Solch ein schrecklicher Unfall bleibt natürlich nicht unbemerkt. Schnell eilt die Stadtwache zu dem Ort des Geschehens. Richard nimmt die beiden Übeltäter erst einmal fest. Er befürchtet dass die beiden sich durch Flucht der gerechten Strafe entziehen könnten. Und ja, er würde die beiden am liebsten hart bestrafen. Sehr hart. Die Todesstrafe klingt noch zu nett für die beiden. Sie haben Martin getötet, die rechte Hand ihres Priors. Ohne Martin wird Kingsbridge nicht mehr das sein was es ist. Martin ist für die weisen und vorausschauenden Dinge zuständig. Er hat Schafe mit besonders zarter Wolle immer wieder eingekreuzt, so dass die zähen und witterungsbeständigen Schafe nun eine deutlich bessere Wollqualität haben als es die Schafe anderswo haben. Er hat bemerkt dass man mit widerstandsfähigerem Getreide die Menschen sicher satt machen kann. Das leckere aber anfällige Getreide baut er nicht an. Martin berät aber nicht nur die Bauern. Auch die Arbeiten an der Kirche trägt er mit. Er korrigiert Berechnungen und zusammen mit Philip mahnt er stets zur Bescheidenheit. Sie bauen die Kirche nicht ganz so hoch und pompös wie die Baumeister gerne würden, einfach weil eine kleinere Kirche auch eine sichere Kirche bedeutet. Hohe Wände neigen dazu einzustürzen. Philip und Martin halten ihren Markt bewusst kleiner als er sein könnte. Sie handeln hauptsächlich mit Wolle und Lebensmitteln. Andere Wahren, wie etwa Leder, Gerbzeugs oder Eisenwahren muss noch in Shyring erworben werden. Philip betont dass auch die Nachbarn leben müssten. Die halten sich zwar nicht daran und versuchen den Markt von Kingsbridge zu zerstören aber das klappt zum Glück nicht. Kingsbridge hat einfach auch die bessere Lage. Obendrein trainiert Martin mit der Stadtwache. Er hat ihnen seine Kampftechniken gezeigt und die sind revolutionär. Martin verlässt sich nicht auf seine Waffe. Er betont stets dass ein Bogen brechen, ein Schild zerbrechen und ein Schwert verloren gehen könnte. Er sagt dass sein Körper seine beste Waffe sei und dann hat er den erstaunten Männern gezeigt dass er mit seinen Händen oder Füssen Steine und Balken zerschmettern kann. Dass es ein leichtes ist einen bewaffneten Ritter zu besiegen wenn man ihn umwirft. Richard bewundert den kleinen Mönch dem man seine Schlagkraft nicht ansieht. Doch er hat aus ihm und den Männern der Stadtwache eine widerstandsfähige und äusserst disziplinierte Truppe gemacht. Dass er dabei stets bescheiden und liebevoll erscheint macht ihn zu einem geliebten Freund. Dass dieser Freund nun allein aus Rachsucht der Builder Brüder zerschmettert droben im Kloster liegt lässt Richard vor Zorn erbeben. Am liebsten würde er die beiden Brüder ebenfalls zerschmettern, doch das würde Martin nicht wollen. Da ist sich Richard sicher. Der hat nämlich immer gesagt: "Achtet das Leben. Nehmt es nicht voreilig. Das Leben nehmen geht schnell, doch keine Reue gibt es eurem Opfer zurück." Martin war es nie recht wenn die Stadtwache einen Dieb oder Mörder hinrichten wollte. Er hat nie zugelassen dass der Tod als eine Form der Rechtsprechung benutzt wurde. Martin vergibt lieber und schenkt den Verbrechern eine Gute Lebensperspektive. Er schenkt Zukunft anstatt sie zu zerstören. Er hat nicht wenige Verbrecher ins Kloster geholt. Sie arbeiten nun als Laienbrüder und haben ein gutes Auskommen. Richard lässt die beiden Builder Brüder dennoch in den Kerker werfen. Er beschliesst dass Philip das Recht bekommen müsste Gerechtigkeit für seinen Stellvertreter zu fordern.
Im Kloster herrscht helle Aufregung. Nichts ist mehr so wie es sein sollte. Die Brüder sind alle kopflos Weil Martin die Mauer herabgestürzt ist. Wie sollen sie ohne ihren Martin denn denn Alltag bewältigen? Martin ist doch derjenige der immer eine Idee hat wenn mal etwas nicht so klappt wie es sollte. Bruder Matthias ist sich sicher dass die Klostergemeinde sogar auseinanderbrechen könnte. Wenn Martin stirbt dann wird Philip hier nicht mehr glücklich. Dann hat das Kloster gar keine Leitung mehr und ohne fertige Kirche sind sie kein Anlaufpunkt für Pilger oder Gläubige. Es können keine Feste gefeiert werden, keine Visionen verwirklicht werden. Sie werden wieder in den vergessenen Schlaf versinken aus dem Philip und Martin sie einst geholt haben. Misswirtschaft und Fehlplanung werden wieder Alltag und Matthias ist sich sicher dass auch der Hunger und die Not wieder einziehen werden. Irgendwie hat Martin die beiden schmerzlichen Geisseln der Menschheit erfolgreich aus Kingsbridge verjagt. Ausserdem scheinen die Seuchen und Krankheiten einen Bogen um das Kloster und die kleine Stadt zu machen. Reisende, die hier elend ankommen werden nicht selten persönlich von Martin behandelt und wieder her gestellt. Matthias kann heute nicht seinen Aufgaben nach kommen. Er muss in die halb fertige Kirche um Busse zu tun und für Martin zu beten. Remigius leistet ihm dabei Gesellschaft. Er hätte nie gedacht dass er einmal so grosse Angst um den verhassten Knaben haben würde. Als Philip damals hier ankam um ihm seinen Platz streitig zu machen und dann auch noch seinen Liebhaber mit in die Gemeinschaft gebracht hat war Remigius zutiefst verletzt. Er selber durfte sich nicht den Luxus gönnen einen Freund sein Eigen zu nennen. Damals, als er in das Kloster eingetreten war kamen auch Philip und sein Bruder Francis ins Kloster. Die beiden Knaben waren die Lieblinge des Prior James. Sie hatten ihre Eltern verloren und der Prior hat den beiden Jungen persönlich das Leben gerettet. Natürlich hat er seine Schützlinge deshalb besonders geliebt. Doch Remigius Schicksal war nicht minder tragisch, auch wenn er keinen edlen Retter hatte. Er hat sich selbst retten müssen und ihm hat niemand geholfen. Er war auch nur ein paar Jahre älter als die beiden Jungen. Dass darum die Jungen den besonderen Schutz brauchen und er nicht hat er sogar eingesehen und gehofft ähnlich gut vom Prior behandelt zu werden. Doch der hat immer nur die beiden Knaben bevorzugt und Remigius musste sich allein durch die harte Zeit des Erwachsenwerdens quälen. Ständigen Ermahnungen, Züchtigungen und Einschränkungen durch die Mitbrüder ausgesetzt hat sich Remigius dennoch an die jüngeren gehalten. Philip schien sich mühelos den Geboten der Kirche fügen zu können, doch Francis hat genau so oft wie er die Gebote nicht befolgt. Drohten Remigius dafür harte Strafen, so hat der Prior mit dem jüngeren einfach nur geredet. Ihm nicht einmal kleinere Bussen auferlegt und ihn gewähren lassen. James hat die beiden Brüder so bevorzugt dass Philip und Francis so etwas wie Gelehrte wurden. Philip und Francis ist die Gelehrsamkeit und die Studien gleichermaßen leicht von der Hand gegangen. Beide sind helle Köpfe. Wo Remigius sich anstrengen musste um Bücher zu begreifen haben die beiden sie höchstens einmal gelesen und konnten nicht nur den Gedankengängen der Autoren folgen, sondern die Werke auch kritisch betrachten. Beispielsweise wie sehr sie von der Lehre der Kirche abgewichen sind, ob sie überhaupt abgewichen sind, ob dies relevant sei oder nicht. Die beiden haben sich häufig mit dem Prior James theologisch ausgetauscht ohne dass Remigius sich hätte einbringen können. Das Wissen der beiden Jungen hat sein eigenes schnell um Längen geschlagen. Während Philip einem Musterknaben glich hat Francis das Bild eines lebenslustigen jungen Menschen gegeben. Er hat nie einen Hehl darum gemacht dass ihm die Enthaltsamkeit schwer fiel. Philip hat seinen Bruder immer mal ermahnt es nicht zu übertreiben, James schien in den Momenten auf beiden Augen blind und auf beiden Ohren taub zu sein. Bei Remigius dagegen hat James sehr darauf geachtet dass der junge Bruder nicht fehlt. Kaum hat er mal einen Mitbruder etwas zu innig angeschaut, schon musste er zum Beichten. Hat er einmal ein Mädchen geküsst, hat er tagelang büssen müssen. Francis nicht und der ist sogar mit dem Mädchen in die Felder gegangen. Remigius hat diese Ungerechtigkeit gehasst. Vor allem hat er es gehasst dass sich die beiden Brüder, trotz aller Meinungsverschiedenheiten doch so nahe gestanden haben. War einer traurig, wurde er wie selbstverständlich vom anderen getröstet. Hat einer etwas nicht gekonnt, ist der andere ihm hilfreich zur Seite gestanden. Remigius wäre so gerne an Francis Stelle gewesen. Geliebt und geachtet. Doch er schien in der Gemeinschaft unterzugehen, unsichtbar zu sein, wenn er sich nicht gerade Fehltritte erlaubte und damit sämtliche negative Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als Francis sich aus dem Kloster verabschiedete um in die Welt zu ziehen waren alle Brüder traurig und haben ihm nach getrauert. Allen voran Philip. Doch Remigius hat sich gefreut. Endlich war derjenige nicht mehr da mit dem er sich stets heimlich gemessen hat und dessen Brillanz er nie erreicht hat. Endlich war einer der Lieblinge von Prior James weg. Als kurz danach eine der verrottenden Enklaven einen neuen Vorsteher brauchte hat Remigius dafür gesorgt dass Philips Name ins Spiel gebracht wurde. Er ist über seinen Schatten gesprungen und hat James genau das über Phillip erzählt was dieser gerne über seinen Schützling hören wollte, nämlich dass Philip ein guter und frommer Mann ist, der gerecht ist und organisiert ist. Er wäre eine gute Führungspersönlichkeit, hat Remigius damals dem Prior gesagt und heimlich gehofft dass er falsch läge. Als Philip dann wirklich, noch nicht einmal mit Bartwuchs versehen, dann dieser Enklave Vorsteher wurde hat Remigius sich sehr gefreut. Die beiden Brüder waren nicht mehr in seinem Leben vorhanden. Keiner mehr der alles besser wusste, alles besser konnte. Remigius hat nach und nach die Leitung über das Kloster übernommen, vor allem nachdem James im harten Winter erkrankte. Nur leider hat Remigius sich übernommen. Remigius ist mit der Verwaltung nicht gut zurecht gekommen und das Kloster hat viele Missernten hinnehmen müssen. Philips Enklave dagegen hat sich binnen Jahresfrist zu einer selbständigen Enklave gemausert. Philip hat anstatt Nahrung und Güter vom Mutterkloster zu fordern seine Erzeugnisse nach Kingsbridge geschickt. Philips Käse war legendär und die Wolle die sie dort erzeugt haben war damals schon sehr gut. Philip hat seine Mönche die Wolle spinnen lassen und er hat auch Tuch weben lassen. Eigentlich ist das Frauenarbeit, aber die Hände der Mönche haben sich ganz offensichtlich auch dafür geeignet. Die grobe Wolle, aus der heute noch die Kutten der Mönche bestehen sind alle aus Philips ehemaliger Enklave. Wie entsetzt war Remigius als Philip kurz vor James Tod dann doch wieder in Kingsbridge aufgetaucht ist und sich einen neuen engsten Vertrauten mitgebracht hat. Diesen Knaben hat Philip eben so sehr geliebt wie er von James geliebt wurde. Remigius konnte sich anstrengen wie er wollte, gegen diesen Jungen konnte er nicht bestehen. Martin war schnell ein geachtetes Mitglied in der Gemeinschaft. Alle schienen den kleinen Jungen zu mögen. Er war fleissig, hilfsbereit und ein helles Bürschchen. Jeder, der Martin gefragt hat hat von ihm Hilfe bekommen. Selbst Remigius hat seine Aufgaben an den elenden Knirps abtreten können. Martin hat Remigius nie schlecht behandelt, ja er war sogar in den Zeiten als Remigius offen gegen Philip agierte stets freundlich und zuvorkommend zu dem älteren, doch Remigius hat ihn dennoch gehasst. Er hat ihn gehasst weil Philip ihn liebte. Doch zusammen mit Philip hat Martin aus irgendeinem nur ihn bekannten Grund dafür gesorgt dass die Gemeinschaft Remigius beachtet und ehrt. Seit dem er Kellermeister ist ist Remigius so glücklich wie noch nie zuvor. Seine Getränke werden geschätzt und obwohl Philip den Alkohol nicht schätzt lobt er das Gebräu von Remigius in den höchsten Tönen. Seit diesen Tagen fühlt sich Remigius beachtet und er hat sogar einige Mitbrüder die er seine Freunde nennen würde.
Nun beten sie bang einen Rosenkranz nach dem anderen und hoffen dass ein Wunder geschieht und Martin überlebt.
Philip fühlt sich nicht in der Lage zu den Brüdern in die Kirche zu gehen um ihnen von Martin zu berichten. Martin lebt zwar aber er liegt mit zerschmetterten Gliedern in der Krankenstube. Der Medicus war gar nicht begeistert dass die Kräuterfrau zu ihm geeilt ist und ihm zur Seite stehen wollte. Empört wollte er sie weg schicken. Doch Philip hat ihn gebeten sich auf die Hilfe von Ellen einzulassen. "Sie ist nicht einmal eine besonders gläubige Frau, sie kritisiert die Kirche wo sie nur kann!" sträubt sich der Medikus. Philip schaut unglücklich. "Ihre Frömmigkeit steht gerade nicht zur Debatte. Sie kennt sich gut mit Kräutern aus und hat Martin ausgebildet. Du hast mehr als einmal seine Fähigkeiten Medizin herzustellen gelobt. Hier ist seine Lehrerin und ich bitte dich ihre Ideen zuzulassen." Philip ist verzweifelt. Was wenn es den beiden nicht gelingt Martin zu heilen?
