men's day

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D A N I E L

Als ich aufwachte, musste ich mich kurz orientieren bis ich wusste, wo ich war. Mein Blick fiel schräg nach unten, wo Harper lag und noch selig schlief, während mein Laptop wohl irgendwann von meinen Beinen in die Bettmitte gerutscht war.

Ich erinnerte mich daran, dass Harper in meinen Armen eingeschlafen war und ganz offensichtlich war mir kurz darauf dasselbe passiert.
Lächelnd griff ich nach dem Laptop, klappte ihn zu und stellte ihn neben das Bett auf den Boden, dann warf ich einen kurzen Blick auf die Uhr an der Wand. Harper würde mit Sicherheit gleich von selbst aufwachen, denn es war bereits kurz vor neun.

Als hätte ich sie damit geweckt, begann meine Freundin in diesem Moment tatsächlich vorsichtig zu blinzeln, öffnete schließlich die Augen und schaute sich suchend um. Als sie mich entdeckte, lächelte sie schwach und rutschte ein wenig von mir weg, um mich besser ansehen zu können.

"Guten Morgen", sagte ich schmunzelnd und sie nickte leicht.

"Dir auch einen guten Morgen. Wie lange bist du schon wach?"

"Erst ein paar Minuten. Hast du gut geschlafen?"

Sie nickte und kuschelte sich wieder etwas fester an mich.
"Sehr gut sogar. Ich denke es lag am Kissen, das war ganz besonders bequem und hatte starke Arme, in denen ich mich sicher gefühlt habe."

Ihre Worte freuten mich zwar, machten mich aber auch stutzig.
Seit wann redete sie so?
Seit wann suchte sie oft nach engem Körperkontakt und sagte solche romantischen Sachen?
War der Grund dafür nur dieser Trip?
Sagte sie es zu Hause nicht, weil meistens Elliott oder Theo dabei waren?
Oder hatte es eine andere Ursache?

Bevor ich nachfragen konnte, hatte Harper die Uhr entdeckt und war aufgestanden.
"Wow, schon so spät. Ich geh schonmal ins Bad, ja?"

Verwirrt nickte ich, dann war meine Freundin auch schon im Badezimmer verschwunden und ich stand ebenfalls auf, um meinen Kreislauf in Schwung zu bringen und mir schonmal Klamotten für heute rauszusuchen. Als ich das erledigt hatte, kam Harper auch schon aus dem Bad und wir tauschten.

Anschließend gingen wir runter zum Frühstück, machten uns hinterher endgültig fertig und wurden dann von Max und Kelly vor dem Hotel erwartet. Mit einem innigen Kuss verabschiedeten wir uns voneinander, dann trennten sich unsere Wege, weil wir in entgegengesetzte Richtungen liefen.

Schon nach wenigen Schritten sah Max mich fragend von der Seite an.
"Was ist los?"

Ich seufzte leise und zuckte die Schultern.
"Keine Ahnung, es ist wahrscheinlich nichts. Aber seit wir hier sind, ist Harper irgendwie... anders."

"Anders?"

"Ja, ich weiß nicht wie ich es sagen soll. Romantischer, anhänglicher. Sie will ständig kuscheln oder nimmt meine Hand oder sagt total romantische und fast schon kitschige Sachen."

Verwirrt sah Max mich an.
"Ist das nicht eigentlich was Gutes?"

"Bei Harper nicht. So ist sie sonst nicht. Ja klar, wir küssen uns, umarmen uns, halten Händchen, aber nicht auf diese Weise. Normalerweise verschränken wir eher nur unsere kleinen Finger miteinander statt die ganze Hand, umarmen uns nicht ewig lang und sonst kuschelt sie sich auch nicht an mich, wenn wir irgendwie nebeneinander stehen oder sitzen."

Nachdenklich schaute Max wieder nach vorne und wirkte planlos.
"Bei Kelly und mir ist das eigentlich der Normalzustand.
Ohne ihre Hand in meiner würde mir was fehlen, wenn sie neben mir läuft. Und wenn wir zusammen auf dem Sofa oder im Bett liegen, kuscheln wir eigentlich auch immer.
Von daher weiß ich nicht wirklich, was das Problem bei dir und Harper ist."

Ich seufzte tief und zuckte die Schultern.
"Ich weiß es ja auch nicht. Eigentlich ist es toll und ich liebe es, weil es für mich schon auch wichtig ist, sich nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten zu zeigen, dass man sich liebt.
Aber bei Harper ist es gerade, als wäre von einer Sekunde auf die andere ein Schalter umgelegt worden und das macht mir irgendwie Sorgen."

"Dann frag sie doch nachher einfach. Entweder sie macht das bewusst und kann dir erklären warum oder es ist ihr selbst noch nicht aufgefallen und du kannst die Last des Darüber-Nachdenkens auf ihre Schultern übertragen."

Kopfschüttelnd und doch schmunzelnd boxte ich den Niederländer kurz gegen den Arm, dann atmete ich tief durch und wollte gerade fragen, was wir heute vorhatten, als Max plötzlich stehenblieb und mich mit großen Augen ansah:
"Ich hab mal gelesen, dass schwangere Frauen oft anhänglicher sind als Nicht-Schwangere. Könnte Harper wieder schwanger sein?"

Ich schluckte hart, dann schüttelte ich den Kopf.
"Nein, ausgeschlossen."

"Sicher? Beim letzten Mal dachtest du auch, ihr hättet gut genug verhütet", hakte Max nach und ich biss mir unsicher auf die Lippe.

"Wir haben seit der Fehlgeburt noch nicht wieder miteinander geschlafen."

Mit großen Augen sah Max mich an. "Das ist doch schon fast drei Monate her, oder?"

"Zwei Monate und acht Tage. Aber das ist eigentlich gar nichts und inzwischen ist so wahnsinnig viel passiert. Meistens fühlt es sich an als wäre es Jahre her und dann denke ich wieder dran und der Schmerz ist so allumfassend, dass es genauso gut vor einer Woche gewesen sein könnte.
Und manchmal träume ich nachts davon, dass sie immer noch schwanger ist und wir uns über die Einrichtung des Kinderzimmers streiten oder sie mich bittet mit meiner Mum zu sprechen, weil die uns ständig neue Babykleidung schickt, die sie irgendwo entdeckt und für niedlich befunden hat."

Ernst sah Max mich an.
"Sprecht ihr noch darüber? Wie geht's Harper damit?"

"Es ist nicht mehr wirklich Thema, nein. Wir haben getrauert, erst getrennt, dann gemeinsam, ab und zu hat es uns nochmal eingeholt und wir haben uns gegenseitig getröstet, aber wirklich nochmal drüber geredet haben wir nicht. Es würde Wunden aufreißen, die noch dabei sind zu heilen."

Ich spürte, wie meine Hände zu zittern begannen und krallte sie ineinander. Nein, das durfte jetzt nicht schon wieder passieren! Max wusste nichts von dem Zittern, Harper erst recht nicht und dabei musste es auch bleiben. Also atmete ich so unauffällig wie möglich tief durch und schaute dann wieder zu meinem besten Freund.
„Jetzt lass uns über was anderes reden, sonst fange ich wieder an zu heulen und der Tag ist im Eimer."

Zu meiner Erleichterung kam Max dieser Bitte sofort nach und wir verbrachten einen grandiosen Tag miteinander.
Erst gingen wir mit ein paar gemeinsamen Freunden Kart fahren, dann verlegten wir die Action auf Jetskis und beschlossen den Tag mit mehreren Runden Paintball.

Immer wieder erwischte ich mich dabei, wie ich den "alten Zeiten" hinterhertrauerte, als ich noch hier gewohnt und wir sowas viel öfter zusammen gemacht hatten.
Als ich zwischendurch einige Insider nicht kannte, weil sie während meiner Zeit in England entstanden waren, spürte ich ein unangenehmes Ziehen in meiner Magengrube und fragte mich, wie viele es wohl sein würden wenn wir uns das nächste Mal trafen.

So sehr ich diese gemeinsame Zeit auch genoss, sie führte mir deutlich vor Augen, welche Folgen mein Umzug nach England gehabt hatte und weiterhin haben würde.

Melt My Ice, Sunnyboy (Daniel Ricciardo FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt