Martha löst ihren wütenden Bruder vom aufgebrachten Vater. Alfred liebt seine kleine Schwester inniglich und sie scheint die einzige die ihn beruhigen kann. Zumindest fällt seine Wut gerade in sich zusammen als ihre kleine Hand nach seiner greift. "Ich bringe Alfred heim." erklärt sie einem böse dreinschauenden Tom. Doch zum Glück ist Ellen nicht weit und sie kann ihren Mann genau so schnell beruhigen wie die kleine Tochter den Bruder beruhigen kann. Martin schaut dieser Szene staunend zu. Er hätte auch gerne die Gabe wütende Menschen so schnell runter zu fahren wie die beiden Frauen es eben vor seinen Augen geschafft haben. Nur Sekunden vorher sah es so aus als würde Tom seinem Sohn die Arme brechen wollen und Alfred seinen Vater am liebsten umbringen. Sie haben sich zornig und unerbittlich angestarrt. Doch die sanften Hände der Frauen haben das lodernde Feuer des Hasses aufeinander im Handumdrehen gelöscht. Tom erklärt hastig einer ihm sanft widersprechenden Ellen wie schrecklich missraten sein Sohn ist und Alfred lässt sich willig von Martha weg führen. Sie hat gesagt sie würde ihn ins Bett bringen und es scheint als würde sie dieses Vorhaben in die Tat umsetzen können. Zumindest folgt ihr Alfred brav nach Hause. Jake und Aliena haben von dem ganzen nichts mitbekommen. Sie unterhalten sich fröhlich und sie feiern mit den anderen. Im Laufe des Abends erkennt Martin dass Jake und Aliena mehr als nur eine lockere Bekanntschaft verbindet. Sie schauen sich immer mal wieder lange in die Augen und beide lächeln ganz selig. Martin beobachtet die beiden verträumt. Ob er auch eines Tages einen Menschen so anhimmeln wird und der schaut dann selig zurück? Martin weiss es nicht. Er fragt sich ob er je ein Mädchen so nett finden kann dass er sein Gelübde brechen möchte. Plötzlich wird er umarmt und Philip raunt ihm ins Ohr: "Na, an was denkst du?" Martin schaut zu Philip und der lächelt sanft. Philip ist ihm lieber als jedes Mädchen. Sein Prior hat sein Herz erobert. Nicht nur wegen seines äusseren Erscheinungsbildes, nein auch wegen seines guten Herzens. Er gibt Martin stets das Gefühl etwas ganz besonderes zu sein und wichtig zu sein. Wenn Philip Martin anschaut dann ist der Blick stets liebevoll und ein zartes Lächeln ziert Philips Lippen. Martin liebt Philips Lächeln. Philip schaut häufig sehr streng, vor allem wenn er Sorgen um das Kloster oder den Kirchenaufbau hat. Martin tut es gut dass Philip dann nur zu ihm schauen muss um wieder zu lächeln. Martin würde sich wünschen dass es immer so bliebe, dass Philip bis an das Ende der Tage immer lächelt wenn er Martin erblickt. Nun hebt er seine Hand und legt sie an die Wange des älteren. Mit dem Daumen streift er sanft über Philips wunderschönen Mund. "Ich denke an dein Lächeln und wie sehr ich es liebe. Ich möchte dich nie verlassen müssen." sagt Martin ehrlich. Philip schaut in die wunderschönen blauen Augen von seinem kleinen Lieblingsmenschen. Martin hat immer noch ganz weiche Gesichtszüge. Ein zarter Flaum ziert inzwischen seine Oberlippe. Aber so seidig und hellblond dass er kaum zu sehen ist. Nur wenn man ganz nah an Martin herangeht sieht man den Bartwuchs. Auch sein Körper ist noch wenig behaart und die Haare sehr weich, wie Philip vorhin bemerkt hat als er Martin in das Bad geholfen hat. Nur das Geschlecht ist gwachsen, er sieht nicht mehr nach Kind, sondern nach Mann aus. Durch das harte Training mit der Stadtwache hat Marin Muskeln bekommen. Seine Arme und Beine sind nicht mehr dünn und auch am Rücken ist das Zusammenspiel der Muskeln deutlich zu sehen wenn Martin sich bewegt. Philip gefällt das sehr. Er muss sich sehr zusammenreissen um Martin nicht lüstern anzuschauen. Nun schaut er dem jüngeren fasziniert in die dunkelblauen Augen. Martins Augen haben die Farbe eines wolkenlosen Sommerhimmels. Sie sind wunderschön. Auch von der Form her. Sie sind wirklich gross und die blonden Wimpern sind enorm lang. Philip hat immer das Gefühl als könne er in Martins Seele durch diese Augen schauen. Sie wirken so unschuldig, so rein, so ehrlich. Philip schmiegt sein Gesicht in Martins kleine Hand und er lächelt dem jüngeren zu. "Wir werden nicht getrennt." stellt er ruhig fest und er freut sich dass sofort Erleichterung in den Augen des jüngeren zu sehen ist. Doch dann sieht Philip in Martins Augen wieder Zweifel aufkommen. Mit unglücklicher Stimme sagt er: "Aber wenn ich Subprior bin dann kann ich dich nicht mehr auf deinen Reisen begleiten." Philip wundert sich. "Wer sagt denn dass du mein Subprior wirst?" fragt er. "Remigius hat das vorhin gesagt. Weil ich doch mit dir zusammen das Kloster leite und all seine Aufgaben jetzt schon übernehme." erklärt Martin traurig. Philip lässt sich diese Logik durch den Kopf gehen. Seine Stirn runzelt sich und Martins Hand gleitet von seiner Wange. Sofort greift Philip nach der Hand und schaut seinem unglücklichen Martin ins Gesicht. Wie immer muss er da lächeln. "Ich wüsste nicht weswegen wir das Amt des Subpriors Remigius wegnehmen sollten um es dir zu übertragen. Ich finde Remigius macht seine Aufgabe ganz prima. Er ist dafür da das Kloster zu leiten wenn wir nicht da sind. Da er zusätzlich die wichtige Aufgabe des Kellermeisters inne hat kannst du mir als sein Stellvertreter zur Hand gehen wenn wir zu Hause sind. Was meinst du?" Martin strahlt wie nur er strahlen kann, so richtig mit Leuchtenden Augen und einer Umgebung die an Licht gewinnt. Philip streichelt feste den Rücken seines ehemaligen Novizen. "Ich würde dir nie etwas auferlegen was du nicht möchtest. Selbst wenn ich dich für das Amt des Subpriors vorgesehen hätte würde ich dir die Bürde nicht auferlegen wenn du sie nicht haben wolltest. Ich finde dass nur derjenige seine Aufgabe mit ganzem Herzen gut erledigt, der sie gerne macht. Ich möchte keinen unglücklichen Stellvertreter, weisst du?" Martin lehnt sich wohlig in Philips Streicheleinheiten. Er schliesst seine Augen und lehnt sich gegen den älteren. Seinen Kopf legt er irgendwann an Philips Schultern ab und Philip küsst ihm zart auf den frisch geschorenen Kopf. Erst als er aufschaut und sich umsieht bemerkt er dass er und Martin wohl im Zentrum der Aufmerksamkeit gesteckt haben. Tom und Ellen schauen ihm genau so interessiert zu wie Jake und Aliena. Philip errötet etwas. Natürlich ist er Martin sehr herzlich zugetan, aber in der Öffentlichkeit reissen sich die beiden für gewöhnlich zusammen. Zärtlichkeiten auszutauschen gehört sich einfach nicht für zwei Mönche. Sie haben sich freiwillig entschieden zölibatär zu leben und nur weil Philip es grosszügig auslegt weiss er dass Schmusen und Herzen normalerweise nicht gerne gesehen wird. Philip legt seinen Kopf auf den von Martin und er schaut recht verschämt zu seinem Baumeister und dessen Familie. "Du magst Martin wirklich sehr.?" stellt Ellen eher fest als dass sie Philip fragt. Der nickt stumm. Ellen ist ja Zeugin geworden wie sehr er Martin liebt. Wenn sie nicht gerade weggeschaut hat oder blind ist sollte sie mitbekommen haben dass er Minutenlang in Martins Augen geschaut hat und sich von ihm hat liebkosen lassen und seinerseits den jüngeren geschmust hat. Auch jetzt liegt Martin in Philips Armen. Martin hat seine Augen geschlossen und an der gleichmässigen Atmung erkennt Philip dass der Kleine wohl eingeschlafen ist. Der ungewohnte Alkohol zeigt also auch bei Martin seine Wirkung. Ellen lächelt Philip an und sie sagt ihm: "Martin liebt dich ebenfalls. Pass gut auf den Jungen auf und tu ihm nicht weh. Ich glaube das würde er nicht überleben." Philip wundert sich weswegen Ellen auf die Idee kommt dass er seinem Freund weh tun könnte. Fragend schaut er mit gerunzelter Stirn zu Ellen. Die erklärt: "Martin tut alles für dich. Du kannst ihm jede Aufgabe geben und er führt sie ohne zu klagen aus. Du schickst ihn zu den Ärmsten der Armen und er hilft mit einer Hingabe die man nur glaubt wenn man ihn einmal gesehen hat. Du schickst ihn zu den Huren und er hilft, ohne Gegenleistung. Nun schickst du ihn zu der Stadtwache, er kämpft mit den Soldaten und führt das Schwert ohne zu klagen. Er würde für dich in den Kampf ziehen und er ist doch viel zu klein und zu schwach für solche Aufgaben. Martin ist nicht dafür gemacht bei den Huren zu sein, genau so wenig wie bei der Stadtwache. Philip schaut Ellen skeptisch an. Ihm war gar nicht bewusst dass er Martin irgendwo hin geschickt haben könnte. Martin ist gerne Medicus und er hilft seines Erachtens freiwillig in der Stadt. Ausserdem war es Martins Idee dass er die Stadtwache ausbilden könnte. Doch tief in seinem Herzen weiss Philip dass Ellen recht hat. Er muss einfach besser auf Martin aufpassen, so dass der Kleine sich nicht übernimmt. Tom ist die Dreistigkeit seiner Frau ein bisschen peinlich. Er würde es nie wagen einem Prior zu kritisieren. Seine Frau ist ja eh der Kirche eher skeptisch eingestellt und sie ist sehr direkt. Kein Wunder dass sie beinahe einmal als Hexe angeklagt worden wäre. Tom rügt Ellen deswegen. Doch Philip schreitet ein. "Halt ein, Tom. Ellen hat ja recht. Ich lasse Martin viel zu viele Aufgaben übernehmen. Er ist Tag und Nacht unterwegs und das ist nicht gut. Ich habe es bisher nicht sehen wollen weil es einfach bequem ist. Martin klagt nie und er würde nie murren wenn ich ihm etwas übertrage. Im Gegenteil, er erledigt alles schnell und mit viel Herzblut. Ich glaube ich mute meinem Stellvertreter wirklich zu viel zu. Ich werde ihm einige Aufgaben erlassen und jemand andern bitten sie zu erledigen. Danke Ellen dass du mich darauf hinweist." Philip nickt Ellen dankbar zu und die schaut Philip staunend an. Sie hätte eher damit gerechnet dass der Prior seine Schuld weit von sich weist oder sie nicht einsieht. Dass er so schnell bereit ist zuzugeben dass er falsch liegt und sich für den Hinweis auch noch bedankt hätte sie nie für möglich gehalten. Ellen ist das erste mal seit vielen Jahren bereit neben Martin einen weiteren Mann der Kirche zu bewundern. Philip scheint doch nicht auf einem hohen Ross zu sitzen. Bisher dachte sie dass der Prior von Kingsbridge zu sehr von sich und seinen Ideen eingenommen sei. Sie hatte das Gefühl dass er sich unfehlbar fühlt und da er in seinen Predigten stets darauf hinweist wie sündig die Menschen sind hat Ellen geglaubt dass er sich selbst nicht bei den sündigen Menschen sieht, sondern bei den Gerechten die die anderen darauf hinweisen dass sie falsch liegen. Dass er selber doch so unbefangen ist und sich kritisieren lässt und diese Kritik nicht von sich weist lässt ihn sympathischer wirken. Ellen hat die beiden Männer beobachtet. Dass Martin Phillip von Herzen liebt weiss sie ja. Er hat es ihr erzählt. Doch dass diese Liebe auf Gegenseitigkeit beruht weiss sie jetzt. Philip wirkt ehrlich. Selbst den schlafenden Martin hält er weiterhin fest und schaut ihn liebevoll an. Ellen kneift ihre Augen zusammen und sie beobachtet die Männer genau. Philip schaut den jüngeren nicht lüstern an, eher wie ein Vater seinen Sohn anschauen würde. Die kleinen Gesten die die beiden ausgetauscht haben zeugen von einer innigen Vertrautheit, nicht von Begierde.
