new year's eve

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D A N I E L

Es fühlte sich ein wenig so an, als würde man auf einen Lösegeldanruf warten. Als ob ein Damoklesschwert über uns hängen würde, von dem wir wussten, dass es bei Harpers Abreise in etwas mehr als einer Woche auf uns niederschmettern und unsere Beziehung endgültig beenden würde.

Während ich gemeinsam mit Dad, Jeff, Michael, Theo und den Kindern meine Terrasse dekorierte und den Grill aufbaute, half Harper Mum und Michelle in der Küche und allein diese Distanz fühlte sich an wie ein Messer in meiner Brust.

Ich war immer ein Bauchmensch gewesen, was Harper betraf sogar ein Herzmensch. Und ich wusste, dass sie ein Kopfmensch war, was ich ihr eigentlich ein bisschen hatte abtrainieren wollen.
Stattdessen war ich in den letzten Tagen und Wochen selbst zu einem Kopfmenschen geworden und jetzt stand unser Entschluss fest und ich hatte Angst davor, wie schnell unsere gemeinsame Zeit verfliegen würde.

~~~

Am frühen Abend stand ich im Schlafzimmer vor dem Fenster und sah hinaus in die Dämmerung. Zum ersten Mal seit ich denken konnte, freute ich mich nicht auf das nächste Jahr.
Ich wollte, dass es für immer 2021 blieb, dass Harper und ich für immer in einer Dauerschleife der letzten Wochen bleiben konnten. Aber die Realität sah anders aus und wir mussten sie akzeptieren, auch wenn es die schwerste Aufgabe war, die ich jemals zu bewältigen hatte.

Hinter mir erklangen das Geräusch der Zimmertür und dann Schritte und ich drehte mich zu Harper um, die gerade aus dem Badezimmer gekommen sein musste.
Sie trug ein dunkelgrünes, schimmerndes Kleid, das sich perfekt an ihren Körper schmiegte und bis knapp über die Knie reichte. Die Farbe passte hervorragend zu ihren Haaren, welche sie zu einem Dutt hochgesteckt hatte, aus dem ein paar Strähnen herausfielen.
Dank der Absätze war sie etwa so groß wie ich und drehte sich einmal vorsichtig im Kreis, wodurch der offene Rücken des Kleides offenbart wurde.

"Und, kann ich so gehen?", erkundigte sie sich leise und ich nickte mit einem sanften Lächeln auf den Lippen.

"Natürlich. Die siehst wunderschön aus."

Sie blieb stehen und erwiderte mein Lächeln schwach.
"Du siehst auch sehr gut aus."

Ich trug eine kurze schwarze Hose und ein schwarzes Hemd, dessen Ärmel ich hochgekrempelt und die obersten Knöpfe offen gelassen hatte.
"Danke. Gehen wir runter?"

Sie nickte und wir verließen das Schlafzimmer, um zur Terrasse zu gehen. Theo saß bereits auf dem Sofa an der Seite und beobachtete Elliott, Isaac und Isabella beim Spielen. Er schenkte uns ein fröhliches Lächeln zur Begrüßung und wir bemühten uns beide es zu erwidern, dann kamen bereits meine Eltern, Michelle, Jeff und Michael dazu und Dad und ich schmissen den Grill an.

Während ich das Fleisch und Gemüse brutzeln ließ, fiel mein Blick auf Harper, die sich mittlerweile zu den Kindern gesellt hatte und mitspielte. Ein trauriges Lächeln huschte über mein Gesicht, als mir klar wurde, dass ich sie niemals so mit unseren gemeinsamen Kindern spielen sehen würde.

Kurz schüttelte ich ein wenig den Kopf, um diese negativen Gedanken zu vertreiben wie Harper und ich es vereinbart hatten, dann konzentrierte ich mich wieder auf den Grill und auf meinen Vater, der mich in ein Gespräch verwickelte.
Während des Essens schaffte ich es tatsächlich, die Geschehnisse des Vormittags in den Hintergrund zu drängen und zu genießen, dass wir alle gemeinsam hier waren und zusammen feiern konnten, dann wurde es zunehmend später und die Kinder müder.

Michelle brachte zuerst Isabella ins Bett, ein wenig später Isaac und schließlich schenkte Harper ihrem Sohn ein liebevolles Lächeln, der bereits dösend auf ihrem Schoß saß.
Kurzentschlossen stand ich auf und lief zu den beiden.
"Soll ich ihn ins Bett bringen?"

Für einen kurzen Augenblick glaubte ich, Harper würde insistieren und es selbst machen wollen, dann bemerkte sie meinen Blick und das Flehen in meinen Augen. Es würde nicht mehr viele Abende geben, an denen ich den Kleinen ins Bett bringen konnte und ich wollte keine Möglichkeit ungenutzt verstreichen lassen.

Also nickte sie und ich hob Elliott hoch, machte ihn im Badezimmer schnell bettfertig und betrat dann sein Zimmer.
Schon als ich das alles hier zum ersten Mal gesehen hatte, hatte ich davon geträumt hier eines Tages mit mehreren Menschen zu leben, Menschen die ich liebte und die ich als meine Familie betrachtete.
In den letzten eineinhalb Wochen hatte ich einen Vorgeschmack auf das bekommen, was hätte sein können und ich konnte nichts gegen das schmerzhafte Ziehen in meiner Brust tun, als mir klar wurde, dass ich mir kein anderes Kind als Elliott in diesem Zimmer vorstellen konnte.

Leise seufzend lief ich zu seinem Bett und legte ihn hinein, dann deckte ich ihn zu und strich sanft durch die hellbraunen Locken. Er war auf dem Weg vom Badezimmer hierher schon wieder eingeschlafen und ich küsste ihn mit Tränen in den Augen sanft auf die Stirn, bevor ich aufstand und das Zimmer verlassen wollte.

Doch bevor ich das tun konnte, hielt seine verschlafene Stimme mich auf.
"Daniel?"

Überrascht drehte ich mich um und lief zurück.
"Ja?"

"Frohes neues Jahr."

Ein schmerzverzerrtes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht.
"Dir auch ein frohes neues Jahr, Buddy."

Im schwachen Licht, das aus dem Flur hereinschien, konnte ich erkennen, dass seine Mundwinkel ein wenig nach oben wanderten, auch wenn seine Augen weiter geschlossen blieben.

"Ich hab dich lieb."

Überwältigt schloss ich die Augen und atmete tief durch, versuchte mich nicht vollständig von dem melancholischen Schmerz zerreißen zu lassen, der sich in jeden Winkel meines Körpers ausbreitete.

Dann lächelte ich und es war ein echtes Lächeln.
"Ich hab dich auch lieb. Schlaf gut mein Großer."

Ich verließ das Zimmer endgültig und kehrte zurück zur Terrasse, wo ich bereits von Jeff erwartet wurde, der unser Gespräch von vorhin fortsetzen wollte.

~~~

Es war ein schöner Abend und ein gelungener Jahresabschluss und als wir schließlich mit Champagnergläsern in der Hand beieinander standen und den Countdown zu zählen begannen, fiel mein Blick unweigerlich auf Harper, die mir schräg gegenüber zwischen Mum und Michael stand.

Sie erwiderte meinen Blick durchdringend und ich starrte auf ihre Lippen, die sich bei jedem Wort bewegten.
Wie oft hatte ich diese Lippen geküsst,
wie oft hatte ich mich nach diesen Lippen gesehnt während ich unterwegs war,
wie oft hatten mich diese Lippen spüren lassen, dass ich endlich wieder zu Hause war?

Beinahe hätte ich das Ende des Countdowns verpasst, dann erklang um mich herum bereits das beinahe synchrone Frohes neues Jahr!.
Noch immer konnte ich meinen Blick nicht von Harper abwenden, sondern sah sie einfach nur an und musterte jeden Millimeter ihres Gesichts.

Wieder bewegten sich ihre Lippen, dieses Mal jedoch ohne einen Ton von sich zu geben. Trotzdem verstand ich, was sie sagte.
Frohes neues Jahr.
Ich wiederholte ihre Worte stumm und hielt den Blickkontakt weiterhin aufrecht.

Wir wussten beide, dass es kein frohes neues Jahr werden würde. Wir hatten damit gerechnet, auch die nächsten 365 Tage gemeinsam zu verbringen und zusammen glücklich zu werden, aber jetzt stand fest, dass das nicht passieren würde und welchen Grund gab es dann, sich auf das neue Jahr zu freuen?

Wir wurden aus unserem Blickkontakt gerissen, als mein Dad sich zwischen uns stellte, um mit mir anzustoßen und mich zu umarmen und ich erwiderte es. Als ich mich von ihm löste, hatte Harper sich bereits zur Seite gedreht und umarmte gerade ihren Bruder.

Nach dem Anstoßen feierten wir noch eine Weile weiter und tranken auch noch eine ganze Menge, dann waren irgendwann alle ins Bett gegangen und nur Harper und ich blieben zurück.
Schweigend saßen wir auf dem Sofa an der Seite der Terrasse und sahen schräg nach oben in den Sternenhimmel, während sie sich an mich gekuschelt hatte und ich ihr sanft durchs Haar strich.

Keiner von uns sagte ein Wort, aber das war auch gar nicht nötig. Wir genossen einfach schweigend diese gemeinsame Zeit, von der wir wussten, dass sie uns durch die Finger rann wie der Sand in einem Stundenglas.
Das neue Jahr hatte begonnen und damit auch der ungeschriebene Countdown bis zu unserem letzten gemeinsamen Moment in eineinhalb Wochen.

Melt My Ice, Sunnyboy (Daniel Ricciardo FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt