time to make it official

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H A R P E R

Angeblich brauchte der Mensch 21 Tage, um sich eine neue Gewohnheit anzueignen. Ich hatte jedoch nur ein paar Formel 1 Rennen gebraucht und jetzt fühlte es sich längst selbstverständlich an, sonntags bei Lauren auf der Couch zu sitzen und Daniel anzufeuern.

Theo, der neben mir saß, schien nicht mehr ganz so angespannt wie beim letzten Mal, weil er jetzt schon ungefähr wusste, was auf ihn zukam. Ich dagegen war genauso nervös wie immer und betete einfach nur, dass das Rennen für alle sicher ausging.

Daniel startete von P5, es war also noch so ziemlich alles drin für ihn und das war auch den Kommentatoren bewusst.
"Während die Fahrer ihre Reifen auf Temperatur bringen, lass uns doch nochmal über den Sieger des letzten Rennens sprechen. Daniel Ricciardo startet heute als Fünfter, das ist durchaus eine gute Ausgangsposition."

"Absolut, die Voraussetzungen sind wirklich gut. Mit dem Selbstvertrauen vom Sieg letzte Woche und, wie wir ja seit ein paar Tagen auch offiziell von ihm wissen, der Unterstützung seiner Freundin Harper Sanders, kann da heute eigentlich nichts mehr schief gehen."

Ich spürte Laurens und Theos überraschte Blicke auf mir und musste ein wenig grinsen.

"Ihr habt es öffentlich gemacht?"

Ich presste die Lippen aufeinander und nickte.
"Ja. Es gab sowieso Fotos und Gerüchte und so müssen wir uns nicht weiter verstecken."

Theo legte mir stolz lächelnd die Hand auf den Arm und drückte kurz zu.
"Ich freu mich für euch. Das war ein großer Schritt."

Ich nickte zustimmend.
"Ja, war es. Aber es war richtig und dieses Mal hab ich mir fest vorgenommen, die Kommentare im Internet einfach nicht zu lesen."

"Recht hast du", stimmte Lauren mir zu, dann hatten sich alle Autos in der Startaufstellung eingefunden und wir richteten unsere Konzentration auf das Rennen.

~~~

Daniel wurde Achter, was alles in allem betrachtet ein sehr gutes Ergebnis war, weil ihn ein schiefgegangener Boxenstop zwischendurch extrem weit nach hinten geworfen hatte.
Nach dem Rennen und der Siegerehrung schickte ich Theo und Elliott schonmal rüber in die Wohnung, um noch allein mit Lauren sprechen zu können, denn ich wollte ihr selbst von den Umzugsplänen erzählen.

Erst räumten wir gemeinsam die benutzten Gläser weg, dann setzte ich mich wieder auf die Couch und klopfte auffordernd neben mich.
"Komm bitte nochmal her."

Lauren tat, worum ich sie gebeten hatte, und sah mich fragend an.
"Was ist los?"

"Ich... ich wollte dir noch was erzählen. Dass Daniel und ich die Beziehung öffentlich gemacht haben, waren noch nicht alle Neuigkeiten, die wir haben. Wie du weißt, hab ich mich an vielen Stellen beworben und ich habe eine Zusage von einer Firma in Woking bekommen."

Überrascht starrte sie mich an.
"Woking? Da wo McLaren seinen Hauptsitz hat?"

Ich nickte.
"Genau. Daniels Chef hat uns auf die Stelle aufmerksam gemacht und sie ist perfekt. Am 15.11. fange ich dort an."

"Aber ist die ständige Fahrerei dorthin nicht auf Dauer ziemlich ätzend?"

Ich seufzte leise und nickte erneut.
"Deswegen werden wir nach Woking ziehen. Daniel und ich schauen seit wir von der Zusage wissen nach Wohnungen dort und Theo wird in eine WG in London ziehen, die näher an seiner Schule und seiner zukünftigen Uni liegt. Für Elliott haben wir dort auch schon eine Grundschule gefunden, in die er nach den Weihnachtsferien wechseln wird, falls wir bis dahin eine Wohnung gefunden haben."

Traurig sah Lauren mich an und ich sah ein paar Tränen in ihren Augen glänzen.
"Ihr lasst mich hier also ganz allein zurück. Nein, kleiner Scherz, ich freu mich für euch.
Für dich und Daniel, dass es bei euch so gut läuft und für Theo, dass er ein Stück weit mehr Selbstständigkeit bekommt, nachdem er unter euren Eltern so gelitten hat. Und Elliott wird es in Woking sicher auch gut gefallen und ich zweifle keine Sekunde daran, dass er schon am ersten Schultag neue Freunde findet.
Wirklich, ich bin richtig glücklich, dass ihr diesen Schritt macht.
Aber ich bin auch traurig, dass wir dann keine Nachbarn mehr sind. Ihr werdet mir alle so wahnsinnig fehlen."

Sie wischte sich eine Träne weg und ich spürte, wie sich auch aus meinem Augenwinkel ein salziger Tropfen löste, der sich seinen Weg zu meinem Kinn suchte.

"Ich werde dir niemals genug für alles danken können, was du für uns getan hast, Lauren. Du hast dich so oft um Elliott gekümmert und mir unter die Arme gegriffen, dich um mich gesorgt, mir den Arzttermin verschafft und noch so vieles mehr.
Und ich bestehe darauf, dass du uns ganz oft besuchen kommst und dass wir schreiben und telefonieren. Bei meinem neuen Job werde ich bestimmt geregeltere Arbeitszeiten haben und nicht so viele Akten mit nach Hause nehmen müssen, dann können wir uns auch mal an den Wochenenden treffen und irgendwas unternehmen."

Lächelnd und zugleich weinend nickte Lauren, dann zog sie mich in eine feste Umarmung, die ich gerne erwiderte.

"Du wirst mir fehlen, Harper. Aber ich bin so stolz darauf, wie mutig du bist und dass du diesen Schritt gehst", sie löste sich von mir und sah mich liebevoll an, "Bitte versprich mir, dass du auf dich aufpasst. Dass du weiterhin so viel lächelst und so offen bleibst, wie du es in den letzten Monaten geworden bist. Finde neue Freunde dort, zögere nicht so lange damit, jemandem zu vertrauen. In den meisten Menschen steckt etwas Gutes, man muss es nur bei manchen länger suchen als bei anderen."

Ich musste lächeln.
"So wie du bei mir eine Weile suchen musstest?"

Jetzt lächelte auch Lauren und nickte amüsiert.
"Ja, genau. Weißt du noch, als ihr hergezogen seid? Deine Miene war wie in Stein gemeißelt und du hast es vermieden mehr Zeit als nötig mit mir zu verbringen. Und du hast dich wirklich so lange wie möglich dagegen gewehrt, mich um Hilfe mit Elliott zu bitten."

Diese Worte entlockten mir ein kurzes Lachen, denn Lauren hatte Recht. In den ersten Monaten war ich von einem Ort zum anderen gehetzt, hier Elliott, dort die Arbeit, da noch irgendwas mit dem Vermieter.

Es war mir eigentlich alles zu viel gewesen, aber ich hatte niemandem genug vertraut, um ihn oder sie ihn Elliotts Nähe zu lassen.
Bis er diese Entscheidung selbst getroffen hatte, indem er einfach mal bei Lauren geklingelt und ihr gesagt hatte, dass sie nett aussah und ob sie Lust hätte, etwas mit ihm zu spielen.
In dieser Hinsicht war mein Sohn schon immer schneller gewesen als ich, und letztendlich hatte sich das als Segen herausgestellt, denn Lauren war meine erste richtige Freundin seit Jahren gewesen und ich war unheimlich dankbar für sie.

Wegzuziehen und sie hier zu wissen, würde nicht einfach werden, aber ich wusste, dass wir trotzdem Freundinnen bleiben würden. Irgendwie spürte ich, dass uns beiden diese Freundschaft zu wichtig war, um sie nur wegen eines Umzugs verblassen zu lassen.
Ja, Lauren war hartnäckig geblieben und hatte lange nach dem Guten in mir gesucht und letztendlich hatte sie es gefunden.
Ich verdankte ihr so vieles und das würde ich niemals vergessen.

Melt My Ice, Sunnyboy (Daniel Ricciardo FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt