D A N I E L
Es klingelte.
Ich ignorierte es und blieb im Bett liegen.
Es klingelte erneut.
Genervt stöhnte ich auf.
Es klingelte wieder, dieses Mal energischer und länger.
Gequält seufzend schälte ich mich aus meiner Bettdecke und lief zur Wohnungstür, wobei ich über die Tatsache hinwegsah, dass ich nur eine kurze Jogginghose trug.
Mürrisch öffnete ich die Tür und entdeckte Max, der entsetzt die Augen aufriss, als er mich sah.
"Wow, du siehst ja echt beschissen aus."
Genervt sah ich ihn an.
"Bist du hier, um mich zu beleidigen oder gibt es einen guten Grund?", fragte ich schnippisch während ich mich umdrehte und Max mir ins Innere der Wohnung folgte.
Wie chaotisch es aussah, fiel mir erst jetzt auf, als ich mich zwischen auf dem Boden herumliegenden Klamotten und so einigen leeren Bierflaschen hindurch auf die Couch zubewegte und der Holländer hinter mir her lief.
"Du hast auf keine meiner Nachrichten und Anrufe reagiert, da hab ich mir Sorgen gemacht und bin hergekommen. Und das war wohl das Beste, was ich tun konnte, wenn ich mich hier so umsehe."
Er rümpfte die Nase und kickte eins meiner T-Shirts beiseite, dann sah er wieder zu mir.
"Also Daniel, rede mit mir. Was genau ist letztes Wochenende mit der Eiskönigin passiert?"
Ich seufzte tief und legte den Kopf in den Nacken während ich meine Knie anzog und mich auf der Couch zusammenkauerte.
"Ich hab sie gefragt, ob sie mit mir zusammen sein will und sie hat nein gesagt."
"Oh. Hat sie gesagt wieso nicht? Weil ich hatte eigentlich schon das Gefühl, dass du ihr auch was bedeutest", fragte er vorsichtig und setzte sich neben mich.
"Stimmt. Sie hat auch gespürt, dass da etwas zwischen uns ist und sie wäre vielleicht sogar bereit gewesen es mit einer Beziehung zu versuchen, aber dann hattest du den Unfall und ihr ist klar geworden, wie gefährlich unser Job ist und dass sie es sich selbst und Elliott nicht zumuten kann, mich jetzt in ihr Leben zu lassen und dann vielleicht wieder zu verlieren. Aber sie wollte natürlich auch nicht von mir verlangen das Rennfahren aufzugeben, weil sie weiß wie wichtig mir das ist."
Max schwieg einen Moment lang, dann seufzte er leise.
"Tut mir echt Leid, Dan. Aber wenn es so viele Gründe sind, dann war es wahrscheinlich die richtige Entscheidung."
Fassungslos starrte ich ihn an.
"Willst du mich verarschen?
Die richtige Entscheidung?
Ja, wenn man es rational betrachtet vielleicht, so wie Harper es immer tut. Aber Gefühle sind doch wichtiger als alle objektiven Betrachtungen!
Und dass Harper und ich etwas füreinander empfinden, ist ein Fakt.
Ein Fakt, den sie einfach ignorieren möchte, weil sie den anderen Fakten wie der Gefährlichkeit meines Jobs mehr Beachtung schenkt.
Weil sie so verdammt rational ist.
So verdammt rational."
Meine Stimme brach und ich verstummte, ließ den Kopf auf meine Knie sinken und konnte gerade so verhindern laut zu schreien.
Natürlich verstand ich Harpers Gedankengang und wieso sie sich so entscheiden hatte, aber sie war eben ein Kopfmensch und ich war ein Herzmensch. Dass das früher oder später zu einer solchen Situation führen würde, hätten wir uns beide von Anfang an denken können.
Und jetzt?
Jetzt fühlte sich mein Herz an, als hätte es jemand in tausend kleine Teile zerlegt und mir fehlten Harpers WhatsApp-Nachrichten und die Selfies, die wir morgens immer ausgetauscht hatten.
Mir fehlte der Anblick ihrer Versuche zu lächeln und mir fehlte das Gefühl ihrer Hand in meiner, mir fehlte ihr angenehmer Apfelduft und mir fehlte ihr liebevolles Lächeln, wenn sie Elliott betrachtete, bei dem ihr meistens gar nicht bewusst war, dass sie lächelte.
Seufzend drehte ich meinen Kopf in Max' Richtung, der mich nachdenklich ansah.
"Es tut mir Leid, dass mein Unfall Harper solche Angst gemacht hat", murmelte er und ich nickte schwach.
"War ja keine Absicht. Und es stimmt, das Risiko ist immer da. Aber es ist auch da, wenn wir über die Straße gehen oder wenn wir in ein Flugzeug steigen oder wenn wir den Bus nehmen. Das Leben besteht aus unendlich vielen Risiken, die man nie alle ausschalten kann."
"Wieso hast du das Harper nicht gesagt?", fragte Max mit zusammengekniffenen Augenbrauen und ich zuckte die Schultern.
"Keine Ahnung, ist mir in dem Moment nicht eingefallen. Und wie gesagt, ich kann sie ja verstehen. Sie hat Angst."
"Dass du einen Unfall hast?"
"Dass eine weitere Person, die sie liebt, sie verlässt."
Überrascht sah Max mich an.
"Wie kommst du darauf?"
Ich seufzte leise.
"Sie hat am Samstag Elliotts leiblichen Vater getroffen und zwar zum ersten Mal seit sie damals schwanger wurde. Er arbeitet für einen Mercedes-Sponsor und war deshalb in Silverstone. Sie sind wohl ziemlich aneinander geraten und Harper hatte eine Panikattacke in meinem Driver's Room.
Ich konnte sie irgendwann beruhigen, aber sie wollte nicht über den Auslöser sprechen. Abends hat sie dann vor meiner Zimmertür im Hotel gewartet und mir alles erzählt. Wie sie schwanger wurde und was für Konsequenzen das hatte und wie sie sich deswegen fühlt und einfach... einfach alles.
Max, alle die ihr etwas bedeutet haben, haben sie im Stich gelassen oder sind gestorben. Ich kann es ihr also nicht verdenken, dass sie Angst hat, wieder jemanden zu verlieren."
"Aber hat sie dich jetzt nicht auch verloren?", fragte Max vorsichtig und ich erwiderte seinen Blick unschlüssig.
"Keine Ahnung, vielleicht. Aber ich bin nicht tot und nicht ich habe die Entscheidung getroffen, sondern sie.
Dieses Mal wurde Harper nicht verlassen, sondern hat dem vorgebeugt, indem sie mich verlassen hat."
"Denkst du, es geht ihr damit genauso mies wie dir?"
"Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich schon, aber sie ist Harper. Sie verdrängt diese Gefühle einfach und macht weiter.
Manchmal bin ich beeindruckt davon, dass sie einfach auf emotionslos umschalten kann und manchmal macht es mir Angst."
Verlegen sah Max mich an.
"Wenn du wissen möchtest, wie es ihr geht, könnte ich ihr auch schreiben und mich erkundigen. Oder ich gebe Kelly ihre Nummer, die beiden haben sich bei deinem Geburtstag ja ziemlich gut verstanden."
Ich rang mit mir.
Würde Harper Max oder Kelly überhaupt ehrlich antworten?
Aber gerade mit Kelly konnte sie wahrscheinlich gut über die Angst um Max nach seinem Unfall reden und vielleicht würde ihr das ja helfen.
Also nickte ich.
"Wenn Kelly das machen würde, wäre das wirklich toll. Dann kann Harper von ihr selbst hören, wie es ist, wenn der den man liebt einen Unfall hat. Aber vielleicht noch nicht sofort, Harper braucht sicher auch erstmal ein bisschen Zeit für sich, um nachzudenken.
Wie geht's Kelly eigentlich mit deinem Unfall?"
Max seufzte tief und ich sah, wie seine Miene sich traurig verzog.
"Sie war geschockt und wollte am liebsten nach Silverstone fliegen, aber ich hab ihr gesagt, dass ich sowieso am nächsten Tag zurück nach Monaco komme und sie in England nichts tun kann.
Als ich nach Hause gekommen bin, hat sie geweint und ich sollte ihr alle blauen Flecken und Verletzungen zeigen, damit sie weiß, wo und wann sie besonders vorsichtig sein muss. Aber sie hat schnell gemerkt, dass es mir wirklich schon besser geht und behandelt mich nicht mehr wie ein rohes Ei.
Trotzdem mache ich mir Sorgen, wie es ihr gehen wird, wenn wir nächstes Wochenende in Ungarn fahren. Meine Eltern und Victoria haben sich auch ziemlich erschreckt und sich Sorgen gemacht und sie sind auch etwas nervös wegen des nächsten Rennens, aber so ist das halt. Unfälle können immer passieren und ich hatte wahnsinniges Glück."
"Deine Schutzengel haben echt einen Bärendienst geleistet. In Ungarn solltest du ihnen mal eine Pause gönnen", murmelte ich und grinste leicht und Max nickte ebenfalls grinsend.
"Keine Sorge, das hab ich vor."
Ich hasse es, wenn Daniel traurig ist, deshalb hab ich ihn am Ende nochmal grinsen lassen🥺
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Melt My Ice, Sunnyboy (Daniel Ricciardo FF)
FanfictionBerühmt, beliebt und rasend schnell. Daniel Ricciardo gilt in der Formel 1 als herausragender Overtaker und abseits der Rennstrecke als Sonnenschein und Stimmungsaufheller. Zur Saison 2021 wechselt er zu McLaren, doch er findet sich langsamer zurech...
