apparently I lost you both

879 68 24
                                        

D A N I E L

"Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Wie kann ich ihr zeigen, dass es okay ist zu leiden? Wütend und traurig und verletzt und enttäuscht und fassungslos und geschockt zu sein?
Sie stößt mich konsequent von sich weg und ich hab einfach nicht mehr die Kraft, um gegen ihre Mauern anzukämpfen.
Mir geht's doch auch dreckig, sieht sie das nicht?"

In Rage geredet raufte ich mir die Haare und schüttelte den Kopf, während Max mich nur planlos ansah.
"Ich weiß es nicht, Dan. Aber das ist halt ihre Art zu trauern, denke ich. Eiskönigin-mäßig."

Ich nickte schwach, dann ließ ich mich neben meinen Freund auf einen der Küchenstühle fallen.
"Ich bin einfach nur so... so müde.
Morgen kommt Harper aus dem Krankenhaus, dann hocken wir hier aufeinander und ich hab schlichtweg keine Kraft mehr, um mich ständig mit ihr zu streiten."

Vorsichtig sah Max mich an.
"Was ist mit dem Rennen am Wochenende?"

Seine Worte entlockten mir ein tiefes Seufzen.
Die Sommerpause war rasend schnell vorbeigegangen und eigentlich musste ich am Mittwoch nach Belgien zum nächsten Grand Prix fliegen. Aber das stand für mich gar nicht zur Debatte, denn ich konnte Harper nicht allein lassen.

Wenn sie morgen aus dem Krankenhaus kam, konnte ich doch nicht einen Tag später einfach abhauen und sie allein lassen. Außerdem würde sie es noch ruhig angehen lassen müssen und Medikamente nehmen und es ruhig angehen zu lassen war nicht gerade Harpers Stärke.

Jemand würde aufpassen müssen, dass sie sich an die Anweisungen des Arztes hielt und das konnte ich weder Elliott, noch würde ich es Lauren aufbürden. Nein, das war meine Aufgabe, schließlich war ich ihr Freund.

Max schien zu merken, was mich umtrieb.
"Du willst nicht mitfahren, oder?"

Unsicher zuckte ich mit den Schultern.
"Wahrscheinlich würde es mir gut tun mich abzulenken, aber wenn Harper aus dem Krankenhaus kommt, muss sich jemand um sie kümmern und wir müssen endlich in Ruhe miteinander reden. Was wäre ich für ein Freund, wenn ich übermorgen ins Flugzeug steigen und wegfliegen würde?"

Nachdenklich presste Max die Lippen aufeinander.
"Na ja, sie nimmt auch nicht gerade Rücksicht auf dich. Ist dir mal aufgefallen, dass es dir nicht nur schlecht geht, weil ihr das Baby verloren habt, sondern auch weil Harper so mit dir umgeht?
Du steckst die ganze Zeit ein und lässt es über dich ergehen, obwohl sie nicht die Einzige ist, die diesen Verlust erlitten hat. Sie verhält sich aber so."

Kopfschüttelnd sah ich Max an.
"Das kannst du so nicht sagen. Sie hatte die Kleine im Bauch, sie hat nicht nur psychische sondern auch physische Schmerzen, das kann man nicht vergleichen."

"Es geht nicht ums Vergleichen, Daniel. Es geht darum, dass man in einer Beziehung zueinander halten sollte, auch in schlechten Zeiten. Du versuchst das mit aller Macht, aber jedes Mal, wenn du eine neue Brücke zu ihr gebaut hast und sie betreten willst, schlägt Harper diese Brücke auf ihrer Seite des Abgrunds ein, sodass du abstürzt.
Und du magst ein talentierter Typ sein, aber fliegen kannst du nicht. Du wirst jedes Mal hart auf den Boden aufschlagen und aufs Neue verletzt werden."

Darauf fiel mir keine Antwort ein.

~~~

"Warte, lass mich dir das abnehmen", sagte ich und nahm Harper ihre Tasche aus der Hand, bevor ich die Haustür aufschloss und wir das Gebäude betraten.

Unser Weg zur Wohnung dauerte eine Ewigkeit, weil meine Freundin nur sehr langsam laufen konnte und die Treppe sie enorm anstrengte, dann erreichten wir endlich unser Ziel und ich schloss auf.
Elliott, der das Geräusch der Wohnungstür gehört hatte, kam sofort aus seinem Zimmer und rannte zu seiner Mutter.

Melt My Ice, Sunnyboy (Daniel Ricciardo FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt