D A N I E L
Am nächsten Tag wurde es ein wenig voller auf der Farm, denn mein Trainer und Freund Michael und meine Schwester Michelle, ihr Mann Jeff und ihre Kinder Isaac und Isabella kamen zu Besuch und würden bis nach Silvester bleiben.
Michelle war natürlich schon seit Monaten gespannt darauf, Harper endlich persönlich kennenzulernen und ich war ihrem Mann wirklich dankbar, dass er sie ein klein wenig bremste, bevor sie Harper mit ihrer Begrüßungsumarmung beinahe erdrückt hätte.
Elliott freundete sich innerhalb weniger Minuten mit meinem Neffen und meiner Nichte an und es erfüllte mich mit bittersüßer Freude, die drei gemeinsam spielen zu sehen. Als ich zu Harper schaute, erkannte ich, dass es ihr genauso ging.
Dass Michael hier war, bedeutete auch, dass die Intensität meines Trainings wieder deutlich steigen würde und wir begannen bereits wenige Stunden nach seiner Ankunft mit den ersten Einheiten. Auch am 27. waren wir gemeinsam unterwegs und trainierten, während alle anderen einen gemeinsamen Ausflug machten, um Harper, Elliott und Theo die Umgebung ein wenig zu zeigen, auch wenn es da nicht gerade viel zu sehen gab außer endlose Weite.
Mein Schwager Jeff nahm sich außerdem Theos Skate-Versuchen an, weil er früher selbst ein recht passabler Skaten gewesen war, und an Harpers gerührtem Lächeln konnte ich sehen wie viel es ihr bedeutete, dass jeder einzelne hier ihr und den Jungs das Gefühl geben wollte, dass sie bereits zur Familie gehörten.
Auch ich war darüber sehr froh und begann mir in meinem Kopf bereits die Weihnachtsfeste und Familienfeiern der nächsten Jahrzehnte vorzustellen.
Doch meine Träumereien wurden immer wieder davon überschattet, dass sich mehr und mehr dunkle Wolken in meinem Kopf breit machten, die mir einzureden versuchten, dass das mit Harper und mir auf Dauer nicht funktionieren würde.
Ich musste an all die Momente im letzten halben Jahr denken, in denen ich bei der Arbeit unkonzentriert gewesen war oder Trainings vernachlässigt hatte, um mehr Zeit mit Harper und Elliott zu verbringen. Ich liebte die beiden, keine Frage, aber ich wurde trotzdem zunehmend unsicherer, ob ich bei all dieser Liebe für die beiden manchmal mich selbst zu vergessen begann.
Und gleichzeitig stellte ich immer wieder aufs Neue fest, wie viel Liebe in mein Herz passte, wenn es um Harper und Elliott und mittlerweile auch Theo ging.
Aber was war die Alternative?
Eine Trennung auf Zeit?
Aber auf wie viel Zeit?
Wann würde aus dem „bald" ein „endlich" werden?
Und was, wenn bis dahin irgendetwas Unerwartetes geschah, das alles ändern würde?
Nein, das war definitiv keine Option.
Aber ich musste eine Lösung finden, denn ich wusste, dass ich keine weitere Saison wie die letzte durchstehen konnte, das ließen meine Kräfte schlicht und ergreifend nicht zu und sollte Harper jemals davon erfahren, würde auch sie es nicht zulassen.
H A R P E R
Glücklich beobachtete ich Elliott, der gerade mit Isaac und Isabella spielte. Trotz des Altersunterschieds hatten die drei sich von der ersten Sekunde an super verstanden und ich konnte nichts gegen die kleinen Tagträumereien tun, die in meinem Kopf zu entstehen begannen und in denen Elliott ein großer Bruder war und mit seinem kleinen Geschwisterchen spielte, das meine Augen und Daniels Locken hatte.
Ein leises Räuspern riss mich aus meinen Gedanken und ich sah überrascht nach links, wo Michelle stand und mir dasselbe Lächeln schenkte, wie es auch der Rest ihrer Familie scheinbar auf Knopfdruck präsentieren konnte. Bis eben hatte sie sich noch mit ihrem Vater unterhalten und ich hatte gar nicht mitbekommen, wie sie von ihm zu mir gelaufen war.
"Du hast einen wirklich wundervollen Sohn. Man merkt sofort, was für ein großes Herz er hat", sagte sie schmunzelnd und ich nickte zustimmend.
"Danke. Er ist wirklich etwas ganz besonderes und das Beste, was mir je passiert ist. Abgesehen von deinem Bruder vielleicht."
Meine Worte entlockten Michelle ein leises, zufriedenes Seufzen.
"Es ist so schön zu sehen, wie glücklich ihr miteinander seid und wie gut ihr einander tut."
"Ich denke nicht, dass ich Daniel gut tue. Er tut eigentlich nur mir gut.
Ich weiß nicht, ob er dir davon erzählt hat oder ob eure Eltern es dir vielleicht gesagt haben, aber ich war nicht gerade in der besten Verfassung, als er und ich uns kennengelernt haben.
Ich war eine verbitterte alleinerziehende Mutter mit einem anstrengenden Job und einer Tyrannen-Chefin, die niemandem vertraut und sich sofort zurückgezogen hat, wenn ihr jemand zu nah gekommen ist. Wenn ich nicht in Elliotts Nähe war, habe ich verlernt zu lächeln und glücklich zu sein und ich hab nichtmal wirklich gemerkt, wie schlecht es mir damit eigentlich ging."
"Aber dann hast du Daniel kennengelernt", murmelte Michelle lächelnd und ich nickte.
"Genau. Er hat mich in dieser Bar angesprochen und meinen Drink analysiert, weil der seiner Meinung nach nicht zu mir passte. Anschließend hat er mir einen Old Cuban bestellt, was tatsächlich einer meiner Lieblingsdrinks ist, und hat mir erklärt, warum er den für passender hält. Das war das erste Mal, dass mir jemand das Gefühl gegeben hat, ich sei es wert hinter meine Fassade zu schauen.
Als ich in meinem Leben so unglücklich, einsam und verloren war, hat er mich geliebt. Und auch als ich ein hässlicher Mensch war, hat er eine schöne Seele erkannt. Er hat aus mir eine bessere Frau gemacht, weil er fest daran geglaubt und nach ihr gesucht hast. Dafür werde ich ihm niemals genug danken können.
Also hast du definitiv Recht, wenn du sagst, wie gut er mir tut. Aber ich erkenne beim besten Willen nicht, inwiefern ich ihm ebenfalls gut getan haben soll."
Beinahe belehrend sah Michelle mich an und ein sanftes Lächeln zierte ihre Lippen, während in ihren Augen die Rührung über meine Worte glänzte.
"Oh Harper, es macht dich nur noch liebenswerter, dass du keine Ahnung hast, wie sehr du ihn zum guten beeinflusst.
Mein Bruder war immer ein Kindskopf, ein flatterhaftes Wesen, das mit allem und jedem spielen und Spaß haben wollte. Natürlich hat er seinen Job ernstgenommen und fokussiert gearbeitet, aber er hat auch immer sichergestellt, dass es daneben noch etwas zu lachen gibt.
Wenn es nicht gut lief, dann hat er ein Lächeln aufgesetzt und Witze darüber gemacht und wenn es ihm schlecht ging, hat er sich selbst zu trösten versucht, indem er doppelt so viele Sprüche wie sonst geklopft hat.
Daniel hat Trauer und Ernst aus seinem Leben zu verbannen versucht, weil er nicht gesehen hat, dass man wahre Freude nur dann erfahren kann, wenn man auch die Trauer zulässt. Man muss sie akzeptieren, weil sie genauso zum Leben dazugehört wie jedes andere Gefühl.
Und du hast ihm genau das gezeigt.
Dass es Tiefen geben muss, damit es Höhen geben kann und dass man manchmal fallen muss, um wieder aufzustehen.
Dass man nicht jedes Problem einfach weglächeln kann, sondern dass man es ernst nehmen und damit umgehen muss.
Aber vor allem bist du der beste Beweis dafür, dass nur weil es lange bergab geht und alles verloren scheint, das noch lange nicht heißt, dass es nicht auch wieder heller werden kann."
Sprachlos starrte ich Daniels Schwester an und versuchte ihre Worte zu begreifen und mir jedes einzelne zu merken. Aus dieser Perspektive hatte ich es noch nie betrachtet, aber je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr leuchtete es mir ein.
Ich erinnerte mich daran, wie Daniel mir einmal gesagt hatte, dass meine Ehrlichkeit eines der Dinge war, die er besonders an mir schätzte. Dass ich nur lächelte, wenn ich es auch wirklich so meinte und was für eine willkommene Abwechslung das in einer Welt voller Kameras und Fake-Lächeln war.
In diesem Moment wurde mir bewusst, dass er von dieser Welt eingesogen worden war, bis ich ihn unwissentlich herausgezogen hatte. Er lächelte nicht mehr wie damals, als wir uns kennengelernt hatten.
Mittlerweile lächelte er mit einem melancholischen Glänzen in den Augen, weil ihm in jedem glücklichen Moment aufs Neue bewusst wurde, dass es auch schlechte Zeiten gab und wie dankbar man sein musste, wenn man gerade gute Zeiten durchlebte.
Michelle hatte mich einige Augenblicke lang schweigend angesehen, jetzt kehrte das sanfte Lächeln auf ihre Lippen zurück.
"Ich hab mich lange gefragt, wann mein Bruder die perfekte Frau finden wird und ich war mir nicht sicher, wie genau sie sein sollte. Für eine Weile dachte ich, dass er jemanden braucht, der genauso viel lacht wie er, genauso locker drauf ist wie er und die jeden Spaß mitmacht.
Aber die Wahrheit ist, dass du die perfekte Frau für ihn bist. Seit er dich kennt hat er sich zum Besseren verändert und obwohl ich dich erst gestern persönlich kennengelernt und euch zum ersten Mal so richtig zusammen gesehen habe, weiß ich jetzt schon, dass du der Grund dafür bist. Ich freue mich für dich, dass er so einen positiven Einfluss auf dich hat.
Aber ich bin dir vor allem wahnsinnig dankbar dafür, wie du ihn beeinflusst und zu einem besseren Menschen machst. Und ich wünsche euch beiden, dass ihr das für den Rest eures Lebens füreinander tun werdet."
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Melt My Ice, Sunnyboy (Daniel Ricciardo FF)
Fiksi PenggemarBerühmt, beliebt und rasend schnell. Daniel Ricciardo gilt in der Formel 1 als herausragender Overtaker und abseits der Rennstrecke als Sonnenschein und Stimmungsaufheller. Zur Saison 2021 wechselt er zu McLaren, doch er findet sich langsamer zurech...
