Martins Wunden heilen schnell und gänzlich aus. Als er seine Flügel wieder benutzen kann strahlt er. Philip hat ihm selbst die Binden abgenommen und Martin hat seine Flügel weit ausgebreitet. Wie immer glänzt es um ihn herum und Philip staunt seinen Freund an. Martin lacht und er freut sich: "Schau, Philip, ich kann sie wieder bewegen und sogar damit fliegen!" Martin schlägt freudig mit seinen Flügeln und er hebt sogar ein kleines Stück ab nur um zu Philip zu Flattern und ihm lachend um den Hals zu fallen. Philip amüsiert sich weil sich Martin wie ein kleines Kind freut. Dann faltet Martin seine Flügel wieder ein und er fragt aufgeregt: "Ob meine Arme und Beine auch wieder heil sind?" Philip lächelt über den Enthusiasmus seines Freundes. Da freut er sich doch gerade wirklich krümelig weil nach acht Wochen seine Knochen zusammengewachsen sind. Philip löst die Verbände um Arme und Beine. Martin ist ein kleines bisschen entsetzt weil er sie nicht wie die Flügel sofort wieder gänzlich benutzen kann. Philip erklärt ihm dass es normal sei dass sich Sehnen und Bänder verkürzen wenn man eine Gliedmaßen so lange nicht bewegt hat. Philip bewegt Martins Arme und Beine durch. Dann kommt der Medikus und auch Lukas findet dass mit Martins Beinen und Armen so weit alles in Ordnung ist. "Du wirst sie von nun an öfters am Tag durchbewegen müssen. Die Kraft sollte mit der Zeit wieder kommen." erklärt er dem verstörten Martin. "Ich dachte ich könnte wie beim letzten mal einfach so wieder laufen." jammert er ein bisschen. Lukas macht ein ernstes Gesicht. Philip nimmt Martin tröstend in den Arm. Lukas erklärt: "Schau, Martin, beim letzen mal warst du noch ein Kind. Kinder heilen viel schneller. Als Philip sich seine Beine und Arme verletzt hatte hat er ja auch sehr lange gebraucht bis er wieder völlig wiederhergestellt war. Er hat sich fast ein halbes Jahr auf dich gestützt." Martin schaut fast panisch. "Ein halbes Jahr!" sagt er bang. "Wie soll ich das denn aushalten?" Lukas lacht und er sagt: "Du kannst ja jeden Tag trainieren. Übertreib es nicht, wenn du Schmerzen hast mach nicht weiter. Aber du darfst laufen und wie ich dich kenne lässt du dir sicher nicht verbieten deine Stadtwache weiter auszubilden. Ich bin mir sicher dass die Jungs dich brauchen." Martin schaut Lukas zustimmend an. Er grinst. "Ja, auf das Training freue ich mich sehr." sagt er und Lukas entlässt die beiden aus der Krankenstube. Philip bringt Martin zur Stadtwache. Richard und die anderen freuen sich ihn wieder laufend zu sehen. Sie wollen ihm am liebsten alle auf einmal und jeder zuerst zeigen was sie während seiner Abwesenheit geübt haben. "Ich kann jetzt Bogen schiessen!" sagt einer aufgeregt. "Ich kann nun mit dem Schwert umgehen!" ruft ein anderer und wieder andere wollen ihm zeigen wie sie den Nahkampf ohne Waffen trainiert haben. Martin ist in seinem Element. Er beruhigt die jungen Männer und dann lässt er sich das Können zeigen. Philip staunt nicht schlecht was die Wächter alles beherrschen. Sie treffen winzigkleine Ziele aus dem Lauf, können mit dem Schwert und der Lanze umgehen, beherrschen die Entwaffnung ihrer Gegner und können sich verbiegen dass es fast unheimlich ist. Martin lobt und korrigiert seine Truppe. Richard ist stolz einige wunderbare Pferde vorzeigen zu können. "Wir haben sie recht günstig erwerben können weil sie noch nicht ausgebildet sind." erklärt er dem Prior. Martin ist von den Tieren begeistert und er steht auf der Koppel um sie zu liebkosen. Schnell erspürt er das Wesen der Tiere. Er weiss welches eher ängstlich ist und dem man Vertrauen beibringen muss und welches Tier eher dominant ist und ein Draufgänger ist. Diesen Tieren muss man deutlich zeigen wer das Sagen hat. Sie benötigen erfahrene Reiter. Philip ist sehr angetan von der Stadtwache. Aus dem bunt zusammengewürfelten Haufen junger Männer die schmerzlich auf der Baustelle fehlen ist eine disziplinierte, schlagkräftige Truppe geworden. Philip ist sich sicher dass sie kleineren Angriffen durchaus gewachsen sind. Nun, da er die Übungen der jungen Leute gesehen hat wird er sich schmerzlich bewusst wie schlaff seine Glieder eigentlich sind. Da er Martin eh jeden Tag in die Stadt bringt trainiert er einfach mit den jungen Kerlen mit. Am Anfang ist ihm selbst das Aufwärmen unendlich schwer gefallen und er hat schnell nach Luft gerungen. Doch mit der Zeit hat er sich daran gewöhnt und er wird immer besser. Als Martin so weit wieder hergestellt ist dass er mittrainieren kann da kann Philip die Aufwärmübungen absolvieren ohne dass er anschliessend so kaputt ist dass er nicht mehr weiter machen kann. Martin bringt Philip bei wie man sich verteidigt. Zunächst üben sie den unbewaffneten Kampf und Philip hat einiges an Geschick darin. Martin möchte Philip nicht an den Waffen ausbilden. "Wann würdest du denn zu den Waffen greifen?" fragt er Philip und der sagt nachdenklich: "Wenn wir angegriffen werden?" Martin lächelt und er sagt: "Wer das Schwert ergreift der wird damit töten. Ich glaube nicht dass du das möchtest." Philip bekommt ein erschrockenes Gesicht und er muss Martin beipflichten, er würde nie ein Leben nehmen können. "Ich bringe dir lieber bei wie man sich gegen einen bewaffneten Gegner wehrt und ihn entwaffnet, möglichst ohne dich zu verletzen." erklärt Martin und Philip ist mehr als einverstanden. Das regelmässige Training tut Philip erstaunlich gut. Er fühlt sich viel vitaler und wenn er einmal mit Martin zu einer Enklave geht um dort nach dem Rechten zu sehen fällt ihm der Weg viel leichter. Philip überlegt zusammen mit Martin ob es sinnvoll wäre gerade die jüngeren Mönche und Novizen mit zum Training zu nehmen. Philip fände es gut wenn sie alle fitter wären. "Sie sind ganz schön fett und faul geworden." sagt er zu Martin und der lacht laut. "Das kann man wohl kaum sagen. Jeder, wirklich jeder hilft mehr oder weniger täglich auf der Baustelle mit. Unsere Brüder sind mit Sicherheit die am wenigsten fetten oder faulen Mönche. Das möchte ich gerne wetten." Philip muss ein wenig über seinen eifrigen Freund grinsen. Er mag es wenn Martin ihm nicht nach dem Mund redet, sondern ihn in seiner Wahrnehmung korrigiert. Philip wünscht sich eine asketische Lebensweise für sein Kloster. Er hält Askese für sehr wichtig um Gott nahe zu sein. Martin teilt diese Ansicht nicht. Er findet dass das Leben in freiwilliger Armut und Demut sicherlich reicht um zu Gott zu gelangen. Gleichzeitig lebt er asketisch. So wenig wie der kleine Mönch isst oder zum Leben braucht ist sehr beeindruckend. Martin hat noch nie etwas gegessen nur weil es lecker schmeckt. Er isst stets weil er Nahrung benötigt und Hunger hat. Und dann auch nur so viel dass es zum Leben braucht. Martin ist nicht einmal besonders muskulös, eher sehnig. Er ist unter seinem Gewand rappeldürr. Philip bewundert Martin heimlich dafür dass er so konsequent bescheiden lebt. Bei Martin wirkt es nicht einmal aufgesetzt. Er ist einfach so. "Ausserdem benötigen wir unsere Brüder beim Bau der Kirche. Wir würden noch langsamer voran kommen wenn nun jeder noch mit der Stadtwache trainieren müsste." erklärt Martin und Philip nickt dazu. Längst hat er eingesehen dass Martin Recht hat.
