Philip läuft entschlossen zurück zum Markt. Martin weiß gar nicht was er tun soll und wohin mit seinen ganzen Gefühlen. Er fühlt sich schuldig weil er ein Dämon ist der sich von der Sünde hat locken und verführen lassen. Er will am liebsten weit weg rennen, von Philip wegrennen, ja gerade vor ihm fliehen und gleichzeitig schmerzt sein kleines Herz bei dieser Vorstellung und droht zu zerbersten. An Philips Hand wird er gerade über den Kirchhof gezerrt als sei er ein ungezogenes Kind und genau so fühlt er sich auch. Außerdem ist er wütend und fühlt sich verletzt weil Philip ohne seine Einwilligung Francis verraten hat dass er kein Mensch ist. Martin fühlt sich von seinem Freund übergangen. Nie hätte er damit gerechnet dass Philip anderen Menschen sein Wesen offenbart. Philip bemerkt wie sehr er Martin hinter sich her zieht. Der jüngere scheint so gar nicht mit ihm mitkommen zu wollen. Normalerweise würde er erwarten dass Martin der selben Meinung ist wie er und zügig zu den Brüdern eilen will um Schlimmeres zu verhindern. Die Anschuldigungen von Francis sind groß und Philip möchte sie rasch aus der Welt schaffen. Kingsbridge ist alles aber kein lasterhafter Ort! In seinem Kloster geht man gesittet miteinander um. Verwundert wendet sich Philip Martin zu und sieht die stummen Tränen die dem verzweifelten Martin die Wangen herunter purzeln. Philip bleibt geschockt stehen. Was entsetzt Martin bloß? Ohne den jüngeren los zu lassen geht er einen Schritt auf ihn zu um ihn zu umarmen. Er betrachtet beklommen das verweinte Gesicht von Martin. Ganz zart wischt er dem jüngeren die Tränen weg und fragt mit belegter Stimme: „Martin, sag, was bedrückt dich?" Martin schüttelt abwehrend seinen Kopf. Er will nicht dass Philip so rücksichtslos ist und noch nicht einmal merkt wie sehr er ihn brüskiert hat. Denn Philip ist doch eigentlich immer sehr liebevoll und gut mit ihm umgegangen. Glaubt Philip denn auch Francis Worten? Hat er Martins Wesen verraten um ihn letztendlich los zu werden? Kein Dämon der enttarnt ist vermag lange zu überleben. Die Menschen die ihn erkannt haben werden ihn zurück in die Hölle schicken so wie es einst Philip mit der Schenkung aufgetragen wurde. In dem Brief den Martin dem Prior von Kingsbridge überbracht hat stand dass der Dämon getötet werden müsste. Martin wirkt so verzweifelt dass es schier Philips Herz zerreißt. Er fährt dem jüngeren ganz sanft durch das traurige Gesicht und er fragt noch einmal ganz liebevoll was ihn denn bedrücken würde. Martins sommertag himmelblaue Augen schauen ihn verzweifelt an. „Wieso hast du das getan?" fragt Martin mit brechender Stimme. „Wieso hab ich was getan?" fragt Philip verwundert unser muss hilflos zusehen wie Martins Gesicht in verzweifelter Trauer regelrecht zerknüllt. Martin kann nicht reden. Es verschlägt ihm regelrecht die Sprache. Er hat das Gefühl kaum noch Luft zum Atmen zu bekommen. Wenn er im Traum ins Bodenlose stürzt dann fühlt sich in etwa genau so an wie er sich jetzt gerade fühlt nur dass er nicht mit einem Schrei aus der Situation durch Erwachen fliehen kann. „Martin sprich!" bittet Philip eindringlich. „Der Kummer der nicht spricht nagt an dem Herzen bis es bricht!" kommt Philip in den Sinn und er wartet geduldig bis Martin so weit ist dass er sich erklären kann. „Du hast meinWesen preisgegeben." verrät Martin schließlich doch. „Nun bin ich so gut wie tot." flüstert Martin und erzittert. Laut ausgesprochen wirkt seine Angst noch bedrohlicher. Philip streichelt Martin und er fühlt sich wie vor den Kopf gestoßen. Nie und nimmer hatte er die Absicht Martin zu schaden. Er wollte die heikle Diskussion mit seinem Bruder um die Beziehung oder auch nicht Beziehung zu seinem Stellvertreter möglichst rasch und sauber beenden. Er war sich sicher dass Francis ihn und seine Liebe zu Martin verstehen könnte wenn er nur wüsste dass Martin ein höheres Wesen ist und dass eine noch höhere Macht ihn beauftragt hat auf Martin Acht zu geben. Francis ist Philips Bruder und auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind so vertraut Philip Francis. Er würde seinem jüngeren Bruder sein Leben anvertrauen und er hat ohne sich darüber Gedanken zu Machen Francis Martins Leben anvertraut. Dass sein Freund nun so außer sich ist kann Philip tatsächlich verstehen. Martin weiß ja gar nicht dass man Francis vertrauen kann. Woher auch? Er kennt ihn ja kaum. Heiss und kalt laufen die Schauer Philips Rücken hinab. Instinktiv zieht er Martin in eine schützende Umarmung und er küsst ihn auf das gesenkte Haupt. Martin vergräbt sein Gesicht an Philips Brust und er hofft dass er in Philips Armen Geborgenheit erfährt und nicht etwa Zurückweisung. Philip erklärt Martin seine Beweggründe. „Ich wollte rasch zum Markt um die Brüder daran zu hindern allzu sehr zu sündigen. Ich habe unüberlegt und töricht gehandelt. Verzeihst du mir?" sagt Philip sanft und Martin nickt. Philip ist sehr erleichtert und dankbar dass der Kleine ihm so sehr vertraut und überaus schnell bereit ist ihm seine Fehler zu verzeihen. Philip ist sich bewusst dass er Martin sozusagen bildlich vorhin in den Höllenspalt geschuppt hat. Dass er es unabsichtlich tat ändert nichts an der Tatsache. Philip staunt Martin an als sähe er ihn zum ersten Mal. Der ist so zierlich und er wirkt so zerbrechlich. Ein unbedachtes Wort hat ihn so sehr aus der Fassung gebracht dass er nun verzweifelt und verheult vor ihm steht. Doch nur ein gutes Wort lässt die Hoffnung zurück in Martins Blick kehren dass Philip fast schwindlig wird. Liebevoll hält Philip Martins Gesicht in seinen Händen. Mit den Daumen streichelt er die letzten Tränen weg um dann Martin zu küssen. Einfach so, hier im Kirchhof und genau auf die Lippen seines Freundes. „Na, weit seid ihr ja nicht gerade gekommen um das Laster aufzuhalten." hören sie Francis tadelnde Worte. Philip schaut wütend zu Francis. Er hat gerade wichtigere Dinge zu tun als seinem blöden Bruder zu erklären dass sein Engel gerade außer sich war. Er drückt Martins Kopf sanft gegen seine Brust und er legt beschützend die Arme um den Kleinen. Er will dass Martin weiss dass zwischen ihnen alles gut ist. Genau so wie es ist. Doch Francis wird von Philip böse angezischt. „Du hast ihn gesehen, du hast seine Herrlichkeit gesehen. Ich habe Martins Geheimnis an dich verraten damit du verstehst. Doch du schleichst immer noch hinter uns her!" Philips Brust hebt und senkt sich weil er so tief ein und ausatmet. Dazu klopft seinHerz rasend schnell. Martin schmiegt sich noch enger an den Prior und er streichelt sanft dessen Seite. Er will dass Philip sich beruhigt. Doch damit ist er der einzige. Francis wirft den beiden wieder lautstark vor dass sie in Sünde leben würden. Der junge Priester redet sich in Rage. Er hasst es seinen Bruder so zu sehen, mit diesem Jüngling im Arm. Er selbst kann die Gelübte nicht immer einhalten aber sein großer Bruder Philip der kann und er muss! Francis keucht vor Wut und vor Enttäuschung dass sein Bruder offenbar doch nicht der Heilige ist für den er ihn immer gehalten hat. Und dass er nun einen anderen Jungen in seinem Herzen hat und Francis nicht mehr Philips Nummer eins ist schmerzt ebenso. Außer ist der junge Mann bildhübsch. Francis würde ihn definitiv nicht von der Bettkante stoßen. Doch Philip hat einfach die verdammte Pflicht genau dies zu tun! Doch der denkt gar nicht daran und je lauter Francis schreit desto fester hält er seinen Freund. Doch dann dreht sich Martin zu Francis um und er sagt mit seiner engelsgleichen Stimme ruhig: „Francis halte ein. Du weißt dass deine Vorwürfe aus der Luft gegriffen sind. Ich offenbare Dir gerne noch einmal mein Wesen damit du uns glauben kannst. Martin erscheint wieder in dem übernatürlichen Licht und Francis staunt den jungen Mann an der ihm so hell glänzend gegenüber steht. Philip der direkt neben Martin steht ist gänzlich in dieses Licht eingetaucht und auch er wirkt nun nicht mehr von dieser Welt. Francis fürchtet sich und er fängt an zu zittern. Philip spricht enttäuscht zu Francis: „Du bist schlimmer als der ungläubige Thomas! Der hat geglaubt als er gesehen hat doch du glaubst nicht." Martin fällt Philip sanft ins Wort: „Halt ein, Philip! Francis glaubt nun." Philip schaut verwundert zu seinem Bruder. Der starrt die beiden mit offenem Mund an. Das ganze Entsetzen wenn sich himmlische Offenbarung den Menschen zeigt spricht aus seinem Gesicht. Philip ist enttäuscht dass ausgerechnet sein Bruder zwei Anläufe brauchte und Martin zudem mit seiner überzeugenden Stimme gesprochen hat. Francis hatte gar keine andere Wahl als ihnen nun zu glauben. Philip wendet sich von Francis ab und er sagt zu Martin: „Komm, wir erinnern unsere Brüder an ihre Gelübte." Martin nickt entschlossen und schaut Philip mit ernstem Gesicht an. Philip erkennt die Zustimmung in dem Gesicht seines Freundes. Martin liegt das Seelenheil der Brüder genau so sehr am Herzen wie dem Prior. Natürlich möchte er die Brüder daran erinnern züchtig und gemässigt zu feiern. Sein eigener Schmerz hat ihn kurz vergessen lassen dass sie ja Pflichten gegenüber ihren Brüdern haben. Nun nimmt er die Hand von Philip und dieses mal ist es Martin der den älteren hinter sich her zieht. Beim Fest angekommen treffen sie auf eine fröhliche Festgesellschaft. Remigius Bier fliesst in Strömen und die Festgesellschaft ist lustig. Martin bleibt unschlüssig stehen. Er sieht hier kein Sodom oder Gomorra. Kein Bruder benimmt sich daneben. Keiner der Laienbrüder schlägt über die Stränge, genau so wenig wie die anderen Feiernden. Philip bleibt neben Martin stehen. Unschlüssig schaut auch er umher. Als Bruder Matthias die beiden erblickt winkt er sie zu sich. Matthias sitzt mit einigen der älteren Brüder an Remigius Schanktisch und sie lassen sich das herrliche Bier schmecken. "Steht da nicht so unschlüssig herum, setzt euch zu uns!" ruft er gut gelaunt und an seiner Stimme merkt man dass er schon mehr als einmal von dem köstlichen Bier getrunken hat. Martin freut sich dass sie nun nicht mehr so dumm herumstehen müssen. Er schaut kurz zu seinem Philip und zieht den Prior dann hinter sich her um sich zu den älteren zu setzen. Sie quetschen sich zu den feiernden auf die Bank. Da nicht mehr wirklich viel Platz ist sitzt Martin halber auf Philips Schoss und der hält den jüngeren fest damit er nicht hinabpurzelt. Remigius reicht den beiden Neuankömmlingen einen Krug seines frisch gezapften Goldes. "Leider habe ich nur noch den einen Krug." sagt er gut gelaunt. "Ihr werdet ihn euch gewiss gern teilen." sagt er und zwinkert den beiden wohlwollend zu. Martin bedankt sich mit einem strahlenden Lächeln, Philip bemerkt aber die Spitze die gegen sie gerichtet ist. Es ist im Prinzip der gleiche Vorwurf den auch Francis gegen sie erhoben hat. Er wollte eigentlich protestieren aber Martin lehnt sich gegen seine Brust und hält ihm strahlen den Krug hin. Er hat bereits einen Schluck genommen und seine blauen Augen funkeln Philip an. "Das schmeckt immer noch so gut wie vorhin." sagt der Kleine grinsend und Philip nimmt ihm lachend den Krug aus der Hand. Er gönnt sich einen kräftigen Schluck. Er braucht dem gut gelaunten Remigius nicht zu widersprechen. Immerhin hat er seinen Freund auf dem Schoss sitzen und im Arm. Er hat den ganzen Tag Speis und Trank mit dem jüngeren geteilt. Wieso sollte er es nun leugnen? Als er den Krug absetzt flüstert er Martin leise ins Ohr: "Wie geht es deinem Magen?" Der jüngere zuckt mit den Schultern. "Nun, da alles draussen ist besser." Matthias hat die Unterhaltung belauscht und er fragt interessiert: "Was ist mit deinem Magen?" Martin errötet und Philip erzählt dass es Martin vorhin echt schlecht gegangen sei und er sich hätte übergeben müssen. "Seid ihr darum so rasch vom Fest verschwunden?" möchte einer der älteren Brüder wissen und Philip nickt. Remigius zieht eine Flasche Schnaps unter seiner Theke hervor. Er füllt davon in ein kleines Gefäß und er stellt es vor Martin. "Trink das. Es ist ein Kräuterlikör und der hilft wenn man sich überfressen hat." Martin schaut Remigius unglaublich gequält an. Philip drückt ihn automatisch etwas enger an sich. "Er hat sich nicht überfressen!" faucht der Prior doch Remigius lacht nur. Martin nimmt das Glas nur zögerlich. Er schnuppert an dem Getränk und ein beissender Alkoholgeruch zieht ihm in die Nase. Remigius erklärt ihm welche Kräuter in dem Getränk enthalten sind. Alles Kräuter die auch Martin gegen Sodbrennen und Magendrücken genutzt hätte. Er nippt ein wenig an dem Schnaps und dann muss er furchtbar husten. Das Zeug brennt in seiner Kehle und es schmeckt garstig. Von hinten haut eine grosse Pranke auf seinen Rücken und ein gut gelaunter Richard lacht ihn aus: "Kleiner, lass dir erst einmal Haare auf der Brust wachsen bevor du dich an Getränke für Grosse wagst." sagt er und nimmt Martin den Schnaps weg um ihn in einem Zug wegzutrinken. Richard hat sich einen Hocker herangezogen und er setzt sich zu den Mönchen. Er schaut Philip grinsend an und er erzählt dem Prior dass er schon wieder einige junge Männer für die Stadtwache rekrutiert habe. "Die Jungs können von Patrick ausgebildet werden so dass wir in den Krieg ziehen können ohne dass wir in Kingsbridge schmerzlich vermisst werden." sagt Richard selbstgefällig. Philip runzelt die Stirn. "Werden die jungen Männer nicht beim Bau der Kathedrale fehlen?" fragt er bang. Richard schüttelt seinen Kopf. "Nein, ich habe bei den Juden rekrutiert." sagt er schulterzuckend und nimmt Martin und Philips Bierkrug um auch den in einem Zug zu leeren. Er hält ihn Remigius hin damit der ihn wieder füllen kann. Philip stutzt. "Sind das nicht eher Händler als Krieger?" fragt er erstaunt. Philip hat sich um die jüdischen Händler die sich in Kingsbridge angesiedelt haben nie gross Gedanken gemacht. Überall dort wo Handel getrieben wird kommen die Menschen jüdischen Glaubens und handeln mit. Anderes bleibt ihnen auch kaum übrig da sie nicht gleichberechtigt sind und ihnen die meisten Berufe verwehrt bleiben. Erst wenn eine jüdische Gemeinde grösser wird kommen gelehrte, Rabbiner um die Kinder zu unterrichten und eventuell noch Ärzte um die Kranken zu versorgen. Doch bisher ist die jüdische Gemeinde in ihrer Stadt eher klein. Ein oder zwei Familien so weit Philip weiss. Richard grinst. "Scholomon, David, Josiah, Noah und Moses werden bestimmt gute Kämpfer." sagt er selbstzufrieden. Die Söhne der Händler haben alle vorhin mit ihm geredet und Richard hat sie gerne in seine Truppe aufgenommen. Martin schaut Richard zweifelnd an. Scholomon soll doch bald die Geschäfte seines Vaters übernehmen und David hat immer davon geträumt ein Rabbiner zu werden. Er studiert fleissig die Torah und Josiah hat immer davon geträumt einmal die Welt zu bereisen. Noah und Moses sind doch noch viel zu jung!" Philip wundert sich woher sein Freund die jungen Männer kennt. Er fragt ihn darum unumwunden: "Woher kennst du sie?" Martin lacht. Die Familien wohnen doch schon seit dem letzten Winter hier." erklärt Martin fröhlich. "Ich war schon das ein oder andere Mal bei ihnen zu Gast als ein Familienmitglied krank war oder eine Geburt anstand." Nun staunt Philip und die Brüder ziehen die Luft ein. "Du gehst zu den Heiden?" fragt Matthias verwundert. Martin zuckt mit den Schultern. "Ja, warum nicht?" fragt er unschuldig. Philip will ihm sofort widersprechen. Doch er hält inne als er Luft geholt hat. Sein Blick wird nachdenklich. "Warum eigentlich nicht?" fragt er mehr sich selbst als die anderen. Remigius gibt prompt eine Antwort: "Weil sie Heiden sind und unseren Herrn Jesus verraten haben. Nirgends werden Juden geduldet, geschweige denn von christlichen Ärzten behandelt." sagt er und er schaut Martin und Philip böse an. Martin schaut erstaunt. "Aber wieso das denn?" fragt er prompt. "Philip streichelt seinem Freund den Rücken und er erklärt ihm wieso diese Menschen von allen anderen verachtet werden. Martin hört sich die Erklärung an und dann fragt er: "Meint ihr nicht dass wir langsam damit aufhören sollten?" Nun ist es an den Brüdern erstaunt zu gucken. Nur Philip schaut ihn wohlwollend an und er fordert ihn lächelnd auf seinen Standpunkt darzulegen. "Wenn es wirklich wahr ist was in der Bibel steht dann sind doch die Juden Gottes auserwähltes Volk. Jesus selber war Jude. Er war im Tempel und wurde beschnitten er kannte die heilige Schrift. Und nur weil einige aus dem Volk ihn nicht erkannt haben sollen nun alle nach tausend Jahren noch leiden?" fragt Martin aufgebracht. Remigius knurrt: "Sie erkennen Jesus immer noch nicht! Das gottlose Pack!" Martin schaut Remigius abschätzend an. "Ich habe die Familien kennen gelernt. Sie sind gottesfürchtig!" sagt er bestimmt. Nun schaut selbst Philip erstaunt. Martin erklärt leidenschaftlich wieso er die Familien für gottesfürchtig und durchaus gleichberechtigt hält. Er zitiert die Bibel und legt die Gleichnisse für die Brüder aus. "Wisst ihr, wenn die Juden Gottes auserwähltes Volk sind, dann wird er sie nicht verlassen! Auch dann nicht wenn wir durch Jesus nun auch zu Gottes Kindern gezählt werden dürfen. Kennt ihr das Gleichnis vom verlorenen Sohn? Der Mann der zwei Söhnen hatte, der eine, der auszog, sein Erbe durchbrachte und schliesslich als armer Bettler zum Vater zurückkehrte? Der andere der die ganze Zeit brav beim Vater blieb. Der Vater hatte beide Söhne lieb! Den einen wie den anderen! Er hat ein Fest für den einen gegeben, das heisst aber nicht dass er den anderen nicht genau so geschätzt hat. Die Brüder waren gänzlich unterschiedlich aber der Vater lebt sie einfach beide und macht keinen Unterschied. Wie können wir da unterscheiden und sagen dass wir besser sind als der andere?" Philip lächelt über die Logik seines Freundes. Die Brüder murren etwas allerdings hat Martins leidenschaftliche Rede sie sehr zum Nachdenken gebracht. Remigius schaut Martin mit einer steilen Falte zwischen seinen Augen an: "Wehe dir, kleiner Bruder! Wer in der Kirche denkt wird nicht weit kommen. Pass auf dass deine Worte nicht auf die falschen Ohren treffen, es könnte ein böses Ende mit dir nehmen." Remigius Stirn glättet sich und er wendet sich an Richard: "Bist du dir sicher dass die Jungs kämpfen werden?" Richard nickt. "Na klar! Sie wohnen hier genau so wie alle anderen. Sie haben ihre Familien hier und ihr Hab und Gut. Sie werden ihre Familien und ihre Häuser genau so schützen wie alle anderen Menschen auch, nicht wahr?" Remigius zuckt die Schultern. "Die Juden sind in ganz Europa vernetzt. Gibt es hier ein Progrom dann fliehen sie schneller zu ihren Verwandten als du gucken kannst. Sie verlieren selten all ihr Hab und Gut." Richard trinkt noch einen Schluck weil er darauf nichts zu antworten weiss. Martin sagt bestimmt: "Dann lasst uns zusehen dass in Kingsbridge niemals ein Progrom stattfinden wird!" Philip nickt dazu. "Wenn wir sie besser behandeln als alle Menschen in ganz Europa dann werden sie sicherlich gerne helfen diese Stadt gegen Feinde zu verteidigen."
