Die Kirche wird von Woche zu Woche schöner und heller. Mit jedem Bogen der im Deckengewölbe entsteht und mit jedem Fenster das eingesetzt ist kann man mehr und mehr erkennen welch eleganter und prachtvoller Bau dieses Gebäude einst sein wird. Von aussen ist die Kirche elegant und sie wirkt schmal weil die Bögen für das Auge nicht zur Kirche dazu gehörig aussehen. Die ersten Grundsteine für das Frauenkloster sind gesetzt. Alfred darf das Gebäude errichten und er ist sehr stolz darüber. Zusammen mit Peter entwirft Alfred die finalen Pläne und die beiden sind für die Handwerker zuständig. Während Alfred den Bau überwacht und anleitet errechnet Peter die Löhne und was sie für den Bau ausgeben werden. Jake traut fast seinen Ohren nicht als Alfred ihn eines Tages darum bittet dass er die Verzierung für die Fassade herstellt. Doch Alfred steht in seiner etwas zu kurzen Kutte vor ihm und er tritt von einem Fuß auf den anderen. Sogar die roten Flecken erscheinen in seinem Gesicht. Jake weiss dass Alfred sehr aufgeregt sein muss. Damit er den grossen nicht lange auf die Folter spannt sagt Jake sofort zu. „Natürlich verziere ich dir dein Haus. Was hast du dir denn vorgestellt?" fragt Jake. Alfred schaut Jake erst fröhlich, dann fragend an. „Wieso ich? Du sollst es doch verzieren." sagt er dumm. Jake muss fast lachen, doch er besinnt sich. Wenn man Alfred auslacht dann kann man sich nicht sicher sein ob das nächste Lachen noch mit allen Zähnen ist. Er zuckt die Schultern. „Entweder sagst du mir wie du es haben willst oder ich mache dir einige Vorschläge und du suchst dir dann den aus der dir am besten gefällt. Alfred glotzt Jake mit offenem Mund an. Dann sagt er: „Ich habe aber doch keine Ahnung von schön. Wenn du was machst dann ist das immer richtig genial." Jake schaut nun mindestens genau so doof wie Alfred. „Ddanke." stottert er. Dann lächelt Jake beschenkt und er sagt: „Ich werde dir dein Haus so verzieren dass es das schönste und prachtvollste Kloster der Welt ist." Nun grinst Alfred und er sagt: „Genau das hab ich mir vorgestellt." Alfred geht zufrieden seiner Wege und Peter fragt Jake: „Könntest du mir die Entwürfe vorher zeigen? Wir haben nicht unendlich viele Mittel zur Verfügung, weisst du?" Jake nickt. „Ich nutze eigentlich nur die normalen Steine. Die behaue ich. Das kostet nicht viel." tröstet Jake den Peter der ein sehr unglückliches Gesicht hat. Peter weiss was der Bau bisher schon verschlungen hat und er hatte mit Alfred manch schlaflose Nacht weil sie gestritten haben ob sie die Fassade einfach oder geschmückt gestalten. Alfred hat sich durchgesetzt weil Peter die Freundschaft wichtiger war als das Geld. Sollte das Kloster anschliessend pleite sein können sie halt das Männerkloster nicht mehr bauen. Doch nun zu hören dass sie den besten Steinmetz für mehr oder weniger umsonst bekommen ist phantastisch. Das war Alfreds Kompromissvorschlag: sie fragen Jake ob der ihnen hilft. Alfred weiss dass Jakes Steine wunderschön sind und er möchte lieber ein schönes Haus das ewig bewundert wird als ein hässliches das in Vergessenheit gerät. So weit hat er den Traum seines Vaters verstanden.
Agnes ist sich noch nicht sicher was sie von Philip halten soll. Er ist ihr zu freundlich und zu gütig. Sie regiert ihre Frauen etwas strenger. Sie hält nichts davon bei kleineren Sünden auch mal die Augen zuzudrücken wenn die Sünder ihre Schuld einsehen und sie nicht noch einmal tun. Philip sagt immer dass das Schöne an Fehlern sei dass man sie kein zweites mal machen müsste. Agnes sagt dass Sünden gesühnt werden müssen. Dieser Priester ist ihr zu langmütig. Ständig macht er selber die Küchendienste, spielt selbst mit den jüngsten, erzählt ihnen, lehrt die verständigen und gibt den älteren Unterricht. Er ist schier überall und er schafft den ganzen Tag. Agnes wundert sich wann dieser Mann einmal ruht. Als sie ihn das einmal fragt sagt Philip: „Aber ich ruhe doch. Wenn ich bete bin ich ruhig, wenn ich lehre bin ich ruhig, wenn ich mit den Kindern vorlese bin ich ruhig." Agnes entgegnet: „Ich habe dich heute morgen auf der Baustelle Steine und Holzbalken schleppen sehen, du hast den Gemüsegarten umgegraben und geerntet, du hast die Ernte eingekocht und heute das Mittagessen gereicht, dann hast du mit den Kindern fangen gespielt und nun gehst du so frisch als habest du geruht, wie machst du das?" Philip lacht. Der mit dem Gemüsegarten und das Fangen spielen war bestimmt Francis und ihr habt mich verwechselt. Ich war heute Morgen auf der Baustelle und dann habe ich gekocht. Mehr nicht." Philip lächelt und Agnes schaut brummig. „Ein Prior sollte keine Balken schleppen und er sollte auch nicht kochen." Philip schaut sie fröhlich an. „Mir macht das Freude. Ich sehe gerne die wunderschöne Kirche wachsen. So viele Menschen bauen an ihr und jeder leistet einen kleinen Teil und zusammen schaffen wir grossartiges. Ich möchte so gerne Teil dieser Gemeinde sein. Ich werde einst stolz hoch zur Decke schauen und mir sagen: „An der hast du mitgeholfen dass sie entsteht." Wenn der Klang meiner Worte durch die Kirche hallen dann kann ich mit Freude daran denken wie die Kirche entstanden ist. Welche Mühe wir zu Anfang mit der Akustik hatten, kaum ein Gottesdienstbesucher hat unsere Worte verstanden. Eine Predigt musste ich brüllen weil so viele Menschen vor mir standen und ich praktisch im freien gepredigt habe. Doch bald schon kann ich in dieser wunderbaren Kirche reden und wenn ich dann von der Kanzel die Güte Gottes predige dann kann mich auch der Mensch in der hintersten Reihe hören weil der Klang so wunderbar trägt." Philip strahlt vor Glück und Martin lächelt ihm beschenkt zu. Nur Agnes schaut brummig. „Dennoch, ihr solltet euch nicht mit den niederen Aufgaben befassen. Kochen ist doch wirklich etwas für die Novizen." Nun müssen Philip und Martin lachen. „Nein, dem nächsten zu dienen indem man ihm eine Mahlzeit zubereitet ist nichts wofür sich ein Prior schämen müsste. Im Gegenteil. Es ist eine wunderbare Aufgabe und die reiche Ernte in eine leckere Mahlzeit zu verwandeln ist sehr schön wenn man die Aufgabe zu schätzen weiss. Gerade im Winter könnten wir täglich am Herd stehen, da ist es so schön warm." sagt Martin und er guckt glücklich aus der Wäsche. Agnes rümpft die Nase. „Wann studiert ihr? Wann treibt ihr theologische Studien und wann lehrt ihr?" klagt sie nun Philip an. Der schaut keineswegs getroffen oder als habe Agnes ihn angegriffen. „Alles ist Theologie. Mein ganzes Leben strebe ich danach gutes zu tun und die richtige Entscheidung zu treffen. Ich frage mich stets: „Was würde wohl Jesus tun wenn er an meiner Stelle wäre? Und wenn ein Kind mit mir spielen möchte dann weiss ich dass Jesus mit den Kindern spielen würde. Und wenn jemand hungrig ist dann weiss ich dass Jesus etwas kochen würde und wenn ein Haus gebaut wird dann bin ich mir sicher dass auch Jesus mithelfen würde dieses Haus zu bauen." Agnes schnaubt ungläubig durch die Nase. „Ihr solltet euch mehr mit den Büchern befassen und nicht so viel Blödsinn machen." sagt sie streng. Philip schaut sie an und er fragt: „Warum?" Agnes schaut ihn verwundert an. „Weil,........ weil.........ja, äh, also weil man das als Prior nun mal so macht. Jeder kann mit Kindern spielen und Steine schleppen und kochen. Aber nicht jeder versteht es die Schrift zu lesen und auszulegen." Philip nickt bedächtig. Martin schaut Agnes an und er sagt leise: „Philip liest doch jeden Tag in der Bibel. Er ist sehr belesen und er weiss so viel. Wenn er mit den Kindern spricht dann merkt man einfach dass er all das ernst nimmt was er gelesen hat. Er spielt doch nicht nur mit den Kindern er lehrt sie auch etwas. Und wenn Philip kocht dann kocht er nicht nur er möchte die Menschen satt machen. Die Brüder sollen Kraft schöpfen um ihr Tagwerk gut tun zu können. Und wenn Philip die Balken für die Kirche trägt und die Steine bringt damit sie wächst dann sehen die Menschen um ihn herum dass das Gebäude wichtig ist. So wichtig dass selbst ein Prior daran mitbaut. Dann bekommt ihr tun einen Sinn. Und manchmal ist steine schleppen auch Schriftauslegung." Agnes schaut Martin lange an. Dann seufzt sie und sie sagt: „Ach! Ich weiss nicht, ihr seid so anders als all die anderen Äbte oder Prioren die ich sonst so kennen gelernt habe." Philip fragt: „Ist das denn so schlecht?" Und Agnes schaut nachdenklich. „Zumindest hätten wir kein Klosterbaby wenn ihr wie all die anderen wäret." Philip muss nun schmunzeln. Die Babys von Anne haben es der strengen Agnes sehr angetan. Sie mag es eins der Babys zu wiegen und ihm vorzusingen während Anne das andere säugt. Doch für Agnes sind das die Auszeiten vom strengen christlichen Ablauf ihres Lebens. Dass gerade Zeiten besonders mit Christus zu vereinbaren sind, darauf ist Agnes noch nicht gekommen. Nun fragt sie unsicher ob das möglich sei. „Wenn du die Babys liebst so ist das doch unbedingt mit der Schrift zu vereinbaren. Hat nicht Jesus selbst gesagt: „Lasst die Kinder zu mir kommen?" und hat er nicht weiter gesagt: „Wenn ihr eins von den Kindern aufnehmt, so habt ihr mich aufgenommen." Ich glaube einfach dass du Jesus selber herzt wenn du nun Davod oder Jonathan im Arm hälst. Wenn du Anne entlastest weil du das weinende Kind wiegst das gerade keine Milch bekommen kann weil das andere an ihrer Brust ist. Und wenn du sie ferner entlastest weil du das gestillte nimmst und es Bäuerchen machen lässt während sie sich um das hungrige Kind kümmern kann." Agnes denkt erstaunt darüber nach. Sie hatte bisher eher den Gedanken dass sie diejenige ist die von der Situation am meisten profitiert. Sie, die sich aktiv gegen die Ehe und das Kinder bekommen entschieden hat darf ein Baby halten. Ein so schönes und verwundbares Geschöpf in ihren Armen halten. Sie kann sie nicht versorgen, eine andere kann das. Eigentlich dürften sie nicht zusammen sein aber Philip hat sie zusammen gebracht. Und nun freut sich Agnes jeden Tag darauf die Babys wenigstens ein paar Minuten zu halten und ihnen vorzusingen. Bisher dachte sie dass das eine grosse Sünde sei, dass sie verbotenes tun würde weil es ihr so eine unendliche Freude bereitet. Doch nun zu hören dass das nicht nur glaubenskonform sondern auch noch gut und nützlich ist freut Agnes ungeheuerlich. „Wie kommst du eigentlich darauf dass Kinder zu lieben eine Sünde sei?" fragt Martin vorsichtig. Er hat da jemanden in Verdacht und Agnes bestätigt seinen Verdacht. Bruder Lucius hat mich einmal erwischt wie ich Anne und ihre beiden weinenden Babys im Klostergarten getroffen habe. Ich war auf dem Weg zur Terz als ich die Babys weinen gehört habe. Anne wirkte so müde und ausgelaugt dass ich es nicht übers Herz gebracht habe sie alleine zu lassen. Ich habe mir das weinende Baby geben lassen und ich bin mit ihm im Kreuzgang spazieren gegangen während die anderen gebetet haben. Bruder Lucius war zugegen und er hat mir gesagt dass es sich nicht gerade für eine Nonne und dann noch die Mutter Oberin schicke ein Baby in den Armen zu haben und zu wiegen und dafür die Gebete sausen zu lassen. Er sagte dass ich eine Vorbildfunktion habe und wenn nun die jüngeren Nonnen und die Novizinnen sich ein Beispiel an mir nähmen wir gleich profan leben könnten und für eigenen Nachwuchs sorgen könnten. Ich habe gedacht dass er irgendwo Recht hat. Wir haben uns für ein Leben im Glauben entschieden und da kommen Babys und ihre Bedürfnisse normalerweise nicht vor." Agnes schaut Martin verzweifelt an. Martin schaut ernst zurück. „Ich weiss was du meinst und wie du dich fühlst. Ein Baby im Arm zu haben ist das Schönste Geschenk auf Ernden. Diese kleinen unschuldigen Geschöpfe brauchen uns einfach, erst recht wenn sie keine Eltern mehr haben." Philip nickt wissend. „Wenn sie so klein sind und dich ganz brauchen dann kannst du fast nichts anderes mehr tun. Wenn sie dich die ganze Nacht wach halten und deine ganze Liebe fordern, wenn sie zu den unmöglichsten Zeiten gewickelt werden müssen dann ist das schon manchmal sehr peinlich." Er stupst Martin an und beide müssen grinsen. Martin erzählt Agnes dass ihr Johann einmal während der Messe Durchfall gehabt hat. Da aber Philip die Messe gelesen hat und Martin eigentlich das Evangelium vorlesen sollte und in der Messe dienen musste hat er kurzerhand Johann hinter dem Altar gewickelt. „Da der Boden der Kirche zu kalt war hab ich ihn auf Philips Stuhl gewickelt. Nun,.... Philip hat sich danach nicht mehr setzen können, er musste die ganze Messe im Stehen feiern weil Johann natürlich just in dem Moment gepinselt hat als er blank auf dem Stuhl lag." Agnes muss bei der Vorstellung herzlich lachen. Sie erzählen noch viele Anekdoten von ihren beiden Jungen. Auch Francis hat die beiden so manches mal in Verlegenheit gebracht. „Ich glaube der Bischof war nicht entzückt als er in unserem Bett geschlafen hat. Denn nebenan in der kleinen Kammer haben wir mit Francis übernachtet und er hat in der Nacht gezahnt. Dieses Gebrüll geht durch Mark und Bein. Ich bin mit Francis dann raus gegangen, aber draussen war es dem Kleinen zu kalt. Und in der Stube war er auch kaum zu beruhigen." grinst Martin. „Wir haben ihn beide nicht beruhigen können. Erst als mein Bruder am nächsten Morgen uns zum Frühgebet abgeholt hat ist der Kleine in seinen Armen sofort eingeschlafen und hat den ganzen Vormittag über gepennt. Wir haben ihn in dem Moment so sehr verflucht. Denn wir konnten ja nicht ruhen, wir mussten den sehr übellaunigen Bischof hofieren und seine bösen Bemerkungen stoisch über uns ergehen lassen. Schließlich hat unser kleiner Hosenscheisser dafür gesorgt dass der Bischof so brummig war." ergänzt Philip. Agnes lacht wieder. „Oh, das glaube ich nicht dass euer Francis für die schlechte Launen des Bischofs verantwortlich war. Unser Herr Bischof liebt es seine schlechte Laune zu pflegen. Ich befürchte er glaubt er sei dann für die Gläubigen so eine Art Heiliger, der sich die ganze Zeit kasteit und darum schlecht gelaunt ist. Dass er so mürrisch ist weil er nicht weiss wie man lebt steht auf einem anderen Blatt Papier." Nun schlägt sich Agnes die Hand vor den Mund, denn sie hat eindeutig eine Grenze überschritten die ihr zu überschreiten nicht Zustand. Philip und Martin grinsen aber zustimmend. „Da hast du vollkommen recht." sagt Martin beruhigend zu Agnes. Philip ergänzt: „Würde unser guter Bischof Walleran sich nicht in Seide hüllen und güldene Knöpfe auf seiner Soutane haben und dicke Ringe und ein Juwelenbesetzten Rosenkranz um seinen Hals tragen dann würde man ihm es eher abnehmen dass er in Demut leben will. Er erzählt den Menschen dass er Wasser trinkt aber in seinem Kelch ist Wein." Nun schaut Philip traurig drein. „Ich wünschte die Kirchenoberen würden sich mehr an das halten was sie predigen." Agnes staunt Philip mit offenem Mund an. Dass ein einfacher Prior solch eine gewaltige Anschuldigung offen ausspricht ist unerhört. Doch sie stimmt Philip von ganzem Herzen zu. Die meisten Bischöfe eignen sich nicht als Vorbild für die Gläubigen. Die Männer leben im Luxus und sie verlangen von den einfachen Menschen ihr Elend zu akzeptieren. Philip predigt selten dass man einfach und in Armut leben soll. Wenn er Sonntags von Gott erzählt dann erzählt er den Menschen dass Gott sie liebt, dass er an ihrer Seite ist und dass er sie versteht. Dann wird Gott ganz schnell zu einem Baby, einem hilflosen Geschöpf das Hunger, Verfolgung und Elend kennen gelernt hat. Einer der die Folter ausgehalten hat und hingerichtet wurde. Philip erklärt dann dass Gott die Menschen kennt und trotzdem liebt. Dass er jeden einzelnen sieht und für unendlich kostbar erachtet. Da sind sogar die Huren und die Fremden mit gemeint und, was Agnes damals unerhört fand, sogar die Heiden. Philip predigt nicht die Armut, er lebt sie. Die Brüder kleiden sich in einfache braune Wollkutten. Philips Messgewand ist ebenfalls aus Wolle und die Stickerei darauf hat Martin aufgebracht. Es ist ein Lamm zu sehen das ein Kreuz trägt. Dieses Lamm erinnert an die eigenen Schafe. Philip und Martin halten die Schafe für die Wolle. Sie lassen äusserst selten mal ein Schaf schlachten. Agnes musste sich sehr an die fleischlose Kost gewöhnen. Dafür kommt reichlich Essen auf den Tisch. Philip hält nichts von übermäßigem Essen aber er möchte nicht dass die Mönche hungern und noch weniger die Waisenkinder. Für die Kinder gibt es drei Mahlzeiten am Tag und sie dürfen den ganzen Tag im Klostergarten nach essbarem suchen. Francis und Jakob pflücken mit den Kindern die ersten Beeren im Frühjahr, sammeln mit ihnen die Äpfel im Sommer und Birnen im Herbst. Sie kochen mit den Kindern auch Obst ein so dass im Winter auch ständig leckeres Obst zur Verfügung steht. Die Kleinen dürfen im Winter zu Matthias in die Küche gehen und sie bekommen dort den süßen Kompott oder die eingekochten Birnen. Ganz besonders beliebt ist das herrliche Quittenbrot. Es klebt an den Zähnen und die Kinder haben lange etwas von dem Naschwerk. Nüsse und getrocknete Beeren finden die Kinder in rauen Mengen in einer Schale im Speisesaal des Waisenhauses. Agnes hat so manchen Mönch dabei erwischt wie er sich an den Sattmachern für die Kinder bedient hat. Sie hätte erwartet dass Philip die Diebe ermahnt aber er hat lediglich die Schale wieder aufgefüllt als Alfred und Peter sie leer gefuttert haben. Als Agnes daraufhin Philip zur Rede gestellt hat hat dieser nur geantwortet: „Wer hart arbeitet der soll auch essen." Nicht mehr und nicht weniger. Agnes fand das damals unerhört. Doch als sie gesehen hat wie hart die Brüder arbeiten fand sie es gar nicht so schlecht die strengen Fastenregeln zu lockern. Ihre Frauen und Mädchen haben daraufhin ebenfalls ein bisschen mehr zu essen bekommen. Agnes übernimmt mehr und mehr von Philips Art die Welt zu sehen und das Kloster zu führen. Auch ihre Nonnen arbeiten mehr und mehr. Sie verarbeiten den Flachs den sie selber anbauen. Die Samen pressen sie zu dem köstlichen Öl das Bruder Matthias sehr gerne in der Küche verarbeitet, das sie aber auch auf dem Markt verkaufen. Die Fasern verarbeiten sie zu Leinen das die Nonnen zu ihren Gewändern verarbeiten und das auch die Mönche gerne als ihre Untergewänder nutzen. Philip und Martin laufen im heissen Sommer nur in den Linnen herum die die Nonnen ihnen gemacht haben. Die Alben sind schön kühl und sie schwitzen nicht mehr so entsetzlich wie in ihren Wollgewändern. Nach und nach trifft man die Brüder im Sommer alle in den angenehmen Tüchern. Agnes ist sehr stolz darauf dass ihre Frauen und Mädchen so gutes Tuch herstellen. Sie verkaufen auch davon auf dem Markt. Als Anne die Idee hat die Tücher bunt einzufärben bekommen sie noch mehr Geld für ihr Tuch. Vor allem als die Frauen anfangen die verschieden gefärbten Fasern zu bunten Tüchern zu verarbeiten ist der Andrang enorm. Agnes könnte viel mehr verkaufen als sie produziert. Philip freut sich sehr als sie ihm anbietet dass er von dem Erlös die Arbeiter der Kirche bezahlen darf. Philip freut sich ehrlich. Denn er weiss nun dass Agnes diese Kirche genau so schätzt wie er selber. Steckt sie doch den Ertrag ihrer harten Arbeit in den Bau der Kirche.
