H A R P E R
Ich hatte erwartet, dass der Flug nach Australien mir alle Nerven rauben und unfassbar anstrengend werden würde, aber das Gegenteil war der Fall.
Elliott war entweder damit beschäftigt mit Augen so groß wie Untertassen aus dem Fenster zu schauen und aufgeregt aufzuzählen, worauf er sich schon alles freute, oder er schlief und gönnte uns anderen etwas Ruhe.
Theo verbrachte den Großteil der Zeit mit Kopfhörern auf den Ohren, spielte aber zwischendurch auch immer mal wieder mit Elliott und mir Karten oder hatte ein offenes Auge auf seinen Neffen, wenn ich mal schlafen wollte.
Und dann, bevor wir uns versahen, landeten wir in Perth. Die klimatisierte Luft im Flugzeuginneren wich einer schier erdrückenden Hitze, sobald wir die Maschine verlassen hatten, und obwohl ich mich extra luftig angezogen hatte, begann ich sofort zu schwitzen.
Ein erleichtertes Seufzen verließ meine Lippen, als wir nach einem kurzen Fußmarsch das Flughafengebäude erreichten, das Gott sei Dank auch klimatisiert war.
Während Theo kurz mit Elliott nach einer Toilette suchte, machte ich unser Gepäckband ausfindig und stellte mich zusammen mit all den anderen Passagieren drumherum auf. Nach etwa zwanzig Minuten setzte sich das Band dann endlich in Bewegung und weitere fünf Minuten später kamen die ersten Gepäckstücke zum Vorschein.
Unsere Koffer waren zu meiner grenzenlosen Erleichterung relativ früh dabei und so konnten wir schon bald mit all unserem Gepäck auf den Ausgang des Gebäudes zusteuern.
Sobald sich die automatische Schiebetür öffnete, schlug uns eine Welle heißer Luft entgegen, aber die war schnell vergessen, als ich eine bekannte Stimme hörte.
"Harper! Elliott! Theo! Hier drüben!"
Suchend schaute ich mich um, dann entdeckte ich Daniel und begann automatisch zu lächeln. Entgegen aller Vernunft drückte ich Theo meinen Koffer in die Hand und ließ meinen Rucksack von meiner Schulter rutschen, dann rannte ich zu meinem Freund und schmiss mich in seine Arme, die mir so gefehlt hatten.
Sein angenehm vertrauter Duft erreichte meine Nase und gab mir sofort das Gefühl zu Hause zu sein. Daniel legte liebevoll seine Hände auf meine Wangen und küsste mich so leidenschaftlich, das meine Knie ganz weich wurden. Viel zu schnell löste er sich wieder von mir und griff nach meiner Hand, um unsere Finger miteinander zu verschränken.
Gemeinsam steuerten wir auf die Jungs zu und ich nahm Theo etwas verlegen meinen Koffer wieder ab. Sobald sich alle begrüßt hatten, schnappte Daniel sich einen Teil des Gepäcks und wir folgten ihm zu einem Geländewagen, in den wir die Koffer und uns selbst hineinstopften, dann begann eine doch recht lange Autofahrt.
Schon nach kürzester Zeit gab es außerhalb des Wagens nichts spannendes mehr zu sehen und Elliott verwickelte Daniel in ein Gespräch über Australien. Als Daniel ihm gestehen musste, dass es in Australien keine Pinguine gab, wurde mein Sohn zwar kurz traurig, ließ sich aber von der Aussicht trösten, innerhalb der nächsten Wochen Kängurus sehen zu können.
Schließlich erreichten wir unser Ziel und es war an mir, große Augen zu machen. Obwohl Daniel schon oft von seiner Farm erzählt und mir ein paar Fotos gezeigt hatte, übertraf es in der Realität doch alles.
"Home sweet home", verkündete mein Freund grinsend, sprang aus dem Wagen und begann das Gepäck auszuladen.
Ich folgte seinem Beispiel, dann wurde die Tür des rechten Hauses geöffnet und ich sah zum ersten Mal Joe und Grace Ricciardo in echt. Breit strahlend kamen sie uns entgegen und zu meiner Überraschung zog Daniels Mutter mich sofort in eine herzliche Umarmung.
"Harper! Endlich lernen wir uns kennen, wie schön! Du bist sogar noch viel hübscher als auf dem Bildschirm, meine Liebe."
"Danke Grace. Ich freu mich auch, dass wir jetzt hier sind."
"Jetzt lass sie doch erstmal ankommen Darling, bevor du sie erdrückst", mahnte Joe seine Frau neckend und sie streckte ihm kurz die Zunge raus, sobald sie mich aus ihren Armen gelassen hatte.
"Und du musst Elliott sein", sagte sie entzückt und wandte sich meinem Sohn zu, während ich jetzt auch von Joe begrüßt wurde.
Nachdem alle einander umarmt hatten, trugen wir unser Gepäck in das linke Haus, in dem Daniel wohnte. Zuerst bekamen Elliott und Theo ihre Zimmer gezeigt und ich stellte gerührt fest, dass mein Freund sie extra dafür hergerichtet hatte.
Bei meinem Bruder gab es einen Schreibtisch mit Sicht aus dem Fenster, weil Theo gerne morgens schon etwas für die Schule erledigte, bevor der Tag begann, und auf einem anderen Tisch an der Seite stand eine wirklich alt aussehende Modelleisenbahn, die Theos Augen sofort zum Leuchten brachte.
Noch mehr begeisterte mich jedoch das Zimmer für Elliott.
An der Wand hing ein riesiges Pinguin-Poster, seine Bettwäsche war mit Rennwagen-Muster und es gab überraschend viele Spielsachen. Hoffentlich hatte Daniel die nicht extra alle für die knapp drei Wochen gekauft, die wir hier verbringen würden.
Während die Jungs freudig ihre Zimmer bezogen, lotste Daniel mich hoch in den ersten Stock und dort in unser Schlafzimmer.
"Wow."
Mit großen Augen musterte ich den Raum und hatte keinen blassen Schimmer, was ich sagen sollte.
Es war gigantisch groß, eine Seite bestand komplett aus einer hölzernen Schrankwand und die daranstoßende Seite war eine gigantische Glasfront, durch die man einen herrlichen Blick in die hinter dem Haus liegende Wildnis hatte. Auch das Bett war riesig und in einer naturfarbenen Bettwäsche bezogen, die perfekt in den rustikalen Raum passte.
Daniel erschien neben mir und legte lächelnd seinen Arm um mich.
"Na? Gefällt's dir?"
"Es ist wunderschön", antwortete ich und lächelte ebenfalls, dann küsste ich Daniel sanft.
"So wie ich dich kenne, willst du wahrscheinlich direkt auspacken, um das hinter dir zu haben, oder? Soll ich dann Elliott in der Zeit mit seinem Koffer helfen?"
"Das wäre super, danke."
"Alles für meine Eiskönigin", entgegnete Daniel schmunzelnd und drückte mir einen Abschiedskuss auf die Lippen, dann verließ er das Zimmer.
Womit hatte ich ihn bloß verdient?
Diesen Mann, der mir durch die eher kleinen Dinge so sehr zeigte, dass er für mich da war. Indem er Elliott beim Auspacken seines Koffers half oder indem er zu Hause die Wäsche machte oder putzte, um mich zu entlasten.
Nur zu gut erinnerte ich mich an den Anfang der Schwangerschaft, als es mir nicht so gut ging und er sich immer um alles gekümmert hatte. Daran hatte sich nichts geändert, auch nach der Fehlgeburt nicht.
Seufzend schüttelte ich diese Gedanken ab und begann, meinen Koffer auszuräumen und mich im leeren Teil des Schranks auszubreiten. Als ich eine meiner Jacken neben eine von Daniel hängte, fiel aus der Tasche einzusammengefalteter Zettel.
Ich hob ihn auf und wollte ihn zurück in die Jacke meines Freundes stecken, dann erspähte ich durch das Papier hindurch Elliotts Namen. Neugierig entfaltete ich das Blatt und überflog die in Daniels Handschrift geschriebenen Worte, dann wurde mir plötzlich klar, was ich da in der Hand hielt.
Es war eine Liste.
Eine Liste mit positiven und negativen Dingen von Elliott, Theo und mir.
Theos Teil war recht kurz, schließlich kannten er und Daniel sich noch nicht so lange. Aber bei meinem Sohn und mir stand dafür umso mehr.
Harper:
- ABBA (+)
- Umarmungen von hinten (-)
- zu viel kuscheln/zu viel Körperkontakt (-)
- kleine Finger verschränken (+)
- große Menschenmassen (-)
- Rotkehlchen (+)
- Krimis (+)
...
Elliott:
- Pinguine (+)
- Autos (+)
- Farbe grün (-) –> besonders beim Essen!
- Eisenbahnen (+)
- Schiffe (-)
...
Die Listen waren eine ganze DIN A 4-Seite lang und ich konnte nicht anders, als jede einzelne Zeile zu lesen und unwillkürlich zu lächeln. Daniel hatte tatsächlich genau notiert, was wir mochten und nicht mochten, um uns mit den richtigen Dingen eine Freude zu machen und uns vor den falschen Dingen zu bewahren.
Es war nur einer von vielen Beweisen dafür, wie wichtig wir dem Australier waren und ich steckte den Zettel mit einem seligen Lächeln auf den Lippen wieder zurück an seinen Platz, bevor ich mich weiter dem Inhalt meines Koffers widmete, ohne dabei meine Mundwinkel sinken zu lassen.
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Melt My Ice, Sunnyboy (Daniel Ricciardo FF)
FanfictionBerühmt, beliebt und rasend schnell. Daniel Ricciardo gilt in der Formel 1 als herausragender Overtaker und abseits der Rennstrecke als Sonnenschein und Stimmungsaufheller. Zur Saison 2021 wechselt er zu McLaren, doch er findet sich langsamer zurech...
