihn in die unterste Hölle zu werfen hat dieser seltsame Prior ihn aus derselben hinaufgezogen. Dem Mann schien das unendlich leicht zu fallen. Menschen fällt das normalerweise nie leicht. Gierig versuchen sie die Teufel zu betrügen und handeln mit ihnen. Der Dämon hat damit gerechnet dass Philip ihn als Tausch für die Hilfe um das Leben seines Bruders bitten würde. Immerhin hat er dafür gesorgt dass dieser alberne Prior weiss dass sie Francis ermordet haben. Ob er auch weiss wie sehr sie den wehrlosen Mann gequält haben? Der Dämon seufzt schwer. Der Prior hat leider recht. Seine Flügel sind zerschmettert und sie sorgen dafür dass er kaum liegen kann. „Also ja." stellt Martin trocken fest. „Philip, nimm du ihn bitte." sagt Martin und Philip hebt den verwundeten Dämon auf seine Arme. Der Dämon fühlt sich leicht an, leicht wie eine Feder. Philip wundert sich sehr. Sein Martin ist schwerer, nicht wirklich schwer, der kleine Engel ist ja kaum grösser als ein Kind aber er hat ein für seine Körpergröße angemessenes Gewicht. Der Dämon hat eine etwas grössere Erscheinung als Martin und dennoch wiegt er nichts. Philip fragt Martin verwundert: „Wieso wiegt er nichts?" Philip hebt den Dämon leicht an um zu zeigen was er meint. Martin lächelt freudlos. „Du kannst seine Sünden nicht spüren und aus etwas anderem besteht er nicht. Ich glaube ich könnte ihn kaum halten." Martin zieht seinen Kopf verunsichert zwischen seine Schultern. Er fühlt sich irgendwie durch die Anwesenheit des Dämons beschmutzt. So als würde die Sünde des Dämons auch auf ihn übertreten als wolle sie ihn beschmutzen und in ihren Bann ziehen. Martin kann die Last kaum ertragen. Darum hat er Philip den Kerl aufgehalst. Dem scheint es nichts auszumachen und sie gehen mit dem Dämon so lange bis sie einen Raum finden in dem sie ungestört sind. Derzeit ist das die Sakristei. Hier, in dem kleinen Raum wo sich Philip und Martin so manches mal auf die Messe vorbereitet haben entfalten sie die zerschundenen Flügel des Dämons. Sie schauen sich die Misere an. Schlaff und nutzlos hängen die zerfetzten Dinger an dem Rücken des Dämons herab. Martin fühlt an den Gelenken und der Dämon zischt leise. „Wann sind sie dir denn aus der Pfanne gesprungen?" will Martin wissen und der Dämon gibt zu dass er seine Flügel schon seit einer ganzen Weile nicht mehr nutzen kann. Martin nickt ernst und er drückt die Gelenke zurück in die Pfanne. Dem Dämon tut das unbeschreiblich weh aber er merkt schnell dass Martin ihm nicht weh tut weil er einen Spass an seinem Leid hätte sondern weil er ihm hilft. Bald kann er seine Flügel wieder ein bisschen bewegen und sie schmerzen auch nicht mehr so arg. Philip hilft Martin wo er nur kann. Er hält fest, zieht und schiebt je nachdem was Martin gerade von seinem Meister fordert. Der Dämon wundert sich. „Du, sag mal Prior, wieso machst du eigentlich was Liu Tse dir sagt? Müsste es nicht umgekehrt sein?" Philip schaut den Dämon ernst an. „Nein. Martin ist nicht mein Untergebener. Er ist mein Freund, wir sind gleichberechtigt." erklärt Philip und er fragt sich wie er seine Beziehung zu Martin erklären kann. Martin sagt etwas angestrengt weil er gerade einen der grossen Knochen wieder gerade rückt: „Philip hat mich getauft. Ich bin nicht mehr Liu Tse, ich bin jetzt Martin. Philip ist nicht mehr mein Meister, er ist mein Partner." Es knirscht ganz ekelhaft und der Dämon brüllt vor Schmerz. Sofort halten Philip und Martin ihn tröstend im Arm. „Aber wenn du nicht mehr an Philip gebunden bist, wieso bringst du niemanden um?" fragt der Dämon verwundert. Er hat noch keinen Dämon getroffen der so viel Selbstbeherrschung hätte. Philip sagt lächelnd: „Martin ist kein Dämon mehr, er ist ein Engel." Philip schaut Martin dabei so liebevoll an und er freut sich an seinem Kleinen. Der wird etwas rot und Martin erwidert Philips Blick. Martin muss unweigerlich lächeln. Der Dämon wundert sich. „Wie kann ein Dämon ein Engel werden?" fragt er verwundert und Philip erklärt: „Ihr Dämonen seid doch als Engel geboren. Eure Sünde macht euch zu gefallenen Wesen. Die Liebe kann aus euch wieder Engel machen." Der Dämon lacht höllisch. „Aus mir macht niemand einen Engel!" ruft er empört. „Niemand kann aus dir einen Engel machen, nur du kannst dich dafür entscheiden einer zu sein." erklärt Philip dem Dämon sanft. „Und wenn ich das nicht will?" fragt er und schaut Philip lauernd an. Philip zuckt mit seinen Schultern. „Dann kann dich niemand dazu bringen." erwidert Philip. Martin tastet noch einmal die ganzen Flügel ab. „Kannst du sie bewegen?" fragt er den Dämon. Der probiert es und schüttelt dann seinen Kopf. Martin tastet weiter Stirnrunzelnd die Flügel ab. „Ich kann nicht fühlen was jetzt noch schief ist." sagt Martin enttäuscht. Er bittet Philip einmal die Flügel des anderen zu untersuchen. Philip legt seine Hände an die grossen schwarzbefederten Schwingen. Auch er fühlt nichts was den Dämon daran hindern sollte seine Flügel bewegen zu können. Philip bittet Martin ganz lieb ob er mal seine Flügel ausbreiten könne. Er wolle sie als Vergleich abtasten. Martin spreizt sofort seine Flügel und sofort wird es sehr hell in der kleinen Sakristei. Philip wundert sich nicht über das Licht, nur der Dämon wird davon geblendet. „Aaargh!" sagt er und er hält seine Hand schützend über die Augen. „Du wirst davon nicht blind." sagt Martin dem Dämon. Der schaut Martin böse an. „Aber fast. Wieso leuchtest du?" Martin grinst. „Seit dem ich getauft bin leuchte ich." erklärt Martin. „Nachts wenn es dunkel ist und auch wenn ich die Flügel öffne. Wenn ich mich anstrenge kann ich es noch viel heller werden lassen." „Nee, lass mal." knurrt der Dämon. Das Licht blendet seine Augen und er kann nicht mehr viel sehen. Er fühlt nur die tastenden Hände an seinen Flügeln. Er würde Philip gerne gegen die nächste Wand klatschen aber er merkt dass die Hände sanft zupacken und ihm nicht weh tun. Der Dämon kennt das Gefühl nicht das er mit Philips Händen verbindet er merkt nur dass sein Wunsch Philip zu schaden schwindet. Dann hat Philip den Grund für die Blockade ertastet. Er bespricht sich mit Martin und die beiden warnen den Dämon vor. „Wir ziehen noch einmal an deinen Flügeln. Wir müssen den Knochen noch einmal aus der Pfanne heben weil ein Muskel darunter verkeilt ist. Das wird dir weh tun aber danach solltest du deine Flügel wieder benutzen können." erklärt Martin sanft. Dem Dämon ist alles recht. Bisher haben ihm die zwei nicht geschadet. Doch der Schmerz den er nun fühlt den hat er noch nie gefühlt. Es fühlt sich an als würden ihm seine Flügel ausgerissen. Laut schreit er und dann wird er in Philips Armen ohnmächtig. Als der Dämon aus seiner Ohnmacht erwacht ist er nicht etwa auf dem Scheiterhaufen der Geschichte, seine Peiniger haben ihn auch nicht in den Höllenspalt geworfen. Im Gegenteil. Er liegt noch in Philips Armen und Martin und noch ein anderer Mann klopfen ihn wach. „Ah, da bist du ja wieder." sagt der Mann freundlich und der Dämon erschrickt. Er kennt den Kerl, das ist Francis den er hat umbringen lassen. Mit grossen Augen staunt der Dämon Francis ängstlich an. Wieso lebt der? Hat Philip übernatürliche Kräfte und kann alle Toten wieder ins Leben holen? Nun zittert der Dämon und ein ängstliches Quieken kommt aus seinem Mund. Philip beruhigt den Dämon mit einem sanften „Schschsch." Martin erklärt liebevoll: „Francis wird dir nichts tun. Er hat uns geholfen dich wider wach zu bekommen. Er hat das Riechsalz geholt." Philip sagt sacht: „Er weiss dass du ein Dämon bist. Er ist auch einer der wenigen die wissen dass Martin ein Engel ist." Der Dämon schaut immer noch verschreckt zu Francis. Der nickt ihm nur ernst zu und macht ansonsten gar nichts. Philip und Martin kümmern sich um den Dämon und stellen den wieder auf seine Beine. „Kannst du deine Flügel jetzt bewegen?" fragt Martin etwas aufgeregt. Der Dämon probiert es und er kann sie tatsächlich wieder bewegen. So lange hat er nun schon nicht mehr bewegen können dass sich das Gefühl erst einmal sehr ungewohnt anfühlt aber dann wie eine Befreiung ist. Entsetzt starrt der Dämon Martin an. „Ich kann sie bewegen, es tut nicht mehr weh." jammert der Dämon nun. Er bricht in Tränen aus und er fällt Martin um den Hals. Der Dämon kennt Nächstenliebe nicht. Er weiss nicht wie es sich anfühlt wenn man geheilt wird weil man geheilt werden soll. Er hatte noch nie jemanden der sich um ihn gesorgt hat und der sich um seinen Leib gekümmert hat. Der Dämon ist mit dieser Situation völlig überfordert. Hätten sie die Stadt wie geplant angegriffen und er hätte Liu Tse in die Finger bekommen dann hätte er dem Kleinen alle Federn einzeln ausgerissen. Anschliessend hätte er den Meister seines Mitdämons scheibchenweise zerlegt damit Liu Tse sich offenbaren muss und dann hätte er ihn endgültig fertig gemacht. Oder auch noch nicht, je nachdem wie sehr er an dieser Stadt hängt. Er hätte vielleicht auch zusehen dürfen wie die Stadt in Schutt und Asche gelegt wird, das Kloster geschliffen wird und alle die darin wohnen entweder zerstreut oder getötet werden. Danach hätte er Liu Tse in die Hölle geschickt. Doch nun hat ausgerechnet derjenige ihm seine Flügel gerettet. Seit einer Ewigkeit hängen sie ihm nur noch als schmerzende Klumpen vom Rücken und er kann oft nicht schlafen weil ihn seine Flügel so stören. Es kommt dem Dämon vor als habe er ein neues Leben geschenkt bekommen, eins ohne Pein, eins ohne Schmerzen. Er weiss einfach nicht wie er damit umgehen soll. Nun fühlt er mehrere Hände die ihn trösten. „Komm, wir bringen dich erst einmal wieder in dein Bett." sagt Philip sanft. Der Dämon schaut verheult in ein ihn anlächelndes Gesicht. Martin und Philip bringen den Dämon wirklich wieder in das Bett in der Krankenstube. Er darf sich erst einmal ausruhen und erholen. Martin und Philip verlassen die Krankenstube doch der Dämon hört Martin noch seufzen: „Was machen wir bloss mit ihm?" Natürlich geht das nicht spurlos an dem Dämon vorbei. Er hat nie gehofft dass er einmal Liu Tses Freund sein könnte, doch dass derjenige nicht weiss wie er mit ihm umgehen soll schmerzt den Dämon dann doch. Er würde am liebsten in Trauer versinken aber er hört noch Philip der seinem Martin antwortet: „Wir lassen ihn erst einmal gesund werden. Letztlich ist er ein Geschöpf Gottes und wir werden ihm zeigen dass er gut sein kann." Martin sagt noch etwas das der Dämon nicht versteht aber es klang in seinen Ohren zustimmend. Der Dämon wundert sich über das was er da von diesem verrückten Prior gehört hat. Glaubt der das wirklich? Glaubt der wirklich dass er zu den Guten gehören kann? Liu Tse ja, aber der hat sich ja noch nie wie ein richtiger Dämon verhalten. Der war schon immer mehr als das Übel. Der hat schon immer hinterfragt ob er denn wirklich so gemein sein müsste wie man es von ihm erwartet. Dass der auf so einen seltsamen Meister trifft der ihm so wohl gesonnen ist war ja klar. Sein eigener Meister lag bis vorhin noch ein paar Betten weiter und wäre beinahe gestorben. Das haben Martin und Philip verhindert. Genau so wie sie verhindert haben dass er stirbt. Sie haben sie beide aus den Fluten gezogen und dann aus dem Abgrund gehoben. Was wollen die beiden bloss als Gegenleistung? Mit dieser kniffligen Frage schläft der Dämon ein. Er weiss es nicht.
