Teil 76

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Nach der festlichen Einweihung kehrt langsam der Alltag in das Kloster ein. Der Bischof ist abgereist ohne Philip ins Exil zu schicken und ohne ihm irgendeine Busse aufzuerlegen.
Der König ist abgereist, nur die Königin und ihr Hofstaat ist geblieben. Sie bewohnen das Gästehaus bis der Thronfolger geboren sein wird. Ellen und Martin kümmern sich höchstpersönlich um die hochwohlgeborene Dame. Ellen indem sie ihre Hoheit untersucht und ihr von der Schwangerschaft erzählt, Martin indem er ihr vorliest und für sie singt. Die Königin liebt wie jeder andere Mensch in Kingsbridge Martins Gesang. Dass der zart gebaute Mönch ihr privat vorsingt entzückt sie sehr. Am liebsten würde sie den knabenhaften Mann mit in ihr Schloss nehmen. Doch Martin lehnt dies kategorisch ab. Er will Kingsbridge auf gar keinen Fall verlassen. Die Königin lässt nicht davon ab den jungen Mann zu bedrängen. Martin ist das Werben der Königin unangenehm. Darum geht er ihr bald aus dem Weg. Er ist froh die Hochzeit für Aliena und Jake vorbereiten zu können. Gemeinsam mit Philip plant er nicht nur den feierlichen Gottesdienst sondern auch das Fest im Anschluss. Als Adlige kann Aliena nicht einfach nur so heiraten. Das Fest wird groß und Aliena lädt alle von Rang und Namen ein. Nur die Herren von Shyring lässt sie außen vor. Ansonsten kommt der Adel von nah und fern. Selbst König Stefan hat versprochen zu Alienas Trauung zu erscheinen. Insgeheim hofft er dass dann sein Sohn auf der Welt ist und seine Frau wieder mit zurück nach London reist. Die Königin ist missmutig dass ausgerechnet ihre beiden engsten Vertrauten aus Kingsbridge sich so rar machen. Anne tröstet die enttäuschte Herrscherin indem sie ihr erklärt dass Ellen als Mutter des Bräutigams und Martin als dessen engster Freund nun einmal in die Festvorbereitungen involviert werden müssen. „Ich bin mir sicher dass ihr es versteht. Spätestens wenn euer eigener Sohn heiraten wird werdet ihr euch daran erinnern und Ellen etwas gütiger und mit mehr Wohlwollen begegnen. Sie liebt ihren Sohn und möchte ihm das Fest so schön wie möglich gestalten." erklärt Anne. Die Königin ist nicht zufrieden dass sie nun nicht mehr die wichtigste Person für die beiden ist. Wütend geht sie in den Kreuzgang um sich beim Prior über die Situation zu beschweren. Den trifft sie im Garten wie er mit einem Novizen die Erdbeeren pflückt. Sie sammeln die köstlichen Früchte behutsam und die leckersten füttern sie sich gegenseitig. Das Bild das die beiden abgeben spricht von inniger Vertrautheit und großer Verbundenheit. Der Prior schaut den Novizen wohlwollend und liebevoll an. Diese beiden Liebenden möchte die Königin nicht in ihrem Tun stören. Missmutig und unverrichteter Dinge geht sie den Kreuzgang zurück. Ihr Weg hat kein Ziel. So schlendert sie mal hierhin und mal dorthin. Überall wimmeln die Ordensbrüder um sie herum. Jeder scheint geschäftig zu sein. Ganz genau so strebsam geht es nebenan bei den Ordensschwestern auch zu. Auch da arbeitet jede von früh bis spät. Da sich die Königin nach etwas Ruhe sehnt betritt sie die Kirche. In der Kirche sieht sie den Prior der eben noch im Garten die Beeren gelesen hat am Altar stehen und zusammen mit Tom Builder etwas besprechen. Die Königin wundert sich bis ihr einfällt dass der Prior ja einen Bruder in seinem Orden hat der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Ihr Gatte ist einst auch auf die beiden hereingefallen. Der Mönch im Garten muss also Francis gewesen sein, der ehemalige Vertraute von ihrem Gatten. Der ihrem verstorben Sohn das Lesen beigebracht hatte. Die Königin ist heilfroh nicht dem falschen Mann ihr Leid geklagt zu haben. Nun wartet sie bis die Männer ihr Gespräch beendet haben um zu Philip zu gehen um sich über die Abwesenheit Martins zu beschweren. Der soll gefälligst gute Argumente vorweisen warum er sich so rar macht. Doch ehe die Männer ihre Unterhaltung beendet haben wird die Tür geöffnet und ein Junge in offensichtlich heidnischer Kleidung tritt ein. Er ruft, nein er schreit nach Prior Philip: „Prior Philip, sir! Martin schickt nach euch. Er ist beim Rabbi und er braucht eure Hilfe! Schnell, beeilt euch!" kreischt der Junge in Panik und in der riesigen Kirche hallen seine Worte laut von den Wänden. Die Königin ist außer sich dass ein heidnischer Knabe die Kirche betritt. In ihrem Gerechtigkeitssinn geht das gar nicht. Ohne wirklich darüber nachzudenken rennt Philip los. Er saust zu dem Kind und er fragt atemlos: „Was ist passiert?" Der Junge ringt nach Luft aber er japst: „Unser Haus.... Brennt ...und...ist eingestürzt...und ....Bruder Martin ...liegt unter den Trümmern ....begraben!" Philip schreit nach Tom. Doch er wartet gar nicht bis der große und starke Baumeister sich in Bewegung setzt. Philip nimmt seine Beine in die Hand und er rennt in die Stadt um Martin zu helfen. Philip sieht das Feuer schon als er den Berg zur Stadt hinunterstürmt. Nun gibt er erst recht Fersengeld. Japsend kommt er bei den brennenden Haus an. Einige wenige Menschen versuchen mit Wassereimern den Brand zu löschen doch die meisten Menschen stehen untätig herum. „Los, bildet Ketten! Löscht den Brand bevor er sich ausbreitet!" ruft Philip und er schnappt sich einen Eimer um beim Löschen zu helfen. Tom kommt kurze Zeit später mit Alfred, Jake und Johann zu dem Schauplatz. Inzwischen funktioniert die Wasserkette und emsig wird ein Kübel nach dem nächsten in das Feuer gekippt. Am Rande schreien ein paar hysterische Frauen. Als das Feuer so weit gelöscht ist kümmert sich Philip um die untröstlichen. „Warum weint ihr? Was ist geschehen?" fragt er die Frauen. Die jammern und ringen ihre Hände. Erst der kleine Bote kann Philip verraten was geschehen ist. „Dies ist das Haus unseres Rabbis. Es hat aus einmal Feuer gefangen. Unser Rabbi ist hinein gerannt um die Thora zu retten. Martin ist ihm hinterher gegangen und kurz darauf ist das Haus zusammengebrochen." Der Junge weint bittere Tränen. Philip weiß dass er einer der Enkel des alten Rabbiners ist. Sein ältester Bruder dient bei der Stadtwache. Philip geht zu dem Haus und er fragt Tom: „Wie entfernen wir am besten die Balken so dass wir die beiden Männer befreien können?" Tom kratzt sich den Bart. Er schaut das Haus mit prüfendem Blick an. Es ist ein einfaches Holzhaus. Da es nicht nur zusammengestürzt, sondern auch in weiten Teilen abgebrannt ist hat Tom wenig Hoffnung die beiden Männer lebend zu bergen. Das brummt er nun auch leise vor sich hin. „Meinst du wirklich dass da drunter jemand lebt?" Philip nickt selbstbewusst. „Ja, Martin lebt, das fühle ich." sagt er im Inbrunst der Überzeugung. Inzwischen ist die halbe Stadt an der Unglücksstelle angekommen. Sogar die Königin hatte nichts besseres zu tun als sich davon zu überzeugen dass der Grund dafür dass Philip sie so schändlich hat stehen lassen. Als sie erfährt dass ihr Lieblingsmönch in den Trümmern des Hauses begraben liegt bekommt sie einen gehörigen Schrecken. Sie ist sich sicher dass der kleine und freundliche Mann das nicht überlebt haben kann. Betrübt schaut sie vom Rand aus zu wie die Männer die zum Teil immer noch glimmenden Balken zur Seite räumen. Tom und seine Söhne arbeiten ruhig und mit Bedacht. Sie sind nicht allein, etliche Männer helfen ihnen die beiden Verschütteten auszugraben. Der Medicus hat einige Novizen beauftragt mit Bahren zu der Unglücksstelle zu gehen, sie werden die Verletzten zum Kloster hinauf tragen. Schon bald haben Tom und seine Helfer das ehemalige Dach abgetragen. Philip sieht Martins Flügel durch die verkohlten Balken leuchten. Sein Freund scheint sich an den Kamin geflüchtet zu haben. Er kauert an dem steinernen Bauwerk. Als die Balken weg sind da hebt Martin seinen Kopf. Sein Gesicht ist russverschmiert aber er kann sprechen. „Philip, Gott sei Dank dass du da bist! Hilf mir Rebbe Scholomon zu retten. Er ist ohnmächtig geworden." sagt Martin mit leiser Stimme. Philip kraxelt in die Ruine und er hilft seinem Freund aufzustehen und den verletzten Rabbiner aus den Trümmern zu bergen. Die Frauen jammern und Wehklagen nun noch lauter. Martin und Philip legen den alten Mann vorsichtig auf eine Bahre. Philip möchte dem alten die Schriftrolle aus den Händen nehmen doch Martin hält Philips Hände fest. „Fass die Thora nicht an!" sagt er sanft aber bestimmt. „Sie ist heilig, du darfst sie nicht berühren." Philip staunt Martin an. Er weiß nicht wieso Martin so etwas weiß. Doch er lässt dem Alten sein Schriftstück und gemeinsam mit den Novizen bringen sie den Rabbiner hoch zum Medicus. Dem kleinen Burschen der ihn zum Unglücksort gerufen hat gibt er den Auftrag einen der Söhne des Rabbiners zu holen. Der Bub nickt und er huscht durch die engen Gassen davon. Philip will unterwegs bestimmt hundert mal wissen ob seinem Engel auch wirklich kein Leid widerfahren ist. „Hast du dir nicht weh gemacht? Hast du keine Schmerzen?" fragt er in schier unzähligen Varianten seinen Liebling. „Philip, du weißt dass mich Feuer nicht versengt." sagt Martin sanft. „Aber die Balken hätten dich zerschmettern können." sagt Philip ängstlich. Martin lächelt Philip zu. „Meine Flügel halten selbst Kirchendächern stand. Das weisst du doch." gibt er zart zu bedenken. Philip verzieht sein Gesicht voller Pein als er sich an das Inferno zurückerinnert in das er vor etlichen Jahren geraten war als ihre alte Kirche lichterloh abbrannte. Er war so lebensmüde gewesen in die brennende Kirche zu stürmen um den größten Schatz zu bergen den das Gotteshaus enthielt. Gäbe es nicht seinen Engel so wäre er damals umgekommen. Und ja, Philip kann sich noch gut an die brennenden Deckenbalken erinnern die Martin mit seinen Flügeln abgefangen hat. Unter Martins Fittichen war Philip wohl geborgen. „Woher wusstest du dass der Rabbi in dem Haus ist?" fragt Philip nun interessiert. Martin zuckt mit seinen Schultern. „Der Rabbi ist in das brennende Haus gegangen um die Thora zu retten." erklärt Martin. Philip stöhnt. „Wie kann dieser alte Narr in ein brennendes Haus gehen um ein Buch zu retten?!?" fragt er entsetzt. Martin legt ihm lächelnd eine Hand auf den Arm. „Ich kann mich noch sehr gut an einen jungen Narren erinnern der in ein brennendes Haus gegangen ist um die Heiligtümer zu retten." sagt Martin und schaut Philip liebevoll an. Philip schnaubt durch die Nase. „Das ist was anders. Ich hab ne Reliquie retten wollen, kein Buch." Martin schüttelt seinen Kopf. Für Rabbi Scholomon ist das Wort Gottes genau so heilig wie für dich die Reliquie. Sieh es ihm nach dass er bereit war sein Leben dafür zu geben. Er glaubt daran." Philip gehen fast die Augen über. Er muss das gehörte erst verdauen. Als sie endlich beim Medicus ankommen weiß Philip dass er und der alte Mann viel gemeinsam haben. Nicht zuletzt dass sie der gleiche Engel vor dem Flammentod bewahrt hat. Philip selbst hilft Lukas und Martin den alten Mann zu heilen. Francis kommt kurz nach Ankunft mit dem Sohn des Rabbiners in die Krankenstube. Martin begrüßt den jungen Mann freundlich und er bittet ihn die Thora in Empfang zu nehmen die sein Vater aus den Flammen gerettet hat. Jona, so heißt der junge Mann, nimmt ehrfürchtig die Heilige Schrift und er wickelt sie bedächtig in seinen Mantel. „Wie kommt es dass sie von den Flammen nicht berührt wurde und kein bisschen verkohlt ist?" wundert er sich. „Dein Vater hat sie mit seinem Leib beschützt." sagt Martin sanft. In dem Moment räuspert sich der Alte. „Und ein Engel hat mich mit seinem Leib und seinen Flügeln beschützt." erklärt er mit krächzender Stimme. Bang greift er sich an die Brust weil der Schmerz darin schier unglaublich ist. Er raubt ihm fast die Luft zum Atmen. Jona lacht ungläubig auf. „Was sagst du da Vater?" fragt er nach. „Martin ist ein Engel, er hat mir mein Leben gerettet." sagt der alte Rabbiner und er schaut dankbar zu dem Engel. Martin lächelt den alten Mann an. Da bemerkt er dass mit dem Alten etwas ganz und gar nicht stimmt. Jona sagt erstaunt: „Aber Vater, Martin ist ein Mönch, kein Engel." Just in diesem Augenblick entfaltet Martin seine Flügel. Die Krankenstube leuchtet in himmlischen Glanz. Martin segnet den alten Mann so dass dessen Blessuren und Leiden verschwinden. Jona steht staunend neben dem Engel. „Ihr seid wirklich ein echter Engel?" fragt Jona mit ergriffener Stimme. Er fällt regelrecht auf seine Knie und drückt die in seinen Mantel gewickelte Thora eng an sich. Er berührt mit einer Hand den Saum von Martins Gewand. Ganz warm ist Martins Kutte und Jona merkt wie die Kraft die von Martin ausgeht auch in ihn fließt. Philip bemerkt was Jona da tut und er hebt den Mann ganz sachte vom Boden auf. Auch Philip merkt den Segen der so mächtig von seinem Engel ausgeht und der gerade Jona entsetzt. Doch im Gegensatz zu Jona fühlt sich Philip nicht entsetzt sondern geliebt. Der warme und mächtige Segen liebkost Philip so dass er ganz rot um die Ohren wird und sein Herz kräftig gegen seine Brust klopft. Lächelnd staunt Philip seinen Engel an. Selbst die Kehrseite liebt Philip mit jeder Faser seines Herzens und er hat das Gefühl sich an dieser Herrlichkeit kaum sattsehen zu können. Mit dieser Empfindung ist er allein. Lukas hält seine Augen geschlossen und würde er nicht gebraucht um den alten Rabbiner festzuhalten während Martin dessen Knochen heilt dann würdet er sich am liebsten Platz auf den Bauch schmeißen und sein Gesicht verstecken. Martin erkennt wie sich die Menschen um ihn herum fühlen. Doch sein Segen hat Scholomon schon fast vollständig geheilt so dass er jetzt nicht mehr Philip und Lukas die Plätze tauschen lassen muss. Philip tröstet sanft den aufgelösten Jona und Lukas reißt sich zusammen. Er hat die Herrlichkeit von Martin ja nicht zum ersten Mal erblickt. Als Scholomon so weit wieder her gestellt ist klappt Martin seine Flügel wieder ein. Dabei berührt in sanft Philip mit seiner Hand. Beschenkt staunt er seinen Engel an. Noch während Philip andächtig durch Martins Federn streichelt seufzt er: „Du bist so schön!" Martin dreht sich zu seinem Freund um und er lächelt ihm beschenkt zu. Errötend neigt er seinen Kopf und dann schließt er endgültig seine Schwingen. Philip legt Martin beschenkt seinen Arm um die Schultern und er gibt seinem Freund einen Kuss. Der Moment an dem er Martins Federn berühren durfte war zu innig als dass er nun seine Finger bei sich behalten könnte. Martin schaut verliebt zu Philip und dann ist der magische Moment, zumindest für die umherstehenden, vorbei. Das warme Leuchten ist verschwunden. Philip schaut zu Scholomon und er fragt: „Wie geht es ihm?" Lukas kniet sich vor das Bett und er klopft dem Alten gegen die Wangen. „Aufwachen!" sagt er sanft und der alte Mann öffnet tatsächlich seine Augen. „Was habt ihr mit mir gemacht?" fragt Scholomon erstaunt. Er greift an seine Brust aber der Schmerz ist weg. Selbst seine alterswehwehchen scheinen verschwunden. Scholomon fühlt sich wie neu geboren. Erstaunt schaut der zu dem Prior. „Was habt ihr mit mir gemacht?" fragt er entsetzt. „Martin hat dich in dem brennenden Haus beschützt und dich anschließend gesegnet." erklärt Philip gut gelaunt.  Scholomon staunt ungläubig Martin an. „Bist du.." Martin nickt grinsend. „Ja, er ist ein Engel." sagt Philip und zieht Martin eng an sich. Philip ist etwas eifersüchtig auf den alten Mann. War doch bisher er der einzige der in den Genuss gekommen war Martins ganze Herrlichkeit erblickt zu haben und von ihm aus dem Feuer gerettet worden zu sein. Doch nun hat Martin entschieden auch diesen netten alten Mann zu retten. Philip mag es nicht zugeben aber diese Tatsache sticht gewaltig in sein Herz. Er hätte Martin lieber nur für sich. „Habt ihr, ähm, hast du, äh, meinen Vater getauft?" fragt Jona ängstlich. Martin schaut verdattert und Philip antwortet für ihn. „Nein, Martin hat deinen Vater nicht getauft. Dazu bräuchte er Wasser. Er hat ihn lediglich geheilt und da die Verletzungen doch sehr schlimm waren, als Engel gesegnet. Martin hat die Gabe auf diese Weise Kranke zu heilen." erklärt Philip dem aufgebrachten Jona. „Warum habt ihr das getan?" fragt Jona fast wütend. Martin schaut Jona betroffen an. Er bekommt vor lauter Schreck keinen Ton heraus. Philip krault ihm beruhigend den Nacken und er antwortet an Martins statt: „Weil er es kann. Martin war vorhin bei Rabbi Scholomons Haus und er hat mitbekommen dass dein Vater in das brennende Haus gegangen ist um euer Heimigtum zu retten. Martin weiß dass er das Feuer nicht zu fürchten braucht. Er hat deinen Vater in den Flammen beschützt und vor den schweren Balken unter denen sie beide begraben lagen. Als wir die beiden ausgebuddelt haben war dein Vater leider doch schwer verletzt. Martin hat aber deinen Vater nicht gerettet um ihn dann doch seinem Schicksal zu überlassen. Er kann heilen und das hat er dann halt getan. Wo ist dein Problem?" zischt Philip nun fast weil Jona immer noch sehr feindselig guckt. Jona will gerade mit bösen Gesicht zur Antwort angeben da setzt sich sein Vater auf und er sagt laut: „Danke, Bruder Martin!" Jona verstummt und Martin bekommt sein Lächeln zurück. Hat er sich bis eben verschreckt an seinen Prior gekrallt so wendet er sich nun wieder an den alten Mann. Er geht vor ihm in die Knie und er nimmt den Dank freudig entgegen. „Es gefällt mir Euch gesund und munter zu sehen!" erklärt Martin fröhlich. Dann hilft Philip dem Rabbi aufzustehen. Martin erhebt sich ebenfalls. Der Rabbi hebt seine Arme und er segnet die beiden frommen Kirchenmänner. Philip und Martin senken ihre Häupter und sie nehmen den Segen an. Sowohl Jona als auch Lukas schnappen vor Empörung nach Luft. „Aber Vater!" rufen beide gleichermaßen aufgebracht. Doch der Rabbi spricht seinen Segen in aller Seelenruhe. Als er fertig ist dreht er sich zu seinem Sohn um. „Jona, mein Junge, was lamentierst du wie ein alter Esel?" Jona schaut seinen Vater an als sei der übergeschnappt. „Du segnest einfach so die Männer die nicht zum auserwählten Volk gehören? Was fällt dir ein?" Rabbi Scholomon lacht. „Eben hast du dich beschwert dass sie mich segneten, nun bist du unzufrieden dass ich sie segne. Doch ich wollte gleiches mit gleichem vergelten. Sie haben den Segen ihres Gottes auf mich fließen lassen und dafür haben sie nun den Segen meines Gottes bekommen. Es ist doch nichts schlimmes passiert. Lukas murrt ebenso wie Jona. „Es ist schon schlimm wenn wir die Ungläubigen heilen. Warum müssen sie euch segnen?" fragt er verständnislos. Philip schaut Lukas forschend an und Lukas denkt seinen Blick. Er ist Arzt, kein Theologe. „Segen ist immer gut und sich mit den anderen zu verstehen halte ich persönlich für deutlich angebrachter als sich mit ihnen zu zanken." erklärt Philip. Lukas nickt einlenkend. „Das musst du entscheiden, Prior." sagt er zaghaft. Philip nickt und auch Jona findet die Erklärung besser als wenn er sich einen Feind gegenüber er finden würde.

PhilipWo Geschichten leben. Entdecke jetzt