H A R P E R
Nachdem Daniel mir erzählt hatte, dass Theo bereit war, sich mit mir zu treffen und auszusprechen, wurde ich wahnsinnig nervös.
Das ganze Wochenende über machte ich mir Gedanken, wie es wohl laufen würde und was ich sagen sollte und obwohl mein Freund mich zu beruhigen versuchte, konnte ich vor Aufregung kaum schlafen. Die Zeit bis Montag schien unendlich langsam zu vergehen, aber dann war es endlich soweit.
Ich wechselte im Laufe des Vormittags fünf Mal mein Outfit, was Daniel bloß kopfschüttelnd beobachtete, aber mir war es wichtig, dass Theo einen guten Eindruck von mir hatte. Also entschied ich mich letztendlich für eine schlichte, aber elegante Bluse, eine dunkle Jeans und Schuhe mit Absatz. Meine Haare steckte ich mir halbhoch zusammen und trug etwas Make-up auf und wurde gerade fertig, als Daniel an die Tür des Badezimmers klopfte und mich daran erinnerte, dass wir langsam los mussten.
Wenige Minuten später saßen wir im Auto und ich knetete unruhig meine Hände, während der Australier den Weg zu Theos Schule einschlug. Sanft legte er seine Hand auf meine und schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln, bevor er sich wieder auf den Verkehr konzentrierte.
"Das wird schon. Er ist dein Bruder und ich denke ihr seid euch ziemlich ähnlich, das sind gute Voraussetzungen."
Ich schluckte und versuchte zustimmend zu nicken, obwohl ich immer noch nicht ganz überzeugt war.
"Das Problem ist, dass er sieben Jahre lang gedacht hat, ich hätte ihn im Stich gelassen und er hat nicht ganz Unrecht. Sowas verzeiht man nicht so einfach."
Daniel seufzte leise.
"Ich weiß. Aber ich bin trotzdem zuversichtlich. Vielleicht wird er dir noch nicht heute ganz vergeben können, aber wenn er dir eine Chance gibt, dann kann das ja noch werden. Ihr seid schließlich eine Familie."
Ich schnaubte abfällig.
"Du weißt, was ich von Familie durch Blutsverwandtschaft halte: gar nichts.
Familie sind die Menschen, die einen bedingungslos lieben und unterstützen und bei denen man sich zu Hause fühlt. Das sind meine Eltern sicher nicht."
Daraufhin schwieg der Australier und mir wurde zum ersten Mal wirklich bewusst, welch unterschiedliche Bedeutungen Familie für uns beide hatte.
Er war ganz behütet und glücklich mit seinen Eltern und seiner Schwester aufgewachsen und sie hatten heute noch alle eine extrem enges Verhältnis. Normalerweise telefonierte Daniel mindestens einmal die Woche mit allen und stand in engem Kontakt, während ich meine Eltern seit fast acht Jahren nicht gesehen hatte.
Ich besaß nur noch ein einziges Familienfoto mit ihnen und Theo und das lag ein wenig verknickt in irgendeiner Schublade. Ein anderes Foto, das nur mich und meinen Bruder zeigte, hatte ich eingerahmt, um es im Flur aufzuhängen, aber der Vermieter wollte keine Nägel in seinen Wänden und so war der Bilderrahmen in Elliotts Nachttischschublade gelandet, weil dort noch Platz gewesen war.
Wir erreichten Theos Schule und ich warf einen Kontrollblick auf die Uhr, um festzustellen, dass es in wenigen Minuten klingeln würde. Sofort wuchs meine Nervosität noch weiter, obwohl ich das eigentlich nicht mehr für möglich gehalten hatte.
"Wirst du ihm alles erzählen oder einiges auslassen?", fragte Daniel plötzlich in die Stille hinein und ich zuckte erstmal mit den Schultern.
"Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Er hat die Wahrheit verdient, keine Frage. Aber was wird er von mir denken, wenn er erfährt, dass ich mal für Geld mit Männern geschlafen habe oder dass ich jetzt gerade arbeitslos bin? Was wenn er denkt, dass ich nur wegen des Geldes wieder Kontakt zu ihm aufgenommen habe?"
"Dann wirst du ihm sagen, dass das nicht der Grund ist. Die Wahrheit währt immer am längsten und wenn du wirklich wieder Teil seines Lebens werden möchtest, musst du ehrlich zu Theo sein."
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Melt My Ice, Sunnyboy (Daniel Ricciardo FF)
FanfictionBerühmt, beliebt und rasend schnell. Daniel Ricciardo gilt in der Formel 1 als herausragender Overtaker und abseits der Rennstrecke als Sonnenschein und Stimmungsaufheller. Zur Saison 2021 wechselt er zu McLaren, doch er findet sich langsamer zurech...
