Philip redet mit allen Brüdern. Sie gratulieren ihm herzlich zur Wahl.Seinem Besten Freund betraut er sich um das leibliche Wohl von Lute seinem kleinen Jungen zu kümmern: „Matthias kümmer dich bitte darum dass unser kleiner Novize auch mal was isst, sollte er gleich wieder den Küchendienst übernehmen." Matthias lacht und verspricht es Philip."
Matthias schließt seine Küche auf und natürlich steht dort der kleine, dürre, blonde Bub. Er schaut heute nicht so fröhlich wie sonst. Er hat ein aufgeschlagenes Auge und eine dicke Lippe. Matthias kocht mit ihm. Der kleine hackt Holz und stapelt es ordentlich. Er holt das Wasser und putzt das Gemüse. Dann deckt er in Windeseile die Tische ein. Bevor sie das Essen in die Schüsseln verteilen nimmt Matthias einen Teller und schaufelt Essen darauf. „Heute musst du was essen. Das ist ein Befehl von Prior Philip." sagt Matthias und grinst dem Kleinen aufmunternd zu. Der Kleine nickt traurig und nimmt den Teller. Er setzt sich mit hängenden Schultern an den Tisch und isst. Tränen rinnen ihm die Wangen hinunter. Er schluchzt. Doch er isst alles auf. Matthias wundert sich. Wieso ist der Kleine wegen ein bisschen Essen so am Boden zerstört? Matthias kann sich keinen Reim darauf machen. Da er ausser dem kleinen Novizen mal wieder keine andere Hilfe hat, hat er keine Zeit sich um das Seelenheil des stummen Jungen Gedanken zu machen. Der Kummer des Kindes muss warten denn Matthias bereitet die Speise für die Brüder vor.
Derweil ist Philip in das Priorszimmer gegangen. Er hat noch keinerlei persönliche Gegenstände. Die wird er in den nächsten Tagen aus der Enklave holen. Er erinnert sich an den Köcher den ihm sein Junge gegeben hat. Er öffnet ihn und nimmt den Brief heraus. Er ist mit einem ihm unbekannten Wappen versiegelt. Er liest den Brief und versteht ihn nicht. Er liest ihn noch einmal. In dem Brief steht dass der Überbringer des Briefes unbedingt getötet werden müsse weil er ein Dämon sei. Man schlägt vor den Jungen mit vergiftetem Essen heimlich hinzurichten denn wenn man versuchen würde ihm ehrlich den Kopf abzuschlagen würde die Höllenbrut sich vermutlich wehren. Aber die letzte Entscheidung sei ihm, dem Prior von Kingsbridge überlassen denn der Junge gehöre nun ihm.
Philip kann es nicht fassen was er da liest. Dann erinnert er sich dass er Matthias gebeten habe dem Kleinen zu Essen zu geben. Er geht in die Küche. Der Novize sitzt verzweifelt vor dem leeren Teller. Philip setzt sich neben seinen Jungen. Er sagt sanft: „Das Essen ist nicht vergiftet." Er deutet auf das Essen und schüttelt den Kopf. Der Knabe schaut ihn mit seinen traurigen blauen Augen an. Tränen hängen noch in den langen Wimpern. Philip wischt sie ihm sanft weg. Der Bub senkt den Kopf. Philip muss mit dem Kleinen sprechen. Alleine und ohne Matthias als Zeugen. „Komm" sagt er und steht auf. Der Bub folgt ihm. Philip geht mit ihm in die Felder. An einem Wegekreuz lässt er sich nieder. Man hat von hier einen schönen Blick über Kingsbridge. Die Kathedrale liegt an einem gewaltigen Fluss. Eine grosse Brücke aus Holz führt an einer Furt über den Fluss und hier ist das Wasser nicht ganz so reissend. Jeder, der nach London möchte muss hier vorbei damit er den Fluss überqueren kann. An das Kloster drängen sich einige kleine Häuschen und es scheint dort eine kleine Stadt zu entstehen. Philip ist jedoch nicht hier um die Aussicht zu genießen. Der Knabe steht mit gesenktem Kopf vor ihm. „Bitte, setz dich." er klopft mit der Handfläche neben sich auf die Bank. Der Bub hockt sich neben ihn. Philip weiß ja dass der Kleine kein Englisch versteht. Er versucht es trotzdem: „Verstehst du mich?"frage er den Buben ohne jegliche Hoffnung eine vernünftige Antwort zu bekommen. Doch der Junge schaut ihn an und nickt. „Ja. Ich ein wenig verstehe dich." Philip grinst zufrieden. Der Knabe hat also die letzten Tage genutzt um englisch zu lernen. Der klare, reine Klang seiner Stimme geht Philip direkt ins Herz. Der Brief den du mir gegeben hast, wer hat ihn geschrieben?" „Mein Meister." sagt der Bub. „Wer?" fragt Philip verwirrt. „Meister, sagt Liu Tse tu das und Liu Tse tut das." erklärt der Kleine emsig und schaut in Philips Gesicht ob dieser ihn auch versteht. Doch der versteht den Knaben nicht so ganz. „Wer ist dein Meister?" fragt Philip neugierig. Der Junge schaut Philip strahlend an und sagt: „Du! Prior von Kingsbridge." Philip ist verwirrt. „Ich habe den Brief nicht geschrieben." antwortet er erstaunt. Der Bub schüttelt den Kopf. „Alte Meister schreiben, du jetzt neue Meister." Er strahlt Philip glücklich an und nickt ob Philip ihn denn nun verstünde. Dann wird sein Blick ernst: „Du Liu Tse umbringen." sagt er leise aber mit fester Stimme. Philip schaut entsetzt in ein wild entschlossenes Gesicht. „Nein!" sagt Philip perplex doch der Knabe nickt ganz ernst. „Du musst, ich Dämon." Sagt er traurig. Philip schaut ihn erschrocken an. „Du bist doch kein Dämon." sagt er prompt. Der Junge schaut unsicher. „Alle sagen ich Dämon" Philip betrachtet den Jungen lange. Die Augen des Jungen schauen hilflos zurück. Philip fragt sich wo der Kleine wohl herkommt und wer ihm eingeredet hat dass er ein Dämon sei. „Wer sind alle?" fragt Philip sanft. Der Bub zuckt die Schultern. „Alle" antwortet er leise. Philip muss sanft lächeln. „Ich sage nicht dass du ein Dämon bist." sagt Philip fest. Der Junge schaut Philip ernst an. „Was bin ich dann?" fragt er verunsichert. „Mein Novize!" antwortet Philip schnell eher er „Liebling" sagen kann. Denn das ist es woran er denkt seit dem der Kleine spricht. Seine reine, klare, helle Stimme berührt Philips Seele. Der Junge schaut Philip nachdenklich an und nickt dann. „Dein Novize!" sagt er lächelnd. „Wo kommst du her?" fragt Philip. Der Novize zuckt hilflos mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Über dem Meer." sagt er kläglich. Philip nickt. Sein Dialekt ist für Philip nicht identifizierbar. Auch anhand seines Namens erkennt er nicht wo seine Heimat ist. Die Glocke läutet. Philip weiß dass sie ihn zurück in der Abtei erwarten. „Komm, mein Novize!" sagt er und hält ihm seine Hand hin. Der Novize steht auf, legt seine Hand in die von Philip, schaut ihn mit glücklichen Gesicht an und sagt: „Ja, mein Prior!" Sie gehen Hand in Hand zurück. Zwischendurch schaut Philip nach seinem Kleinen der nun so fröhlich neben ihm hergeht. Wenn er zu dem Buben schaut dann sieht er in zwei erleichterte und vor allem dankbare Augen.
