Teil 7

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Als Ellen und Martin zu Hause erwartet sie ein unglücklicher Jake. Alfred hat ihn verprügelt. Ellen ist sauer. Jake erzählt Martin von seinem immerwährenden  Streit mit Alfred. Martin schaut Jake an. „Soll ich einmal mit ihm sprechen?"bietet Metin sanft an.  Jake zuckt die Schultern „Alfred ist zu doof. Er würde es nicht kapieren." seufzt Jake. Martin lacht:  „Dann rede ich nicht sondern höre ihm zu. Finde ich ihn auf der Baustelle?" Jake nickt. Martin verabschiedet sich und zieht los. Sein Herz hüpft. Vielleicht ist Philip auch dort. Dann würde er ihn sehen. Martin liebt es mit Ellen zusammen den Menschen zu helfen. Er kann wirklich viel bei ihr lernen. Aber seinen Philip vermisst er doch immer sehr. Philip hat so etwas beruhigendes und er ist so klug. Martin lernt sehr gerne von Philip.  Martin trifft bei der Essensausgabe auf Alfred. Er fragt zart ob er sich mit ihm unterhalten dürfe. Alfred sagt nein. „Bitte, ich habe Jake gesehen." bettelt Martin. Philip und Tom sitzen in der Nähe und überwachen den Mauerbau. Sie beobachten Martin und Alfred. Martin schaut Alfred freundlich an. Doch der reagiert abweisend: „Wenn du nicht genau so aussehen willst wie Jake dann hau ab!" zischt Alfred und versucht Martin zu hauen aber der schlägt Alfreds Faust geschickt beiseite. „Ich will mich nicht prügeln, ich will reden!" sagt Martin bestimmt. „Reden tun nur die Weiber! Echte Männer verstehen diese Sprache!" höhnt Alfred, steht auf und versucht wieder Martin zu schlagen. Doch der kleine blockt die Schläge. Philip steht auf doch Tom hält ihn fest. „Alfred wird Martin umbringen wenn er ihn erwischt!" sagt Philip entsetzt. „Alfred wird gleich lernen dass man nicht groß und stark sein muss um ein guter Kämpfer zu sein." antwortet Tom und schaut den Knaben gebannt zu. Alfred prügelt wütend auf Martin ein. Der weicht rückwärts und pariert jeden Schlag gekonnt. „Ich will nicht mit dir streiten!" ruft er dem großen Jungen zu. „Ich will nur wissen warum du Jake hasst." schreit der kleine fast panisch. „Weil Jake blöd ist!" faucht Alfred und tritt nach dem Kleinen. Martin nimmt Alfreds Fuß und bringt Alfred zu Fall. „Jake ist nicht blöd!" sagt er ihm von oben herab. Alfred steht auf und fängt wieder an auf Martin einzuschlagen. Auch jetzt blockt Martin alle Schläge. „Merkst du nicht dass du mich nicht triffst?" fragt Martin. „Wenn du gleich müde bist hau ich dich tot." grinst  Alfred böse. „Ich werde nicht müde." sagt Martin bestimmt. „Wann hörst du auf mich zu hauen?" „ Wenn einer von uns beiden k.o.  ist." keucht Alfred.  „Ich will doch nur mit dir reden!" bittet Martin. „Ich rede doch mit dir." sagt Alfred und haut mit all seiner Kraft auf den kleineren ein. „Tut mir leid aber ich rede nun mal wie ein Mann und nicht wie eine Memme." japst er und ringt schon nach Atem. „Glaubst du wirklich du verstehst nur die Sprache der Fäuste?" fragt Martin und klingt als habe er sich bisher nicht angestrengt.  „Ja!" sagt Alfred und prügelt noch heftiger auf den Kleinen ein. „Oh, schade. Bist du dir sicher? Weil ich will dir was sagen!" fragt Martin. Als Antwort hagelt es Faustschläge. „Ja" brummt Alfred weil kein einziger Schlag trifft. Martins Faust schnellt vor und Alfred kippt nach hinten. Er ist ohnmächtig. Sofort kniet sich Martin neben Alfred und überprüft ob er noch atmet.
Er sitzt sehr unglücklich neben dem großen Jungen. Tom steht auf und brummt: "Da hat es aber nicht viel gebraucht um meinen Sohn zu fällen." Martin schaut mit hängenden Schultern zu Tom. „Ich wollte doch nur mit ihm reden." Tom grinst. „Ich weiß. Ich habe euch gehört." Philip geht zu Martin und fragt: „Bist du verletzt?" Martin schüttelt den Kopf wirft sich aber doch in die Arme des Priors. Der legt tröstend die Arme um den kleinen Mönch. „Komm" sagt Philip und zieht Martin in die Baumeisterhütte.
Tom kommt mit seinem nassen, ohnmächtigen Sohn im Arm herein. „Was hast du mit ihm gemacht? Selbst Wasser weckt ihn nicht auf." Sagt Tom verwundert. „Er sagte dass er außer Prügel nichts versteht. Er hat einen Faustschlag vor das Brustbein kassiert. Er wird wieder aufwachen."  erklärt Martin und schaut schüchtern den Riesen von unten an und versteckt sich schutzsuchend hinter Philip. Er krallt sich an dem Arm des Priors fest als habe er Angst vor dem Hünenhaften Baumeister. „Ich tu dir nichts." brummt Tom und legt seinen Sohn auf den Boden. Martin krallt sich immer noch an Philip als Tom aufsteht. Nur langsam lässt er den Arm los. Philip legt schützend seinen Arm um den winzigen Mönch. Er lässt Tom nicht aus den Augen. „Ich nehme deinem kleinen Bruder nicht übel dass er meinem Sohn eine Lektion verpasst hat. Ich bin dir ja selber in den Arm gefallen als du die Jugendlichen aufhalten wolltest." Tom schaut die beiden freundlich an. Die beiden schauen ihn mit großen Augen an. „Sollen wir Martin über unsere Berechnungen schauen lassen?" schlägt Tom vor. Die beiden Nerven ihn wenn sie ihn so stumm anschauen. Ihre schuldbewussten Blicke sind fehl am Platz. Sein Sohn hat eine kassiert und gut. Die beiden sollten sich deswegen nicht so schuldig fühlen.
Philip schüttelt den Kopf. „Morgen." sagt er. Martin schaut ihn mit leuchtenden Augen an. „Darf ich morgen wieder mit zum Bau?" fragt er mit hoffender Stimme. Philip lächelt ihn an und sagt begeistert: „Ab morgen beginnt doch der Wiederaufbau. Da musst du einfach dabei sein." Martin strahlt regelrecht beschenkt. Tom schüttelt den Kopf über die Mönche. Er wird sie nie verstehen. Sie lehnen Weiber ab, benehmen sich dann aber ganz genau so. Die beiden Grüßen mit einem Kopfnicken. Und verlassen die Baustelle gemeinsam Richtung Kloster.

Philip und Martin beugen sich über die Abrechnungen. Sie benötigen in den nächsten Jahren viel Holz und Steine. Der eigene Wald wird nicht ausreichend her geben. Sie werden am Wochenende zum Markt nach Shyring gehen um ihre Wolle zu verkaufen. „Wir könnten auch Lebensmittel verkaufen. Honig, Käse und Würste haben wir ja im Überfluss." Schlägt Philip vor. Martin schüttelt den Kopf. „Wir werden viel mehr Lebensmittel benötigen wenn erst einmal die Steinmetze und Arbeiter kommen. Wir sollten noch viel mehr anbauen." widerspricht Martin.  „Guter Einwand!" Philip freut sich dass Martin so gut mitdenkt. Er ist ihm wirklich eine große Stütze.
Sie haben das Kloster weitgehend im Griff. Sie haben ihre Ländereien und die Brüder haben Schafe, Schweine und Fischteiche. Martin schlägt vor dass sie Bier brauen sollten. Philip hebt eine Braue und schaut ihn fragend an. „Bier ist nicht schlecht!" verteidigt er sich. „Viele Klöster brauen Bier."  „Ja und viele brennen Schnaps. Aber Alkohol kann aus dem intelligentesten Mann einen Schwachkopf machen." brummt Philip. Philip hält nicht viel vom Alkohol und da macht er keinen Hehl draus. Martin schaut Philip an. „Es ist keine  dumme Idee. Ich könnte meine Kräuterauszüge brennen." er schaut durch Philip hindurch und sieht aus als würde er in die Zukunft schauen.  Philip muss laut lachen. Er ist immer wieder erstaunt wie gut Martin ihn überreden kann. Remigius kommt ohne anzuklopfen herein. „Euch geht es zu gut." stellt er fest. „Wir haben die Abrechnungen gemacht und denken über die Zukunft des Klosters nach." sagt Martin milde lächelnd. „Wir haben in diesem Jahr sehr viel Überschuss erwirtschaftet und können guten Mutes in die Zukunft blicken." ergänzt Philip. 
Remigius schaut verstimmt drein. Philip wundert sich über das Benehmen seines Subpriors. Wieso achtet er nicht die einfachen Formen der Höflichkeit? Ob er Immer noch vermutet Martin und er würden verbotenes treiben? Ob er ihnen nachstellt? Da hat Philip einen Geistesblitz wie er mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte. 
„Remigius, könntest du dir nicht vorstellen Kellermeister zu werden? Wir haben uns überlegt dass Bier brauen und Schnaps brennen lukrativ sein könnte." bietet Philip Remigius an. So wäre er ihn erst einmal los und später hätte der neugierige und etwas unangenehme Kerl genug zu tun und hätte keine Zeit mehr um zu spionieren. Remigius schaut Philip an als würde er etwas absurdes von ihm verlangen. „Wir haben noch nie Bier gebraut." sagt er trocken. „Wir werden damit beginnen. Ich fände es schön wenn du unser Kellermeister würdest weil ich es zu schätzen weiß wie sehr du dich für Dinge einsetzt und hinter Geheimnisse schaust. Dir werden die Geheimnisse des Bierbrauens nicht verborgen bleiben auch wenn die Klöster ihre Kenntnisse nicht gerne preis geben." Remigius fühlt sich geschmeichelt von Philips Worten. Die Aussicht auf ein angesehenes Amt im Kloster erfreut ihn sehr. Er weiß noch nicht was für ein Haken an der Geschichte ist. Er ist Philips Konkurrent um das Priorsamt gewesen und die beiden sind nicht gerade Freunde. Im Gegenteil. Philip hat ihn beim Hexenprozess gedemütigt, dafür hat er ihm die Geschichte mit Martin an den Hals gedichtet so dass Philip nun zwischen den Laienbrüdern schläft. Er traut Philip nicht. Vielleicht will er ihn mit dieser Geschichte austricksen.

PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt