Teil 69

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Luzifer wird wieder zu dem freundlichen und stummen Bruder. Er lässt die Menschen in Kingsbridge in Ruhe und bald haben sich die Wogen geglättet die er mit seiner Predigt aufgewühlt hat. Tom und Ellen lassen sich dennoch trauen weil sie es auch an der Zeit finden zu heiraten. Tom weil er Ellen liebt und Ellen weil sie durch Philip ihren Glauben an die Kirche wieder gefunden hat und nun zeigen möchte dass auch sie wieder zur Gemeinschaft der Gläubigen dazu gehören möchte. Zumindest zu der Gemeinde von Kingsbridge. Die Hochzeit wird ein sehr grosses Fest. Es fällt zusammen mit der Einweihung des Langschiffs. Die letzten Bögen sind gespannt und die Kirche ist ohne die Gerüste ein sehr imposanter Bau. Hier durch das Langschiff zu schreiten bereitet ein erhabenes Gefühl. Tom ist ergriffen dass er der erste Bräutigam sein wird der mit seiner Frau durch diese Kirche schreitet um von Philip getraut zu werden. Martha ist die Brautjungfer und Annes Söhne werden die Blumenkinder. David und Jonathan können so gerade laufen und sie sehen extrem süß aus wie sie in den winzigen Kutten und den Körben voller Blumen vor Ellen und Tom her gehen und die Blumen in den Mittelgang streuen. Irgendwann scheint den beiden der Weg zu lang zu werden und sie hocken sich hin um mit den Blumen zu spielen. Sie füttern sich gegenseitig mit den Blumen und Martin geht zu den beiden um sie wieder hinzustellen damit sie weiter nach vorne laufen. Sie wollen aber nicht mehr und darum nimmt Martin die beiden an die Hand und er geht mit den Zwergen vor dem Brautpaar her. Blumen werden nun nicht mehr gestreut sondern gekippt. Jonathan bekommt nämlich einen Wutanfall und er wirft sein Blumenkörbchen durch die Gegend. David lässt seins fallen und sich gleich mit. Martin nimmt Jonathan auf den Arm und dann ist da zum Glück schon Philip der David aufhebt und nach vorne trägt. Dies war der lustigste Zwischenfall auf der Hochzeit. Der andere weil Jake und Alfred sich irgendwann nach der Trauzeremonie und vor dem Auszug heulend in den Armen lagen. Martha hat ihre Brüder entsetzt angestarrt und ganz vergessen ihren Eltern die Trauringe zu bringen. Aliena hat sie zum Glück abgestupst und ihr die Ringe in die Hand gedrückt. Das Fest in der Kirche ist eine fröhliche Hochzeit. Sie ist wunderbar weil alle Anwesenden sich mit dem Brautpaar freuen. Ellen und Tom sind bekannt und beliebt bei den Bürgern der Stadt und den Bewohnen in den Klöstern. Bruder Matthias hat extra ein paar wunderschöne Choräle mit seinen Brüdern einstudiert. Auch Philip und Martin singen mit und wie immer wenn Martin singt haben die Anwesenden das Gefühl sie könnten ein Stückweit in den Himmel hören. Ellen und Tom sind sehr gerührt dass sich die Mönche so viel Mühe geben ihre Hochzeit festlich zu gestalten. Johann und Klein Francis sind die Messdiener und auch sie geben sich herzlich viel Mühe alles richtig zu machen. Martin hält die Predigt und er verspricht den Anwesenden dass diese Ehe von Gott gesegnet sein wird. Nicht zwingend mit Kindern, die seien ja nun schon reichlich da - aus einem Martin nicht ersichtlichen Grund lacht die Gemeinde - sondern mit guten Werken und segensreichen Begegnungen. Martin erzählt wie gut das Ehepaar einander tut und wie gut sie der Gemeinde tun. Als Philip die Eheleute endlich gesegnet und verheiratet hat brandet ein tosender Applaus durch die Kirche. Zum Auszug singt der Chor und Ellen und Tom schreiten überglücklich nach draussen. Im Kirchhof haben die Mönche für die Eheleute Tische und Bänke aufgestellt. Es gibt für alle reichlich zu essen und Remigius hat sich nicht lumpen lassen und ein köstliches Bier gebraut. Das Bier fließt in Strömen, der einzige der sparsam mit dem Bier umgeht ist Alfred. Der hält sich den ganzen Abend an einem einzigen Krug fest und er fängt keinen Streit und keine Schlägerei an. Als Martin sich spät abends zu ihm setzt da ist Alfred noch Herr seiner Sinne. Martin wundert sich ein bisschen und er fragt Alfred weswegen er nüchtern bliebe. Alfreds Antwort ist simpel: Er möchte seinen Eltern am Tag ihrer Hochzeit keinen Kummer bereiten. Martin nickt freundlich und er sagt dass er das grossartig von Alfred findet. Alfred grinst stolz und als Martin schon gehen möchte sagt Alfred: „Außerdem ist Alkohol vom Teufel erdacht." Nun stutzt Martin und er schaut Alfred fragend an. Der prostet Martin mit seinem letzten Schluck zu und er sagt: „Hat doch Bruder Lucius gesagt. Der Alkohol ist Teufelszeug und er macht Menschen schwachsinnig." Martin setzt sich wieder zu Alfred. Er schaut den jungen Mann lange an. Dann nickt er bedächtig. „Da hast du Recht. Der Alkohol vermag aus dem intelligentesten Mann einen Schwachkopf machen." Alfred grinst zufrieden mit sich. Doch dann wird er ein bisschen traurig. „Ich kann aber irgendwie nicht so recht fröhlich sein wenn ich gar kein Bier trinke." Martin schaut Alfred lange an. Dann sagt er: „Versuche fröhlich zu sein auch ohne Bier. Versuche dich für deine Eltern zu freuen und singe und tanze nun mit ihnen. Es ist der schönste Tag im Leben deiner Eltern. Versuche dich mit ihnen zu freuen auch ohne diesen Stimmungsaufheller." Alfred nickt entschlossen und er steht auf um zu Ellen zu gehen und sie um einen Tanz zu bitten. Danach tanzt er noch mit seiner Schwester und sein Vater nimmt Alfred sehr gerührt in den Arm um ihm zu sagen wie stolz er auf ihn ist. Peter schaut sich das ganze von weitem an und er wird sehr traurig. Er würde sehr gerne seine Verbindung zu Alfred offiziell machen doch er traut sich nicht. Obwohl alle wissen dass ihr Prior einen Mann liebt kann Peter sich nicht vorstellen dass auch Alfred und er akzeptiert werden. In den Lehren der Kirche darf es gleichgeschlechtliche Liebe nicht geben und die meisten Brüder reagieren recht verklemmt auf das Thema. Der einzige der Peter mal anvertraut hat dass er wisse worüber Peter spricht war Remigius. Doch er hat angedeutet dass seine Love Story alles andere als ein Happy End genommen hat. Remigius hat ihm ein Bier hingeschoben und gesagt: „Der Gentelman genießt und schweigt. Mach dir keine Probleme wo keine sind. Du kannst tun und lassen was auch immer dir in den Sinn kommt, so lange dein Partner mit macht. Wenn einer von euch zweifelt dann wird es schwer und wenn einer zu viel und zu schnell möchte dann kann es in einer Katastrophe enden. Ich weiss wovon ich spreche." Remigius hat traurig geseufzt und seine hässliche Kette umklammert die er stets trägt. Peter hat Remigius noch versucht zu befragen aber der hat nichts mehr preis gegeben. Das ist vielleicht auch besser so. Peter hat keine Lust auf schlechte Liebesgeschichten. Oder schlimme Ende. Er findet seine Geschichte mit Alfred kaum zum Aushalten. Er würde gerne so viel mehr mit dem starken Alfred erleben. Aber den interessieren nur die Steine. Er will unbedingt seinen Vater stolz machen. Davon ist er besessen. Peter würde sich wünschen dass Alfred sich mal von seinem Vater löst und sein eigenes Glück sucht. Und da würde Peter gerne eine ganz grosse Rolle bei spielen. Als Alfreds Vater zur vorgerückten Stunde Alfred mit zahlreichen jungen Frauen belästigt die er für geeignete Ehefrauen für seinen Junior erachtet tut Alfred seinem Vater den Gefallen und er tanzt mit jedem Mädchen. Jeder spendiert er einen halben. Doch er selber bleibt bei alkoholfreiem Getränk und er unterhält sich mit seinem Freund Peter anstatt mit den Damen. Peter ist jedes Thema recht um Alfred von den Mädchen abzulenken. In Peters Herz zieht es ganz gewaltig. Erst als Alfred zu einem Mädchen sagt das sein Vater anschleppt: „Mit dir habe ich schon getanzt." horcht Peter auf und er schaut sich die Szene an. Das Mädchen lacht belustigt und sie sagt: „Wenn du noch einmal mit mir tanzt dann darfst du mir noch einen halben spendieren." Sie grinst anzüglich und Alfred schaut sie ausdruckslos an. Dann brummt er: „Wenn du unbedingt willst dann kann ich dir gerne noch einen halben ausgeben, ist immerhin die Hochzeit meiner Eltern. Aber einen weiteren Tanz bekommst du nicht von mir." Peter grinst und das Mädchen geht zu Remigius um sich noch etwas zu trinken zu holen. Alfred stöhnt und Peter nimmt ihn in den Arm. „Was ist los grosser?" fragt Peter und er drückt sich die Daumen dass ihm die Antwort gefällt. Alfred schaut Peter lange an. Dann seufzt er: „Ich wünschte es gäbe ein Mädchen das ganz genau so ist wie du. Könntest du nicht meine Frau werden? Ich mein, du bist hübsch anzusehen, kannst schaffen, bist mir nie böse wenn ich mal Bockmist baue und du machst da mehr als oft genug mit. Mit dir kann ich Pferde stehlen und ich hab mich noch nie mit einem Menschen so gut verstanden wie mit dir. Ich wünschte mein Vater würde mich in Ruhe lassen, denn ich will bei dir im Kloster leben." Peter strahlt. Er küsst Alfred auf seine Wange und er schließt seine Augen um noch ein wenig an seinem freund zu schnuppern. Alfred riecht so herrlich. „Ich kann dich gut riechen und ich mag deine Art. Mit dir alt zu werden stelle ich mir grossartig vor." säuselt Peter und er küsst Alfred noch einmal. Da Tom wieder mit einem Mädchen vor ihm steht seufzt Alfred unglücklich: „Ach Papa, kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen? Ich bin doch jetzt Mönch und da brauche ich keine Frau." Alfred schaut unglücklich zu Tom. Der schaut seinen Sohn verwundert an. Ein anderer Mönch klebt an seinem Sohn und so wie das aussieht bekommt Alfred mehrere Küsse von dem jungen Mann geschenkt. Tom muss lange auf seinen Sohn starren. Der andere Mönch versteckt inzwischen sein Gesicht am Hals seines Sohnes. Tom entlässt das Mädchen mit einem Nicken und dann fragt Tom: „So ist es also um dein Herz bestellt?" Alfred schaut seinen Vater an und er kapiert nicht was sein alter Herr von ihm will. Da Martin gerade in der Nähe ist nimmt der Tom sanft mit. Martin fasst Tom bei der Hand und er zieht ihn ganz sacht von Alfred und Peter weg. „Tom, du weisst doch dass die beiden schon unsere Sakristei entweiht haben. Ja, sie sind ein Paar. Sei nicht enttäuscht, Alfred ist ein guter Junge, er versucht ständig dir alles recht zu machen. Deinetwegen baut er wunderschöne Häuser und wenn du ihm sagen würdest dass dein Seelenheil von seiner Ehe abhinge dann würde er ein Mädchen heim bringen. Es wäre ihm egal welche, sein Herz würde brechen aber dir zuliebe würde er es tun." Tom starrt Martin entsetzt an. „Aber Alfred ist ein ganzer Mann, was will er denn mit diesem Kerl da auf seinem Schoss?" Martin lacht. „Er liebt ihn." sagt Martin schlicht. Damit ist für Martin eigentlich alles gesagt. Tom schaut verdutzt zu Alfred und Peter. Alfred hat nun Peter einen Arm um die Schultern gelegt und die beiden scheinen irgendetwas zu besprechen. Ellen nimmt ihren Gatten in den Arm. „Gräme dich nicht. Als Mönch hat Alfred doch ein hohes Ansehen in der Gemeinde." sagt sie zu Tom. Der schaut unglücklich zu Philip und noch ehe Tom Philip ansprechen kann sagt dieser zu Tom: „Ich bin der letzte der Alfred wegen seiner Neigung verurteilen darf." Tom grinst und er sagt: „Klar dass du es gut heisst dass Alfred und Peter deine Sakristei benutzen." Nun schüttelt sich Philip entsetzt. Das sieht so lustig aus dass alle anwesenden lachen müssen. „Erinnere mich nicht daran!" stöhnt Philip auf. „Nein, Tom, das Kloster ist kein Lasterhaus. Wir versuchen wirklich abstinent zu bleiben, wirklich. Auch wenn es nun wirklich nicht mehr so scheint, so sind auch Alfred und Peter ernsthaft bemüht ihre Gelüste im Zaum zu halten. Aber es sind junge Männer und da ist die Keuschheit ein echtes Problem." Philip schaut sehr unglücklich. Ellen lächelt ihm verstehend zu. „Wären alle Mönche an Mädchen interessiert dann hätten unsere Huren viel zu viel zu tun." lacht Ellen. Martin grinst Ellen verschämt zu. Er kann ein Kichern nur mit Mühe unterdrücken. Philip zuckt mit den Schultern. „Wenn die Kirche gleichgeschlechtliche Liebe offiziell nicht zulässt und die Menschen nicht traut dann bleibt denen die so lieben kaum eine Wahl. Sie können heiraten und sich verleugnen oder sie leben gerade dort wo sie diskriminiert werden: Im Schoss der Kirche." sagt Philip weise und die Anwesenden stimmen ihm fast alle zu. Nur Lucius schaut Philip sehr unglücklich an. Da er nicht sprechen darf kann er Philip nicht widersprechen. Doch dass ihm was auf der Seele brennt sehen Philip und Martin. Sie verabschieden sich darum früh vom Brautpaar und sie schnappen sich ihren dämonischen Bruder um mit ihm über die Sexualmoral zu reden. Natürlich hat Lucifer eine ganz andere Sichtweise als die beiden Männer. Er hält es mit der Kirche und er verdammt die Sexualität. „Sex an sich ist doch schon Sünde, und ihr wollt es unter Männern gestatten?" fragt Lucifer entsetzt. Philip seufzt und er sagt: „Was heisst hier gestatten. Es passiert einfach. Die Mönche wissen dass sie es sein lassen sollen aber sie schaffen es nicht." Martin sagt mehr oder weniger zeitgleich: „Wieso nur unter Männern? Die Nonnen haben doch das gleiche Problem in grün." Lucifer schaut von Philip zu Martin und wieder zurück. Dann sagt er: „Ich glaub mir wird schlecht. Wie könnt ihr so eine Sünde ernsthaft verteidigen? Ihr wisst doch dass das verboten ist." Martin schaut Philip an und der erklärt dem Dämon: „Du weisst doch dass die Gesetze für die Menschen gemacht wurden und nicht die Menschen für die Gesetze. Natürlich soll jeder und jede verantwortungsvoll mit sich und seinem Körper umgehen. Die Gesetze helfen der Zügellosigkeit vorzubeugen. Sie regeln das Zusammenleben und helfen Recht zu sprechen wenn die Situation unter den Menschen eskaliert und sie nicht mehr weiter wissen. Doch sie sind nicht dafür da um zwei Liebende zu verurteilen." Martin nickt dazu. Lucifer schaut böse. Er schüttelt seinen Kopf und er zischt: „Würdet ihr mir nicht die Zunge verbieten dann würde ich den Sündern schon den Kopf waschen. Sie riskieren ihr Seelenheil! Und ihr lasst das zu." Philip schaut traurig und Martin seufzt. „Bruder Lucius, du musst noch so viel lernen!" sagt er traurig. Lucius schüttelt seinen Kopf. „Ich will das nicht lernen. Was ihr lehrt ist falsch." Nun schreitet Philip ein: „Nein, es ist nicht falsch verantwortungsbewusst zu leben und gleichzeitig zu wissen dass man gerechtfertigt ist sollte man fehl treten. Sünde ist eine Einstellung und deine Einstellung ist Sünde. Denn du liest die Regeln und du verurteilst ohne Gnade und du betrachtest die Menschen ohne Liebe. Halte weiter deinen Mund und lerne." sagt Philip. Martin schaut von Philip zu Lucifer und er nickt. „Philip hat Recht, Lucius. Schaff dir ein liebendes Herz an und urteile dann noch einmal." Lucifer seufzt. „Als Dämon hat man doch kein Herz. Liu Tse, das solltest du doch wissen." sagt Lucifer traurig. Martin schaut Lucifer ebenso traurig an. Dann sagt er: „Ich weiss dass du eins hast. Ich habe auch eins. Wahrscheinlich hast du deines gut versteckt, nicht?" versucht Martin den Dämon aufzumuntern. Dann sagt er etwas strenger: „Lucifer, ich möchte dass du weiterhin deine Zunge hütest und stumm von uns lernst. Nutze die Zeit um dein Herz zu suchen." Lucifer schaut Martin entsetzt an. Dies war keine Bitte, keine Aufforderung. Dies war ein Befehl seines Meisters. Der Dämon kann gar nicht anders. Er nickt und er geht in sich gekehrt von dannen. Philip und Martin sammeln die Kinder ein und sie bringen sie heute ins Bett. Heute schlafen sie nicht im Priortshof sondern im Kinderheim. Die Männer die sich sonst um die Kleinen kümmern dürfen feiern.

PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt